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Veronas VelvetInhaltsverzeichnisVeronas Velvet II

Chapter 3

Roman zum Thema Unsterblichkeit


von Nismion

Im Grunde hatte ich es nicht anders erwartet. Der Bezirksstaatsanwalt hatte keine Infos für mich, die mich weiter bringen konnten. Es war enttäuschend, aber im Grunde immer so. Das hatte ich in meiner bisherigen Zeit als Polizist bereits gelernt. Mütter liebten ihre Töchter, Väter ihre Söhne und jeder der Verwandten in einer Familie wertschätze den Nächsten darin. Sie waren eine Einheit, eine Gemeinsamkeit und eine in Jahren zusammen gewachsene Gruppe. Fragte man nach, so kannte Jeder einfach Jeden. Er konnte erzählen, schildern und das Bild mit etlichen Farben pinseln. Ging man in die Tiefe, grub man weiter, genau so, wie es ein Fall verlangte, so tauchte ab und zu das gut gehütete Geheimnis auf. Eben das, was jeder wusste und alle verschwiegen oder ignorierten. Und dann, nur wieder kurze Zeit später, tauchten dann unfreiwillig genau die Informationen auf, die das wohl gezeichnete Bild, nun ja gelinde gesagt, wieder entfärbten. Die Tochter war nicht wie die Mutter erwartet und geschildert hatte. Der Vater hatte eine Liebschaft nebenher und der Zusammenhalt war nur notgedrungen zum Weihnachtsessen zu finden. Nichts blieb wie es schien. Und die Wahrheit, das richtige Bild, zeichnete sich selber erst mit der Zeit anders als zu Anfang eines Falls so leichtfertig präsentiert. Deswegen wusste ich, dass ich die Infos des Vaters über seine Tochter Alex, zwar schön notieren durfte, aber wohl weisslich im Hinterkopf behalten durfte, dass nichts bleiben würde, wie es das wollte. Nachdem ich den Hörer aufgelegt habe, überlege ich noch, ob ich die Mutter ebenfalls befragen soll. Dann schiebe ich es in die Ecke vernünftiger Überlegung und ziehe den Schluss einer anderen Gedankenkette nach vorne. Ich werde in die Universität fahren und die Freunde von Alex befragen, in so weit ich sie dazu bekomme, mit mir zu reden. Vielleicht bekomme ich genau dort die erste Spur, die ich brauche, um an die Geheimnisse zu kommen, die mehr Wahrheit als erste Spur mir zeigen wird. Es bleibt zu hoffen, dass ich mehr finde, als das schöne Gemälde des Vaters einer braven, anständigen Tochter, die nie Fehler beging und ebenso wenig keine Laster hatte. Und so sitze ich kurze Zeit später wieder in meinem schwarzen Mustang und lasse ihn sanft schnurrend durch den Verkehr gleiten. Es ist Vormittags, zur frühen Stunde noch. Die Meisten sind auf der Arbeit, die Gleitzeit Untertanen gerade auf dem Weg. Die Sonne oben über den Dächern reckt hell erleuchtet, aber ebenso auch nur müde im Anbruch des noch frischen Tages, ihre Strahlen über die Flüsse dieser Stadt. Die kein Zentrum in dem Sinne besitzt, aber viele eigene Ausläufe konzentrierter Anläufe für einen jeden Zweck, ein jedes Ziel sein Eigenes. Sei es der Konsum, die Muße der Freizeit am wirklichen Fluss mit eigener Promenade oder eben die Fort- als auch Weiterbildung der nächsten Generationen, die irgendwann das Werk dieser Gegenwart, nun einfach immer besser machen
sollen. So gleicht die Entwicklung der Zeit, die sich im Zeiger der Uhr weiter bewegt, ebenso der Treppe an Evolution, die nicht im Kreise, sondern einer Treppe gleich, sich einem noch unbekanntem Ziel annähert. Durch Wissen, durch Fortschritt, durch Technik und ab und an viel öfter noch durch den Zufall und sein Missgeschick, das so eine neue Variation ergibt. Niemand hier, denkt jetzt gerade über so etwas nach. Vielleicht in den Räumen der Biologie, der Psychologie oder auch der Religion, die die eigene Ethik in Frage stellt. Ich habe meinen Wagen im Parkhaus abgestellt, dem Pförtner meine Marke vor das Gesicht gehalten und bin bereits auf dem Weg in das hohe Gebäude. Es gibt hier drei Zentren, die sich nicht mit Zufälligkeit in die Höhe strecken. Unzählige Fenster hinter die noch frischen Erwachsenen sich den zwangsweisen Studien hingeben. Ebenso übergebe ich dem Zufall das Lenkrad und wähle das mittlere Gebäude in dessen Eingang ich mich zwänge. Ich folge dem toten Gang an hohlen Tönen. Noch ist es die Stille, die sich hier breit macht. Nur Tür für Tür erhasche ich das Geräusch dahinter. Das Kratzen von Stiften auf Papier, der eifrige Vortrag eines fleißigen Studenten oder die mahnende Stimme, die die Klasse zur Fleissheit antreibt. Hinter jedem dieser Türen herrscht eine eigene Wirklichkeit, die zwar dem Moment dient, aber mit Wissen und gerade der Studie, nur auf die Zukunft zielt. Im Grunde ist dies irrelevant und dennoch muss ich meine Gedanken mit Dingen füllen, so wie sich in dem leeren Gang die Stille breit macht. Denn Leere gleicht eher einem Vakuum, einem schwarzen Loch, das zwar ist und dennoch im Grunde nur frisst. Ein Teil der Gegenwart, die Sekunde und dann auch den Anfang der neuen Zukunft malt. Es dauert nur Minuten bis ich mich an der schnöden weißen Tür wieder finde mit der Aufschrift Sekretariat zur rechten Seite. Ich klopfe kurz und werde dann von einer barschen Stimme herein gerufen. Ich kann den Impuls nur schwer unterdrücken mich emsig zu beeilen durch den Eingang zu schlüpfen und mich stramm zum Pult hier hin zu stellen. Und wirklich, der Blick der Sekretärin trifft mich argwöhnisch und versucht mit strafender Miene ein schlechtes Gewissen zu produzieren, das so nicht zu sein hat. Mit Sicherheit hat sie ihre Studenten oder Missetäter, die sich hier sammeln und einzufinden haben. Aber ich? Missetäter? Eher Schauspieler einer verdeckten Wirklichkeit, aber kein Übeltäter, der sich zu

