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Bert Brechts: An die Nachgeborenen, 1939

Erzählung zum Thema Literatur


von Dieter Wal

Gekauft hatte ich mir das Buch von fast 1400 Seiten in Dünndruck "Die Gedichte von Bertolt Brecht in einem Band", Suhrkamp-Verlag im Orwell-Jahr 1984. Selbstverständlich bei Peter Waidhaas, dem Buchhändler, der durch sein Wirken meine Jugend und die einiger guter Freunde maßgeblich prägte. Damals leuchtete der bordeauxrote Einband fast sämtlicher je von Brecht herausgegebener Gedichte wie neu. Die vergangenen 34 Jahre dunkelten ihn erheblich nach: zu herbstlichem Rotbraun.

Bordeauxrot war in unserem Elternhaus streng verboten. Wer auch immer etwas in dieser Farbe trug, es wurde diskret ersetzt, sogar umgefärbt. Meinen Vater erinnerte Bordeauxrot an Blut. Davon hatte er im Zweiten Weltkrieg zu viel gesehen.

Ich war 17. Nach Goethes und Hemingways Gesammelten Werken machte ich mich an Brechts Gedichte. Auf meinem Fahrrad fuhr ich in die sommerliche Vorstadt. Ich wollte nicht ausgerechnet die ersten Gedichte Brechts in unserer wohlmöglich stickigen Wohnung lesen.

Im Gras entdeckte ich "Der Radwechsel" (1953), "Erinnerung an die Marie A." (1920), "Der brennende Baum" (1913) und "Moderne Legende" (1914) für mich. Die erstaunlich große Textmenge auf 1400 Dünndruck-Seiten dokumentierte ungeahnten gedanklichen Reichtum. Dabei begegnete mir eine formale und thematische Vielfalt, deren Einmaligkeit innerhalb der deutschen Lyrik mir erst viel später bewusst wurde. Brechts Sprache wirkt darin trotz des erheblichen zeitlichen Abstandes völlig modern.


An die Nachgeborenen

 Lutz Görners Rezitation machte mir nicht nur die besondere zeitgeschichtliche Bedeutung von Brechts dreiteiligem  "An die Nachgeborenen" klar. Brecht schrieb es um die Vierzig im Dänischen Exil zwischen 1933 und 1938. Erstveröffentlichung am 15. Juni 1939 in "Die neue Weltbühne", Paris. Dort befand sich die gleichsam emigrierte ehemalige deutsche Wochenzeitschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft. Bekannter unter ihrem Titel: "Die Weltbühne".

Sämtliche vier Strophen des zweiten Teiles enden mit:

"So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war."

Ein suggestives Memento mori, Gedenke, dass du sterblich bist! ist dem Ganzen leitmotivisch eingebettet. Ein Rückblick auf ein Leben zwischen zwei Weltkriegen und eine Bilanz wird darin gezogen.

Läuft heute etwas bei mir schief, denke ich: "Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!" Damit beginnt das erste Gedicht.  Es ist durchaus vermessen, so zu denken, wenn etwas ausgerechnet in meinem kulturell eher irrelevanten Leben misslingt. Aber so ist es, lebt man mit Literatur.

"Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren.", steht im ersten Teil ausgerechnet in Klammern. Aber auch mir geht es manchmal genau so. Und verglichen mit Brechts Exil wie unendlich banal sind dagegen meine Ängste.

"In den alten Büchern steht, was weise ist: 
 Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit 
 Ohne Furcht verbringen 
 Auch ohne Gewalt auskommen 
 Böses mit Gutem vergelten 
 Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen 
 Gilt für weise. 
 Alles das kann ich nicht: 
 Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!"

Hat sich daran auch nur etwas geändert? Leben wir schon wieder in finsteren Zeiten?

Der dritte Teil beginnt mit den Worten:

"Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
In der wir untergegangen sind
Gedenkt
Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht
Auch der finsteren Zeit
Der ihr entronnen seid. "

Und er endet:

"Ach, wir 
 Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit 
 Konnten selber nicht freundlich sein. 
 
 Ihr aber, wenn es soweit sein wird 
 Dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist 
 Gedenkt unsrer 
 Mit Nachsicht."

Für mich liegt hier ein mehr als bedeutendes Gedicht Brechts vor. Es geht weit über sogenannte Exilliteratur eines Deutschen im Dritten Reich hinaus, weil es allgemeingültige Aussagen trifft und Menschen auch in vollkommen anderen Nöten aus der Seele zu sprechen vermag.


