Blind

Kurzprosa zum Thema Erinnerung

von  Inlines

Ich habe schon so oft vergessen, was geschehen ist. Ich weiß kaum mehr, wo ich über den gespannten Faden stürzte, dass es einerlei erscheint, irgendetwas davon im Gedächtnis zu behalten. War es noch so wichtig oder fortbestandsentscheidend für mein Leben, so ist es trotzdem längst den braungefärbten Fluß hinunter. Wahrscheinlich kam es schon an Panama vorbei, auf dem Weg in frische Regenwolken. Man kann es nicht festhalten, das zappelnde Kaninchen mit den gesunden Schneidezähnen. Es ist so verformbar, dass es immer durch die Finger kommt. Keine Haarbüschel bleiben zurück, kein Geruch nach Angstschweiß. Es zerfällt in staubkorngroße Einzelteile, wie ein Bild in seine Pixel. Es wird zu Pünktchen, die man auch zwischen Buntwäsche und in den Farbenspielen eines Sommermorgens finden kann. Die auf verschlissenen Schulranzen kleben und in schönen Menschenaugen hängen, ohne dass man ihre Position verändern will. Mit dem schmalen Pinsel stehe ich manchmal da und mische die Wasserfarben. Lange halte ich den Atem an, um die richtigen Stellen zu treffen. Bis mir Bläue in die Lippen steigt, meine Beine nachgeben und ich auf dem mit Klecksen übersähten Kachelboden lande. Von dort ist leicht zu sehen, dass nicht das Original getroffen wurde. Dass etwas schrecklich Falsches daran ist, weil Bilder, die zuvor und auch danach entstanden sind, irgendwie das Ganze anders wirken lassen. Da, wo jetzt die Sonne offensichtlich ist, waren doch die Regenwolken. Und da, wo Menschen sind, da waren doch die Affen, und die wilden Tiere, die sich gegenseitig fressen. "Wie konnte ich das übersehen?", frage ich mich dann. "Was stimmt nicht mit meinen Augen?"

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Kommentare zu diesem Text


 Dieter_Rotmund (11.07.18)
Tu quoque, Inlines?

 Inlines meinte dazu am 12.07.18:
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich das nicht ganz kapiere...

 Dieter_Rotmund antwortete darauf am 12.07.18:
Nun, diu reihst Dich gerade ein in die endlose Liste der kv-ler, die manierierte Metaphernsalate zubereiten, aus schwammigen Bilderwäldern geholt un mit zähem Pathos angereichert.
Das kannst Du besser, wie schon gezeigt!

Bitte wieder mehr ehrliche, geradlinige Prosa. Danke.
Marjanna (68) schrieb daraufhin am 12.07.18:
Diese Antwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Dieter_Rotmund äußerte darauf am 12.07.18:
Achso, sorry. Ist eine Anspielung auf den Cäsar-Mord durch Brutus, heißt übersetzt: "Du auch?"

 Inlines ergänzte dazu am 12.07.18:
@Dieter: Ok, jetzt komm ich mit... Sagen wir mal so: Die Geschmäcker sind verschieden, aber ich mag irgendwie das eine UND das andere, wobei das stark von meiner Laune abhängig ist. Ich gestehe dir aber natürlich deine Meinung zu.

 Dieter_Rotmund meinte dazu am 12.07.18:
Alles klar.
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