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Veronas Velvet IIInhaltsverzeichnisVeronas Velvet III

Chapter 4

Roman zum Thema Unsterblichkeit


von Nismion

Mit wie vielen Studenten ich gesprochen hatte, konnte ich im Nachhinein nicht mehr fest stellen. Unendliche Momente an aufgestauten Emotionen. Spielende Hände, die Nachrichten in Smartphones tippten. Der nervige Bestätigungs- als auch Nachrichteneingangston, der die gelangweilte Miene der Jugendlichen begleitete, die meinen Worten lauschten und nur ab und an ein Grunzen folgen ließen. Sie interessierten sich nicht für das Verschwinden einer ihrer Mitstudentinnen. Warum auch? Jeder hier machte mal blau, ließ sich den Unterrichtsstoff abtippen oder lud ihn sich aus dem Netz. Ein paar Tage lang, verschwand jeder Student/jede Studentin einmal. Nur ging es ihnen da sicher nicht schlecht, sondern eher genossen sie den Spaß mit Alkohol am See, das verbotene Kiffen oder was auch sonst eben einfach gegen jede Norm schoss. Denn nur so lebte ein Jungspund seine Widerspenstigkeit aus. Eben gerade gegen alles. Auch das war nur so irrelevant und dennoch ein Muster, das sich hier in Einzelteilen vor mir abspielte. Es war etwas schwer, bei diesem Desinteresse überhaupt irgendwelche Infos zu bekommen. Und doch, Satz für Satz, Phrase um Phrase, im Beilauf nur, da konnte ich mir das Puzzle einer Wirklichkeit zusammen setzen. Auch wenn es nur ein Teil der Vergangenheit war. So erfuhr ich etwas über Alexandras Asthma und ihren Freund Mark, mit dem sie herum hing. Auf jeden Fall eine dicke Spur, die ich verfolgen musste und wollte. Ansonsten erfuhr ich Etwas und auch Einiges über ihr Liebesleben. Freunde hier, Partnerschaften da und ab und an der oft geübte One-Night Stand. Das gehörte zu den Geschichten, wo die Langeweile dann wieder verschwand und mit einem Mal das Feuer der Aufregung in die Augen des Jugendlichen schickte, der mit überschäumenden Mund Abenteuer und Abenteuer schilderte. Was war interessanter als die Bettgeschichten und Laster einer Mitstudentin, Mitkonkurrentin im Tanz der Geschlechter (wenn auch noch im Jugendalter)? So mache ich mich nur Stunden später wieder auf den Weg. Wieder durch den Verkehr, diesmal etwas stockender, und schiebe mich durch die Flüsse der Stadt zu meinem nächsten Ziel. Vor einem Einfamilienhaus parke ich dann in der breiten Einfahrt, mit gerade geschnittener Hecke und dem ordentlich bepflanztem Beet. Ich ließ die Tür des Mustangs zuknallen und überwinde die kurze Entfernung zum Hauseingang. Scheppernd, sirrend und metallisch leicht, erklingt die Türklingel. Dann schlurfende Schritte zur Haustür und eine argwöhnische Miene begrüßt mich mit einem verstimmten „Ja“. Ich ziehe meine Marke und halte sie vor das Gesicht der Mutter. „Ich hätte ein paar Fragen an Sie, wenn sie so freundlich wären.“ Sie inspiziert die Marke, greift schon fast mit triefendem Argwohn danach. Sekunden später scheint sie beruhigt und lässt mich in das Haus. Ich folge ihr in den kleinen Flur mit fein besticktem
Teppich und dem Wandschmuck aus dem 1 Euro Laden an den Wänden. Sie führt mich ins Wohnzimmer, bietet mit Kaffee oder Tee an und dann nehmen wir zusammen auf den breiten Sesseln Platz. Auch hier, die übliche Ikea Einrichtung, die das Wohnzimmer aus dem Katalog abpinselt. Blumen und Farben, bestickte Muster, Deckchen und ebenso ein Wandschmuck in Variation. Schnaufend sinkt sie in den Sand zu meiner Linken, blickt mich gespannt, innerlich aber voll Abwehr an. Genau das nur, kann ich in ihrer verkniffenen Miene, den zusammengepressten Lippen und dem wachsamen Blick lesen. Die oft gestellte Frage „Worum geht es?“, die darf ich hier gekonnt vermissen. Und so beginne ich einfach das Gespräch. Dem Muster nach, hole ich meinen kleinen Notizblock aus der Tasche, den Kuli dazu und klappe den Deckel bis zu vollgekritzelten, weißen Blättern auf. „Es geht um ihren Sohn Mark,“ beginne ich vorsichtig. „Was ist mit ihm? Hat er was angestellt?“ Kommen sofort die misstrauischen Fragen der Abwehr von ihr. „Nein, hat er nicht. Eine seiner Mitstudentinnen ist verschwunden und ich bräuchte ein paar Infos von ihm, gerade zu ihr. Sie sollen ziemlich eng befreundet sein. Alexandra Reuber, vielleicht erinnern sie sich an sie?? “ Ich kann auch jetzt in ihr lesen, wie ihre Abwehr verschwindet. Ihr Sprössling ist nicht in Gefahr und so werden die Krallen des Muttertieres wieder eingefahren. „Ja, ich kenne Sie. Wie sollte ich es auch nicht? Die Nachrichten sind voll davon. Die Tochter des Bezirksstaatsanwalts, natürlich sorgt so etwas für Aufregung. … Wenn Sie mit ihm sprechen wollen, er ist oben, die Treppe rauf.“ „Das würde ich sehr gerne.