 
 

Kommentare zu diesem Text


TrekanBelluvitsh
Kommentar von TrekanBelluvitsh (07.02.2018)
Ohne den historischen Hintergrund, kann man das Gedicht wohl kaum verstehen. Die Situation ist Ende der 30er Jahre des 20. Jhd. sicherlich sehr viel bedrückender. Wenn man dann zu dem Gedicht noch ein historisches Sachbuch zur Hand nimmt, kommt einem z.B. das selbstverliebte Gefasel der "besorgten Bürger" in der Bundesrepublik doch gleich noch ein wenig verlogener vor. Das Gefühl von Not ist bestimmt subjektiv. Doch eine Lösung ist sicherlich schwerer, wenn nur wenige Kilometer jenseits der Grenze ein totalitäres Regime "bei der Arbeit" ist, oder eine diffuse Xenophobie die Sinne vernebelt wie eine Dose Hans.A-Pils.

Kommentar geändert am 07.02.2018 um 20:29 Uhr
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Dieter Wal meinte dazu am 07.02.2018:
Danke. Siehe Türkei. Doch, wir leben in finsteren Zeiten.

Lese gerade Fred Wanders: Der siebte Brunnen. Das ist ein Buch, neben dem einem seine eigenen möglicherweise groß erscheinenden Sorgen plötzlich winzig klein vorkommen. Trotz des grauenvollen Themas ist es ungeheuer gut geschrieben.
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Habakuk
Kommentar von Habakuk (07.02.2018)
Kurzweilige und interessante Erzählung. Für eine Anekdote brauche man drei Dinge, eine Pointe, einen Erzähler und Menschlichkeit. Dieser kluge Satz stammt nicht von mir. Die Pointe vermag ich allerdings nicht zu erkennen. Aber egal, wie wir den Text nun klassifizieren. Für mich ist er lesens- und empfehlenswert.
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Dieter Wal antwortete darauf am 07.02.2018:
Danke. Eine wirkliche Anekdote ist es nicht. Ein die Begrifflichkeit verdienender Kommentar auch nur sehr bedingt. Ein Essay erst recht nicht. Für diesen Mix müsste man eine neue Bezeichnung erfinden: "Tendenziell anekdotischer Wischiwaschikommentar" vielleicht?

Ich wollte möglichst kurz erzählen, weshalb mir das Gedicht viel bedeutet und wie ich Brechts Gedichte kennenlernte. Weshalb es mich begleitet, obwohl ich mich glücklicherweise gefühlte Lichtjahre von den dargestellten Zeitumständen entfernt weiß. Brecht urteilt sehr bitter und hart über sich selbst. Die Not, in der er sich befand, wird mir beim Lesen überdeutlich. Und der Anfang und Schluss des dritten Teiles sind wie gemeißelt.

Antwort geändert am 07.02.2018 um 21:58 Uhr
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Habakuk schrieb daraufhin am 07.02.2018:
Schwierig einzuordnen. Für mich ist es eine Kurz-Erzählung im Sinne einer Prosaminiatur, Kurzprosa. Erzählung trifft es m. E. am besten.
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Dieter Wal äußerte darauf am 07.02.2018:
"Kurzprosa" oder "Erzählung" sah Jan als mögliche Kategorien vor. Klickte Erzählung. Danke.
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matwildast
Kommentar von matwildast (07.02.2018)
Es freut mich ausgesprochen, dass Brecht hier einmal Erwähnung findet. Er begleitet mich schon mein ganzes Leben und doch werde ich seiner Gedichte und Lieder niemals müde. Danke hierfür.
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Dieter Wal ergänzte dazu am 07.02.2018:
Danke. Sie "nutzen" sich in keiner Weise durch vielfach wiederholte Lektüre ab. Erstaunlich! Oder?
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matwildast meinte dazu am 07.02.2018:
Stimmt! Man erfreut sich schlicht an ihrer Genialität. Intellekt und Gefühl, Ernst und Ironie treffen bei Brecht genau am richtigen Punkt aufeinander. Dabei ist er immer direkt ohne vulgär zu sein und leichtfüßig ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Er vermag ernsthaftes Mitgefühl zu erzeugen ohne die geringste Spur von Kitsch. Dazu kommt, dass auch seine weibliche Charaktere keine plumpen Projektionen sind. Abgesehen von seinem Talent liegt das wohl daran, dass er viel mit anderen zusammengearbeitet hat. Das hält den Kopf frisch.
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Kommentar von toltten_plag (42) (07.02.2018)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Dieter Wal meinte dazu am 07.02.2018:
Wenigstens du k a n n s t nicht nur rechnen, sondern unternimmst es sogar! Danke. :)
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Bergmann meinte dazu am 14.06.2018:
Gefällt mir sehr.
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Dieter Wal meinte dazu am 14.06.2018:
Danke.
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Aron Manfelds Sonett «Veraschung» 2013.InhaltsverzeichnisDie Moabiter Sonette. Albrecht Haushofers Mücken im Bernstein unter die Lupe genommen. Betrachtung von Haushofers Sonett «Albert Schweitzer».
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Veröffentlicht am 07.02.2018, 15 mal überarbeitet (letzte Änderung am 19.06.2018). Dieser Text wurde bereits 160 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 20.06.2018.
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