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ZuversichtInhaltsverzeichnisSein Spiel des Lebens

Annäherung auf der Ölplattform

Szene zum Thema Allzu Menschliches


von Sätzer

Sie lernen sich auf der Ölplattform vor der norwegischen Küste kennen. Im Schnitt arbeiten 350 Menschen dort. Zwei Wochen am Stück ist er als Bohrgeräteführer zehn bis zwölf Stunden pro Schicht im Einsatz und hat anschließend drei Wochen bezahlten Urlaub. Die Arbeit ist körperlich sehr anstrengend, wird dafür aber im Vergleich zu ähnlichen Tätigkeiten auf dem Festland sehr viel besser bezahlt.
Sie arbeitet im Büro für die Ingenieure und hat schon länger ein Auge auf ihn geworfen, weil sie ihn irgendwie sympathisch findet. Doch er ist ein sehr verschlossener Mensch. Sie will möglichst viel wissen, bevor sie bereit ist, sich auf ihn näher einzulassen. Bei den wenigen Gelegenheiten, wo sie allein sind, versucht sie ihn zu einem Gespräch zu animieren. Er geht aber nicht darauf ein.
Eines Tages ergibt sich eine gute Gelegenheit beim Schichtwechsel. Sie sitzen in der Kantine und warten auf den Hubschrauber, der sie aufs Festland bringen soll. Dieser kommt heute später, weil es sehr stürmisch in den letzten Tagen war und der Wind erst langsam abflaut. Er schaut sie zum ersten Mal intensiver an und sagt dann völlig unvermittelt:
„Jetzt weiß ich, was ich vor einem Jahr noch nicht wusste. Meine Mutter hat nichts getaugt. Und vielleicht, denke ich, habe ich sie deswegen nicht gemocht.“
„Ja, das verstehe ich“, sagt sie, „mit meinem Vater war das genauso. Es war, als müsste ich schon als Kind spüren, dass ich nichts Besseres verdiene. Je schlimmer es wurde, desto wahrer schien es mir, dass ich es mir selber eingebrockt habe. Weißt du, wie ich das meine?“
Er nickt, nickt nochmals mehrere Male und atmet pfeifend durch seine nur leicht geöffneten Lippen. Sein Gesicht sieht aus, als würde er über etwas gründlich nachdenken. Mit gesenktem Kopf schaut er auf seine riesigen Hände. Sie sieht gebannt auf seine Fingernägel, die aussehen wie regelmäßig an einen Schleifstein gehalten.
Endlich landet der Hubschrauber. Die neuen Schichtarbeiter steigen aus. Die beiden klettern mit den abzulösenden Menschen in die Maschine und heben ab in den von Sturmwolken zerzausten Himmel.

 
 

Kommentare zu diesem Text


AZU20
Kommentar von AZU20 (20.09.2018)
Bahnte sich da nun endlich was an? LG
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Sätzer meinte dazu am 20.09.2018:
Das ist die Frage Armin. Wenn ja, wird das sicher eine problematische Beziehung. Beide hatten schwierige Eltern und fühlten sich in ihrer Kindheit zumindest von einem Elternteil nicht anerkannt bzw. geliebt. Das hat Auswirkungen auf ihr späteres Leben. Bei vielen Kindern führt das in die Resignation und zu Problemen, bei anderen wird der Leistungswille angeregt nach dem Motto „Nun erst recht“. Sie strengen sich besonders an, um sich Anerkennung über Leistung zu holen. Das kann man vielfältig beobachten. In der Künstler-, Musik- und Literatenszene gibt es das z.B. sehr oft, dass diese Menschen aus schwierigen Verhältnissen kommen. Ebenso bei sehr leistungsorientierten Menschen, die höhere Positionen in Politik, Wirtschaft usw. anstreben. Aber auch bei weniger bekannten Menschen ist das Phänomen zu beobachten. Viele haben allerdings meist große Probleme mit oder in ihren Beziehungen.
Bei den beiden Prots könnte das danebengehen, wie der schwierige Dialog schon aufzeigt. Zwei kindheitsgeschädigte Menschen, die es über Leistung im Beruf unter schwierigen Bedingungen (hier Ölplattform) zu etwas gebracht haben, sind nicht unbedingt prädestiniert für gute Beziehungen, wenn sie nicht hart daran arbeiten.
Dank für deine Empfehlung und
LG Uwe
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Augustus
Kommentar von Augustus (20.09.2018)
Er.
Doch er ist ein sehr verschlossener Mensch.

und
Sie.
versucht sie ihn zu einem Gespräch zu animieren.


Das liest sich so als würfelte der Autor mit einem Würfel und würde der Höhe der Zahl nach entscheiden wie die "kindheitsgeschädigten" Personen im Erwachsenenalter sich verhalten.
Der männliche Prot. ist verschlossen, der weibliche Prot. dagegen offenherzig.
Es divergieren die Handlungen der Charaktere mit ihren Aussagen, was zumindest einen, wenn nicht sogar beide unglaubwürdig macht.
Der Autor präsentiert uns Lesern ein Roullete. [Nebenanmerkung: Er sollte aufhören ins Casino zu gehen.]
Mir scheint, der Autor müsse zweifelsohne, noch ehe er den Text angefangen hat sich auszudenken, in einen Zustand der Anästhesie versunken sein.

Ave

Kommentar geändert am 20.09.2018 um 20:39 Uhr
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Sätzer antwortete darauf am 20.09.2018:
Ach, du Witzbold hast nichts über die Widersprüchlichkeit von Menschen begriffen. Aber macht nichts, da du ja offensichtlich in ständigem Wachzustand bist ))
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ZuversichtInhaltsverzeichnisSein Spiel des Lebens
Sätzer
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Dies ist ein Text des mehrteiligen Textes Vom Menschsein (Kurze Prosa).
Veröffentlicht am 20.09.2018, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 02.10.2018). Textlänge: 334 Wörter; dieser Text wurde bereits 607 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 25.05.2020.
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