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Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt und bekommt ihren ersten Angriffsbefehl.





Die Kompanie war bereit. Wir bewegten uns parallel zur Front nach Westen, bis wir auf die Straße stießen und auf ihr nach Süden schwenkten. Zwei Männer der Truppe, die vor uns lag, warteten dort, um uns nach vorne zu führen. Links und rechts wuchsen die Hecken in die Höhe. Bald schon konnte auch ein großer Mann nicht mehr über sie hinwegsehen. Artillerie schoss vereinzelt. Irgendwo ratterte ein Maschinengewehr. Einige wütende Gewehrschüsse waren die Antwort. War ein Mann gestorben? So oder so, das würde nichts ändern. Schließlich versperrten uns zwei riesige dunkle Haufen den Weg. Die Kompanie musste sich links und rechts an ihnen vorbeiquetschen. Es waren zwei Cromwells1, abgeschossen, und der andere Grund, warum wir keine Panzerunterstützung bekamen. In ihrer Nähe roch es nach geschmolzenem Eisen, verbranntem Gummi und etwas, das die Neulinge nicht einzuordnen wussten. Das war besser so. Den Älteren war klar, dass es der Geruch von verbranntem Fleisch war.
Das ist der zweite Punkt, den die Menschen vergessen.
Der Krieg stinkt.

Da ist der Korditgestank der Handfeuerwaffen. Alles riecht nach Öl. Eine gute Kriegsmaschinerie läuft im wahrsten Sinne des Wortes wie geschmiert. Schmierölproduzent müsste man sein. Überall sind Abgase. Und auch wenn alle Ingenieure der Welt mir widersprechen mögen, überall ist Eisen und Metall und es stinkt nach Eisen und Metall. Es ist abweisend, kalt und verhöhnt einen mit seiner glatten Oberfläche. All das wäre noch zu ertragen, doch am meisten stinkt der Kampf. Man krallt sich in die heiße Erde, die kaum Notiz von einem nimmt, dafür aber Dreck und Staub über einem verteilt. Wie dreckig ist doch dieser Krieg. Man selbst ist dreckig. Jeder Mann bewegt sich in einer säuerlichen Wolke aus Schweiß, die sich nicht selten mit Uringeruch vermischt. Und – ich bitte um Verzeihung – der Krieg riecht nach Scheiße! Soldaten kacken sich vor Angst in die Hose. Wenn ein Mann in den Bauch getroffen wird, platzen die Gedärme und mit den Eingeweiden quillt Halbverdautes hervor. Darum haben Soldaten auch kein Problem damit, zu zwanzigst auf einer Latrine zu hocken und dort schwatzend zu verweilen, denn dort riecht es nicht so erbärmlich wie auf dem Schlachtfeld. An all das habe ich mich gewöhnt. Ich habe gelernt, mich daran zu gewöhnen. Was ich nicht ertragen kann, ist Blut. Nein, es ist nicht seine tiefrote Farbe, oder dass es überall herumspritzt, es ist sein Gestank. Der süßliche Gestank von Blut. Süß, süß, oh mein Gott!

Irgendwann nahm uns ein Major Soundso in Empfang. Ein Nachtangriff? Sehr ambitioniert, Captain, alle Achtung. Wir haben uns schon blutige Nasen geholt. Aber vielleicht haben sie Glück und überraschen sie. Viel Glück, Captain. Ein Händedruck. Der Händedruck eines Toten, dachte ich, bis ich begriff, dass es der Händedruck für einen Toten war. Der Major verschwand im Nirgendwo.
Der zweite Zug setzte sich an die Spitze. Mr Bush und Lieutenant Monroe schlossen sich ihnen an. Ich suchte in der Dunkelheit eine geeignete Stelle. Dann befahl ich Sergeant Fitzmaurice und Corporal Nordveit zu mir.
"Fitzmaurice, sie holen die Soldaten mit den Bangalores2 und dann stellen sie ihre Männer auf. Nordveit, sie holen die schweren Maschinengewehre des dritten und ersten Zuges. Wenn wir hier durch sind, sollen sie in der Lücke Stellung beziehen. Werden wir aus dem Osten angegriffen, können sie uns Deckungsfeuer geben. Sie sind das Ende meiner Kolonne und treiben die Zögerlichen an. Fitzmaurice, auch sie stellen einen erfahrenen… "
Vor uns explodierte die Nacht.

