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06 - Mr BushInhaltsverzeichnis08 - Männer

07 - Grundsätzliches

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt.




Die meisten Männer waren frisch ausgebildete Rekruten. Sie kannten vom Krieg nur das, was in den Zeitungen stand. Immerhin wussten sie, wo bei einem Gewehr vorne und wo hinten war. Um die Unteroffiziere stand es nicht besser. Darum wurde jeder erfahrene Mann dringend benötigt und erfahren war jeder, auf den schon einmal geschossen worden war. Ich selbst kam kaum zur Ruhe, redete, zeigte und versuchte ein Beispiel zu geben, auch wenn ich wusste, dass die Meisten bei der ersten Feindberührung alles vergessen würden. Die Angst schleicht ständig über das Schlachtfeld und sie kennt weder Uniformen noch Ränge. Doch mit ein wenig Glück behielt der ein oder andere etwas und konnte das Gelernte so einsetzen, dass seine Kameraden den Mut nicht verlören. Diese Hoffnung bleib mir, auch wenn ich tagtäglich in große Augen blickte.

"(...) Diese Leute kennen einen Spruch: Schweiß spart Blut. Also: Wenn die bessere Stellung zweihundert Yards weiter vor ihnen liegt, dann gehen Sie diese zweihundert Yards, ganz gleich wie sehr der Rücken schmerzt, ganz gleich wie fertig Sie sind, meine Herren. Und dann gehen Sie in Stellung. Das heißt: Sie graben Schützenlöcher. Sorgen für freies Schussfeld. Tarnen die Stellung. Das ist der Normalfall. Das Gegenteil wird befohlen. Und wenn Sie verlassenen Stellungen vorfinden, werden diese in der Regel nicht bezogen. Sie können davon ausgehen, dass diese vermessen sind. Schließlich hatten sie dafür Jahre Zeit und diese Leute sind Meister im plötzlichen Granatwerfer1überfall. Außerdem können in verlassenen Stellungen noch ganz andere Überraschungen auf sie warten. Sprengfallen! (...)"

"(...) Wir werden Sie so gut ausbilden, wie wir können, aber in einem werden diese Leute uns immer voraus seien: dem Nachtangriff. Deshalb ist es entscheidend, einen solchen so früh wie möglich zu erkennen. Absolute Wachsamkeit der Posten ist bei Nacht lebenswichtig. Lieber zehn Fehlalarme in einer Nacht. Wenn der Angriff dann kommt, feuern Sie aus allen Rohren, auch ohne ein klares Ziel. Die Dunkelheit macht den Lärm lauter und das Mündungsfeuer wirkt bedrohlicher. Aber bedenken Sie: Es verrät auch ihre Stellung (...)"

"(...) Auf dem Marsch in Frontnähe oder während eines Angriffs kann, nein, wird es zu Feuerüberfällen von Artillerie und Granatwerfern kommen. Dann ist es in der Regel verkehrt, sich hinzuwerfen. Denn dann ist es nicht die Frage ob, sondern nur wann Sie getroffen werden. Darum: Laufen Sie! Sehen Sie zu, dass sie aus diesem Bereich herauskommen. (...)"

"(...) Benutzen Sie das Verbandszeug des Verwundeten, nicht ihres. Ihr Verbandszeug ist für Sie. (...)"

"(...) Handgranaten sind etwas Wunderbares. Vergessen Sie das nicht (...)"

"(...) Feuer ohne Bewegung ist Munitionsverschwendung. Bewegung ohne Feuer ist Selbstmord. (...)"

"(...) Der Funk ist kein Telefon. Kein unnötiges Gequatsche. (...)"

"(...) Sie sind Infanteristen. Sie hören und sehen alles. Panzer sind stocktaub und teilweise blind. Vergessen Sie das nicht. (...)"

"(...) Aufklärung bedeutet auch immer Geländeerkundung. Wo sind Bäume, Senken, Bäche? Nutzen oder schaden sie uns? (...)"

"(...) Wir sichern uns immer selbst. Oder wie ich bereits erklärte: Schweiß spart Blut. (...)"