rechtfertigen hat. Ich ordne meine Gedankengänge, sperre den Wust an Kreativität wieder ein, der mir gerade bei meinen Ermittlungen am Tage sehr dienlich ist. Ich ziehe die Marke unter der Jacke hervor, zeige sie der Sekretärin und sofort ändert sich das Muster der Autorität. Ihre Züge verspannen sich, sie blickt kurz runter, fährt die Maske an aufgesetzter Freundlichkeit hoch und fragt: „Was kann ich für sie tun?“ „Es geht um Alexandra Reuber. Ich bin in ihrem Fall beauftragt worden. Ich bräuchte
ihre Akte, sofern vorhanden, so wie ihren Studienplan. Und wenn sie auch sonst irgendwelche Infos hätten, so würde mir das sicherlich helfen.“ Sofort dreht sie sich weg, geht zu dem Regal ganz hinten im Raum und durchwühlt den Stapel an Papieren. Es dauert wieder einmal ein paar Minuten, bis sie gefunden hat, was sie für mich hat. Sofort kommt sie mit einer Ordnereinlage voll an weißen Blättern zu mir herüber und legt sie sorgfältig vor mich hin. Ich schlage es auf, blende die Umgebung aus und scanne im Sekundentakt die vor mir liegenden Infos. Die Ausbeute ist etwas vage. Bis auf den Plan ihrer Studienzeiten und Räume, finde ich nicht viel. Das Einzige, was mir ins Auge springt, sind etliche Krankschreibungen, des immer gleichen Arztes. Ich zeige sie der Sekretärin. Sie blickt mich nur fragend an. „Wissen Sie etwas darüber? Hat sie irgendeine chronische Krankheit, gab es irgendwelche Auffälligkeiten?“ Natürlich blickt sie mich nur weiter unwissend an und verneint dann jegliches Wissen. Mir war klar, dass sie keine Infos als die reinen Unterlagen für mich haben würde. Aber einen Versuch war es wert. So verlasse ich das Sekretariat und widme mich wieder den Gängen und freue mich mit sarkastischem Unterton auf die Befragung etlicher Studenten und auch Lehrer. Viel Graben, ungemütliche Fragen und das altbewährte Lesen in der Miene.

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