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Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der erste Angriff erreicht sein Ziel. Der zähe Vormarsch geht weiter.




Den Rest des Tages taten wir, was uns befohlen worden war: Wir blieben, wo wir waren. Die Nacht verging ereignislos und als das Bataillon am nächsten Morgen nach einstündiger Artillerievorbereitung den Angriff des Vortages wiederholte, traf es auf keinerlei Widerstand. Diese Leute hatte sich in der Dunkelheit, ohne das es jemand bemerkte, aus dem Staub gemacht. Ein Erfolg war das für uns nicht. Sie würden woanders auf uns warten. Die Chance, in eine Lücke ihrer Verteidigung zu stoßen, war vertan. Den kahlen Hügel fanden wir bei unserem Vormarsch unbesetzt vor. Danach begannen die Probleme. Als die Spitze unserer Kompanie auf einen alten Bauernhof vorrückte, gelang es mir mit Hilfe von Vic gerade noch, die Männer aufzuhalten und zurückzuholen. So entgingen wir nur knapp einem Luftangriff unserer Typhoons1. Sie legten das alte Gemäuer in Schutt und Asche. Warum, war  unklar. Wir hatten keine Luftunterstützung angefordert.

Und dann ging es in die Bocage2.
Diese Hecken sind auf Erdwälle gepflanzt und wie diese oft hundert Jahre alt oder noch mehr. In der Normandie werden so seit altersher die Felder abgegrenzt. Die Erdwälle sind hart wie Beton und selbst Panzer konnten die Hecken nur mit äußerster Mühe durchbrechen. Dabei waren sie stets ein hervorragendes Ziel auch für den einsamsten Panzerfaustschützen. Also: Infanterie vor! Die Idee mit den Bangalores war zwar nicht schlecht, aber auf die Dauer nicht durchführbar. So viele Stabbomben hatten wir gar nicht und der Überraschungseffekt war begrenzt. Also rückten wir auf engen Feldwegen vor, die links und rechts von hohen Hecken begrenzt wurden. Ein halbes Dutzend Männer reichte aus, um eine ganze Kompanie aufzuhalten. In zwei Tagen kamen wir eine Meile voran. Was damals ein Erfolg war. Wir hatten drei Tote und vier Verwundete und sahen nicht einen dieser Leute, die da auf uns schossen. Lieutenant Monroe war bei uns und jedes Mal antworteten seine Granatwerfer prompt. Gerne redete ich mir ein, dass er so Schlimmeres verhinderte. Es ist allerdings auch möglich, dass seine Granaten nur Wege und Felder umgruben und so unser Vorwärtskommen verlangsamten. Mr Bush fluchte, als wir wieder einmal auf dem Bauch und in Kuhmist lagen, Gewehrschüsse und Maschinengewehrsalven über unsere Köpfe pfiffen und der Lieutenant mal wieder pflichtbewusst seine unergiebige Arbeit verrichtete.
"So'n Scheiß! Diese Dreckskerle. Das is doch gar kein Widerstand. Die Knilche wolln uns nur auflaufn lassn. Der richtige Zirkus kommt noch. So'n Scheiß, so einer."
Er hatte all das geflüstert. Nur Vic und ich hatten ihn verstanden. Ich war ihm dafür dankbar. Er hatte Recht.

Am nächsten Morgen wurde der erste Zug in einem engen Hohlweg festgenagelt. Der Gefechtslärm schwoll an. Plötzlich wurden wir auch von  Artillerie beschossen. Die Unsrige, gelenkt von einem kleinen Flieger über unseren Köpfen, der von mehr als einem Dutzend Jagdflugzeugen geschützt wurde, brachte sie schnell zum Schweigen. Aber der Widerstand dieser Leute war diesmal stärker und es dauerte fast bis zum Mittag, bis Staff Sergeant Shaw seine Männer aus dem Hohlweg zurückgezogen hatte.
"Nichts zu machen", stöhnte er. "Hulse und Dunn. Ein Maschinengewehr hat ihn fast in zwei Teile gehauen."
Es war nicht klar, wen er meinte. Damals konnte ich diesem Tod noch Gesichter zuordnen.

"Die Jungs haben geballert wie die Wilden. Aber gesehen haben sie nichts. Keine Ahnung, ob wir was getroffen haben. So geht das nicht."
Es gab keinen Grund, die Meinung eines so erfahrenen Mannes anzuzweifeln. Da meldete sich das Bataillon, der Earl persönlich. Der Kommandeur war bei der Division. Vorrücken. Vorrücken. Ein angestrengter Blick auf die Karte half da auch nicht weiter. Oder doch? Ich rief Vic zu mir.
"Das liegt zwar im Angriffsstreifen der C-Kompanie, aber es könnte klappen. Schnappen Sie sich ein paar Männer, Corporal Nordveit, und überprüfen Sie das. Aber kein unnötiges Risiko. Die Zeit für Heldentaten ist noch nicht gekommen."
Er grinste mich an.
"Jawohl, Sir", und schon war er mit zwei Männern verschwunden. Für ihn gab es scheinbar keinen größeren Spaß als einen Spähtrupp.

