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Ein Abschied

Symbolgedicht zum Thema Liebe, vergangene


von Hecatus

Trittst du hinaus zum atmen, sonnetrinken,
fliehst du der schmerzen und des alten duft?
Ich seh doch deine schweren lider sinken
in dieser luft.

Trittst du hinaus, es einmal zu vergessen,
das bittersüße weh, die sanfte sucht?
Ich seh doch dich allein die welt durchmessen
nach deiner flucht.

Trittst du hinaus, um einmal sonnentrunken
die freuden dieser leeren welt zu schaun?
Ich seh doch bald verglühn den feuerfunken
und rasch ergraun.

Anmerkung von Hecatus:

28 XI 2017


 
 

Kommentare zu diesem Text


Isaban
Kommentar von Isaban (29.12.2017)
Hallo Hecatus,

meintest du in S1, V2 wirklich die Aufzählung "der schmerzen und des alten duft"? Solches legt nämlich der Satzzusammenhang nahe. Falls du also nicht wirklich den Duft der Schmerzen meintest, müsste es eigentlich "fliehst du die Schmerzen und des alten duft" heißen - wobei sich mir (sorry, das mag bei anderen anders konnotiert sein) bei "des alten duft" irgendwie die Assoziation der letzten Duftäußerungen unseres uralten Bullyrüden einstellt.
Man könnte durchaus sagen, dass du subtil aber gekonnt Weltuntergangsstimmung herbeizauberst.

In S3, V2 erschließt sich mir das Bild des sonnentrunkenen Genusses der Freuden dieser leeren Welt nicht, es sei denn, dass dieser Vers ironisch/sarkastisch gemeint ist. Falls dies nicht der Fall ist, wirkt er eher unfreiwillig komisch. Falls es wirklich der Fall sein sollte, kommt der Sarkasmus im restlichen Text nur sehr, sehr unterschwellig rüber, könnte aber die Unstimmigkeiten erklären..

In S3, V3 müsste das Sehen eigentlich im Imperativ stehen (also "sieh", nicht "seh"). Vielleicht gibt es da auch eine bessere Lösung für das doppelte Dochchen.

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für einen guten Rutsch

Isaban
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Rothenfels meinte dazu am 29.12.2017:
Hallo,

zunächst finde ich es ein sehr gelungenes Gedicht. Mir gefällt die Stimmung, die Hecatus kreiert.

Zu den Anmerkungen von Isaban (yay, du hast es nicht neugeschrieben! - kleiner Seitenhieb am Rande :p)

1. Tatsächlich müsste es nicht nur "fliehst du die schmerzen", sondern auch "und den alten Duft" heißen. "fliehen" verlangt in beidem Fall den Akkusativ, der Genitiv ist eine gestelzte Form, die oft genutzt wird um eine vermeintliche Altertümlichkeit anmuten zu lassen, was aber nur gelingt, wenn früher bestimmte Wörter auch wirklich mit dem Genitiv gebildet wurden. "Fliehen" gehört nicht dazu.

2. Hier möchte ich widersprechen. Hier wirkt es nur dann ironisch, wenn man "leere" negativ konnotiert. Ich finde die Leere der Welt nicht unpassend gewählt.

3. Hier kann ich nur zustimmen. Sowohl Imperativ (nicht Emparativ!) und das doppelte Dochchen (sehr schön! ) sollten überarbeitet werden.

LG,
TvR
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Graeculus antwortete darauf am 29.12.2017:
Ich habe das verstanden als:
"Fliehst du der Schmerzen und des Alten Duft." = "Fliehst du den Duft der Schmerzen und des Alten."
Der Genitiv ist dann korrekt (weshalb ich diese Deutung bevorzuge), und ich unterstelle "das Alte", nicht "der Alte".
Das, was alt ist und schmerzt, das wird geflohen.

(Übrigens kann man hier erkennen, wie hilfreich die Groß- und Kleinschreibung ist bzw. wäre.)
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Isaban schrieb daraufhin am 29.12.2017:
@ Rothenfels:

Zu "des alten duft":

Die fehlende Großschreibung der Substantive ist ein Problem. Ich hätte den Vers so gelesen: des Alten Duft - also der Duft des alten Mannes/Hundes, Genitiv. Daher auch meine Bullyopa- und Weltuntergangsassoziation. Wenn man "den alten Duft" liest, kommt - zumindest bei mir - eher eine Parfüm- oder Erinnerungsassoziation.


