Login für registrierte Nutzer
Benutzer: Passwort:

Noch nicht bei KV registriert?
Jetzt registrieren!
KV ist kostenlos und werbefrei!

Neu bei uns:
Hannelore (05.12.), pawelekmarkiewicz (28.11.), Graeculus (28.11.), keinleser (25.11.), Sandfrau (18.11.), Loewenpflug (14.11.), Tigerin (12.11.), Seifenblase (12.11.), Marty (05.11.), Slivovic (22.10.), C.A.Baer (19.10.), Swiftie (15.10.)...
Übersicht aller neuen Autoren und Leser
Wen suchst Du?

(mindestens drei Buchstaben)

Zur Zeit online:
KeinVerlag.de ist die Heimat von 663 Autoren* und 75 Lesern*. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.

(*Im Gegensatz zu allen anderen Literaturforen zählen wir nur die aktiven Mitglieder, da wir uns als Community verstehen und nicht als Archiv toter Texte. Würden wir alle Nutzer zählen, die sich seit Gründung hier angemeldet haben, und nur die abziehen, die sich selbst wieder abgemeldet haben oder rausgeworfen wurden, kämen wir auf 14.914 Mitglieder und 431.583 Texte. Musste auch mal gesagt werden.)

Genre des Tages, 13.12.2019:
Ballade
Während Gedichte meist ohne Handlung auskommen, nimmt die Ballade eine Sonderstellung ein. Sie hat dramatische, manchmal... weiterlesen
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Liebe darf auf Liebe hoffen Version 2 von franky (07.12.19)
Recht lang:  Copa do mundo von Didi.Costaire (2917 Worte)
Wenig kommentiert:  Auf und Nieder ( Invidia ) von Saligia (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  Ich bin ein Vagabund von Februar (nur 23 Aufrufe)
alle Balladen
Lest doch mal ...einen Zufallstext!
Unser Buchtipp:

Verdächtige und andere Katastrophen
von Delphinpaar
Projekte

keineRezension.de
KV woanders

keinVerlag.de auf Facebook
Eine Meinung: "Ich bin bei keinVerlag.de willkommen, weil so einer wie ich hier noch fehlte" (Jorge)
37 - ResteInhaltsverzeichnis39 - Belohnung

38 - Straße

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der Vormarsch gestaltet sich zäh. Den ersten Schuss, den er abgibt, gilt einem eigenen Mann, um ihn von einem qualvollen Feuertod zu erlösen. In einem erbitterterten Kampf um ein Waldstück mit Truppen der Waffen-SS wehrt die Kompanie unter Verlusten die Gegenangriffe ab. Auch der Kampf um ein weiteres Dorf fordert Tote.




Zurück auf der Straße musste ich zunächst einmal zur Seite springen, um nicht von einem Motorradkurier angefahren zu werden. Auf einer nahen Kreuzung bewegten sich mehrere Laster hupend in einem nicht erkennbarem Muster hin und her. Im Schritttempo. Brüllende und schimpfende Fahrer übertönten noch das tiefe Brummen der Motoren. Zwei Militärpolizisten saßen im Schatten der Überreste eines Baumes austrainiert und locker auf ihren Motorrädern und unterhielten sich. Ich ging auf sie zu.
"Ist das nicht eure Aufgabe?" Ich deutete auf das Lasterknäuel.
Ärgerlich unterbrachen die beiden ihre Unterhaltung und begutachteten, wer denn da vor ihnen stand. Es waren ein Sergeant und ein Corporal. Ein Captain der Infanterie beeindruckt Militärpolizisten in der Regel wenig.
"Sir?", sagte der eine und er zog das Wort unnötig in die Länge, weil er meinte: "Verpiss dich!"
"Verkehr regeln", sagte ich ebenso gedehnt. "Ich dachte, dazu seid ihr da." Es fiel mir schwer, dass Wort 'Heinis' zu unterdrücken. „Ich werde wohl einen Bericht schreiben müssen.“

So lange ich in der Armee bin, hat das immer geholfen. Ganz gleich ob man nun einen aufmüpfigen Soldaten oder einen selbstgerechten Vorgesetzten vor sich hat. Niemand will, dass sein Name in einem Bericht steht, zumindest nicht, wenn der mit den Worten Ich werde wohl einen Bericht schreiben müssen angekündigt wird. Und in der Tat sprangen die beiden Laumacher sogleich auf, übertönten mit ihrem Gebrüll selbst die Fahrer der unzähligen Laster. Es dauerte gar nicht lange, bis der Verkehr auf der Kreuzung in geordneten Bahnen verlief. Auf der anderen Seite der Straße stand ein ältere Mann, der alles beobachtet hatte und nun grüßend seine Baskenmütze lüftete. Ich lächelte zurück und ging weiter. Zumindest das hatte ich für meinen Freund den Bürgermeister tun können.