Der zweite Zug war auf die erste Gefechtssicherung gestoßen. Feuerstöße von Maschinenpistolen. Gewehrschüsse. Handgranaten. Und endlich das unvergessliche Stakkato eines MG 423. Weiße Leuchtkugeln stiegen in den Himmel.
"Sir, die können uns doch sehen, wenn wir über das Feld stürmen", sagte eine zu Tode erschrockenen Stimme neben mir. Jung. Schottischer Akzent. Ich überlegte einen Augenblick.
"Darum der Rauch, Private4 Adamson."
"Aber…"
"Keine Angst, Private. Folgen sie ihrem Vordermann und schon sind sie im Dorf.“ Wie ruhig und überzeugend ich in solchen Augenblicken sprechen konnte, überraschte mich jedes Mal. Ich fragte mich, ob das eine Kunst, oder einfach nur eine Lüge war.
Endlich rauschten die Granaten der schweren Granatwerfer heran und bohrten sich vor uns in die Erde des besetzten Frankreichs. Lieutenant Monroe meldete sich über Funk.
"Gute Trefferlage. Starker Widerstand."
"Vergessen sie nicht zu streuen!"
"Aye, aye."
Die Soldaten mit den Bangalores standen bereit. Zwei Männer des zweiten Zuges trugen einen Verwundeten zurück, der sich nicht regte.  Lieutenant Monroe meldete sich wieder.
"Schieße Rauchgranaten." Kurz darauf: "Rauch entwickelt sich."
Los!




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

1 Cromwell - 1944/45 britischer  mittlerer Standardkampfpanzer..

2 Bangalores - eigentlich: Bangalore, Stabbombe auf langen Stangen zum sprengen von Drahthindernissen.

3 MG 42 - eigentlich  Maschinengewehr 42. Deutsches Standardmaschinengewehr in der 2. Hälfte des Zweiten Weltkrieges. Gefürchtet bei den alliierten Soldaten.

4 Private - britischer Mannschaftsdienstgrad. Vergleichbarer deutscher Dienstgrad: Gefreiter.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Graeculus (69) (19.09.2018)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 19.09.2018:
Danke.

Wie du vielleicht merkst habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich diese Dinge des Krieg - Lautstärke, Gestank - in den Text bringe. Die Geschichte ist ja von 2012 und wenige Jahre zuvor gab es ja die Diskussion über John Littels "Die Wohlgesinnten". (Ich gebe zu, dass ich dieses Buch nicht gelesen habe. Darauf werde ich, wenn die Geschichte beendet ist, in einem kurzen Essay vielleicht eingehen.) Ein Vorwurf, der dem Buch ja gemacht wurde, war die schon fast pornografische Darstellung von Gewalt. )Keine Ahnung, ob man das so sagen kann.)

Nun wollte ich ja über Krieg schreiben und da musste ich mir auch meine Gedanken über Gewalt und die Natur des Krieges machen. Ich habe mich entschieden, sie durch an wenigen Stellen summarisch aufzuführen. Ansonsten wird nur beschrieben, was geschieht. Den Rest muss der Leser dann selbst in seinem Kopf zusammensetzen.

Das passt dann auch zu meinem Ansatz, dass der Protagonist das nach dem Krieg schreibt, um sich selbst dessen bewusst zu werden, was damals geschehen ist.

