Gute Diplomaten sind selten

Fabel zum Thema Betrachtung

von  EkkehartMittelberg

Der Löwe musste endlich den greisen Fuchs als Ratgeber pensionieren. Doch bevor er ihn entließ, sollte Reineke ihm noch raten, wer sein Nachfolger als persönlicher Referent werden könne. „Ich muss sorgfältig überlegen, Serenissimus“, sagte der Fuchs. „ Es gibt einige Kandidaten, die von vornherein ausscheiden. Den Elefanten lassen wir besser im Porzellanladen, der Affe macht mehr Theater als gut ist, der Aal, Durchlaucht, wird sich zu lange winden. Die Eule würden wir nach Athen tragen, denn Ihr habt selbst Weisheit genug, Erhabener. „Seid kein Frosch, erwiderte der Löwe. „Ihr werdet mir doch noch einen dicken Fisch an Land ziehen.“ Der Fuchs lächelte ergeben: „Ich muss aufpassen wie ein Schießhund, denn schließlich geht es bei dieser Wahl um euer Wohlergehen. Hochwohlgeboren.“ „Nun lasst die Kuh schon fliegen, denn wie ich euch kenne, werdet ihr auf das richtige Pferd setzen“, grinste der Löwe. „Jetzt bin ich auf des Pudels Kern gekommen“, schmunzelte der Fuchs, „ich empfehle euch das Kamel. Es ist klug genug, dass es nicht alles besser weiß, aber wenn guter Rat teuer ist, findet es einen Weg durchs Nadelöhr.“
Anmerkung: 15.03.2018

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Kommentare zu diesem Text


 TrekanBelluvitsh (15.03.18)
Der Löwe verlässt sich zu sehr auf seine Berater, eindeutig.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 15.03.18:
Ja, danke, man kann das so deuten, muss es aber nicht.

 TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 15.03.18:
Na ja, bei einem Blonden (Spielzeug)-Löwen, der sich mit Kamelen umgibt... da musste ich nach Westen über den großen Teich denken...

 EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 16.03.18:
An den Löwen hatte ich nicht gedacht, aber es passt sehr gut.
Nimbus (42)
(15.03.18)
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 EkkehartMittelberg äußerte darauf am 15.03.18:
Grazie, für diesen Kommentar, Heike, der meinem Text gründlich nachgeht. Tiere sind meistens die Handlungsträger in Fabeln. Ich habe versucht, diese Tendenz mit Redensarten über Tiere zu verstärken.
LG
Ekki
Nimbus (42) ergänzte dazu am 16.03.18:
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Sätzer (77)
(15.03.18)
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 EkkehartMittelberg meinte dazu am 15.03.18:
Danke, Uwe, ich habe versucht, mich ein wenig kundig zu machen, um als Erzähler-Ich seine Durchlaucht, den Löwen, gut beraten zu können.
LG
Ekki
Marjanna (68)
(15.03.18)
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 EkkehartMittelberg meinte dazu am 15.03.18:
Merci, Marjo, du hast meine Intention verstanden. Ich wollte im Gewand der Fabel die Redewendungen über Tiere miteinander verknüpfen.
Liebe Grüße
Ekki

 monalisa (15.03.18)
Lieber Ekki,
in dieser jüngsten Fabel aus deiner Feder ist Reinecke Fuchs in die Jahre gekommem 😉. Seine Lebenserfahrung bewahrt ihn aber nicht davor, mit allerlei Redensarten, Zitaten und Klischees um sich zu werfen, die meist oberflächlich sind, stark vereinfachen, selten den genannten Tieren wirklich gerecht werden. Der Elefant etwa, durch Größe und Gewicht naturgemäß behäbig, kann mit seinem Rüssel sehr feinfühlig äußerst präzise Bewegungen ausführen. Das Kamel ist ganz unschuldig daran, dass man es immer wieder durchs Nadelöhr schickt. Diese Redewendung ist schlicht einem Übersetzungsfehler der Bibel geschuldet, das Wort 'gamta' aus dem aramäischen Urtext wurde schlicht mit 'gamla' verwechselt. So wurde aus einem Seil/Tau ein Kamel.
Was kann uns das heute sagen? Vielleicht, man ist nie zu alt, immer wieder in Frage zu stellen, was einem als plausibel und auf der Hand liegend erscheint: Mach dir selbst ein Bild und übernimm nicht leichtfertig, was andere dir servieren.
Der König wäre wohl mit einem Seil 😉 als Berater nicht sehr gut beraten.
Sehr geschickt verwoben und dabei amüsant zu lesen.
Liebe Grüße
mona

