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29 - UschischischInhaltsverzeichnis31 - Lautlos

30 - Reaktionen

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der erste Angriff erreicht sein Ziel. Der zähe Vormarsch geht weiter. Den ersten Schuss, den er abgibt, gilt einem eigenen Mann, um ihn von einem qualvollen Feuertod zu erlösen. Ungewollt allein und mit Glück rollt er die feindliche Stellung vor der Kompanie auf. Ein erbitterter Kampf um ein Waldstück mit Truppen der Waffen-SS entbrennt.




Die sechs Männer mit den Tragen kehrten zurück und unter dem Schutz der weißen Fahne gaben wir diese der SS zurück. Es wurde Abend und in unserem Abschnitt passierte nichts mehr. Links und rechts von uns hörten wir Gefechtslärm. Eine Panzergranate kam angeflogen und detonierte im Niemandsland, ohne Schaden anzurichten. Nichts geschah. Beide Seiten waren erschöpft. Ganz gleich wie man diesen Begriff deuten mag. Mit den letzten Sonnenstrahlen verirrte sich eine Kuh auf die freie Fläche zwischen den Linien und suchte auf dem vom Panzerketten und Geschossen aufgewühlten Boden nach etwas Fressbarem. Woher der Schuss kam, war nicht festzustellen. Der Kopf des armen Tieres explodierte. Sogleich setzte bei uns und auf Seiten der SS ein wüstes Geschimpfe ein. Der Tod eines Menschen hinterließ bei vielen Soldaten keine Eindruck mehr. Dabei spielte es auch keine Rolle, ob es sich um einen Kämpfer oder einen Zivilisten handelte. Doch unbeteiligte Tiere konnten die heftigsten Reaktionen hervorrufen. Irgendjemand hatte die Kuh als Zielscheibe benutzt. Niemand bewunderte allerdings seine Treffsicherheit. Alle empörten sich. Darum gab sich der unbekannte Schütze auch wohlweislich nicht zu erkennen. Statt Bewunderung hätte er nur Verachtung geerntet. Das arme Tier.

Es war zweiundzwanzig Uhr, als ich mich in meinem Schützenloch mit der Sten im Arm zusammenkauerte. Alle Befehle für die Nacht waren erteilt und das Bataillon - "Bleiben Sie, wo sie sind!" - verständigt. Mr Bush hatte ich beauftragt, dafür zu sorgen, dass ich um ein Uhr geweckt wurde. An der Front brauchte ich auf den Schlaf nie lange zu warten. Ich schloss die Augen und die Müdigkeit forderte sofort ihr Recht. Sie kam über mich wie ein großer freundlicher Riese, der neben mir Platz nahm und alles Störende - Leuchtkugeln, das Grollen der Artillerie, vereinzelte Gewehrschüsse oder Feuerstöße eines Maschinengewehrs, Flugzeuglärm, Träume - von mir fernhielt. Es mag wenig glaubhaft klingen, aber ich kann mich nicht erinnern, an der Front jemals geträumt zu haben. Wenn ich dann erwachte, fühlte ich mich meist erschlagen und verwirrt. Nach einer halben Minute hatte ich diesen Zustand immer überwunden und war dann, nun, ich möchte es bereit nennen, also, ich war in der Lage zu tun, was von mir erwartet wurde. So war es auch dieses Mal. Eine Hand packte mich an der Schulter und obwohl es stockfinster war, konnte ich sein Gesicht erkennen.

"Mr Bush, schlafen Sie denn nie?"
"Doch, Sir, aber nich wenn Sie schlafn. Einer muss doch schließlich wissn, wo's lang geht."
Eine leises Kichern verstärkte meine Unsicherheit, ob das wirklich ein Kompliment war. Staff Sergeant Shaw. Gut dreißig Sekunden lang beschäftigt ich mich umständlich mit meiner Sten. Dann signalisierte mir mein Geist seine, wenn auch widerwillige, Bereitschaft. Ich nahm meinen Feldstecher und versuchte die Nacht zu durchdringen.
"Die sind ruhig", sagte Mr Bush zufrieden und verächtlich zugleich. "Ich denk mal, ihr Führer hat ihnen Fressen, Kacken und Pennen befohln."
"Oder jede Menge Uschischisch", warf Staff Sergeant Shaw leise ein und jemand knuffte ihn fröhlich dafür.
"Shaw, wie sieht es in ihrem Zug aus?", wollte ich von ihm wissen.
"Ziemlich übel, Sir." Er wurde ernst. "Die haben uns ganz schön zugerichtet. Bin froh, dass seit heute Nachmittag nichts mehr gelaufen ist. Die Jungs sind erledigt, auch im Kopf, Sir."
Ich nickte und betrachtete die Dunkelheit vor mir. "Das habe ich mir gedacht", war meine Antwort. Ich hatte das Gleiche gesehen. Also blieb nur einer übrig. "Mr Bush, wecken Sie Corporal Nordveit und bringen Sie ihn zu mir."
"Yep, Sir."

