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08 - MännerInhaltsverzeichnis10 - Besprechung

09 - Normandie

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt.




Unsere Brigade wurde kurz vor dem großen Sturm1 über den Kanal geschafft und angelandet. An den Stränden sorgte die Marine für Ordnung. Irgendwie gelang das, obwohl jeder Quadratinch mit Truppen, Fahrzeugen, Munition und Versorgungsgütern vollgestopft war. Es war nicht leicht, die Kompanie zusammenzuhalten. 'Souvenirhändler' boten erbeutete Stahlhelme, Schirmmützen, zerbeulte Gasmaskenbehälter und ab und zu sogar die heißbegehrten Lugerpistolen2 feil. Mr Bush stauchte jeden zusammen, der auch nur einen Blick auf das Beutegut warf. Er wusste, warum er das tat.

Weiter landeinwärts war es nicht besser. Unzählige Einheiten zwängten sich auf engstem Raum zusammen. Bestimmte Bereiche konnten nicht betreten werden. Sie waren überschwemmt oder vermint. Oder beides. Im zweiten Zug diente ein Mann, der die längste Zeit seines jungen Lebens zusammen mit Pferden verbracht hatte. Als wir Zeuge wurden, wie ein Fohlen fröhlich in eines dieser abgesperrten Areale galoppierte und eine Mine das Tier zerriss, weinte er hemmungslos. Einer anderer witzelte über ihn. Bis er Mr Bushs stahlharten Ellbogen im Rücken spürte. Der Mann war sofort still. Mr Bush zwinkerte mir zufrieden und bitter zu.

Je näher wir der Front kamen, desto lauter wurde es. Das ist das Erste, was die Leute nicht bedenken: Der Krieg ist laut.

Da ist das helle Knallen der Gewehre. Das dumpfe Rattern der Maschinengewehre. Das Dröhnen von Motoren in Panzern, Selbstfahrlafetten3, Lastkraftwagen, leichten Fahrzeugen, gepanzerten Mannschaftstransportern und Flugzeugen. Die Artillerie wummerte in der Ferne und ihre Geschosse pfeifen vor dem Endgültigkeit verheißenden Einschlag. Das schrille Geschrei der Verwundeten und das letzte Röcheln der Sterbenden. Der eigene heiße Atem. Diese unendliche Kakophonie des menschlichen Erfindungsgeistes ändert sich nie, ganz gleich ob man gewinnt oder verliert. Und sie nimmt kein Ende. Als Offizier hatte ich Glück, denn ich durfte in Angst, Wut, Verzweiflung und Trotz meine Befehle gegen dieses alle lieben Töne verschlingende Ungetüm anschreien. Ich konnte nur hoffen, dass sie auch ankamen. Doch im Gegensatz zu den einfachen Soldaten, musste ich nicht nur daliegen, das akustische Ungeheuer ertragen und darauf warten, dass es mein Trommelfell frühstückte, als ersten Gang des verfressenen Kunstwerks namens Krieg.

Wir zogen in einem Obstgarten unter und warteten auf Befehle. Wie durch ein Wunder war dieser von den Kämpfen verschont geblieben. Ich lag auf dem Rücken, betrachtete die reifen Äpfel, die saftigen grünen Blätter der Bäume vor dem stahlblauen Himmel. Ich konnte den Sommer riechen, wie er jung und unbeschwert über das Land zog. Wenn ich mir die Ohren zuhielt, die Flugzeuge wegdachte und mit geschlossenem Mund mit der Zunge schnalzte, war die Wirklichkeit weit weg. Ich dachte an Renee und wünschte sie mir so weit weg von hier, wie es nur ging. Dann wünschte ich mich so weit weg von hier, wie es nur ging.

"Sir?"
War ich eingeschlafen?
Dringlich: "Sir!"
"Ja, Mr Bush?"
"Sie solln zum Bataillon."
Mühsam rappelte ich mich auf. Um mich herum lagerte meine Kompanie. Noch waren alle da.
"Es geht los, Sir."
"Ja, Mr Bush, es geht los. Sie kommen besser mit."

Auf dem Weg zum Bataillonsgefechtsstand mussten wir einer Panzerkolonne ausweichen, die ihrem nachmittäglichen Verderben entgegenrollte. Beim Bataillon angekommen erfuhren wir, dass der Kommandeur bei der Brigade war. An seiner statt gab der Earl den einfachen Befehl. Planen sie den Angriff und führen sie ihn morgen früh aus. Das war bei uns nicht üblich4. Für gewöhnlich sagten vorgesetzte Offiziere einem genau, wie man von Punkt A zu Punkt D kommen sollte: Über Punkt B und Punkt C. Der Earl machte es sich gerne einfach. Außerdem konnte er so die Verantwortung abschieben, wenn etwas schief lief. Immerhin war es dann nicht sein Plan gewesen.

Mit Mr Bush ging ich in Richtung Front. Unterwegs erzählte er mir von unserem ersten Verwundeten. Ich schwöre, dass ich darüber nichts in meinen Erinnerungen finde. Ein kurzer Artillerieüberfall war vierhundert Yards östlich von uns niedergegangen. Erschrocken war ein Soldat aufgesprungen und in Panik gegen einen Apfelbaum gerannt. Seine Wunden, ein blaues Auge und eine blutige Lippe, waren leicht zu behandeln gewesen.