Vor einigen Jahren hatte ich die Möglichkeit, die psychologischen Phänomene, die ich bei meinem Protagonisten beschreibe, wie z.B. der allmähliche Gedächtnisverlust, mit jemandem zu besprechen, der viel mehr Ahnung von Psychologie hat, wie ich. Da war die Geschichte bereits fertig. Es wurde mir versichert, dass ich dieses Phänomene richtig beschrieben bzw. eingesetzt habe. Natürlich hatte ich sie mir nicht einfach ausgedacht. Es gibt jedoch keine spezielles Vorbild für meinen Protagonisten (Würde ich die Geschichte heute schreiben, würde ich ihn wahrscheinlich an dem polnischen General Sosabowski anlehnen, dessen Persönlichkeit an sich und in seiner Autobiografie beeindruckt hat.) Aber da natürlich bin ich bei meiner Beschäftigung mit dem WK II immer wieder auf psychische Auswirkungen gestoßen und habe mein Wissen darüber hier eingesetzt.
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Habakuk
Kommentar von Habakuk (19.09.2018)
Muss ich meinem Vorredner recht geben. Erzählen kannst du. Sehr bildhaft. Liest sich sehr gut. Wenns auch nicht meine Literaturrichtung ist. Muss ja nicht.
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 19.09.2018:
Nein, muss nicht, dass ist richtig. Aber gerade darum liest sich das auch gut für mich ... also dein Kommentar.
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Stelzie
Kommentar von Stelzie (19.09.2018)
Du beschreibst den Wahnsinn des Krieges (sehr gut, natürlich). Das sollten sehr viele Menschen lesen, finde ich.

Liebe Grüße
Kerstin
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 19.09.2018:
Ich bin der Meinung, dass Leute/Leser sich mit dem Krieg beschäftigen sollten, um gegen ihn zu sein. Ich habe immer leichte Zweifel bei solchen, die "grundsätzlich" gegen den Krieg sind.
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (21.09.2018)
Drastisch und wohl realistisch geschildert der Einsatz der Infanterie, nicht viel anders als sein hunderten von Jahren.
Aus mehreren tausend Meter Höhe den Bombenabwurfknopf zu drücken ist dagegen fast ein Spaziergang!
TT
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 21.09.2018:
Ja, es ist einfach, die Infanterie zur "Königin der Waffen" auszurufen, weil sie nicht so viele (lebende) Thronanwärter hervorbringt ...
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tueichler
Kommentar von tueichler (23.09.2018)
Eins saustarker Text. Der Gestank des Krieges wird hier so eindringlich, dass es fast schmerzt den Text zu lesen. Ich habe keinen Krieg erlebt. Aber das, was Du beschreibst, müsste jedem die Lust am Militär vergehen lassen. Saustark!
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TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 23.09.2018:
Dankeschön.

Ich war schon immer der Meinung, dass man nicht grundsätzlich gegen den Krieg sein sollte, sondern kennen muss, wogegen man ist. (Auch) Das versuche ich in dieser Erzählung umzusetzen. Dabei ist das meiner Ansicht nach überhaupt keine Übertreibung. Es ist einfach so.

Wenn das gelungen ist, bin ich selbstverliebt genug, mich über ein Lob zu freuen.
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (04.10.2018)
Lieber Trekan,
du wirst zu Recht mehrfach für deine realistische Darstellung des Kriegs gelobt. Das von dir geschilderte Grauen ist in dem meisten Köpfen jüngerer Menschen gar nicht mehr vorhanden. Wir haben in den Fünfziger Jahren noch von Norman Mailer "Die Nackten und die Toten" , von Erich Remarque "Im Westen nichts Neues" und von Hemingway "Wem die Stunde schlägt" gelesen und niemand musste uns dazu antreiben. Krieg wurde damals grundsätzlich kritisch gesehen.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 04.10.2018:
Ja, ab und zu halte ich einen Kriegsroman für nötig. Das meine Erzählung diese Lücke füllt, will ich weder behaupten noch annehmen. Doch Erinnerung daran sein reicht mir auch.
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