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Verstummt

Kurzprosa


von Jemand

Kaltes Wasser spiegelt die Wolken wider. Der Mann wäscht darin seine Hände. Das Wasser wird schnell rot. Rot macht die Wolken trüb. Er muss oft sich erheben von seinen Knien. Die Schüssel mit dem roten Wasser hochheben. Und zum Bach hin. Dort reinigt er dann die Schüssel und füllt sie mit neuem Wasser. Eiskalt, zischt er. Sauberes Wasser ist eiseskalt. Er geht zurück an seinen Platz, kniet nieder. Nimmt seine Hände und legt sie ins Eiskalte. Beginnt zu reiben. Die lederne Haut bildet Widerstand. Beim Reiben spritzt Wasser auf schwarze Erde. Und das Wasser färbt sich abermals rot. Er reibt unentwegt. Es wird röter, immer röter wird’s darin. Im Wasser. Am Himmel. Zwischen den Fingern.

Der Alte wäscht und die Welt wird rot.

Behäbig richtet er sich auf, seine Knie schmerzen vom Gewicht des Alters. Er nimmt die Schüssel und trägt sie zurück zur Quelle. Die Quelle ist nicht weit. Man kann sie von hier hören. Das Plätschern. Das Zischen der Eisplatten im Quellstrom. Es ist wärmer geworden. Das Eis beginnt seine Bewegung heimwärts ins große Wasser. Von dort aus ists ein schneller Weg zum Gletscher. Der Gletscher ist fast so alt wie die Hände des Alten.

Warum bleibe ich nicht hier, faltet er die Worte zwischen Mund und Schnee. Der Schnee um seine Atemluft herum schmilzt. Der Körper des Mannes mag heiß sein. Wohin er ihn auch hin stampft. Er hinterlässt Schwere. Den Weg zwischen seinem Waschplatz am Holzfeuer und dem Bach hat er zu einem Graben gestampft. Ein Dutzend Zentimeter tief hat er Alte den Weg bedrückt. Mit seiner Schwere. Er muss das tun. Seine Hände sollen rein werden.

Jeden Morgen klettern sie die alte Kiefer hoch. Die robusten, ledernen Hände. Nur ein Stück hoch. Aber klettern müssen sie trotzdem. Nur so kann der Alte auf die Lee seines Hauses blicken. Und er muss blicken. Denn dort haben sich Kohlmeisen eingenistet. In den Spalten zwischen dem morschen Holz des Hauses fanden sie Zuflucht vor Wind und Kälte. Eng sind die Spalten. Fast wie Ritze. Kaum ein Blick passt hindurch. Aber der Alte kennt einen Trick. Mit diesem Trick guckt er weit hinein in die Zufluchten der Meisen. Merkt sie sich genau. Und dann steigt er die Kiefer herab.

Die Kiefer gehört zum Wald wie der Mensch zur Stadt gehört. Der Wald ist älter als der Mann. Manchmal sprechen sie miteinander in einer Sprache, die nur der Mann und der Wald verstehen. Niemand sonst spricht so. Das ists, was niemand weiß. Fast unhörbar ist diese Sprache. Alles muss stumm sein, sonst hört man sie nicht. Der Wald ist dem Manne wohlgesinnt. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Beide sind sich also zugetan. Das Mögen dauerte lange, bis es hierher fand. Dauerte länger als man es sich vorstellen kann. Das Universum würde verstehen.

Hat sich der Alte die Ritzen im Haus eingeprägt, steigt er herab von der Kiefer. Die Kiefer steht stramm. Ihre Wurzeln gehen in Habachtstellung vor der Welt. Im Sturm hilft das wenig.

Der Alte geht auf die Ritzen zu. Leise, damit die Kohlmeisen nicht verstehen. Der hebt einen Arm Richtung Ritze. Langsam nähert sich die Hand der Wand. Immer langsamer dreht sich der Uhrzeiger. Sogar der Wind hält seinen Atem an. Alles hält seinen Atem an. Bleibt regungslos stehen und blickt zum alten Mann. Der lässt sich nicht abhalten. „Nimm“, ruft der Wald. Die Hand des Mannes wird weich. Zart wird die Hand, die oben ist. Weich und zart beginnt sie zu schrumpfen. Ganz klein wird sie. Nun könnte sie schon durch die Ritze passen. Da greift der Mann plötzlich mit Hilfe seiner Hand. Die oben ist. Greift nach einer Kohlmeise. Die Meise sagt nichts. Sie liegt einfach so da, in der Hand des Alten. Der Alte nimmt den Vogel und legt ihn sich in den Mund. Der Mund geht zu wie ein Sarg. Dann wird es ganz still. Noch mehr still als vorher. Die Meise wird nie mehr wiederkommen.

Der Alte geht langsam zum Wald. Nun ist sein Schritt leicht. Bald muss er wieder seine Hände waschen. Aber noch nicht. Noch bleibt's verstummt. Der Mann und der Wald. Nur so kann ihr Gespräch sein.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Habakuk
Kommentar von Habakuk (31.01.2018)
Wundersam, mystisch, mythisch, geheimnisvoll, märchenhaft, fantasievoll. Adjektive, die zu deinen Texten passen. Könnte man auch neuromantisch-impressionistisch-symbolistisch nennen. Wie auch immer. Sehr schön.
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Jemand meinte dazu am 01.02.2018:
(Ja, der Alte hat den Weg bedrückt.)

Danke sehr!
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princess
Kommentar von princess (31.01.2018)
Hallo Jemand,

ich komme nicht rein in den Text. Die Worte perlen an mir ab wie Regen an einem Friesennerz.

Liebe Grüße
princess
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Jemand
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Veröffentlicht am 31.01.2018, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 01.02.2018). Dieser Text wurde bereits 182 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 17.10.2018.
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