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01 - HeimatInhaltsverzeichnis03 - Landgasthaus

02 - London

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück.




Ich fuhr nach London, folgte der Einladung eines Kameraden. Er wohnte mit seiner Mutter zusammen, die ihn auch pflegte, in Hammersmith und musste meine Ankunft erwartet haben. Denn als ich, pitschnass vom Winterregen, das Tor zu dem kleinen Vorgarten öffnete, ging die Haustür auf und er kam mir auf Krücken mit seinem einem Bein entgegen. Vorsichtig umarmte ich ihn, darauf bedacht, ihn nicht umzuwerfen. Wir standen im Regen.

"Tut so gut, Sie zu sehn, Sir. Ah, endlich Captain. Das hammse sich auch verdient, wennse mich fragn."
Wir verbrachten einen fröhlichen Abend miteinander. Es gab einen Braten - ich fragte nicht, woher das Fleisch stammte - mit frischem Blumenkohl und Kartoffeln aus dem eigenen Garten. Das Bier schmeckte herrlich nach Bier. Keine einzige Armeekonserve war in Sicht.
"Nun, Sir, damals bei Capuzzo1, wissnse noch, Sir? Infanterie links von uns, Infanterie rechts von uns, Achzundachtziger2 vor uns, Panzer hinter uns. Da hab ich nen Geschäft gemacht mitem Herrn. Wenner uns da raushilft, kriegta was. Wir sind rausgekommn und als Gegenleistung wollta nur mein Bein. Kein schlechtes Geschäft, was?"
Do, ut des3.

Recht bald wurde mein Kamerad müde. Seine Mutter half ihm ins Bett im. Als er eingeschlafen war, kam sie zu mir zurück. Beinahe hätte ich die weinende Frau nicht aufgefangen, als sie vor Rührung mir von der Treppe aus entgegen stürzte. Sie dankte mir immer wieder, weil ich ihren Sohn aus den Resten des zerschossenen Lkws gezogen hatte. Hatte ich das? Mir blieb Zeit zum Nachdenken. Sie wurde wieder von Tränen übermannt. Aber letztendlich blieb mir nichts anderes übrig, als ihr zu glauben.

Auch wenn mein Kamerad so tat, war er nicht beschwerdefrei. Nach zwei Tagen schmerzte der Beinstumpf so sehr, dass seine Mutter ihn ins Krankenhaus bringen musste. Meine Hilfe lehnte sie ab. Nein, sie haben schon mehr als genug getan. Als sie jedoch gegen Mittag ohne meinen Kameraden zurückkehrte - es steckten immer noch Kleinstteilchen in den Resten seines Beins - fühlte ich mich fehl am Platz. Sie, die treu sorgende Mutter, und mich, den Offizier, verband so wenig. Sie war immer noch sehr freundlich, aber waren wir nicht so etwas wie natürliche Feinde? Ich befehligte so viele Söhne, ich schickte sie in den Tod. Hier wollte ich nicht bleiben. Gegen das Drängen meiner Gastgeberin verabschiedete ich mich. Meinem Kameraden hinterließ ich auf einem Zettel einige Zeilen, nichtssagende Worte zwischen Männern.

Zunächst irrte ich in London umher. Die Stadt war belebt, lustig, ja, sie wirkte fast friedvoll, wäre nicht jeder zweite Mann, der einem entgegenkam, in Uniform gewesen. Wie ich selbst. Soviel Leben war mir unangenehm und ich beschloss, ein Konzert zu besuchen. Es wurde 'Peer Gynt' von Edvard Grieg gegeben. Die vielen strahlenden Gesichter um mich herum kamen mir so unpassend vor und ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass für viele Musikfreunde der Besuch eines Konzerts eines norwegischen Komponisten ihr Beitrag zu diesem mächtigen Ringen war. Angewidert ging ich während des 'Norwegischen Marsches'' was mir viele missbilligende und patriotische Blicke einbrachte.

Es war schon spät, als ich in einem Landgasthaus außerhalb der Stadt abstieg. Hier wollte ich meine restlichen freien Tage verbringen, allein und abgeschieden von der Welt. Es gab einen separaten Speiseraum und auch wenn der Wirt diesen nur widerwillig für mich öffnete, war ich dankbar dafür, nicht in den lauten, verrauchten Schankraum zu müssen. Für viele Soldaten ist eine Zigarette der letzte Halt, der letzte Genuss, die letzte Verbindung zu einem normalen Leben. Ich hasse diese Dinger. Das Essen, Rührei mit etwas an das ich mich nicht erinnern will, war karg. Doch jede regelmäßige Mahlzeit war mir damals unendlich wertvoll. An der Front isst man nicht regelmäßig und fragt auch nicht, was für einen Fraß man da gerade in sich hineinschaufelt. Es gibt grundsätzlich zu wenig von allem.  In den allermeisten Fällen ist das Essen kalt. Darum leidet fast jeder Soldat abwechselnd unter Verstopfungen oder Durchfall. So oder so, das hier war das Gegenteil von all dem.

