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Zwei - der fünfte TeilInhaltsverzeichnis

Zwei - der sechste und letzte Teil

Erzählung zum Thema Winter


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah:
Ein Fallensteller stapft durch den Schnee. Seine Schneeschuhe sind zerbrochen. Und wenn er nicht in der Kälte erfrieren will, hat er nur noch Kraft und Zeit, eine Falle zu kontrollieren um die benötigte Beute zu bekommen. Schließlich erreicht er diese. Ein Rehbock ist ihm in die Falle gegangen. Eine unerwartet auftauchende Wölfin will ihm die Beute streitig machen. der Fallensteller will das Raubtier mit seinem Gewehr erschießen, doch die Waffe versagt. Ein Patt entsteht, denn der hohe Schnee hindert die Wölfin am Angriff.







Die Wölfin blickte ihn an, mehr fragend denn bedrohlich.
"Ich weiß nicht, was wir machen sollen. Kennst du vielleicht eine Lösung?"
Ein Lächeln zeigte sich auf den Lippen des Fallenstellers. Das alles war grotesk, ein famoser Unsinn. Hier war nur Platz für einen. Die Wildnis war hart zu Verlierern, aber so war es nun einmal. Er war so von seinen Gedanken überzeugt, dass er die leichte Kopfbewegung des Tieres zu dem toten Rehbock hin fast nicht bemerkt hätte. Dann winselte die Wölfin leise.

Der Fallensteller runzelte die Stirn. Einige Eiskristalle schwebten von oben an seinen Augen vorbei zu Boden. Seine, der Kälte schutzlos ausgesetzte Gesichtshaut, begann zu frieren. Er bemerkte es kaum. Bildete er sich das nur ein? Das konnte nur Einbildung sein. Immerhin hatte er es mit einer Wölfin zu tun, einer geistlosen Fressmaschine. Dann wiederholte das Tier die Geste und ging sogar einige Schritte rückwärts. Der Fallensteller zwinkerte mehrmals. Seine Augen trogen ihn nicht. Deutlich sichtbar nickte er zwei Mal mit dem Kopf. Langsam ging er auf die Falle zu. Die  Wölfin rührte sich nicht. Als er über dem Rehbock stand, blickte er die Beute genau an. Und dann hob er das Entermesser. Mit wenigen Hieben zerteilte er das tote Tier in zwei Hälften. Das hintere Ende war ein wenig kleiner. Das war keine Absicht gewesen. Er hatte die Wölfin nicht aus den Augen gelassen und wenig auf seine Hiebe geachtet. Allerdings würde sich das Tier kaum wegen der Übervorteilung beschweren.

Nachdem er getan hatte, was getan werden musste, trat der Fallensteller ein ganzes Stück zurück, brachte genug Abstand zwischen sich und der verteilten Beute in der Falle. Die Wölfin hatte sich die ganze Zeit nicht gerührt und machte auch jetzt keine Anstalten, sich zu bewegen. Wieder nickte der Fallensteller. Erst da lief das Raubtier los. Bei der Falle angekommen, verbiss sie sich – ohne zu Zögern und ohne eine Beschwerde vorzubringen – in den hinteren Teil des Rehbocks, wandet sich ab, lief zum Waldrand und verschwand mit seinem Anteil an der Beute zwischen den Bäumen. Der Fallensteller wartete, bis er keine Geräusche mehr hörte, die nicht in die Winterstille gehörten. Dann ging er zu der Falle, öffnete das Fangeisen, vermummte seinen Kopf erneut gegen die Kälte und schulterte seine Hälfte der Beute. Es war kaum zu glauben. Er hatte gerade einen Vertrag mit einer Wölfin geschlossen. Bevor er die Lichtung verließ, nahm er noch sein Gewehr auf.



