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35 - BrudenellInhaltsverzeichnis37 - Reste

36 - Erledigt

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der Vormarsch gestaltet sich zäh. Den ersten Schuss, den er abgibt, gilt einem eigenen Mann, um ihn von einem qualvollen Feuertod zu erlösen. In einem erbitterter Kampf um ein Waldstück mit Truppen der Waffen-SS wehrt die Kompanie unter Verlusten die Gegenangriffe ab. Danach wird die Kompanie auf ein Dorf angesetzt.




"Weg hier", flüstere ich den anderen warnend zu. Und panisch. Vic entdeckt ein Fenster auf der Rückseite des Hauses, durch das wir verschwinden. Mehrere SS-Grenadiere laufen parallel zu uns die Straße entlang. Als wir den nächsten Garten durchquert haben, sind sie verschwunden. Das war das Werk von einigen Handgranaten. Die Männer des dritten Zuges, die hier liegen, hätten fast auf uns geschossen. Im letzten Moment erkennen sie uns. Wir klettern in ein Haus und laufen durch eine ehemalige Küche in ein ehemaliges Wohnzimmer. In einer Ecke beugt sich ein Sanitäter über einen schreienden Mann und Fitzmaurice ist da.
"Sergeant?"
Sein Gesicht ist dreckverschmiert. So wirkt er noch verbitterter.
"Wir halten sie auf. Aber es wäre gut, wenn sie uns den Tiger1 vom Hals schaffen." Pause. "Sir."
"Wir sind dabei, Sergeant, keine Sorge."

Vic und ich hasten weiter. Plötzlich steht ein SS-Grenadier auf der Straße, allein, umgeben von meinen Soldaten. Er will seinen Karabiner fallen lassen. Doch es ist bereits zu spät. Einer der Männer rammt im die Mündung seines Gewehres in den Magen und drückt ab. Geschosse von Nebelwerfern rauschen heran. Sie schlagen weit jenseits des Ortes ein. Irgendwie gelingt es uns in dem ganzen Tohuwabohu Mr Bush zu finden.
"Die Jungs schlagn sich ganz gut. Wenn dieser verdammte Tiger nich wär."
Aus den Augenwinkeln sehe ich einen Toten in einem Kellereingang liegen. Er trägt unsere Uniform. Ich erläutere beiden meinen Plan. Mr Bush ist skeptisch.
"Das is nen Tiger", mehr sagt er nicht.
Aber wir müssen es versuchen. Jeder von uns schnappt sich eine PIAT2 und lädt sie. Mr Bush läuft nach hinten, schlägt einen weiten Bogen, um auf die andere Seite des Panzers zu gelangen. Auf seinem Weg findet er Staff Sergeant Shaw und schickt ihn zu mir.
"Ray, sie müssen uns die Infanterie vom Hals halten. Wir gehen den Tiger an und können darauf kein Auge haben."
"Keine Sorge, Sir, wird erledigt. Was tut man nicht alles für fünf Pfund." Weg ist er.

Vic und ich schleichen auf die Straße zu, die von Süd nach Nord durch den Ort führt, auf der der Tiger feuerspeiend vorwärts kriecht. Mehr als hoffen können wir nicht, dass Mr Bush inzwischen auf der anderen Seite angekommen ist. Der Kreuzung kommen wir immer näher. Der Lärm des Panzers wird immer lauter. Mit stockendem Atem pressen wir uns gegen eine Hauswand auf der linken Seite. Putz rieselt auf uns hernieder. Ich drehe den Kopf und blicke Vic direkt in die Augen. Sein Gesicht ist eine steinerne Maske. Ich werde auch nicht besser aussehen. Bevor die lange Kanone des Tigers auftaucht, verstärkt sich das Infanteriefeuer. Das stählerne Ungetüm fährt langsam auf die Kreuzung. Ohne begleitende SS-Grenadiere! Als er gänzlich zu sehen ist, gibt es eine nutzlose Explosion an seiner anderen Seite. Das war Mr Bushs PIAT. Und tatsächlich dreht sich darauf nicht nur der Turm, sondern der ganze Panzer. Doch für diese engen Straßen ist das Biest einfach zu groß. Er kann sich kaum bewegen, so dass wir sein Heck nicht zu sehen bekommen. Scheiß Plan. Ich befehle trotzdem: "Los!"