Wir warteten fast eine Stunde. Zu unsere Rechten bombardierten die Amerikaner irgendetwas. Wen immer sie dabei auch trafen. Die Sonne brannte vom Himmel und hinter einer Hecke vermoderte ein Tierkadaver. Zumindest stellte ich mir vor, dass es ein Tier war. Der süßliche Gestank der Verwesung hing über der Kompanie und dicke Fliegen schwirrte wie irre Jagdbomber, die den Freund vom Feind nicht zu unterscheiden vermochten, durch die Luft. Alle hassten diese fetten Biester. Ein Schluck lauwarmen Wassers beruhigte weder die Nerven noch löschte er den Durst. Die Uniform klebte am Körper und jeder redete sich ein, dass es der Nebenmann war, der da stank. Beim ersten Zug schrie ein Mann auf, doch Shaw beruhigte ihn schnell.




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

1 Typhoon - britischer einmotoriger  Jagdbomber.

2 Bocage - weitverbreitete  Hecken(landschaft) in der Normandie.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Graeculus (69) (28.09.2018)
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 28.09.2018:
Die Normannen waren nach dem Krieg erbost. Die Schlacht in der Normandie tobte ja , wie der Name schon sagt, in der Normandie. Die Verwüstungen sind mit Stalingrad vergleichbar. Der Rest Frankreichs kam dagegen verhältnismäßig glücklich davon. Die meisten Kriegshandlung fanden sowohl 1940 wie auch 1944 im Bewegungskrieg statt.

Die Normannen hatten den Eindruck, dass die Normadie allein den Preis für die Befreiung Frankreichs zahlte, dass vom Rest des Landes aber nicht anerkannt wurde. Da der Materialeinsatz (Artillerie, Luftwaffe) auf alliierter Seite sehr viel höher war, als der der Wehrmacht (die einfach nicht so viel hatten), hatten die Deutschen in der Normandie kurioserweise lange einen sehr viel besseren Ruf, als die Alliierten, besonders die Amerikaner, die sich oft eher als Besatzer, denn als Befreier gaben.
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (28.09.2018)
Die Bomber, "...wen immer sie dabei auch trafen".
Wäre doch interessant zu erfahren wie viele Tote es durch "Friendly Fire" gab (nette Umschreibung), oder unterliegt das der Geheimhaltung?
TT
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 28.09.2018:
Zumindest die Verluste durch die eigene Luftwaffe wurde auf alliierter Seite nicht geheim gehalten. Dafür waren diese auch zu deutlich. Im Vorfeld der "Operation Cobra", des amerikanischen Ausbruchs aus der Normandie Ende Juli 1944 ging der erste vorbereitende Luftangriff völlig schief. Über 400 amerikanische Soldaten wurden getötet. Auch ein entscheidender Stab wurde getroffen und der befehlshabende General getroffen. Deshalb wurde der Beginn des Angriffs sogar verschoben.

Bei Luftangriffen auf französische Städte (im Rahmen der Kämpfe, der Vorbereitungen der Invasion und - vor allem - um für Deutschland produzierende Fabriken zu treffen) starben, wenn ich mich recht entsinne, während des Krieges ca. 7.000 Franzosen.

Von deutscher Seite kenne ich keine Zahlen. Als die Luftwaffe sich 1939 verflog und aus Versehen Freiburg i. Br. angriff, dass ist ja ein verhältnismäßig bekanntes Beispiel.

Wie viele Menschen im Nahkampf durch eigenen Leute getötet wurden, lässt sich naturgemäß schwer feststellen. Aber gerade in dem, was man in deutscher Militärsprache "Orts- und Häuserkampf" nennt, konnte so etwas natürlich schnell passieren. Auf der anderen Seite waren solche Kämpfe schon seit dem amerikanischen Bürgerkrieg eher die Ausnahme. In Büchern und Filmen kommen sie immer wieder vor (auh ich habe sie in der Geschichte), doch man sollte zugeben, dass sie (auch?) der dramatischen Darstellung des Krieges dienen. Als Panzersoldat konnte man z.B. verhältnismäßig einfach niemals so etwas erleben. Hatte die Hauptwaffe des Fahrzeugs, mit dem man unterwegs war, eine besonders große Reichweite, wie das z.B. beim deutschen Panzerjäger  "Ferdinand/Elefant" der Fall war, war es ja das Bestreben, diese auszunutzen. Die Kanone des "Ferdinand/Elefant" konnte jeden feindlichen Panzer auf eine Entfernung bis 2.000 Meter ausschalten, war jedoch selbst so gut gepanzert, dass sie nur von wenigen erst gegen Ende des Krieges erscheinenden alliierten Panzertypen im Frontalbeschuss abgeschossen werden konnte. Die meisten Verluste entstanden durch Minentreffer und technisches Versagen. entsprechend beliebt war das Fahrzeug bei seinen Besatzungen, obwohl es langsam und unbeweglich war. Es war eben eine Art Lebensversicherung.

Kurz gesagt: Im Zweiten Weltkrieg wurde auf Entfernung getötet. Das galt selbst für die Infanterie (für Artillerie und Luftwaffen war das ja allein aus technischen Gründen normal).

Antwort geändert am 28.09.2018 um 21:11 Uhr
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TassoTuwas schrieb daraufhin am 28.09.2018:
Danke, das war sehr aufschlussreich!
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Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Am Rande des Verstands.
Veröffentlicht am 28.09.2018, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 28.09.2018). Textlänge: 837 Wörter; dieser Text wurde bereits 144 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.12.2019.
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