Meine Kammer war klein und niedrig, Doch das Bett war breit und frisch bezogen. Die Laken rochen nach Seife und vor mir hatte niemand in ihnen gelegen. Ich schlief so tief und fest wie ein Kleinkind, das noch nicht wusste, dass da draußen andere Menschen einem auflauerten, wollte von saftigen Wiesen und blühenden Apfelbäumen träumen. Einer Welt ohne Sand. Und niemand zog auf das Marsfeld4. Zumindest bildete ich mir das ein.




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

1 Capuzzo - Fort Capuzzo, italienische Befestigung an der libysch-ägyptischen Grenze. Im Wüstenkrieg 1940 - 1943 immer wieder umkämpft.

2 Achtundachtziger - deutsche 8,8-cm Flugabwehrkanone, auch im Erdeinsatz zur Panzerbekämpfung. Bei alliierten Truppen äußerst gefürchtete Waffe

3 Do, ut des - lateinisch "Ich gebe, damit du gibst". Selbstverständndis der Römer im Umgang mit ihrer Göttern

4 Marsfeld - Feld vor den Toren des antiken Roms, benannt nach dem Kriegsgott, auf dem Feiern zu seinen Ehren und Abstimmungen abgehalten wurden


 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (02.09.2018)
Das ist psychologisch einfühlsam beschrieben und zeugt von viel Recherche zur richtigen Darstellung des damaligen London.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 02.09.2018:
Ich denke es ist schon zu merken, was im ersten Teil gesagt wurde: Der Protagonist kann den Krieg nicht außen vor lassen.
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AZU20
Kommentar von AZU20 (02.09.2018)
Werde versuchen, mich einzulesen. LG
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 02.09.2018:
Frühestens Dienstag kommt Teil 3.
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Kommentar von Graeculus (69) (02.09.2018)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 02.09.2018:
Schwere Tagangriffe der deutschen Luftwaffe auf London- "Blitz" genannt - gab es nur im Sommer/Herbst 1940 während der Luftschlacht um England. Danach besonders im Winter 1940/41 gab es Nachtangriffe. Mit Beginn des Russlandfeldzuges war die Luftwaffe hauptsächlich im Osten gebunden. An der Kanalküste ging die Luftwaffe in die Defensive über, auch weil die Royal Air Force dort im Sommer mit einer eigenen - misslungenen - Luftoffensive begann. Im Jahr 1943 ordnete Hitler - gegen den Rat der Luftwaffenführung - Vergeltungsbombenangriffe an, die im Frühjahr 1944 geflogen wurden. Diese nannten die Engländer "Baby-Blitz". Im Jahr 1943 erlitt das im Westen eingesetzte Kampfgeschwader 2 Verluste von 2631 Mann fliegendes Personal, davon 507 Tote1. Während eines Angriffs vom 21./22.01.1944 warf die Luftwaffe 32 Tonnen Bomben über London ab. Zum Vergleich: In der Nacht des 31. März 1944 warf die Royal Air Force 910 t Spreng- und 1176 t Brandbomben auf Nürnberg ab. Dieser Angriff gilt als einer der verlustreichsten für die RAF und als einer der größten Abwehrerfolge der deutschen Nachtjagd.

Der V1-Beschuss begann am 15. Juni 1944. Mit mäßigen Ergebnissen. Der V2-Beschuss begann im Herbst 1944 und es wurden mehr V2 auf belgische Städte abgefeuert, als auch England.

Natürlich gab es noch die Vorkehrungen - Ballonsperren, ausgewiesene Luftschutzbunker oder -keller etc. - und es gab auch noch Schäden. Doch die London und besonders die City wurden nie so getroffen, wie es in der zweiten Hälfte des Krieges mit den deutschen Städten geschah. Das Leben in London und England selbst hatte natürlich kriegsbedingte Einschränkungen - wirklich harte Zeiten kamen auf die Engländer erst nach dem Krieg zu -, war aber auch im Süden des Landes spätestens in der 2. Hälfte des Krieges weitgehend friedlich.


1 Neitzel, Sönke; Soldaten,Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben; Frankfurt a. M. 2011, ND 2014; 213


P.S.: Vielleicht etwas ausführlicher als du wolltest ...

Antwort geändert am 02.09.2018 um 19:31 Uhr
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (05.09.2018)
Die Schilderung macht nachdenklich.
In der Heimat ist der Krieg ein bizarres Geschehen, die Einen freuen sich auf einen Theaterbesuch und die Andren ängstigen sich.
Vielleicht ist die Front der einzige Platz, wo Gleichheit für alle herrscht .
TT
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01 - HeimatInhaltsverzeichnis03 - Landgasthaus
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Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Am Rande des Verstands.
Veröffentlicht am 02.09.2018, 5 mal überarbeitet (letzte Änderung am 02.09.2018). Textlänge: 735 Wörter; dieser Text wurde bereits 157 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.12.2019.
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