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Lyrischer Prosatext


von autoralexanderschwarz

I

Wir stehen im Freien und halten Ausschau, bis wir begreifen:
Wir haben all diese Gefühle viel zu tief inhaliert,
noch immer machen sie uns das Atmen schwer:
wir werden Bröckchen für Bröckchen
davon aushusten müssen.

All das blockiert unsere Literatur,
hält uns am Boden,
wenn wir versuchen
zu schweben,
so wie Kafka, wenn die Türen im Haus schlugen
und der Luftzug
die losen Blätter
auf dem Sekretär durcheinanderwirbelte,
wir fühlen uns so elend wie Schiller in Kutschen,
Besuch können wir gerade nicht ertragen:

- Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,
  So rette das eigene Leben!

Wir schreiben trotzdem, nicht ungeachtet dessen
und fürchten uns vor der nächsten Lungenentzündung.
Wir wollen nicht so wie Bernhard
ersticken.

II

Wir wollten prosaischer werden, gewöhnlicher,
weil wir in unserer Lyrik stets zu verträumt blieben;
in der Epik suchen wir nun den Kampf
Mann gegen Mann:
unsere Worte sind hier Fäuste
und wir tauchen sie in Harz
und Glassplitter,
wir suchen uns einen neuen Feind,
doch nur Wände stellen sich uns in den Weg
und nicht einmal ihnen können wir immer ausweichen:
wir sind zu kurzsichtig geworden,
es fällt uns schwer Dinge zu fokussieren;
erst am 30. Tag glauben wir
ein schwaches Glimmen
am Horizont zu erkennen.

III

Wir schiffen uns ein und da es für uns nichts zu tun gibt,
vergeuden wir unsere Zeit mit Rotwein auf dem Achterdeck.
Wir machen uns Notizen, blicken zwischen den Zeilen hinaus
in die Weiten des Meeres, über dem wir einst schwebten,
doch die Perspektiven haben sich verschoben:
alles hier ist uns zu seicht,
nicht einmal ein Albatros kriecht hier über die Planken,
der letzte Wal wurde wohl schon vor Jahren harpuniert;
nun redet man unter Deck über Frauen und Schleppnetze.
„Sie dürfen nicht zu engmaschig sein“ sagt der Offizier gelegentlich,
„sonst erstickt alles in ihnen.“

Die Tage verstreichen. Wir trinken kalten Grog und prügeln uns mit Leichtmatrosen.
Nachts halten wir stundenlang Ausschau und glauben
uns in die richtige Richtung zu bewegen.
Dazwischen: prosaische Tage,
heftigere Stürme verfehlen uns um Längen,
wir könnten es Blut regnen lassen,
doch abends logieren wir am Kapitänstisch:
da darf man seine Kleider nicht besudeln;

nachts versuchen wir im Kerzenschein zu schweben,
doch die Schwerkraft ist weiterhin zu groß:
ständig stoßen wir 
mit dem Schienbein
gegen irgendwelche
Erinnerungen.

IV

Erst als wir uns dem Hafen nähern, haben wir die Seeluft liebgewonnen,
wir können wieder tiefer atmen, das Salz brennt nicht mehr so stark in den Wunden,
wie befreit strömen die Blutkörperchen durch die Kapillare,
wir nehmen den Mund schon wieder ganz schön voll
und riskieren bei der Landung eine dicke Lippe.

Anmerkung von autoralexanderschwarz:

Der obenstehende Text ist Teil der Textsammlung „Reisen im Elfenbeinballon“, die im Athena-Verlag erschienen ist.  Reisen im Elfenbeinballon



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Dies ist ein Gesang des mehrteiligen Textes Reisen ohne Elfenbeinballon.
Veröffentlicht am 24.02.2018, 4 mal überarbeitet (letzte Änderung am 26.08.2018). Dieser Text wurde bereits 78 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 10.10.2018.
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