"(...) Erfolgt ein Einbruch in unsere Stellungen, muss sofort ein Gegenstoß erfolgen. Solange diese Leute noch desorganisiert sind. Und: Diese Leute sind Meister im Gegenstoß. (...)"

"(...) Das Wasser eines Baches entnimmt man immer oberhalb einer Latrine. (...)"

"(...) Ein Angriff muss immer gut vorbereitet sein. Aber das gibt diesen Leuten auch Zeit, eine starke Verteidigung einzurichten. Also: Bereiten Sie schnell vor. (...)"

"(...) Auf dem Gefechtsfeld bewegt man sich so, wie das Wasser fließt (...)"

Ich kam mir vor, wie eine böse keifende Großmutter die ihren unartigen Enkeln immer wieder dasselbe predigt.
"Wasch Dir die Hände vor dem Essen! Nein, Du kriegst jetzt keine Kekse, gleich gibt es Abendbrot! Wasch Dir die Hände!"

Die ersten Geländeübungen waren eine Katastrophe. Wie Gänse watschelten die Männer von einem Punkt zum nächsten, ohne zu begreifen, warum sie das taten. Sie standen, wenn sie sich hätten platt auf den Boden werfen müssen und sie lagen mit dem Gesicht im Dreck, wenn dies gar nicht nötig war. Die Unteroffiziere waren auch keine große Hilfe. Die ersten Erfolge stellten sich am Schießstand ein. Die Ergebnisse waren erstaunlich gut. So gestärkt verbesserte sich auch das Verhalten der Männer im Gelände. Sie lernten dazu und das war das Wichtigste, auch wenn Mr Bush ganz andere Meinung war.
"Diese Hosenscheißer! Wenn die Knilche ne Minnie2 hörn, pissn die sich doch voll."
"So wie Sie beim ersten Mal?"
"Yep, Sir."




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

1 Granatwerfer - Steilfeuerwaffe zum Abfeuern von Granaten mit kurzer Reichweite. Von allen Armeen im Zweiten Weltkrieg  in ähnlicher Form verwendet.

2 Minnie - eigentlich "Moaning Minnie" ("Jammernde Minnie"). Englischer Soldatenausdruck für deutsche Raketenartillerie ob ihres Klangs, die zumeist in Form von  Nebelwerfern auftrat.


 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (12.09.2018)
Aufgrund der Sachkenntnis dieses Textes könnte man meinen, dass du selbst Soldaten ausgebildet hast.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 12.09.2018:
Na, man beschäftigt sich nicht jahrzehntelang mit dem Thema, ohne dass nicht auch auf dieser Ebene etwas hängen bleibt. Hingesetzt, nachgedacht, gesammelt und aufgeschrieben.

Auch auf dieser Ebene will ich einen Eindruck vermitteln, jenseits von Action oder "oh-wie-schlimm"-Antikriegsromantik. Das ist eben auch ein Teil des ganzen Bildes.
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (13.09.2018)
Ein Schnellkurs in Sachen "Überleben".
Nach WK1 hieß es, "Eine Generation wurde verheizt"
TT
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 13.09.2018:
Im WK2 wurde nicht weniger "geheizt". Und auf sowjetischer Seite war es nicht die Ausnahme, dass selbst auf so einen "Schnellkurs" verzichtet wurde.

Darstellungen über die Kämpfe an der Ostfront im Spätsommer/Herbst 1943/Winter 43/44 beschränken sich zumeist auf die Ereignisse im Süden, wo es der Roten Armee gelang, die deutschen Truppen weit zurückzudrängen. Dass bedeutet aber NICHT, dass es im Mittelabschnitt keine sowjetischen Offensiven gab (im Norden war es in der Tat ruhig). Diese führten nur zu gar nichts und mussten von sowjetischer Seite schließlich abgebrochen werden, weil den beteiligten Verbänden die Männer ausgingen(sic!).
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06 - Mr BushInhaltsverzeichnis08 - Männer
TrekanBelluvitsh
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Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Am Rande des Verstands.
Veröffentlicht am 12.09.2018, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 12.09.2018). Textlänge: 746 Wörter; dieser Text wurde bereits 140 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.07.2020.
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