Der Weg zurück zu der Hütte war anstrengend. Weniger die Tierhälfte auf seinem Rücken war das Problem. Die Schneeschuhe des Fallenstellers lagen immer noch irgendwo zerbrochen herum, alle beide. Der Schnee war nicht weniger geworden. Ab und zu blickte er zum Himmel. Vielleicht würde es in der Nacht wieder schneien, das konnte man nie wissen. Doch der Tag würde klar bleiben. Das war gut so. Jedes kleine bisschen Schnee erschwerte seine Bewegungen ungemein. Das hätte ihm gerade noch gefehlt. Außerdem spürte er, dass seine Wangen aufgerissen waren. Eigentlich liebte er die Natur, ihr kraftvolles Wesen, ihre zuweilen brutale, doch meistens berechenbare Grausamkeit. Aber für heute hatte er genug vom Winter, sehnte sich nach seiner Hütte. Er würde ein Feuer machen und bestimmt mehr Holz verbrennen, als seine selbst gesetzte Tageszuteilung erlaubte. Das hatte er sich verdient.

Der Fallensteller atmete tief ein und stapfte weiter durch den kniehohen Schnee. Er ertappte sich dabei, dass er an die Wölfin dachte. War es für sie nicht viel schwerer, mit ihrem Teil des toten Tieres an jenen Ort zu kommen, den sie jetzt, im Winter, für eine Art Zuhause hielt? Dabei, sie hatte ein kräftiges Gebiss und vier muskulöse Beine. Sie würde es schaffen, ganz bestimmt.

Als seine Hütte in Sicht kam, lächelte der Fallensteller. Er war bei weitem nicht am Ende, doch all das hatte ihn sehr viel Kraft gekostet. Zum Glück hatte es sich gelohnt. Und das alte Blockhaus vermittelte schon aus der Ferne ein Gefühl von Heimat.

Die Rehbockhälfte brachte er in den Schuppen hinter der Hütte. Mit dem Entermesser schlug er ein großes Stück Fleisch aus dem toten Tier heraus. Das würde er sich über dem Feuer braten. Anschließend verriegelte er den Schuppen sorgfältig. Vor der Tür der Blockhütte klopfte er sich den Schnee aus dem Mantel, bevor er sie öffnete. Auf der Schwelle kam ihm ein Gedanke. Er legte das Stück Fleisch auf den grob gezimmerten Tisch ab und trat dann wieder aus der Tür. Er nahm das Gewehr von der Schulter, spannte den Hahn und hielt den Lauf in die Luft. Dann drückte er ab. Der Schuss zerriss die winterliche Stille.



- ENDE -


"...
We accursed
Turned to stone
We accursed
Shackled to our thrones
We accursed
Bound to each other
Shackled by hatred
Shackled to our thrones"


aus:  "We accursed" von AMORPHIS

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Graeculus (69) (04.07.2018)
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 04.07.2018:
Ein Entermesser heißt ja nur "Messer". Es ist ein kurzer, nur einseitig geschliffener schwerer Säbel. Er galt nie als besonders elegant, war aber besonders schlagkräftig. Wenn du mir eine kleine Übertreibung erlaubst: keine Hieb- und Stichwaffe, sondern in der Tat eine Hackwaffe.

Wird diese Waffe gut in Schuss gehalten und gepflegt, ist nicht schartig und wird von einer geübten Hand geführt, halte ich das nicht für unmöglich. Ein Metzger benötigt wahrscheinlich ja auch weniger Schläge, um ein totes Tier zu zerteilen, als jemand, der nicht gewohnt ist, diese Arbeit zu tun und mit jenen Instrumenten umzugehen.


Hm, ja der Ausgang scheint harmonisch. Aber der Weg dahin? Und die Flinte funktionierte am Ende ja doch...
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Graeculus (69) antwortete darauf am 04.07.2018:
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 05.07.2018:
Bei "Sportwaffen Schneider" kann man für 45.- €  ein Entermesser kaufen. Ich denke zwar nicht, dass du Interesse hast, aber wenn du auf das Bild klickst, bekommst du einen ganz guten Eindruck von einer solchen Waffe (auch wenn Griff und Lederscheide sehr modern sind. Außerdem kommt es mir sogar noch zu lang vor).

