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Reisen ohne Elfenbeinballon (2) - In der Opiumhöhle

Lyrischer Prosatext


von autoralexanderschwarz

I

Wir sind noch nicht so weit gekommen,
erst einmal durch die Stadt geschwebt
und auf der Suche nach einem Essvorrat
viel zu sanft in einer Opiumhöhle gelandet.

Wir sind noch nicht mit uns im Reinen,
waren recht schnell uneins über den Weg
und weil die Sterne an diesem Abend keine Hilfe sind,
beschließen wir zu bleiben;
zunächst.

Wir lehnen uns zurück:
hier fühlen wir uns für eine Weile wohl,
hier leuchten überall diese kleinen roten Laternen,
hier ist es für einen Moment noch schön:
hier sind die Kissen noch so weich wie früher.

Wir meiden ganz bewusst die härteren Drogen
( für Zynismus fühlen wir uns noch zu jung)
( mit der Liebe befinden wir uns zurzeit auf Kriegsfuß )
und weil wir gerade weder Brot noch Spiele ertragen,
wollen wir uns wenigstens
ein bisschen
betäuben.

Doch wir wissen:
Es gibt viele Arten zu schweben.
Unsere Hybris aber werden wir hier niemals finden.

So vergraben wir unser Kriegsbeil nur für eine Weile,
markieren den Ort mit einem großen Fragezeichen,
damit wir ihn wiederfinden,
damit wir nicht vergessen,
dann senden wir uns Rauchzeichen zu
und lachen übereinander,
bis es zu spät wird.

II

Erst im Dämmerlicht sehen wir uns die Prosa genauer an,
die hier geschrieben wird:
zwischen all den Kopfleichen suchen wir den tanzenden Drachen,
das Ungetüm mit den leuchtenden Augen, doch von überall her
beäugen uns nur müde Gesichter. Unsere Köpfe blähen sich hier auf.
Ein Unbekannter versucht uns mit einem Chiasmus zu beeindrucken
und wir fühlen uns so allein,
als wir uns in seinen glasigen Augen betrachten,
wir rekurrieren auf Lessings Ekel, um uns der Situation zu entziehen,
wachen auf, erschrecken, müssen aufbrechen,
müssen wieder schweben lernen.
Immer wieder von vorne und um mehrere Ecken:
Wir finden den Weg nach draußen, wo uns die gleichen Sterne wie immer erwarten.
Bald beginnt auch hier ein neuer Tag.


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