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13 - AngriffInhaltsverzeichnis15 - Unteroffiziere

14 - Klavierbauer

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der erste Angriff erreicht sein Ziel




Sie hatten sich zurückgezogen. Wie wir später von einem Gefangenen erfuhren, war eine Ablösung schiefgegangen. Wir hatten es nur mit einem geschwächten Zug dieser Leute zu tun gehabt. Ihr Anführer erkannte die missliche Lage und befahl den Rückzug. Drei Tote und zwei Gefangene ließen sie zurück. Ich hatte aus meiner Sten nicht einen Schuss abgegeben.

In einem Raum des hufeisenförmigen Gehöfts richteten wir den Kompaniegefechtsstand ein. Mr Bush erwartete mich bereits mit den Zugführern und einem strahlenden Lächeln. Verbindung zu den anderen Kompanien aufnehmen und so weiter. Sie wissen was zu tun ist. Da wir jederzeit mit einem Gegenstoß rechnen mussten, schickte ich sie sofort zu ihren Zügen zurück, um die Verteidigung zu organisieren. Zu gerne wäre ich nach draußen gestürmt und hätte selbst jeden einzelnen Schützen eingewiesen. Doch das war die Aufgabe von Potter und von Fitzmaurice. Ihre Männer mussten ihnen vertrauen. Ein alles bemängelnder Kompaniechef half da wenig. Erschöpft ließ ich mich auf einen Stuhl fallen. Körperlich ging es mir gut, doch mein Kopf war leer. Krieg eben. Ich dachte an Renee und kam langsam wieder zu mir. Nach einem langen Schluck aus meiner Feldflasche, wandte ich mich an den rauchenden Funker.
"Haben Sie die Einnahme des Dorfes gemeldet?"
"Ja, Sir."
"Und?"
"Kein und, Sir. Nur: Bereit halten."
"Aha."

Lieutenant Monroe erschien und klopfte mir auf die Schulter. "Gut gemacht, Sir."
"Sie aber auch, Lieutenant."
"Dafür bin ich doch da", antwortete er verschwand wieder.
Mit einem Seufzer hob ich den Kopf und schaute mich um. Im Schein eines armseligen Kerzenstummels sah ich weißen Putz, der von der Wand bröckelte und den Blick auf das darunter liegende braune Mauerwerk freigab. In einer Ecke lagen Holzreste, ein zusammengehauener Stuhl, die Lehne einer Bank. Ein Regal ohne Einlegebretter stand nutzlos an der Wand, die durchbrochen war. Daneben saß schlafend der Funker, immer noch die halb gerauchte Zigarette in der verdreckten Hand. Alles war erbärmlich und ermüdend.

Nach einer Weile kam Mr Bush zurück. Auf den wackeligen Tisch vor mir legte er drei Soldbücher der Wehrmacht. Ich wusste, dass ich es nicht wollte, aber ich wusste auch, dass ich es tun würde. Also nahm ich gleich das erste und schlug es auf. Johannes Schmidt stand da. Geboren am 26. Januar 1926. Feldersatzbataillon 716.1 Er musste erst kurz bei seiner neuen Einheit gewesen sein, wenn sie den Eintrag noch nicht geändert hatten. Höchstens drei Tage. Ein ernster junger Mann mit kurzen blonden Haaren in einer Uniform aus grobem Stoff blickte mich an. Ein hübscher junger Mann. Er hätte sicher Erfolg bei den Mädchen gehabt. Es dauerte nicht lange, und ich spürte, wie die Zweifel zurückkommen wollten.
"Mr Bush, sorgen Sie dafür, dass das zum Bataillon kommt." Ich reichte ihm die Soldbücher.
"Yep, Sir."