Auf dem Rand des Schützenloch sitzend dachte ich nach.
"Tee, Sir?"
"Gern."
Wo diese Stimme den Tee her hatte war mir ein Rätsel. Doch die Wärme tat gut. Es war ganz und gar nicht kalt, doch dies heiße Etwas, das unter normalen Umständen niemand als Tee bezeichnet hätte, vermittelte meinen Inneren den trügerischen Eindruck von Geborgenheit, war ein Stück England, ein ruhender Pol in diesem viel zu großen klassischem Drama aus Zerstörung, Tod, Mechanik und Macht. Ein Flugzeug raste im Tiefstflug über uns hinweg. Es flog von Süd nach Nord. Weit hinter uns warf es seine Bombe ab. Das war die einzige Vorstellung, die die Luftwaffe für uns in der Normandie gab. Es war ziemlich erbärmlich und ziemlich beruhigend.




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

Die Sprache der wörtlichen Rede ist Englisch. Kursiv gesetzte Worte in wörtlicher Rede sind deutsche Worte.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Graeculus (69) (13.10.2018)
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 13.10.2018:
Ich denke, dass diese Empörung psychologisch plausibel ist. Sie lenkt davon ab, über die Berechtigung des Tötens von Menschen nachdenken zu müssen. Außerdem kann der Soldat als "Tötungsmaschine" sich so beweisen, dass er noch sensibel ist und sich als guter Mensch fühlen.

Ich halte auch den traumlosen Schlaf im Schützenloch für psychologisch nachvollziehbar. Er sichert das Überleben der Seele, die sonst unter zu großen Belastungen dem Wahnsinn verfiele.
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Graeculus (69) antwortete darauf am 13.10.2018:
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 13.10.2018:
Ich denke, was ihr an Gründen anführt, warum der Tod von Tieren nahe geht, sind alle gut. Eine besondere Stellung nehmen Pferde ein, die für die Beweglichkeit der Wehrmacht ein große Rolle spielten. So hatte z.B. eine deutsche Infanterie-Division des Zweiten Weltkriegs im Sollbestand mehr Pferde als eine deutsche Kavallerie-Division des Ersten Weltkrieges.

Die Reaktion deutscher Soldaten auf die von der Roten Armee eingesetzten "Antipanzerhunde" ist überliefert. Natürlich wurden sie erschossen, nachdem man wusste, warum Hunde auf dem Schlachtfeld herumliefen. (Diese Taktik war dann auch so erfolglos, dass die Rote Armee recht bald auf solche Tiere verzichtet. Nicht aus Tierliebe, aber das Verhältnis Aufwand (Training der Hunde)-Ertrag war einfach zu katastrophal. (Schließlich kann man Hunden nicht drohen, dass sie, wenn sie sich widersetzen, in eine Bestrafungseinheit kommen oder gar erschossen werden. Man muss sie konditionieren, damit sie machen, was sie man will.)

Außerdem löste dieses Vorgehen bei den deutschen Soldaten Empörung und rasende Wut aus, Hunde derart zu ge-/missbrauchen.
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 27.10.2018:
Ein Zitat eines namentlich nicht bekannten Leutnants der Luftwaffe:
"Am zweiten Tage des Polenkrieges musste ich auf einen Bahnhof von Posen Bomben werfen. (...) Da hatte ich keine Freude dran. Am dritten Tage war es mir gleichgültig und am vierten Tage hatte ich meine Lust daran. Er war unser Vorfrühstücksvergügen, einzelne soldaten mit Maschinengewerhren durch die Felder zu jagen und sie dort mit ein paar Kugeln im Kreuz liegen zu lassen. (...) Auch Leute. (...) Jetzt ging es in der Linkskurve los, mit allen MGs und was du machen konntest. Da haben wir Pferde herumfliegen sehen. (...) Die Pferde taten mir leid, die Menschen gar nicht. Aber die Pferde taten mir leid bis zum letzten Tag."


Zitiert nach: Neitzel, Sönke; Welzer, Harald; Soldaten; Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben; Frabkfurt a.M. 2011, ND 2012; 84f.
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (27.10.2018)
Mitgefühl, dass sich für eine Kuh zeigt, ist in diesen Situationen gut vorstellbar.
Ich meine gelesen zu haben, dass die Luftwaffe wenig präsent war.
TT
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TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 27.10.2018:
Ein Zitat eines namentlich nicht bekannten Leutnants der Luftwaffe:
"Am zweiten Tage des Polenkrieges musste ich auf einen Bahnhof von Posen Bomben werfen. (...) Da hatte ich keine Freude dran. Am dritten Tage war es mir gleichgültig und am vierten Tage hatte ich meine Lust daran. Er war unser Vorfrühstücksvergügen, einzelne soldaten mit Maschinengewerhren durch die Felder zu jagen und sie dort mit ein paar Kugeln im Kreuz liegen zu lassen. (...) Auch Leute. (...) Jetzt ging es in der Linkskurve los, mit allen MGs und was du machen konntest. Da haben wir Pferde herumfliegen sehen. (...) Die Pferde taten mir leid, die Menschen gar nicht. Aber die Pferde taten mir leid bis zum letzten Tag."


Zitiert nach: Neitzel, Sönke; Welzer, Harald; Soldaten; Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben; Frabkfurt a.M. 2011, ND 2012; 84f.

Anscheinend wurden Tiere als unschuldig betrachtet, Zivilisten eher nicht.



Die deutschen Soldaten in der Normandie sprachen, analog zum sogenannten "deutschen Gruß", spöttisch vom "deutschen Blick", der ständig zum Himmel, auf der Suche nach alliierten Fliegern, ging.
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Veröffentlicht am 13.10.2018, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 13.10.2018). Textlänge: 803 Wörter; dieser Text wurde bereits 103 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 11.12.2019.
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