Zur "Leere":

Hm, du empfindest also das Bild die sonnentrunkenen Freuden jener leeren Welt als stimmig? Für mich hieße es definitiv entweder oder. Entweder Freude oder Leere . Oder Riddick. Allerdings hat es da ja leeretechnisch ja auch nicht so ganz geklappt. Aber vielleicht ist mir da ja einfach bislang eine Lebenserfahrung entgangen.


LG Sabine

Edit:

@ Graeculus:


Ups, du hast dazwischengefunkt.

Bezüglich der Groß- und Kleinschreibung stimme ich dir vollen Herzens zu.

Beim Duft der Schmerzen fehlt mir anscheinend die passende Synapse. Alle meine Schmerzen waren bislang stechend, bohrend, dumpf, flammend, mörderisch etc., aber kein Schmerz duftete. Ich kenne zwar den Geruch von Krankheit, den Chemieduft der Krankenhäuser, den Pissduft des Altersheimes, Blutgeruch, sogar den Duft der Verwesung, aber Schmerzduft bebildert sich mir einfach nicht – könnte natürlich auch an mir liegen. Ich leg ihn für mich mal eiskalt unter „dichterische Freiheit“ ab.

LG Sabine

Antwort geändert am 29.12.2017 um 15:36 Uhr
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Hecatus äußerte darauf am 29.12.2017:
@Rothenfels: Freut mich, dass du es gelungen findest!

V. 2
Gemeint war es so, wie Graeculus es interpretiert; und, wenn man es nicht als "den alten duft" liest, ist es auch eindeutig, glaube ich.

V. 10
Beim schreiben war ich mir der möglichen unstimmigkeiten mit der "leeren welt" und ihren "freuden" gar nicht bewusst. Im gefühl schien es passend, stimmig und richtig. Deswegen weiß ich nicht, ob ich es verständlich erklären kann: Das lyrische ich hält nicht viel von sonnentrunkenheit und der leeren welt da draußen; "die leere [d.h. hohle] welt" ist also ursprünglich sehr wohl negativ konnotiert – ihre "freuden" allerdings auch, da es in einer hohlen welt für das lyrische ich nur hohle freuden geben kann, mit denen es nichts anfangen kann.

V. 11
Das erste "doch" war ein tippfehler, der inzwischen korrigiert ist. Insofern ist "seh" erste person singular, wie in den strophen zuvor.

Antwort geändert am 29.12.2017 um 15:35 Uhr
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Augustus
Kommentar von Augustus (29.12.2017)
Zum Atmen müsse man nicht zwingend raus. Der Mensch atmet beständig. Die Schmerzen haben einen Duft und das Alte ebenso? Hier wäre ein Vergleich besser gewesen. z.B. [Herz, Schmerzen, Blume, Duft.] So aber ist das Bild unvollständig.
Sonnentrunken - mitlerweile (leider) zu eine poetischen Floskel herabgekommen. Ebenso bittersüße Weh.
Sanfte Sucht. Ein Widerspruch m.E. Sucht treibt, drängt, befiedigt zu werden, dagegen ist die Beruhigung, die Zufriedenheit, das Stillen der Sucht sanft.
Die Freuden dieser leeren Welt zu schaun, ist gleichfalls m.E. eine Unmöglichkeit. In der Leere kann's keine Freuden geben, das lyr. Ich sieht sie trotzdem, was merkwüdig ist, was von eine befüllten Welt die Rede sein muss.
Das Ly. Ich sieht bald den Feuerfunken verglühen, womit auch die Sonne gemeint sein kann.
Hier erkenne ich die einzig gute und zudem - witzige - Pointe, womit der Autor uns Leser überrascht: Denn wir wissen aus der ersten Strophe, dass dem ly. Ich die schweren Lider zufallen, und danach erlischt die Sonne ihm und verglüht, was nur richtig ist. Nur darf er die Augen nicht mehr öffnen!

Ave
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