Vic und ich feuern gleichzeitig. Die Einschläge liegen eng beieinander. Die Panzerung haben die Geschosse nicht durchschlagen. Wir fluchen gleichzeitig und gotteslästerlich. Ganz umsonst war der Beschuss jedoch nicht. Die Kette ist getroffen. Der Tiger ruckelt noch ein kleines Stück vorwärts, dann springt sie ganz ab. Die Kanone knallt in alle Richtungen und auch sein Maschinengewehr knattert ununterbrochen. Schließlich entscheidet sich der Kommandant nachzusehen, was mit seinem Giganten nicht stimmt. Er schiebt sich langsam aus der Luke und ein sauberer Kopfschuss trifft ihn. Der Tiger ist nun ein waidwundes Meisterwerk der Ingenieurskunst und führerlos. Doch die verbliebenen Besatzungsmitglieder haben schnell eine Entscheidung getroffen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich meine irgendwo nach dem Krieg gelesen zu haben, dass ein Tiger ohne Kette sich gar nicht bewegen kann, zumal in schwerem Gelände. Dieser kann es. Er ruckelt, zieht beim Rückwärtsfahren immer wieder nach rechts, reißt Häuserecken ein, aber er bewegt sich. Die SS-Grenadiere sammeln sich um das verwundete Monster und verhindern so, das wir ihm zu nahe kommen. Ihr Rückzug zum und hinter den Hügel kostet sie keinen Mann mehr. Alle sind müde, unsere Hände zittern und wir sind auch nur noch sehr wenige ohne ausreichend Munition. Bevor er hinter dem Kamm verschwindet, schiebt der Tiger noch mit Leichtigkeit, das Wrack des Panzercaptains beiseite. Der Kampf ist vorüber. Mit einem letzten Blick auf die ausgebrannten Cromwells3 meint ein Soldat neben mir: "Wie gut, dass wir keine Panzerheinis sind."




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

1 Tiger -  Schwere deutscher Kampfpanzer. Bis heute legendär und bei alliierten Truppen gefürchtet.

2 PIAT - Britische  Panzernahbekämpfungswaffe für Infanterie. Auf dem Armbrustprinzip beruhend.

3 Cromwell - 1944/45 britischer  mittlerer Standardkampfpanzer.


 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (21.10.2018)
Sehr spannend erzählt. Der Erzähler und seine Kameraden haben Glück gehabt. Wieviele Soldaten sind bei dem Versuch, einen Panzer zu knacken, umgekommen. Aber wir sehen, dass auch die Besatzung eines Panzers, wenn sie sich wie der Kommandant aus der Deckung wagt, höchst gefährdet ist.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 21.10.2018:
Sogenannte "Heldentaten" unterscheiden sich in der Tat zumeist nur darin von anderen Handlungen, dass sie irgendeinen beobachtbaren Erfolg zur Folge haben - was nicht selbstverstädnlicherweise das Überleben des "Helden" mit einschließt. Aber auch dafür gibt es Orden. Die machen sich so gut auf Samtkissen präsentiert auf Beerdigungen.

Offtopic:
In Kriegszeiten sind Scheinbestattungen - d.h. Bestattungen ohne Leichnam (der übliche griechische Begriff fällt mir gerade nicht ein) - in der Heimat zwar nicht die Regel, kommen aber öfters vor. Hingegen werden Soldatenfriedhöfe und Einzelgräber, die in eroberten Gebieten angelegt wurden, beim Rückzug aus diesen zumeist eingeebnet, um den Feind durch Inschriften keine Informationen zu hinterlassen.

Betrachtet man Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg, ist das häufige Auftauchen von Kriegsgräbern recht auffällig. Was zunächst sinnlos bzw. ernüchternd erscheint, soll jedoch den Eindruck erwecken, dass man sich um die Gefallenen kümmere und sie in angemessenen Ruhestätten beerdigen würde.

In der Tat verfügte jede größere Einheit über Kommandos, die die Gefallenen bargen. Ich selbst habe hier ja auch eine solche Szene beschrieben. Doch oft war von den Toten ja gar nichts mehr übrig, bzw. waren die Überreste nicht zu identifizieren.
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 21.10.2018:
Das von mir gesuchte Wort ist "Kenotaph ".

Mein Dank geht an Graeculus.

