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27 - VierundneunzigInhaltsverzeichnis29 - Uschischisch

28 - Regeln

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der erste Angriff erreicht sein Ziel. Der zähe Vormarsch geht weiter. Den ersten Schuss, den er abgibt, gilt einem eigenen Mann, um ihn von einem qualvollen Feuertod zu erlösen. Ungewollt allein und mit Glück rollt er die feindliche Stellung vor der Kompanie auf. Ein erbitterter Kampf um ein Waldstück mit Truppen der Waffen-SS entbrennt.




Doch 'sie' waren nur ein Mann.
"Nicht feuern", befahl ich und hatte den Eindruck, dass die Männer nicht unglücklich darüber waren. Jeder von ihnen war das Kämpfen für heute leid. Aufmerksam beobachtete ich die andere Seite durch meinen Feldstecher. Hinter dem SS-Mann in seinem getüpfelten Tarnanzug mit der weißen Armbinde tauchten zwei weitere Soldaten auf, aufrecht gehend mit einer Trage. Dann erschienen zwei weitere und ein Dritter, der einen weißen Fetzen an einem Stock trug.
"Corporal Nordveit, Waffen ablegen! Finden Sie heraus, was die wollen!"
Vic tat, wie ihm befohlen. Trotz der weißen Fahne war ich nervös. Es dauerte eine ganze Weile, bis er die SS-Grenadiere erreicht hatte. Wild gestikulierend verständigte er sich mit dem Mann mit der Armbinde. Dann drehte er sich um und winkte mit der offenen Hand, bevor er sich wieder auf den Weg zu uns zurück machte.

"Was soll das alles?", fragte ein schottischer Akzent neben mir. Adamson. Langsam ließ ich den Feldstecher sinken.
"Eine Feuerpause. Die SS will eine Feuerpause, um ihre Verwundeten und Toten zu bergen."
"Das lassen wir doch nicht zu? Wir knallen die ab!"
"Nein, Private. Sie sehen doch die weiße Fahne."
"Aber Sir!"
"So sind die Regeln."
"Regeln?"
"Auch im Krieg muss es Regeln geben. Schließlich wollen wir gewinnen und nicht abschlachten."
"Das verstehe ich nicht."
Ich schaute Adamson genauer an. Rotblonde Haare. Sommersprossen. Gerade mal zwanzig. "Ist nicht schlimm, Private. Erwartet auch niemand."
"Jawohl, Sir."
Er schien tatsächlich überzeugt zu sein. Aber vielleicht reichte ihm auch nur die Annahme, dass sein Captain verstand oder zumindest zu wissen schien, was er tat.

Vic kam zurück und bestätigte meine Vermutung. Langsam, ernsthaft und gründlich begannen die Sanitäter der SS mit der Arbeit. Die Ferngläser wurden bei uns von Mann zu Mann gereicht. Keine ihrer Bewegungen bleib unbeobachtet. Dabei schien es fast so, als kümmerten sie sich mehr um die Toten als um die Verwundeten. Ein junger Soldat, der die Augen nicht von dem Geschehen lassen konnte, fragte sich laut, warum kein SS-Mann ein Kreuzzeichen über einem Toten schlug.
"Die sind nicht wie Sie, Carrick", antwortete Staff Sergeant Shaw erstaunlich ernst. "Die glauben nicht an Gott."
"Aber woran dann?", wollte Carrick wissen.
"An den Führer, Soldat, an den Führer."
"Aber der ist doch ein Mensch und stirbt irgendwann."
"Umso besser, denn dann glauben sie demnächst an einen toten Führer."

Ansonsten blieb es still. Die Schanzarbeiten wurden unterbrochen, weil ich es angeordnet hatte. Einzelne SS-Grenadiere kamen uns so nah, dass das womöglich die genaue Lage unserer Stellung verraten hätte.
Der Mann mit der weißen Armbinde verschwand und kehrte erst nach einiger Zeit zurück. Mit der offenen Hand winkte er uns zu.
"Die wollen was von uns, Sir."
Ich nickte und blickte mich suchend um. "Corporal Nordveit, Sie können den verstehen?"
"Irgendwie schon, Captain. Der spricht zwar kein Englisch und ich kann nur ein paar Brocken Deutsch, aber aus irgendeinem Grund kann er sich ein wenig auf Norwegisch verständlich machen."
"Gut. Nehmen Sie Staff Sergeant Shaw mit. Die Waffen bleiben wieder hier."
"Ungern, Sir. Ich denke…"
"Was sie denken, ist mir gleich, Shaw. Schwingen Sie ihren Arsch da raus. Je schneller Sie losgehen, desto eher sind Sie wieder zurück."




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

Die Sprache der wörtlichen Rede ist Englisch. Kursiv gesetzte Worte in wörtlicher Rede sind deutsche Worte.


