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Essay zum Thema Literatur


von RainerMScholz

Ein reiner Text stellt die höchsten Anforderungen, ein Text ohne Umschweife, Ausschmückungen und selbstverliebten Detailreichtums; ohne bunte Bilder oder Ton, gar Musik, ist der Text, die Schrift, die höchste intellektuelle Herausforderung für den, der ihn dechiffriert, eine sakrosankte Handlung. Das reine Zeichen kann eine ganze Welt umfassen, oder, falsch gesetzt, gar nichts. Selbst das blanke Nichts, die Leerstelle, die Auslassung, können zwingend eine Bedeutung haben. Lyrik, banal von Lyra, Leier, oder Poesie, wie das Bukolische und Profane in Alben und auf hölzernen Regalen gestapelte und aneinander gereihte, lediglich auf das bloße angenehme Gefühl und den schönen geglückten Ausdruck abzielende Textwerk, besagen hingegen nichts im Sinne eines hohlen Nichts, solange das Zeichen nicht eine universelle Bedeutung zu erlangen vermag zu einer Fortbewegung von sich oder zu sich selbst in Relation zur Welt. Fernöstliche Kalligraphie, um einen Gemeinplatz zu bemühen, ist da vielleicht schon weiter gewesen in der Vergangenheit, oder die Runenschreiber, als das Zeichen als solches magische Bedeutung erreichte und erschuf. Ein reiner Text, ein magisches Zeichen – heute kaum vorstellbar in der bedeutungslosen Flut der Symbole, Alphabete und sinnentleerten Piktogramme, wer wollte es lesen und welche Bedeutung kann es ausdrücken in einer profanisierten Umgebung. Wer sollte die Gottheiten, die großen und kleinen Entitäten, wer sollte das Göttliche ausmachen, das den Zeichen innewohnt. Wer vermag überhaupt noch Zeichen zu lesen.
Ein Zeichen – und die Himmel stürzen ein und die Höllen tun sich auf.



© Rainer M. Scholz


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Kommentare zu diesem Text


TrekanBelluvitsh
Kommentar von TrekanBelluvitsh (23.01.2018)
Ich denke ich stimme mit der direkten Aussage des Textes nicht überein, allerdings mit seiner Metaebene. Schreiben ist Arbeit.
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RainerMScholz meinte dazu am 23.01.2018:
Ein schlauer Einwand. Lesen und Deuten ist vielleicht die schwerere und unerfreulichere Arbeit.
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