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Kurzgeschichte


von Hilde

.
Beginnen die Tage im Juni unter Wolken, sprechen die Vögel anders am Morgen. Verhaltener. Als unterhielten sie sich über die Zeit, in der Schnee lag, und Eis war, vor dem sie tausende Kilometer entfernt in eine andere Heimat fanden.
Immer wechseln sie Heimat. Nie höre ich sie klagen.
Ende Februar, zu den Geburtstagen von Mutter, die frühmorgendlich am Küchentisch saß, und eine Hand vor ihre Augen hielt, um den Stimmen zu lauschen, kehren die ersten zurück zu uns.
Ich setzte mich zu ihr, und ich tat wie sie, bis es lebendig wurde im Haus, Füße tappten, Türen gingen.

Vor einigen Jahren wollte kein Frühling kommen. Noch Ende April zog Eiswind. Nichts wollte grün werden. Die Februarvögel waren auch im April noch nicht zurückgekehrt. Und ich stand am Fenster, und ich ging die Wege, und würde es nie wieder grün werden, und würden sie nie wieder zurückkehren, so würde ich langsam sterben.



.

 
 

Kommentare zu diesem Text


sandfarben
Kommentar von sandfarben (13.06.2018)
Traurigschön!
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Hilde meinte dazu am 14.06.2018:
Wie das Leben.
Danke, Christa!
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (13.06.2018)
Diese lyrische Kurzgeschichte ist durch Lyrismen von der traditionellen Kurzgeschichte weit entfernt. Sie liegt zwischen Lyrik und Erzählung und füllt eine Lücke unter den Textsorten.
Liebe Grüße
Ekki

Kommentar geändert am 13.06.2018 um 16:45 Uhr
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Hilde antwortete darauf am 14.06.2018:
Dass sie eine andere Kurzgeschichte ist, Ekki, das wusste ich.
Aber weshalb genau sie eine andere Art der Kurzgeschichte ist, das weiß ich jetzt durch dich.
Danke dafür!
Liebe Grüße
Hilde
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Kommentar von MichaelBerger (13.06.2018)
Wie ein Haiku in Zeitlupe.
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Hilde schrieb daraufhin am 14.06.2018:
Also als Gegenstück zum Daumenkino zu betrachten, Michael? :-))

Weißt du, wie ich gelacht habe, als ich deinen kommentierenden Blick las? Einfach toll! Danke!
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wa Bash
Kommentar von wa Bash (13.06.2018)
schöne Prosaminiatur, in einem schönen Ausdruck geschrieben...
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Hilde äußerte darauf am 14.06.2018:
Das freut mich, wenn es so bei dir angekommen ist, wa Bash.
Liebe Grüße, und danke fürs Sagen,
Hilde
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Sweet_Intuition
Kommentar von Sweet_Intuition (16.06.2018)
Liebe Hilde!

Ich lese in diesem Text von einer Leere, die schmerzt. Für mich (das ist nur eine Interpretation) wird diese Leere vom Tod der Mutter hervorgerufen.

Sehr traurig, sehr schön.

Einen lieben Gruß, Stefanie
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Hilde ergänzte dazu am 17.06.2018:
Liebe Stefanie,

ich finde es so schön, wenn um ein Gedicht herum die Bilder und Gedanken der Lesenden gelegt werden. Ich danke dir für deine Interpretation sehr!
Es hat diese Begebenheiten mit Mutter und Tochter wirklich gegeben, wodurch der Sinn der Tochter für die Natur noch einmal tiefer geprägt wurde.
Sehr viele Jahre später gab es wirklich diesen im Bild beschriebenen April, ich glaube, es war der April 2012 oder 2013, in dem der Frühling mit seinen Stimmen und Bildern nicht anfangen wollte zu leben. Die Möglichkeit, dass es nie wieder Frühling werden könne, löste diese unendliche Leere aus, diese Angst in der nicht mehr erwachenden Natur des Frühlings langsam zu sterben als ein Teil der Natur. Was sicher mit der Wahrnehmung der sich verändernden Naturgeschehen durch Menscheneinfluss zu tun hat.
Ich nehme an, dass du das vorherige Bild der Intensität zwischen Mutter und Kind gesehen hast, den inzwischen leeren Küchentisch -.das verschwundene Bild - den Tod, der sich im zweiten Absatz weiterspiegelt.
Dieses wäre nun meine Interpretation deiner Interpretation.

Liebe Grüße, und danke!
Hilde
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Sweet_Intuition meinte dazu am 17.06.2018:
Danke, Hilde, für deine nette und sprachlich sehr schöne Antwort.
Da im ersten Teil des Bildes die Mutter und die Beziehung zwischen Mutter und Kind so gut vermittelt wird, im zweiten Teil aber die Leere den Platz der Mutter einnimmt, habe ich den Text so interpretiert...

Einen ganz lieben Gruß, Stefanie
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Hilde
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Veröffentlicht am 13.06.2018, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 13.06.2018). Dieser Text wurde bereits 164 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 14.08.2018.
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