 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (11.10.2018)
Werden hier Regeln nach der Genfer Konvention von den Engländern akzeptiert? Weißt du, ob im Vietnam-Krieg diese Regeln noch akzeptiert wurden..
Man könnte wegen der Akzeptanz von Regeln auf die Idee kommen, Krieg für fair zu halten. Ich bin aber davon überzeugt, dass im Krieg schon immer Regelbrüche dominierten.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 11.10.2018:
Von den Hauptmächten des Zweiten Weltkriegs (Deutsches Reich, Sowjetunion, Japan, Großbritannien, USA) begingen die Briten deutlich am wenigsten Kriegsverbrechen, Es gibt zwar immer wieder Diskussionen über anglo-amerikanische strategische Bomberoffensive, doch in diesem Zusammenhang sprechen eigentlich nur rechtsextreme Autoren von eindeutigen Kriegsverbrechen.

Zumal die Luftschlacht über Deutschland tatsächlich kriegsentscheidenden Charakter hatte. Dieser lag jedoch nicht in den Bombardierungen an sich. Die deutsche Luftwaffe wurde in jenen Gefechten aufgerieben, bzw. musste ihre Präsenz auf den anderen Kriegsschauplätzen verringern. Schon im Sommer 1943 waren 70% der deutschen Tagjäger in der sogenannten "Reichsverteidigung" konzentriert. Im Frühjahr 1944 waren die Jagdgeschwader aufgerieben. So konnten nicht nur die Bombenangriffe nicht mehr bekämpft werden, auch an den Fronten hatten die alliierten Luftwaffen die Luftherrschaft. Zum Vergleich: Am 6. Juni 1944 flogen die westalliierten Flieger ca. 50.000 Einsätze über der Normandie bzw. zum Schutz der Landungsflotte. Die deutsche Luftwaffe brachte es an diesem Tag im selben Raum auf gerade mal 900 Einsätze.

Die deutsche Nachtjagd war noch bis Ende 1944 verhältnismäßig erfolgreich, brach dann allerdings auch zusammen, weil mit der Befreiung Nordfrankreichs, weiter Teile Belgiens und des Südens der Niederlande, das Vorfeld des Reichs mit den Radaranlagen verlorenen ging.



Etwas anderes ist es natürlich, wenn du das meinst, was man als "Verbrechen in der Hitze des Gefechts" nenne könnte. Da ist grundsätzlich jede Partei gleich verdächtig. Aber wie ich dir schon geschrieben habe, ist in solchen Fällen, dass Ansehen des Gegners wenn auch nicht entscheidend, dann doch ein wichtiger Punkt. An der Ostfront neigten beiden Seiten sicherlich dazu, Soldaten, die sich ergeben wollten, zu erschießen, wenn man diese als "Belastung" empfand. Und obwohl die Briten keine Sympathien für den Nationalsozialismus empfanden, hatte ihr Engagement durchaus viel mit ihrer jahrhundertealten "Balance of Power"-Politik Europa gegenüber zu tun. Man wollte eine Großmacht Deutschland verhindern und zunächst spielte es keine große Rolle, ob an der Spitze des deutschen Reichs ein Kaiser oder ein Führer stand.

Darum findet man auf britischer Seite (im Allgemeinen) auch viel weniger rassistische Einstellungen, wie sie für viele Mächte des Zweiten Weltkrieges prägend waren. Über das Verhältnis Deutsches Reich-Sowjetunion muss man nicht viel sagen. Aber z.B. auch im Pazifik standen sich die USA und Japan mit gegenseitigen rassistischen Vorurteilen gegenüber. So mag der Hauptgrund, warum die Amerikaner so wenige Japaner gefangen nahmen in der japanischen Kriegerethik, bzw. dem sozialen Druck, der aufgrund sozialer Vorstellungen der gesamten Gesellschaft auf dem japanischen Soldaten lastete, gewesen sein. Das Bild, dass amerikanische Soldaten von ihren japanischen Gegners hatten, unterschied sich jedoch oft nicht von dem, was deutsche Soldaten über die Männer der Roten Armee dachten. Und selbst die französische Bevölkerung beschwerte sich 1944 oft, dass die Amerikaner sich wie Besatzer und nicht wie Befreier verhielten. Die Klagen gegen britische Soldaten waren deutlich weniger.

Die Idee eines "sauberen Krieges" ist illusorisch, doch - zumindest für den Zweiten Weltkrieg - kann man sagen, dass der britische Soldat den am "wenigsten unsauberen Krieg" führte.


'tschuldigung, du weißt, dass ich bei so was ins schwätzen gerate... ;-)

Antwort geändert am 11.10.2018 um 14:18 Uhr
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EkkehartMittelberg antwortete darauf am 11.10.2018:
Durchaus nicht. Ich bin dir für die umfassende Information sehr dankbar.
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Graeculus schrieb daraufhin am 11.10.2018:
Die UdSSR war der Genfer Konvention nicht beigetreten, hat aber beim deutschen Angriff 1941 erklärt, daß sie sich an sie halten werde. Von deutscher Seite aus hat man sich gegenüber der Roten Armee nicht daran gehalten - mit der 'Begründung', die UdSSR habe diese Konvention ja nicht unterzeichnet.
So sind etwa die politischen Kommissare, die in der Roten Armee Offiziersrang hatten, nach ihrer Festnahme erschossen worden.