Antwort geändert am 21.10.2018 um 15:55 Uhr
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Graeculus (69) schrieb daraufhin am 21.10.2018:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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EkkehartMittelberg äußerte darauf am 21.10.2018:
@Trekan: Die Vergänglichkeit des Menschen ist ein Topos in der Literatur. Aber wie bedrückend wird diese Erkenntnis, wenn von Toten gar nichts mehr übrig ist bzw. ihre Überreste nicht zu identifizieren sind.
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TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 21.10.2018:
@ Graeculus:

Ich habe von fällen von Piloten aus der "Reichsverteidigung" gelesen, bei denen die Beerdigungen Scheingrablegungen waren, ohne das die Angehörigen das wussten. Ob das die ursprüngliche Idee eine Kenotaph ist, sei mal dahingestellt.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 21.10.2018:
@ Ekki:

Es bleibt dann nur die Ungewissheit (selbst wenn es eigentlich gewiss ist). Das Abschiednehmen ist auf jeden Fall ein wichtiger Bestandteil in allen Kulturen der Menschen - und nach Beobachtung auch in der Kultur bestimmter hochentwickelten Tiergattungen (Elefanten, Löwen). Wird uns dies (das Abschiednehmen) vorenthalten, fehlt etwas.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 21.10.2018:
@ Graeculus:

Mir fällt auch gerade ein, dass man die Gebeine einiger Gefallenen nach dem Krieg zurück nach Deutschland geholt und diese stellvertretend für alle Gefallene einer Einheit - meistens auf Divisionsebene -in Deutschland neu bestattet hat, um den Hinterbliebenen aller Toten einen Ort zum Trauern zu schaffen.

In England findet man bis heute in allen alten Schule Gedanktafeln für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen. Dafür gab es einen Bedürfnis u.a. wegen der sogenannten pal bataillons.
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (30.10.2018)
Jetzt erinnere ich mich, auf die Ketten schießen, das ist die Schwachstelle.
Ob das stimmt? Keine Ahnung.
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Graeculus (69) meinte dazu am 30.10.2018:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 30.10.2018:
Das mit den weißen ausgefüllten Kreuzen stimmt. Nach dem Polenfeldzug wurden sie ersetzt. Dafür bediente sich das Heer der Balkenkreuze, wie sie bei der Luftwaffe verwendet wurden.  Dieses Symbol (und seine Varianten) ist dann das, das wir in der regel mit der Wehrmacht verbinden.



Ja, die Ketten sind ein Schwachpunkt des Panzers. Ebenso wie der Drehkranz oder die Kanonenblende. Allerdings sind diese Teile auf große Entfernungen natürlich extrem schwer zu treffen. Außerdem schalten sie einen Panzer nicht zwangsläufig endgültig aus. Wer das Schlachtfeld beherrscht/besetzt, kann seine beschädigten Fahrzeuge bergen.

Offtopic:
Statistisch betrachtet kommt beim Verlust eines Panzers im Zweiten Weltkrieg 1 Besatzungsmitglied ums Leben. Bei Besatzungen von 4-5 Mann gibt es da also eine gute Überlebenschance. Ich habe von britischen Panzersoldaten gehört, die allein In Nordafrika 15 Mal aus ihren Panzerwracks aussteigen konnten.

Aber das ist Statistik. Eine weitere ist, das - nach heute bekannten Zahlen(!) - von 400.000 Panzersoldaten der Roten Armee, im Zweiten Weltkrieg 300.000 ums Leben kamen. allerdings waren nach der Doktrin der Roten Armee Panzer auch "Verbrauchsmaterial".


Im Orts- und Häuserkampf sieht die Sache ganz anders aus. Da sind Panzer gegen sogenannte "Panzernahbekämpfungsmittel" sehr anfällig. Sie sind jedoch auch ein starke Waffe, auch innerstädtisch. Werden sie von Infanterie gesichert, sind es fahrende Bunker.

Die von den britischen Protagonisten hier benutzte PIAT war eine eher unterdurchschnittliche Waffe. Gegen die Front- und Seitenpanzerung eines "Tigers" konnte sie nicht durchschlagen. Darum sollte Mr Bush den Panzer ja auch dazu verleiten, sich zu drehen und so das verwundbare Heck zu exponieren. Genau betrachtet, konnten die Protagonisten eigentlich nur damit rechnen, den Panzer zum Rückzug zu zwingen.
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