Eine halbe Meile hinter der Front erreichten wir eine armselige Baumgruppe, die, eingeklemmt zwischen einem trüben Tümpel und einer mannshohen Hecke, vergeblich versucht hatte, den Kämpfen zu trotzen. Irgendwo außer Sicht flog vor uns etwas krachend in die Luft. Eigentlich teilten wir die Bedenken der dort liegenden Nachrichtentruppe. Dennoch bestiegen Mr Bush und ich je einen Baum und beobachteten das Ziel durch unsere Ferngläser. Es dauerte auch gar nicht lange. Etwas zischte gierig durch die Blätter. Blitzschnell ließ ich mich fallen und landete schmerzhaft und unelegant auf meinen Hintern. Die Nachrichtensoldaten lachten. Mr Bush kam verdrießlich angetrottet. Auch ihm war es nicht besser ergangen.
"VerdammteheiligeScheißeMistDreckverfluchter", schimpfte er. "Habn die ihre Augen denn überall?"
"Nee, nur bessere Ferngläser", gluckste ein Nachrichtencorporal.




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

1 der große Sturm - Am 19. Juni 1944 tobte über dem Ärmelkanal und der Normandie ein heftiger Sturm, währenddessen die Kampfhandlungen fast vollständig zu erliegen kamen.

2 Lugerpistole - deutsche  Selbstladepistole 08. Beliebtes Souvenir bei alliierten Soldaten.

3 - Selbstfahrlafette - auf einfache und zumeist ungepanzerte Weise selbstbeweglich gemachte schwere Waffe. Beispiel:  US-amerikanischer "Priest". Artillerie auf Panzerchassis.

4 - Das war bei uns nicht üblich - In der britischen Armee wurde, wie in allen alliierten Armeen des Zweiten Weltkrieges, genau befohlen, was auf welche Weise erreicht werden sollte. Auf deutscher Seite wurden Aufträge vergeben, d.h. es wurde befohlen, was das Ziel sei. Im Rahmen seines Verantwortungsbereichs entschied der militärische Führer dann eigenständig über das wie. Diese "Auftragstaktik" erwies sich der alliierten "Befehlstaktik" als weit überlegen.


 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (15.09.2018)
Solche Vorgefechte vor der eigentlichen Entscheidung sind schon öfter beschrieben worden, mehr oder weniger gut. Ihre literarische Qualität bemisst sich an dem Kontrast, den idyllisierende Episoden schaffen, wie die von dem Fohlen oder dem Obstgarten.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 15.09.2018:
Ich habe versucht, das etwas ad absurdum zu führen durch
Wenn ich mir die Ohren zuhielt, die Flugzeuge wegdachte
. Eigentlich ist das nur der nicht sonderlich gelungene Versuch des Protagonisten, der Welt des Krieges zu entfliehen.
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Kommentar von Graeculus (69) (15.09.2018)
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 15.09.2018:
Kampfhandlungen führen ja oft dazu, dass Nutztiere bzw. Tiere in menschlicher Obhut dieser entkommen. Und da die Menschen zumeist sich in erster Linie um sich selbst kümmern, sind frei herumlaufende Tiere in Frontnähe nicht unbedingt eine Seltenheit. Auf der anderen Seite sind ja gerade Pferde, wenn es ihnen nicht anders antrainiert wurde, sehr empfindlich gegen Lärm. Also suchen sie sich Stellen, wo keine Panzer rollen, Zugmaschinen schleppen, oder LkWs brummen. Und diese freie Stellen fand man halt nur dort, wo Soldaten nicht hingingen, gesperrte Gebiete, in denen man Minen vermutet und die noch geräumt werden mussten.

Ja, auch die Sturmgeschütze liefen im Zweiten Weltkrieg unter der Bezeichnung "Selbstfahrlaffete", weil sie ursprünglich ja gepanzerte Artillerie zur Infanterienahunterstützung waren. Ab der Mitte des Krieges bekamen sie längere und bessere Kanonen und wurden zu Panzerjäger. Ab da entsteht auf deutscher Seite eine Begriffswirrwarr. Selbstfahrlafette, Sturmgeschütz, Panzerjäger, diese Begriffe werden abwechselnd und durcheinander benutzt.

Im englischsprachigen Raum ist gibt es noch die Bezeichnung "Kasemattpanzer" die gepanzerte Fahrzeuge mit einer fest in einem kasemattartigen Aufbau verbauten Kanone meinen. Die Sturmgeschütze fallen darunter. Im deutschsprachigen Raum ist dieser Begriff aber nicht sonderlich üblich.

Noch ein paar Zahlen. Einer der legendären Tiger I-Panzer kostete in der Produktion rund 330.000 Reichsmark. Ein Sturmgeschütz zur gleichen Zeit (ab 1943) 80.000 Reichsmark. So wundert es nicht, dass 1944 mehr Sturmgeschütze gebaut wurden als alle anderen Kampfpanzer zusammen. Denn auch im Krieg stellt sich immer die Frage der Rentabilität: Möglichst viel Blutbad ... äh ... Kampfkraft für möglichst wenig Geld.
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Graeculus (69) schrieb daraufhin am 15.09.2018:
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (16.09.2018)
Auf die Tätigkeiten der kleinen Einheiten gesehen, sieht es nach einem ungeordneten Herumgewusel aus. Sicher gibt es eine Stelle, für die das alles einen Sinn ergibt!
TT
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 16.09.2018:
Im Krieg ist das Chaos die Regel, die Ordnung die Ausnahme. Womöglich ist auch das ein Grund, dass manche Menschen auf den Krieg mit Abstumpfung reagieren. So reduzieren sie das Wirrwarr auf ein Minimum.
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