“ Sage ich und schwer, träge, hieft sie sich vom Sessel hinauf und begleitet mich zur Treppe in das nächste Stockwerk. Auch hier an den Wänden dieser kleinen Wendeltreppe finden sich Bilder und eben der Wandschmuck, der auch sonst die Wohnung schmückt. Innerhalb kürzester Zeit habe ich die paar Stufen überwunden und finde mich auf einem Flur wieder mit etlichen Zimmern zu den Seiten. Hinter Einer höre ich das Geplärre der gerade angesagten Rockband. Ich brauche kein Genie zu sein, um mir denken zu können, dass dahinter Mark zu finden sein wird. Ich klopfe an der Tür, warte kurz. Keine Reaktion. Dann klopfe ich erneut und dann noch einmal. Außer dem Rauschen der Musik höre ich sonst nichts und so öffne ich einfach die Tür und erwarte natürlich die Zurechtweisung, die mir der Jugendliche entgegen schicken wird. So oder so. CD`s, Covers, Bücher, Zeitungen und etliches Andere liegt auf dem Boden verteilt. Die gekonnte Unordnung, die nur ein Jugendlicher als bewohnbare Ordnung betrachten kann. Man räumt nicht auf, nein, man lebt einfach Drumherum um die Spuren und Reste, die der Alltag auf dem Boden der Örtlichkeit hinterlässt. Aber genau das nur wieder, ist jetzt nicht wirklich von Belang. Ein junger Kerl mit schwarzen Locken, hochgewachsen, schlank und sportlich, guckt mich argwöhnisch an. Keine Worte der Zurechtweisung, kein Meckern, kein Toben wegen meines
Eindringens in sein eigenes Reich. Nur der Blick an Aufmerksamkeit, der erwartend versucht mich einzuschätzen. Ich zeige ihm kurz meine Marke und das Misstrauen verstärkt sich. Für einen Moment huscht sogar ein Schrecken über die blauen Augen des Jugendlichen, den er sofort und geschickt aber wieder versteckt. Ich gehe hinüber zur schwarzen Schlaf Couch, lasse mich hinunter sinken und mustere ihn erstmal nur schweigend. Trainiert durch etliche Streitgespräche, Zurechtweisungen und auch Strafen, wie sie das Aufwachsen eines Jugendlichen nun mal begleiten, hält er dem Schweigen weiter stand. Ich lasse die fehlenden Worte weiter im leeren Raum stehen, nur noch für ein paar Minuten. Dann zerbreche ich das Vakuum stehender Luft und beginne nach Informationen zu angeln: „Sicher weißt Du, dass Alexandra verschwunden ist.“ Für einen kurzen Moment verspannt sich wieder die Miene und ich sehe, dass sich ein schlechtes Gewissen hinter der Stirn abspielt. Antworten tut er trotzdem noch nicht. „Ich weiß, dass ihr Beide befreundet seid. Und ich weiß, dass ihr Etliches zusammen unternommen habt. Sicher nicht nur Dinge, die Deine Mutter oder sonst wer erfahren sollte.“ Und auch jetzt reagiert seine Miene, auch wenn er es weiter zu verstecken versucht. „Erzähl mir einfach Alles, was sonst keiner weiß. Ich werde es für mich behalten, kein Lehrer, nicht Deine Mutter oder sonst wer, wird es erfahren. … Aber ich muss Alex finden und dafür brauche ich Deine Hilfe. Anders geht es leider nicht. Wenn Du mir hilfst, genau dann nur, hilfst Du auch ihr. … Also, ich bitte dich. “ Extra provokant mache ich eine Pause und blicke ihn an. Ich kann sehen, wie sich seine Miene wieder entspannt und langsam, immer mehr, mir genau die Worte und Informationen präsentiert, auf die ich eben hoffe. Er erzählte mir von den nächtlichen Ausflügen mit Alexandra in die verbotene Zone. Und als er einmal sein Schweigen zerbrochen hatte, sprudelte es nur so aus ihm heraus und ich erfuhr jedes Detail, egal, was für Konsequenzen das nach sich ziehen konnte. Aber er wusste, dass außer Alexandra nichts für mich eine Bedeutung hatte. Und dann kam er zu der Nacht des Verschwindens und präsentierte mir den Namen „Veronas Velvet“. Das war die Spur, die ich brauchte. Der Hinweis, auf den ich gehofft hatte. Und nachdem ich ihm nochmals mein Schweigen versichert hatte, so wie die Bemühungen alles zu unternehmen, um Alexandra zu finden, machte ich mich auf den Weg. So befinde ich mich jetzt in einer abgelegenen Gasse der verbotenen Zone. Es ist still hier, eine einsame Einöde am Tag, die sich erst zur Nacht und im finsteren Schwarz, mit Leben füllen wird. Aber auch dann werden es nur finstere Gestalten sein. Wesen, die in versoffenen Spelunken und verunreinigten Bierkrügen ihr Seelenheil verloren und abgegeben haben. Die Neon Schrift des „Veronas Velvet“ taucht auch jetzt, am Tage, in den Schatten des dunklen Gemäuers unter. Keine leuchtenden Buchstaben, nur verrostetes Eisen und abblätterndes Plastik. Ich werde heute Nacht
wiederkommen müssen, wenn die Nacht die Finsternis wieder mit Leben erweckt. Aber dann, werde ich kein Polizist sein. Sondern in der Nacht meine Pfade streifen. Diesmal aber mit einem Ziel.

Veronas Velvet IIInhaltsverzeichnisVeronas Velvet III
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