Beschäftigung suchend blickte ich auf das Leuchtzifferblatt meiner Armbanduhr. Die Zugführer hatten genug Zeit gehabt. Diese Leute würden bald kommen. Zusammen mit Corporal Nordveit kontrollierte ich zunächst die Stellungen des zweiten Zuges. Die Männer waren zufrieden, ihren ersten Auftrag erfolgreich ausgeführt zu haben und an Sergeant Potters Arbeit gab es nichts auszusetzen. Auch Sergeant Fitzmaurice hatte seine Männer gut eingewiesen. Die schweren Maschinengewehre waren zu ihren Zügen zurückgekehrt. Ich wollte mich schon zu Staff Sergeant Shaw verabschieden. Fitzmaurice saß sehr nachdenklich auf einer Kiste, an die Hauswand eines alten Normandiehofes gelehnt. So kam es mir vor.
"Ist etwas, Sergeant?"
"Ein Toter, zwei Verwundete."
"Wir können von Glück sagen, dass wir so glimpflich davon gekommen sind."
Fitzmaurice starrte mich an, als ob er mich nicht verstanden hätte.
"Wer?", fragte ich.
"Private Smith."
Ich nickte. Das war einfach.
"Johnny Smith. Aus Scarborough. Wie Sie."
Fitzmaurice nickte.
"Sein Vater ist Klavierbauer."
"Geigenbauer, Sir. Alle Fitzmaurice haben ihre erste Geige von Smith Violins bekommen. Alter Familienbetrieb. Berühmt. Kenne die Leute."
Ich nickte. Dann wollte ich gehen, blickte mich allerdings noch einmal um und sagte: "Sergeant?"
"Ja, Sir?"
"Gut gemacht." Er würde das jetzt nicht verstehen, aber bald. Und mit ein wenig Glück würde er vergessen.

Ich schlich davon. Geduckt hinter Hecken, immer auf der Suche nach dunklen Schatten, bewegte ich mich leise durch die Nacht. Ab und zu fing ich ein paar Wortfetzen auf.
"Nee, Kenneth, so habe ich mir das nicht vorgestellt, weißt Du?"
Ich blieb stehen, kniete neben den Männern nieder. "Wie haben Sie es sich denn vorgestellt, Private Lloyd?". Ich lächelte – ohne mir bewusst zu sein, dass das niemand sehen konnte – und machte mich auf den Weg zum Kompaniegefechtsstand.




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

1 Feldersatzbataillon 716 - Jede deutsche Division hatte in der Heimat ein Feldersatzbataillon, in dem Rekruten ausgebildet wurden und genesene Verwundete ihren Dienst verrichteten, bevor sie zu den Fronttruppen kamen. Das Feldersatzbataillon 716 war ein Teil der 716. Infanterie-Division, die im Sommer 1944 in der Normandie eingesetzt war.


 
 

Kommentare zu diesem Text


TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (22.09.2018)
Die Gedanken schweifen ab. Geige- oder Klavierspielen ist langwierig und mühsam zu erlernen und eine Kunst. Krieg spielen, nun ja...
TT

Kommentar geändert am 22.09.2018 um 09:12 Uhr
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 22.09.2018:
Oh, die "Kunst" des Krieg zu erlernen, dauert auch ziemlich lange. Nur ist der anwendbare "Nutzen" eher an den Zufall gebunden. Aber auch hier auf KV haben ja einige mein  "Nur die überleben den Krieg, die den Krieg überleben" nicht so ganz verstanden. Auch für die ist diese Erzählung. Das sie nicht hier sind, ist schade.
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TassoTuwas antwortete darauf am 22.09.2018:
Wir wissen doch beide, hier wimmelt es von Selbstdarstellern, die sich selbst genügen. Der Kreis der an Austausch interessierten ist überschaubar. Der Webmaster spricht von einer Community...
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Kommentar von Graeculus (69) (22.09.2018)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 22.09.2018:
Es ist eine Art der Auseinandersetzung mit dem Feind. Jenseits von "Wir=gut; Die=böse" mag das im Krieg eher selten sein, womöglich nicht allein aus Dummheit, sondern auch als Selbstschutz. Das (der Selbstschutz) bekommt dann aber auch wieder sehr schnell den Charakter von "Wir=gut; Die=böse".
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (04.10.2018)
Die kleinen Episoden mit den Soldbüchern oder dem Sohn des Klavierbauers machen das Besondere der Kriegsliteratur aus, das sie von der Geschichtsschreibung unterscheidet.
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 04.10.2018:
Geschichtsschreibung muss sich halt immer bemühen, das ganze Bild zu erfassen. Das erleben im Krieg setzt sich aus vielen kleinen Episoden zusammen. Dies wollte ich auch darstellen - und ausnutzen.

Dabei kann ich jetzt schon mal vorgreifen: Diese Erzählung über den Krieg erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit. Natürlich könnte ich dem entgegenwirken und noch Episoden einfügen. Das würde der Geschichte an sich und ihrem Fluss nicht schaden.. Aber eigentlich bin ich mir ihr zufrieden, wie sie ist. Vielleicht geht es dir an ihrem Ende ja auch so.
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13 - AngriffInhaltsverzeichnis15 - Unteroffiziere
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Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Am Rande des Verstands.
Veröffentlicht am 22.09.2018, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 22.09.2018). Textlänge: 799 Wörter; dieser Text wurde bereits 115 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.12.2019.
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