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Inhaltsverzeichnis02 - London

01 - Heimat

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Als ich im Januar 1944 nach fast dreieinhalb Jahren wieder englischen Boden betrat, empfand ich keine Freude, keine Erleichterung. Der Krieg war immer noch da draußen. Ich war mir sicher, dass er nur auf mich wartete, bereit war, mich mit Haut und Haaren zu verschlingen, um meine leblosen Überreste dann wieder auszuspucken. Verweht, vergessen, unbesungen. Wie oft war ich dem schon begegnet. Wie oft blieb von einem menschlichen Leben weniger als Nichts. Gerade noch krallte sich der Mann neben dir in die warme Erde, in den heißen Sand und an sein kleines Leben und im nächsten Augenblick löste eine Granate ihn auf, machte seine Erfahrungen, seine Liebe und alles, was er war, zunichte. Was kümmert es das Universum, ob es uns gab? Asche zu Asche, Staub zu Staub. Heißt es nicht so? Der Kriegsgott kennt keine Religionen.

Diese und andere Gedanken quälten mich, ebenso wie die Bilder, die nicht verblassen wollten und dem schrieb ich es zu, dass ich später nicht mehr wusste, wo ich an Land gegangen war. Es war nicht die erste Lücke in meinen Erinnerungen, das weiß ich heute. Es war das erste Mal, dass ich mir dessen bewusst wurde. Ohne dem viel Beachtung zu schenken, schob ich es beiseite. Heute, seit jenem Tag im Januar 1944 sind noch nicht einmal zehn Jahre vergangen, lässt mich mein Gedächtnis immer öfter im Stich. Manche halten das für einen Segen. Doch die Bilder sind immer noch da und auch wenn ich sie nicht immer klar sehen kann, spüre ich sie. Da ist Mr Bush mit seinem breiten Grinsen, das mir sagt, dass ich noch am Leben bin; der zornige Horatio Fitzmaurice; Ray, dem nichts die gute Laune verderben kann; Adamson, der kernige Schotte. Und da ist Vic, unsichtbar und immer zur Stelle. Ich rufe ihn beim Namen. Fast jede Nacht tue ich das. Er hört mich nicht. Ohne meine Frau wüsste ich nicht, was wäre. An jeden Augenblick des Lebens mit ihr kann ich mich erinnern.

Dies ist ihre Idee.
"Du quälst dich", sagte sie eines Tages zu mir. "Also lass es zu. Du bist ein Mensch. Also bist du Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nur mit allen dreien bist du komplett. Wir beide sind die Gegenwart. Die Zukunft sind die schönen Jahre, die noch vor uns liegen. Und die Vergangenheit ist der Krieg. Es ist fürchterlich, wird es immer sein. Das kannst du nicht verneinen."
Sie hat recht.



Zehn Tage Urlaub hatte man mir gewährt. Zehn kostbare Tage. Ich fuhr zu meinen Eltern nach Sheffield, besuchte sie in dem Haus, in dem sie seit gut zwölf Jahren wohnten. Sie hatten das Zimmer für mich hergerichtet, das mein Bruder und ich lange gemeinsam bewohnt hatten.
"Er ist jetzt einer dieser Geheimheinis, die sich zu fein sind, ihren Arsch zu riskieren", meinte mein Vater. Auf mich, den Infanteristen, war er hingegen sehr stolz. Und er war unausstehlich.
"Wie viele Nazis hast du getötet?"
Das wollte er von mir wissen.

Auf diese Frage konnte ich ihm nicht antworten, weil ich es nicht wusste, nicht wissen wollte und was ich dazu dachte, hätte ihn gekränkt. Meine Mutter langweilte mich mit Geschichten über eine Großtante, die ich vor zwanzig Jahren das letzte Mal gesehen hatte. Im letzten Monat war sie in London gestorben, Dreiundachtzigjährig, friedlich und ihn ihrem eigenen Bett. Da war keine Trauer in mir. Allerdings spürte ich, wie Neid mich ergriff. Nach drei Tagen hielt ich es nicht mehr aus. Hektisch packte ich meine wenigen Sachen zusammen, verabschiedete mich von einem griesgrämigen Vater - ich hatte ihm immer noch nicht verraten, wie viele Nazis ich getötet hatte - und einer weinenden Mutter.
"Pass auf dich auf, meine Junge."
"Und spiele nicht den Helden."
"Lass den anderen den Vortritt."
Sie hatte keine Ahnung, was meine Aufgaben waren.




- Fortsetzung folgt -

 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (01.09.2018)
Ein hervorraqgender Einstieg mit stimmigen Bildern in das Thema Krieg. Die banalen Dialoge beim Heimaturlaub und die Warnung der Mutter lassen erwarten, dass der Ich-Erzähler den Helden wird spielen müssen.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 01.09.2018:
Ja, es ist besser, wenn die Mütter nicht so genau wissen was ihre Söhne und Töchter im Krieg alles machen ...
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Kommentar von Graeculus (69) (01.09.2018)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 01.09.2018:
Natürlich sollen der Protagonist und seine ihn umgebenden Figuren englisch sein. Auf der anderen Seite ist es ja kein Zufall, dass, wenn man die Soldaten "machen lässt", solche Dinge wie der "Weihnachtsfrieden von 1914" dabei herauskommen. Das lieg einfach daran, dass sich auch Soldaten verschiedener Seiten oft dem anderen verbunden fühlen -zuweilen sogar eher als "der Heimat" - weil man die gleichen Erfahrungen teilt. Das ist auch eine Idee der Geschichte. Ist denn alles so einmalig, was da geschieht?
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AZU20
Kommentar von AZU20 (02.09.2018)
Das wird spannend. LG
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 02.09.2018:
Und hoffentlich nicht nur das ...
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (03.09.2018)
Allein schon die Tatsache, dass du eine Geschichte, die nicht im mystischen Nebel des Irgendwo oder zu einer unbestimmten Zeit des Irgendwann, spielt, macht neugierig
TT
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 08.09.2018:
Mir ist klar, dass meine Geschichten sonst im "Nirgendwo" spielen. Der Grund dafür ist nicht nur, dass ich die Umwelt dann so gestalten kann, wie ich sie für die Geschichte brauche. Obwohl, dass tun Autoren, die Geschichten in der "richtigen Welt" spielen lassen ja auch ... und der Leser merkt es nicht ... na, zumindest wenn der Autor gut ist.

Ich habe als historisch denkender Mensch immer ein Problem damit, dass in der "richtigen Welt" ja Menschen leben und gelebt habe. Und wenn ich nun eine Geschichte über diese Leute hinweg - dieses Gefühl habe ich immer und kann es auch kaum loswerden - schreibe, kommt es mir vor, als würde ich den "richtigen Menschen" nicht gerecht werden.

Das hat mich auch lange davon abgehalten, eine Geschichte über den Zweiten Weltkrieg zu schreiben. Bis mir dann ein Plot bzw. eine Ausgangslage bzw. ein Protagonist eingefallen ist, mit dem ich all das nach meinen Ansprüchen unter einen Hut bekommen konnte.


P.S.: Du weißt doch, dass du bei mir noch nicht einmal halbernst gemeinte Kommentare schreiben sollst. Ich werde dann immer so geschwätzig ...
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TassoTuwas ergänzte dazu am 09.09.2018:
Also, viertelernst!
Das mag in den meisten Fällen und vor allem für den Schreiber, der alles richtig machen will, stimmen!
Aber, einer gut geschriebenen und spannenden Geschichte, verzeiht der Leser alles
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