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Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der erste Angriff erreicht sein Ziel. Der zähe Vormarsch geht weiter. Den ersten Schuss, den er abgibt, gilt einem eigenen Mann, um ihn von einem qualvollen Feuertod zu erlösen. Während eines weiteren Angriffs auf ein Waldstück liegt die Kompanie im Abwehrfeuer fest.




Ich ziehe die Pistole und warte, doch es kommt niemand. Also krieche ich über den Toten um die Ecke und den Laufgang entlang. Es ist eine gut ausgebauter Schützenstellung. Doch diese Leute haben nicht genug Männer, um sie zu bemannen. Schließlich endet der Laufgang und teilt sich in zwei Gräben. Aus dem, der in Richtung Straße führt, höre ich Maschinengewehrfeuer. Der andere ist still. Ich krieche diesen entlang und entdecke eine Stellung mit zwei Granatwerfern - ohne Bedienungen! Einen Augenblick lang überlege ich. Das kann warten. In dem anderen Graben werde ich immer nervöser. Es fehlt nicht viel und ich hätte eine Ratte erschossen. Dann bin ich ganz nah an dem zweiten Erdbunker. Als ich nach der letzten mir verbliebenen Handgranate greifen will, zucke ich zusammen. Es ist eine Phosphorgranate. Ich war wohl nicht aufmerksam und habe sie gedankenlos eingesteckt. Verdammt! Ich habe keine andere Wahl. Mit einem hellen Blitz explodiert sie in dem Erdbunker und beendet das Maschinengewehrfeuer. Eine Fackel stürzt schreiend wie ein Untoter aus dem Hades auf mich zu. Ich erschieße sie mit zwei Schüssen dorthin, wo seinen Brust seien dürfte. Dann laufe ich den Graben entlang zu der Granatwerferstellung. Schnell, schnell. Nicht nachdenken. Ich finde zwei Stielhandgranaten und platziere sie in den bereitstehenden Munitionskästen, zünde sie und renne davon. Die ohrenbetäubende Explosion zerreißt einen Baum und fällt ihn. Ich schieße eine grüne Leuchtkugel in den Himmel und verstecke mich in einer Ecke des Grabens, stets bereit jeden, der vor mir auftaucht, zu erschießen. Ich höre Geschrei. Es sind englische Hurras. Männer springen über mich und dringen weiter in den Wald vor. Einer schaut hinab und richtet seine Maschinenpistole auf mich. Ich ziele mit der Tokarew auf seinen Rumpf. Wir schießen beide nicht. Staff Sergeant Shaw grinst mich an.

"Na, da haben Sie noch mal Glück gehabt."
"Oder Sie."
Mit einem Lachen hilft er mir aus dem Graben. "Sie wissen doch, Sir, ich werde überleben.“
"Dann hätten Sie eben beinahe fünf Pfund erschossen."
"Hab ich nicht vor, Sir, hab ich nicht vor."

Wir stürmen weiter vor. Ich stolpere in einen Bach, der nicht mehr als eine Ansammlung von Pfützen ist. Das ich dies mit voller Absicht tue, merkt niemand. Nun bin ich vom Bauch abwärts nass. Die Männer müssen nicht sehen, dass ihr Captain sich in die Hose gemacht hat.




- Fortsetzung folgt -

 
 

Kommentare zu diesem Text


Jorge
Kommentar von Jorge (06.10.2018)
Ein kurzer Blick in die Unmenschlichkeit des Krieges. Ja, nur ein Wimpernschlag vom Frontgeschehen in der Normandie. Fast zeitgleich fielen Bomben auf Berlin und ich war als Baby im LSK.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 06.10.2018:
Mir scheint es notwendig, den Krieg nicht nur mit dem Etikett "unmenschlich" zu versehen. Ein wenig Inhalt ist aus "Informationsgründen" sicherlich nicht verkehrt...
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (06.10.2018)
Die Einen haben Glück, die Anderen haben Pech.
Darüber nachdenken werden beide nicht lange!
TT
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 06.10.2018:
Nein. Wenn der Einzelne über die Faktoren Glück und Pech im Bezug auf das Überleben des einzelnen Individuums nachdenkt... nun, ich sage mal, das wäre für den einzelnen sehr "ernüchternd".
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (06.10.2018)
Wie kann man hohles Pathos und falsches Heldentum besser karikieren als durch den Satz: "Die Männer müssen nicht sehen, dass ihr Captain sich in die Hose gemacht hat."
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 06.10.2018:
Vieles, was nach den Vorgaben des soldatischen Denkens Heldentum genannt wird, ist einfach nur eine Situation, in der man steckt und aus der man versucht lebend herauszukommen. Übrigens sind alle, die die gleiche Idee hatten, aber daran gescheitert sind, keine Helden. Mit ganz viel Glück sind sie gefangen oder verwundet, oft einfach nur tot.
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Kommentar von Graeculus (69) (07.10.2018)
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 07.10.2018:
...he looks in the mirror...
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Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Am Rande des Verstands.
Veröffentlicht am 06.10.2018, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 07.10.2018). Textlänge: 489 Wörter; dieser Text wurde bereits 144 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 12.05.2020.
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