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Verluste

Gedicht


von Marjanna

Einst schien es mir, als habe jedes Ding,
in dem mein Blick sich neugierig verfing,
Persönlichkeit und Male im Gesicht.
In mancher Nacht vermisste ich ein Licht,
selbst die Gardine schnitt Grimassen,
und wollte mich nicht schlafen lassen.

Sah ich vom Fenster aus die Wolken treiben,
erkannte ich, es würde keine bleiben,
wie ich sie für den Augenblick erhaschte.
Denn schon im nächsten Windzug überraschte
die Schäfchenwolke mich als wildes Tier,
das sein Gesicht verlor. Und über ihr
verzog der Mond sein volles Lachen
zu einem furchteinflößend großen Rachen.

So sah ich meine Welt als Kind.
Und lernte schnell, wie Menschen sind:
Nicht mal ein Windhauch muss passieren,
damit wir das Gesicht verlieren.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Didi.Costaire
Kommentar von Didi.Costaire (21.03.2018)
Prägende Erlebnisse aus der Gedankenwelt eines Kindes, gut beschrieben.
Liebe Grüße, Dirk
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Isaban
Kommentar von Isaban (21.03.2018)
So ist das wohl und sensibel bebildert und gut verdichtet ist es auch.

Liebe Grüße

Sabine
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Marjanna meinte dazu am 23.03.2018:
Danke dir, Sabine.

Liebe Grüße

Marjo
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GastIltis
Kommentar von GastIltis (21.03.2018)
Verluste haben etwas mit verlieren (letzte Zeile) zu tun. Erkennen etwas mit sehen, entdecken, bemerken. Hast du deine kindliche Neugier ganz und gar eingebüßt? Ich glaube nicht. Oder hast du alles nur in die Kindheit zurück transponiert. Ich meine schon. Wir entdecken uns doch jeden Tag neu, überall, in den Zeilen, mit Worten, Gedanken, Erinnerungen. Sehr anregend, dein Gedicht!
LG von Gil.
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Marjanna antwortete darauf am 23.03.2018:
Hallo Gil,

es ist bisher noch niemandem gelungen, das Kind in mir ganz zu verscheuchen. Ergo gibt es immer noch Spieltrieb, Neugier, Freude an kleinen Dingen, z.B. einer glänzenden Kastanie. ;)
Ich freue mich, dass dich das Gedicht anspricht, vielen Dank!

LG

Marjo
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (21.03.2018)
Gelungen, Marjo.. In Europa selten thematisiert. Wir verlieren das Gesicht aus Angst vor dem Gesichtsverlust.
Liebe Grüße
Ekki
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Marjanna schrieb daraufhin am 23.03.2018:
Herzlichen Dank, Ekki. Ich grüße dich!

Marjo
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Marjanna
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Veröffentlicht am 21.03.2018, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 21.03.2018). Dieser Text wurde bereits 165 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 11.01.2019.
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