Das Entermesser wurde auf Schiffen ab dem 15./16. Jhd. verwendet. Gerade die kurze Schneide war in dem beengten Raum von Vorteil und es war sehr stabil. Säbel oder sogar noch leichtere Waffen wurden von Offizieren oft nur als Zeremonienwaffen getragen, waren sie doch oft kunstvoll gestaltet und damit teuer. So eine Waffe wollte niemand im Kampf zerstören
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Kommentar von Sabira (58) (04.07.2018)
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 04.07.2018:
Es ging in dieser Geschichte tatsächlich um den Augenblick. Und da kriegt man den Menschen wohl hauptsächlich über die Emotionalität - sich selbst, aber auch allem anderen gegenüber. Als Autor hatte ich natürlich den Vorteil, mich wenig den Vorgeschichten der Protagonisten widmen zu müssen. Beim Fallensteller war es nur eine Auflistung dessen, was er zuvor in seinem Leben getan hat und bei der Wölfin waren es nur die Vermutungen, die der Fallensteller über sie anstellt. So konnte ich mich auf den Augenblick konzentrieren.

Ich habe den Ausgang der Konfrontation durchaus nicht aus einer Laune heraus so gestaltet. Aber beim Ende der Geschichte siehst du nicht ein wenig Ambivalenz?
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Sabira (58) ergänzte dazu am 04.07.2018:
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (04.07.2018)
Ist es das Alter, dass uns milder macht, oder die unsensible Welt, die uns ein Happy End nahelegt.
In jedem Fall bin ich deiner bilderreichen Sprache gern gefolgt!

TT
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 04.07.2018:
Die Welt bestand hier nur aus zwei Protagonisten. Schon der dritte Beteiligte - der Rehbock - war tot. Zum Glück, möchte ich sagen, denn eine Einigung unter zwei Beteiligten ist sehr viel einfacher.

Ich weiß, dass dir meine beschreibende Sprache gefällt. Dennoch lese ich es immer wieder gerne. ;)

Hab Dank für jedes kleine Lob. Ich kann es gut gebrauchen.
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (11.07.2018)
Lieber Trekan,
ein literarisch wenig kundiger Leser wird sich fragen, ob in der Wirklichkeit eine Wölfin in einer für die zwei Kontrahenten lebensbedrohenden Situation in der Lage ist, einen Vertrag mit einem Menschen abzuschließen. Die Antwort ist wahrscheinlich "nein". Aber literarische Fiktion darf in solchen Punkten von der Wirklichkeit abweichen und der Erzählung einen märchenhaften, hier passt wohl besser einen utopischen Zug geben.
Deine überaus spannende und am Ende symbolträchtige Erzählung lässt den Spruch "Homo homini lupus" "Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf" in einem ganz anderen Licht erscheinen. Die Tatsache, dass sogar Mensch und Tier einen Vertrag schließen können, nimmt dem Aphorismus das total Bedrohliche, macht aus dem vernichtend Tierischen ein Humanum der Verständigung.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 11.07.2018:
Hallo Ekki,

nein, einen solcher Vertrag ist zwischen Mensch und Wolf wohl kaum möglich. Wobei die stillschweigende Übereinkunft, wenn man Bereiche wohnt, die sich überschneiden, sich aus dem Wege zu gehen, ist wohl schon möglich - bis die Extremsituation kommt. Wie der Winter in der Geschichte.

Mit "märchenhaft" und "utopisch" kann ich leben. Denn die Welt kann sich ja doch irgendwann einmal ändern.

Und wenn mir all das handwerklich gelungen ("überaus spannende und am Ende symbolträchtige Erzählung") ist, bin ich sehr zufrieden, ob deines Urteils. Vielleicht deckt sich nicht immer zu 100% das, was ich zu sagen meine und was der Leser erkennt. Aber wer das nicht akzeptieren kann, sollte die Hände von Fiktionalem lassen.
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Dies ist ein Kapitel des mehrteiligen Textes Zwei.
Veröffentlicht am 04.07.2018, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 04.07.2018). Textlänge: 867 Wörter; dieser Text wurde bereits 162 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.12.2019.
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