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Statt Blumen

Kalendergeschichte zum Thema Abrechnung


von LottaManguetti

Sie hatten sich zusammengeschlossen.
Nicht, um an den Verstorbenen zu erinnern, sondern in Verweigerung. Sobald sie sein Grab berührten, zerfielen sie zu einer weichen braune Masse.
Seine Witwe begriff sofort, warum ausnahmslos keine der Blumen bereit war, dieses Plätzchen Erde zu schmücken. In ihrer Erinnerung betrachtete sie seinen einstigen Garten – eine Graswüste. Nicht eine einzige Blüte wagte es, sich in diese Einöde zu verirren, in der selbst dem Rasen nur ein paar winzige Millimeter Licht vergönnt war. Blüten stören die Ästhetik, sagte er mal, als er auf der schmucklosen Marmorterrasse seinen Abenddrink zu sich nahm. Sie hatte geschwiegen, nur eine Seite in ihrem Buch weitergeblättert.
Ein anderes Mal gingen sie gemeinsam spazieren. Da tobte er einen Feldweg entlang, zertrat wahllos  Blüten vom Löwenzahn, von der Wegwarte und zerrieb sogar die winzigen weißen Sternchen der Vogelmiere unter seinen massigen Schuhsohlen. Banausen! Dreckige Bauern!, schrie er währenddessen und seine Frau verweigerte ihm fortan weitere Ausflüge.
Jetzt war er tot. Sein Grab, nicht mehr als ein nackter Buckel, würden Wind und Regen bald abgetragen haben.
Die Witwe hatte Haus und Garten schon inseriert.
Statt einer Traueranzeige fand sich in der Wochenendausgabe des Stadtboten eine Danksagung.

 
 

Kommentare zu diesem Text


idioma
Kommentar von idioma (13.03.2018)
Welch hochaktueller Text !
Tatsächlich sieht´s an arg arg arg vielen Stellen unsrer Umgebung
so aus als gäb´s solche Leut..........
idi
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Aron Manfeld (48) meinte dazu am 13.03.2018:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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LottaManguetti antwortete darauf am 13.03.2018:
Solche Leutz gibts öfter, als einem lieb ist.
Danke idi :-*
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Lala
Kommentar von Lala (13.03.2018)
Die ganze Zeit frage ich mich schon, ob den das noch juckt? Anders gesagt: Kommt diese Rechnung nicht zu spät?

PS: Eigentlich - weil ich Gartenbarbeit hasse - bin ich auch mehr für betonieren und grün streichen.
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Aron Manfeld (48) schrieb daraufhin am 13.03.2018:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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LottaManguetti äußerte darauf am 13.03.2018:
@ Lala
Meiner Meinung nach und ich denke, die Witwe schließt sich mir dabei an, ist es völlig egal, ob den noch was juckt. Wichtiger scheint mir, dass er vergessen wird, ausradiert ...
;-)
@ Aron
... und dann stellen wir den in 9miles Caféhaus.
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Lala ergänzte dazu am 13.03.2018:
Mag sein Lotta und Du wirst das besser wissen. Wäre ich er, wäre mir das auch egal - wie auch sonst. Der hatte seinen Spaß und wenn er Kinder hatte, dann ist ausradieren auch nicht mehr möglich, Wenn nicht? So bekam er dieses gehässige Epitaph und hat die Chance ein Mem zu werden. Läuft.

Ganz im Ernst: Diese Abrechnung mit LyrDu geht ins Leere.

PS: Wegen 9miles: Wer einen solchen Abgesang erhält und dessen Weib sich nicht schon vorher von ihm trennte (danke Ti), der muss auch Zucker im Arsch gehabt haben.

Antwort geändert am 13.03.2018 um 21:43 Uhr


Antwort geändert am 13.03.2018 um 21:43 Uhr
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TrekanBelluvitsh
Kommentar von TrekanBelluvitsh (13.03.2018)
Christlich-abendländische Leitkultur. Bemessungsmaßstab: Schuhgröße.
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LottaManguetti meinte dazu am 13.03.2018:
Für manche, Trekan. Gut, dass wir anders sind! :-D
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Irma
Kommentar von Irma (13.03.2018)
Er hätte in die Stadt ziehen sollen, mitten in die Betonwüste der Hochhäuser. Da gibt es meist nur die Blume auf dem Bier. ;-) LG Irma
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LottaManguetti meinte dazu am 13.03.2018:
Bier! Ach Mensch, daran hab ich gar nicht gedacht! Das eröffnet ganz neue Horizonte!
Grüßle
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (13.03.2018)
Berührender Text. Man sagt: "de mortuis nihil nisi bene", aber man kann auch das übertreiben.
Liebe Grüße
Ekki
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LottaManguetti meinte dazu am 13.03.2018:
Ich halte nicht viel von Grabreden, Ekki. Da wird so viel gelogen!
Und wozu rührt man am Ende nochmal alles auf? Damit die Trauergemeinde beruhigt loslassen kann? Der Verstorbene war wie er war. Daran ändert das letztliche Schönreden auch nix.
Im obigen Fall war aber selbst das eine unlösbare Aufgabe. :-)

Lotta
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9miles
Kommentar von 9miles (13.03.2018)
Wer zeitlebens die Schönheit ignoriert, der kann nicht erwarten, wenn es ans Ableben geht, in ihrem Glanz zu erstrahlen
- 9
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LottaManguetti meinte dazu am 13.03.2018:
Margeriten, 9er, nicht vergessen! :-p
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9miles meinte dazu am 13.03.2018:
Kann man die auch lesen?
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tileo
Kommentar von tileo (13.03.2018)
Frage mich, warum die beiden wohl verheiratet waren. Immerhin eine Trennung im Guten.
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LottaManguetti meinte dazu am 13.03.2018:
Tja, wer sich noch nie vergriffen hat, der werfe den ersten Stein.
Schöner letzter Satz. :-)

P.S. Vielleicht ist die Witwe ja tiefschwarz?

Antwort geändert am 14.03.2018 um 09:26 Uhr
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (17.03.2018)
Es ist schon erstaunlich, was sich manche Menschen ein Leben lang antun und dabei nicht zum Küchenmesser greifen!
Mit uns beiden wäre es eine ewige Seligkeit geworden, ...oder so :-)))
♥LG♥TT♥
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LottaManguetti meinte dazu am 19.03.2018:
Das nächste Mal, mein Herz ... das nächste Mal. :-)))

:-***
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LottaManguetti
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Veröffentlicht am 13.03.2018, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 13.03.2018). Dieser Text wurde bereits 185 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 22.09.2018.
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