Nichts war Göring beim IMT in Nürnberg peinlicher als die (berechtigte) Anklage, seine Luftwaffe habe aus deren Kriegsgefangenenlagern geflüchtete Offiziere nach ihrer Festnahme erschossen, obwohl es das Recht jedes Kriegsgefangenen war, die Flucht zu versuchen; vor allem für gefangene Offiziere war der Fluchtversuch Ehrensache.

Das sollen nur zwei Ergänzungen zu Trekans Ausführungen sein.
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EkkehartMittelberg äußerte darauf am 11.10.2018:
Auch dir danke ich für die hilfreiche Information, Graeculus.
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TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 11.10.2018:
@ Graeculus:
Wenn ich böse wäre, würde ich sagen, dass Göring das erst während des IMT mitbekommen hat. Sein bekanntes "Wenigstens 12 Jahre lang gut gelebt" hätte eher "Wenigstens 12 Jahre lang stoned" heißen sollen...

Dabei war Göring das "freundliche Gesicht des Nationalsozialismus". Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass er neben Pate einer Kunstraubmafia ein glühender Antisemit und tief in die sogenannte "Endlösung" verwickelt war. Die bekannte "Wannseekonferenz" vom Januar 1942 - eigentlich hätte sie im Dezember 1941 stattfinden sollen, doch Schäden durch Luftangriffe verhinderten dies - berief Heydrich auf Anweisung Görings ein. Und auch wenn weiterhin ein schriftlicher Befehl Hitlers fehlt, weisen die Indizien nahezu unumstößlich daraufhin, dass Göring von Hitler im November 1941 - in seiner Eigenschaft als Chef des Vierjahresplanes - den Befehl zur Ermordung aller Juden im deutschen Machtbereich erhielt.

Und wer Zweifel an Görings Antisemitismus hegt, soll sich mal anhören, wie er die sogenannten "Nürnberger Gesetze" verließt.
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Graeculus meinte dazu am 11.10.2018:
Man sollte Göring auf keinen Fall verharmlosen. Es war symptomatisch für ihn, daß alle anderen Anklagepunkt an ihm abprallten wie Wasser an der pomadisierten Ente. Aber dieser eine, der betraf seine Offiziersehre. Da sagt viel über ihn.

Was den fehlenden schriftlichen Befehl Hitlers angeht, so hat die Forschung es inzwischen zu einer Notiz in Himmlers Dienstkalender über ein Gespräch mit Hitler zu diesem Thema gebracht. D.h. es wird einen solchen schriftlichen Befehl des Führers nicht geben, aber er hat es zumindest Himmler gegenüber angeordnet. Da Göring, wie Du schreibst, involviert war, wird Hitler es wohl auch ihm gegenüber gesagt haben.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 12.10.2018:
Letztlich war es Keitel, der beim IMT sagte, dass er nicht verhindert hat, "was verhindert hätte werden müssen". War das der Versuch, ein wenig Nachsicht bei den Richtern zu erreichen? Vielleicht. Ich bin jetzt auch kein Keitelexperte. Wenn es jedoch von ihm selbst kam und keine Verfahrenstaktik seines Verteidigers dahinter steckte, denke ich, dass er wenigstens angefangen hat zu begreifen, was er mit angerichtet hat.

Offtopic:
Die Todesurteile finden meine Zustimmung nicht. Denn 1. bin ich ein grundsätzlicher Gegner der Todesstrafe - ganz wie unser Grundgesetz - und 2. hat der Fall Hess ja gezeigt, dass eine lebenslange Haftstrafe eine sehr harte Bestrafung sein kann..
Und:
3. (Aber das ist jetzt bloße Spekulation). Die Alliierten wollten ja auch vermeiden, dass die Deutschen Märtyrer bekamen. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob überlebende Hauptverantwortliche nicht auch so manchen vorgeblichen Mitläufer gezwungen hätten, sich mit der eigenen Verantwortung auseinanderzusetzen.

Interessanterweise haben sich die USA und die SU damit ja einen großen Gefallen getan. Die Hauptverantwortlichen waren tot und so konnten beide "ihren" Teil Deutschlands in ihr Bündnissystem integrieren, eben weil die Mär von der Bestrafung der Verantwortlichen bestand. In Wahrheit gab es - in West UND Ost - eine nie offen ausgesprochene Generalamnestie für die Deutschen. Das diejenigen, die dann doch vor Gericht landeten, sich veräppelt vorkamen, kann ich da - völlig unabhängig von der individuellen Schuld - schon verstehen.


Antwort geändert am 12.10.2018 um 02:09 Uhr
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