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Wahrheit

Gedicht zum Thema Ansichtssache


von Marjolaine

In einem Dorf am Rand der Zeit
gibt es zu jeder Stunde Streit.
Die Menschen dort sind sehr gehässig;
ein jeder will mit Wahrheit glänzen
und nur die eigne Stirn bekränzen.
So grollt und motzt man unablässig.

Ist eine Kuh beinah krepiert
und wurde dann vom Herrn kuriert,
lässt er kein andres Mittel gelten.
Hat einer einen Stein gefunden,
und glaubt, er heile alle Wunden
gibt jeder Zweifel Grund zum Schelten.

Das amüsiert den blinden Alten,
den alle für befremdlich halten.
Er lauscht dem schrillen Wutgeschrei
und kann ein Lächeln nicht verkneifen,
weil diese Menschen nichts begreifen.
Dann stockt die Phrasendrescherei.

Warum er grinse, fragt ein Mann
und ob er Antwort geben kann,
auf jene immer gleiche Frage,
wer nun die Wahrheit wirklich spricht.
„Wer ist im Recht? Wer ist es nicht?
Die Frage plagt uns alle Tage!“

Der Alte meint: „Die Wahrheit kennt,
wer wahrhaft sie beim Namen nennt.
Ein jeder von euch richtet schlecht,
weil ihr im Grunde gar nichts wisst
und euer Blick verschleiert ist!
Und doch: Ein jeder ist im Recht!

Kommt nächste Woche in mein Haus
und sucht euch eure Wahrheit aus!“
Die Dörfler murren laut herum:
„Der Alte spinnt und ist verschroben,
Hat ein paar Maß zu viel gehoben!“
Die Antwort finden sie schlicht dumm.

Die Neugier treibt jedoch voran;
man steht vor seiner Hütte an.
Er führt sie in ein dunkles Zelt
und spricht: „Nun tastet euch heran,
so gut man das hier eben kann.
Ich hoffe, dass der Groschen fällt!“

Die Dorfbewohner fummeln stumm
am unsichtbaren Stück herum.
Sie spüren, was sich spüren lässt,
und jeder hat die Illusion,
die Wahrheit winke ihm als Lohn.
An dieser Weisheit hält man fest.

Nach einer Weile sagt der Alte:
„Bevor ich jetzt  das Licht einschalte,
erzählt mir, was habt ihr gesehen?“
Ein Bursche ruft: „Es ist ein Schwert!“
Ein anderer: „Das ist verkehrt!
Ich sah dort eine Säule stehen!“

„Was ich genau erkundet habe,
ist eine Schlange!“ schreit ein Knabe.
„Ein Fächer wars, das ist ganz klar!“
Schon waren sie, wie stets im Streit.
Der Alte ruft: „Seid ihr bereit?
Ich will euch zeigen, was es war!

Ihr habt, wie immer, alle Recht
und doch ist euer Urteil schlecht!
Die Wahrheit habt ihr zwar benannt,
mit euren Sinnen das erfasst,
was in das eigne Denken passt.
Ihr habt sie nur zum Teil erkannt!“

Die Wahrheit ist – ein Elefant.

Anmerkung von Marjolaine:

Nach der Geschichte "Wahrheit ist unteilbar von R. Kübler" aus dem Buch "Wieviele Farben hat die Sehnsucht.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von niemand (14.02.2018)
Sehr gut verdichtet, mit einer tiefen Aussage,
liebe Marjolaine. LG Irene
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Marjolaine meinte dazu am 14.02.2018:
Vielen Dank, Irene, freut mich sehr.

