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Reisen ohne Elfenbeinballon (8) - Im Schatten des großen OrgansInhaltsverzeichnisReisen ohne Elfenbeinballon (10) - Neue Ufer

Reisen ohne Elfenbeinballon (9) - Gemetzel

Lyrischer Prosatext


von autoralexanderschwarz

I

Auf unser Zeichen hin beginnt das Gemetzel,
die Fahnenschwenker geben das finale Signal,
unser Tross setzt sich langsam in Bewegung,
Heerführer brüllen brutale Befehle über das Schlachtfeld,
alles, alles drängt nun nach vorne
und ein erster Pfeilregen geht auf das große Organ hernieder.

Unsere Speere bohren sich fast ohne Widerstand durch den Herzbeutel und
das große Organ zieht sich erschrocken zusammen,
es hat nichts geahnt, es hat nur von besseren Tagen geträumt;
jetzt erst weiß es, dass wir da sind
und dass niemand sich davor werfen wird,
um es mit seinem Leben zu beschützen;

es ist allein und hat uns nichts
außer seiner puren Unschuld und Größe entgegenzusetzen,

niemand eilt mehr herbei, um es zu verteidigen,
niemand rührt mehr auch nur einen Finger.

Die Fahnen weisen dem Heer den Weg,
unsere Formation ist eine um Stahl geballte Faust,
unter wilden Schreien ziehen Zyklopen in Ketten
einen großen rostigen Bohrer durch die Heeresreihen nach vorne,
den wir wie einen riesigen Dolch umklammert halten,
wir sind das Heer, wir sind die Legion, wir sind Zyklopen:
wir atmen nur noch kalte Vergeltung,
wir kennen keine Gnade.

Mit der Kraft, dem Schweiß und der Wut
von Tausenden stoßen wir den Bohrer in das Epikard,
drehen ihn immer tiefer in das unschuldige Fleisch,
bohren und stoßen, bis etwas zerbricht;
wir spüren es in unseren eigenen Körpern:

„Spürst du diesen Schmerz?“, fragt der Steuermann,
ächzend durch die zusammengebissenen Zähnen
und wir werden bleich, als wir mit einer kleinen Erkenntnis antworten:
„so jung“, raunen wir zurück,
„so jung werden wir nie mehr sein;
nie wieder werden wir so heftig bluten.“

Und das große Organ pumpt immer schneller und verzweifelter Blut,
weil es nicht anders kann, weil es nichts Anderes gelernt hat,
wir zittern, bangen, hoffen mit dem großen Organ,
das wir so erbittert bekämpfen,
jede Kontraktion ist ein sinnloser Schrei um Hilfe,
unser Schrei:

wir spüren es so tief in unserer Brust,
es ist unser eigenes Herz,
das wir mit der Kraft der Legionen zerfleischen,
wir bäumen uns auf, keuchen,
drehen den Bohrer dabei immer tiefer,
drehen und bohren bis der Widerstand irgendwann nachlässt
und alles weich und Brei und Blut ist,
dann, endlich, stürzt das große Organ,
fällt, aller stützenden Substanz beraubt,
in sich zusammen
und gleitet traurig-tot-verbraucht
zwischen den zwei Bergen hinunter.

II

Unsicher stapfen wir durch das rohe Fleisch bunter Träume,
waten durch dunkles, dunkles Blut,
wie betäubt suchen wir unsere Hybris in den Trümmern des großen Organs,
doch es fällt uns schwer uns zu orientieren:
Irgendwo hier sind wir so glücklich gewesen.
Irgendwo hier haben wir uns selbst verraten.
Jetzt ist alles nur noch voller Herzblut.
Jetzt sieht alles nur noch gleich aus:
Wir sind allein und übrig geblieben.

Dann, in einem Nest aus Schleim und erkalteter Hoffnung,
finden wir unsere Hybris,
die wir so lange und verzweifelt gesucht haben,
ermattet sinken wir hinunter auf die Knie und
tief inhalieren wir das hohe Leuchten.

III

Wir sind wieder stark, wir atmen das alte Feuer,
wir verbrennen nicht mehr so sinnlos wie zuvor,
wir leben,
noch immer:
unser Blick geht nach oben,
sucht die verbliebenen Adler,
um mit ihnen zu fliegen.
Wir sind frei.

Wir lassen die oberen Erdschichten abtragen,
reinigen diesen Ort mit Feuersbrünsten,
nichts soll jemals an die Leidenschaft erinnern,
die im Schatten dieser beiden Berge verglühte,
wir wollen nur noch vergessen;
unsere Hybris hält uns derweil warm,
ab und zu genehmigen wir uns einen Schluck aus der Flasche,

wir sind wieder wir selbst, wir schauen uns um,
nichts erinnert mehr an früher:
alles was war ist nun Kohle und Asche,
wir brechen auf: vor uns liegen neue Gefilde,
über die das große Organ keinen Schatten mehr wirft,
wir atmen sie wieder, unsere geliebte Hybris,
wir werden einen neuen Elfenbeinballon bauen,
wir werden wieder schweben,
denken wir,
irgendwann.

Anmerkung von autoralexanderschwarz:

Der obenstehende Text ist Teil der Textsammlung „Reisen im Elfenbeinballon“, die im Athena-Verlag erschienen ist.  Reisen im Elfenbeinballon



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Kommentare zu diesem Text


Habakuk
Kommentar von Habakuk (03.04.2018)
Deine Reisen ohne Elfenbeinballon-Texte kommen mir vor wie Walt Whitman bei einem Ballonflug über die Savanne, wie ihn beim Zählen der Grashalme Anwandlungen von parabolischer Dichtkunst befielen. ;-)
diesen Kommentar melden
autoralexanderschwarz meinte dazu am 07.04.2018:
Danke. Ich nehme das mal als Kompliment!
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Kommentar von Falstaff (76) (03.04.2018)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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autoralexanderschwarz antwortete darauf am 07.04.2018:
Ja, es scheint nicht nur so. Der Autor wollte sich mit seinen Bildern austoben (und befreien).
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autoralexanderschwarz
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Dies ist ein Gesang des mehrteiligen Textes Reisen ohne Elfenbeinballon.
Veröffentlicht am 03.04.2018, 12 mal überarbeitet (letzte Änderung am 26.08.2018). Dieser Text wurde bereits 92 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 15.11.2018.
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