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 15.03.18:
Liebe Mona,
merci für deinen wie immer sorgfältigen Kommentar, aus dem ich die mir unbekannte Herkunft der Redewendung vom Kamel, das durchs Nadelöhr geschickt wird, erfuhr. Du hast richtig erkannt, dass die meisten Redewendungen über Tiere oberflächlich sind. Der Fuchs in meiner Fabel bedient sich ihrer, um den klaren Verstand des Löwen zu vernebeln und ihm das Kamel als seinen Nachfolger vorzuschlagen, das an seine Fähigkeiten nicht heranreichen kann. Ich habe mir dabei auch gedacht, dass die Lehren von Fabeln heute nicht mehr moralisierend sein müssen, dass sie einfach unterhalten dürfen.
Liebe Grüße
Ekki
Graeculus (69) meinte dazu am 15.03.18:
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 monalisa meinte dazu am 15.03.18:
Ob es einen Urtext der Evangelien auf Aramäisch gab, kann ich dir leider nicht beantworten,. Ich denke, da streiten sich die Experten, vor allem in den östlichen christlichen Kirchen scheint man davon auszugehen. Bei uns ist die Ansicht, dass die Evangelien ursprünglich in Greichisch verfasst wurden verbreitet. Doch letztendlich ist unerheblich, wer den 'Übersetzungsfehler' begangen hat. Die Evangelisten Matthäus und Markus berichten beide über dieses Gleichnis. Sie machen ihre Aufzeichnungen allerdings erst 80 bis 90 Jahre nach Christus, d.h. es können sich da schon in der mündlichen Überlieferung Fehler eingeschlichen haben. Ich bin in meiner obigen Anmerkung nicht von einer "Aramäischen Urbibel' ausgegangen.

 AZU20 (15.03.18)
Derine Vergleiche aus der Tierwelt sind verdammt nah an der menschlichen Wirklichkeit. Zu nah. LG

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 15.03.18:
Danke, Armin, so geht es uns, glaube ich, oft mit den Vergleichen aus dere Tierwelt, die, oft ungerecht, sich für die Verbreitung von Halbwahrheiten eignen. Manchmal liegt es einem auf der Zunge, jemanden als blöden Hund zu bezeichnen, und dannn fasst man sich im letzten Moment an die eigene Nase.
Gerhard-W. (78)
(15.03.18)
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 EkkehartMittelberg meinte dazu am 15.03.18:
Vielen Dank,Gerhard, ja, die Kombination der Redewendungen beruht auf meiner Fanatasie.
LG
Ekki

 Didi.Costaire (15.03.18)
Das Ende der Fabel überrascht, und dass du den Text morgen geschrieben hast, erst recht.

Nicht ganz so diplomatische, aber liebe Grüße
Dirk

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 15.03.18:
Merci, Didi, ich freue mich, dass das Ende überrascht. Wie du siehst, habe ich mich in die Zeit gefügt.
Liebe Grüße
Ekki

 idioma (15.03.18)
Interessant ist auch der Transfer der Fabel, wenn es dann
um eine greise Löwin und deren Nachfolger/in geht.............
idi

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 15.03.18:
Danke, idi, auch für die wird sich eine persönliche Referentin finden.
Sabira (58)
(15.03.18)
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 EkkehartMittelberg meinte dazu am 15.03.18:
Grazie, Sabira, es scheint so, als würde der Fuchs nach dem Ende seiner Amtszeit mit Hilfe des Kamels den Regenten noch weiter lenken. Das ist wirklich clever.
LG
Ekki

 princess (15.03.18)
Lieber Ekki,

also dieser Fuchs lässt sich ja wirklich erst mal lange die Würmer aus der Nase ziehen. Ich war regelrecht erleichtert, als er am Ende doch noch die Katze aus dem Sack ließ. Wäre sonst aber auch echt ein dicker Hund gewesen!

Liebe Grüße
Ira

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 15.03.18:
Liebe Ira, du hast zu meinem großen Vergnügen die Fabel mit Redewendungen über Tiere fortgesetzt. Du weißt eben, wie der Hase läuft.
Spassibo und liebe Grüße
Ekki

 GastIltis (15.03.18)
Hallo Ekki, eine feine Geschichte. Finde ich. Oberflächlich? Kann ich nicht erkennen. Der Mensch schuf die Tiere in der Fabel nach seinem Bilde. Treffender als du, mit mehr Humor, sich selbst nicht wichtiger nehmend als die handelnden Personen: sprich a) die Tiere und b) die Leser, ist dir vorzüglich gelungen. Meine Hochachtung hast du! LG von Gil.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 15.03.18:
Lieber Gil,
nach deinem anspornenden Lob wird meine "tierische" Fabel vielleicht keine Eintagsfliege bleiben. Ich werde mir Mühe geben.
LG
Ekki

 TassoTuwas (16.03.18)
Da hat der Fuchs die Kuh zwar nicht fliegen lassen, sie stattdessen aber elegant von Eis geholt.
Tierisch gut!
Herzliche Grüße
TT

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 16.03.18:
Merci, Tasso, was mit dem Esel geht, wird auch mit der Kuh zu machen sein.
Herzliche Grüße
Ekki
Hilde (62)
(18.03.18)
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 EkkehartMittelberg meinte dazu am 18.03.18:
Grazie, Hilde, ich freue mich sehr über dein Kompliment. und die Favorisierung. Bei der Niederschrift dieser Fabel habe ich mir besondere Mühe gegeben.
Liebe Grüße zurück
Ekki
Agneta (62)
(27.03.18)
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 EkkehartMittelberg meinte dazu am 27.03.18:
Ich habe mich über dein Kompliment sehr gefreut, Monika.
LG
Ekki

 harzgebirgler (22.06.21)
der fabel schenkt' selbst 'meister nadelöhr'
wenn er denn noch könnte gern gehör.

lg
henning

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 22.06.21:
Merci, Henning,

Wir wissen uns Rat
und nehmen die Absicht für die Tat.

LG
Ekki
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