Liebe Grüße

Marjo
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Bette
Kommentar von Bette (14.02.2018)
Daran dass alle eine andere Wahrheit haben ist doch nichts Falsches, denn eigentlich sind wir alle unterschiedliche Individuen. Nur sollte man seine Eigenart nicht seinem Ego einverleiben und damit hausieren gehen, denn nicht jeder hat das Sendungsschicksal. Heute haben wir doch eher das Problem dass alle in etwa die gleiche Meinung haben und sich deshalb die meisten Menschen selbst nicht mehr verstehen, denn sie schauen nur noch darauf was "in" ist. Vielleicht der Gesellschaftliche Elefant.
Gruß von mir
diesen Kommentar melden
Marjolaine antwortete darauf am 14.02.2018:
Hallo Bette,

dass es falsch sei, eine andere Wahrheit zu haben, steht doch da auch nicht. Es geht darum, dass jeder versucht, seine Wahrheit als die einzige zu verkaufen ohne die verschiedenen Seiten zu erfassen.

Danke und Gruß zurück

Marjo
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eiskimo
Kommentar von eiskimo (14.02.2018)
Sehr schönes Gedicht, es kommt so einfach und verschmitzt daher, dabei passt es wunderbar zu den aktuellen Wortgefechten hier!
Ich hatte übrigens sofort den Elefanten erkannt (grins).
lG
eiskimo
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Marjolaine schrieb daraufhin am 14.02.2018:
Es ist ein ziemlich altes Gedicht von mir, lieber eiskimo. Ich dachte mir heute früh beim Einstellen aber das gleiche wie du, nämlich, dass es nichts an Aktualität verloren hat. ;)

Danke!

LG

Marjo
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princess
Kommentar von princess (14.02.2018)
Liebe Marjo,

eine erhellende Geschichte und inhaltlich ein Dauerbrenner. Es scheint ein zutiefst menschliches Bedürfnis zu sein, die jeweils eigene Wahrheit als wahre Wahrheit anpreisen und gegen andere Wahrheiten verteidigen zu müssen. Und wer ist Schuld an der daraus resultierenden Streiterei?

Na, die anderen. Natürlich.

Mit wird es ewig ein Rätsel bleiben, wie man einen solchen doch recht langen Text scheinbar mühelos in Versmaß und Reime kleiden kann. Du kannst es jedenfalls!

Liebe Grüße
Ira
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Sätzer äußerte darauf am 14.02.2018:
Eigene Wahrheiten sind immer das Resultat subjektiver WahrNEHMUNGEN. Das wird wohl immer so sein.
Gekonnte Verse, die ich gern gesesen habe.
LG Uwe
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niemand ergänzte dazu am 14.02.2018:
@ Princess
Ja, sie kann das und wie! :-)
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niemand meinte dazu am 14.02.2018:
P.S. dieses Gedicht dürfte/sollte man all denen empfehlen,
die hier mit ihrer absoluten Wahrheit hausieren gehen.
Das nur nebenbei. Das hat mehr Inhalt als all diese
verbissenen Spiegelfechtereien die man im Moment hier zu lesen
bekommt.
diese Antwort melden
Marjolaine meinte dazu am 16.02.2018:
Hallo Ira, Uwe und Irene, ich danke euch. Freut mich sehr, dass ich euch ansprechen konnte.

Liebe Grüße

Marjo
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (14.02.2018)
Liebe Marjo,
du hast den Termin für die Einstellung deines Gedichts gut gewählt. Viele, die glauben, eine Wahrheit entdeckt zu haben, benehmen sich wie der Elefant im Porzellanladen.
LG
Ekki
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Marjolaine meinte dazu am 16.02.2018:
Danke, Ekki.

Lieben Grüß

Marjo
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peregrino
Kommentar von peregrino (15.02.2018)
Sehr schön gedichtet. Die Frage ist natürlich: Wer ist in Wirklichkeit der Alte?
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Kommentar von Omnahmashivaya (17.02.2018)
Ein großartiges Meisterwerk und so wahr. Es ist ein Geschichtengedicht. Viel Inhalt in Reimform gebracht. Das gefällt mir sehr gut und auch die Art, wie es geschrieben ist. Das macht Lust auf mehr Texte von dir. lg Sabine
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