Ein Stück weiter die Straße hinauf kam ich an einem Dutzend Leuten vorbei, die an einem Tankwagen Schlange standen. Die Wasserversorgung schien zusammengebrochen zu sein. Sie hatten Eimer dabei, Töpfe und zwei junge Frauen trugen gar eine gusseiserne Wanne. Obwohl sie die bereits jetzt kaum fortbewegen konnten, wollten sie diese Monstrum aus einer Zeit, in der es noch keine Weltkriege gab und Männer ohne Hut nicht aus dem Haus gingen, mit Wasser füllen lassen. Ein Mann um die fünfzig mit starrem Blick hatte nur noch einen Arm, dafür aber drei leere Eimer mitgebracht. Keiner dieser Menschen verbreitete die sprühende Erregung der Befreiung, die man von den Fotos kennt, die Ende August 1944 in Paris aufgenommen wurden. Kein de Gaulles marschierte hier stolz die Straße entlang. Niemandem war nach Jubel zumute. In diesem Dorf war mehr die matte Erlösung zuhause, die man verspürt, wenn man selbst noch einmal davongekommen ist und andere nicht.
Als die Anstehenden mich bemerkten und sahen, dass ich sie beobachtete, versuchten einige zu lächeln. Sie brachten allerdings nicht mehr als eine Grimasse der Erschöpfung zustande. Ein kleines Mädchen, das ihre Mutter fest bei der Hand hielt und das eine scharlachrote Mütze auf dem Kopf hatte, machte das V-Zeichen1. Ich kramte in meinen Taschen, ging zu ihr und reichte ihr den zerdrückten Armeeschokoriegel, den ich gefunden hatte. Sie griff blitzschnell zu und versteckte sich und ihre Beute hinter dem Rock ihrer Mutter.
"Merci."
Mehr als ein Nicken brachte nun ich nicht zustande und zog weiter.

Die Kirche war nicht mitten im Ort, sondern etwas am Rand gelegen. Direkt an der Straße errichtet war sie von einer ehemals schulterhohen Mauer umgeben. Ich kenne mich mit Architektur nicht aus, doch auch ein Experte hätte Schwierigkeiten gehabt, den Baustil zu erkennen und damit ihr Alter zu bestimmen. Sie war zerschossen. Die obere Hälfte des Turmes fehlte ganz. Das Kirchenschiff war so löchrig wie der Mund eines irren Alten und auf der der Straße zugewandten Seite fehlten zwei Drittel des Daches. Kein Fenster war heil geblieben. Bei ihr angekommen blieb ich stehen und schaute über die Mauer. Das musste einmal ein Friedhof gewesen sein. Ich sah Steinbrocken, die Fragmenten von Grabsteinen ähnelten. Er war durch Beschuss und Spaten umgegraben worden. In einer Ecke entdeckte ich die Überreste eines auf dem Kopf liegenden Kübelwagens. Keine Ahnung, wie der dorthin gekommen war. Mit der ewigen Ruhe war es auf jeden Fall vorbei. Es sah so aus, als hätten die Verstorbenen sich erhoben, zusammengerotten und wären weitergezogen an einen andern Ort, wo sie die Ewigkeit ungestört von Menschen verbringen konnten. Seit diesem Tag weiß ich, dass es nicht die Toten sind, die in Geistergestalt eine Heimsuchung für die Lebenden sind. Es ist wohl eher umgekehrt.
Ein leises Schnurren drang an meine Ohren, als einmal kein Lastwagen die Straße entlangbrummte. Nach einigem Suchen entdeckte ich den buschigen Schwanz eines Fuchses. Er grub eifrig ein Loch, weil er glaubte, etwas Fressbares gefunden zu haben. Ich wollte gar nicht wissen, was das war und machte mich schleunigst auf den Heimweg.




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

1 V-Zeichen - Eigentlich "Victory"-Zeichen. Westalliiertes Siegeszeichen, gespreizter und erhobener Mittel- und Zeigefinger.


 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (24.10.2018)
Angedrohte Berichte haben eine ordnende Wirkung. Wenn etwas berichtetwird, kann das eine Eigendynamik entwickeln und für den, über den berichtet wird, sehr unangenhem werden. Diese Erfahrung scheint international zu sein.
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh meinte dazu am 24.10.2018:
In stark formalen menschlichen Strukturen sind Formulare nicht zu unterschätzen.
diese Antwort melden
Kommentar von Graeculus (69) (24.10.2018)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden
Sin (53) antwortete darauf am 24.10.2018:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diese Antwort melden
TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 24.10.2018:
Alfred Biolek erzählte in einer seiner Sendungen mal:
A.B.: "Wissen Sie, wie sie herausfinden, ob der Fisch frisch ist?"
Gast: "Nein."
A.B.: "Sie schauen dem fischhändler lange und tief in die Augen und fragen dann: Ist der Fisch auch frisch?"
Gast: "Das funktioniert?"
A.B.: "Nein. Aber es ist eine schöne Geschichte."



Alles was aus der Richtung von Churchill kommt, würde ich so zunächst einmal NICHT glauben. Er hat seine Rolle im Zweiten Weltkrieg und die Geschichte Englands im Allgemeinen IMMER verklärt (und verklärt ist noch nett gesagt...).
diese Antwort melden
Graeculus (69) äußerte darauf am 24.10.2018:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diese Antwort melden
TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 25.10.2018:
Dein Bekannter ist sicherlich sehr viel vertrauenswürdiger als Winston Churchill.
diese Antwort melden
Kommentar von Sin (53) (24.10.2018)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh meinte dazu am 24.10.2018:
Wenn du auf die Einleitungsseite der Geschichte schaust, wirst du feststellen, dass es sich immer um die 500 bis 850 Worte handelt, mit Was bisher geschah ... als kleines Erinnerungshelferlein. Mehr ist es nur, wenn ich das aus dramaturgischen Gründen für unbedingt nötig halte. Und nach 2 Teilen an zwei Tagen folgt ein Ruhetag (chrrrrr...). Wie oben: Ausnahme dramaturgische Gründe.

Die intensivsten Kampfbeschreibungen an sich haben die Leser auch hinter sich.

"Gut und flüssig" gefällt mir. Ich bemühe mich - unter anderem - so zu schreiben, dass der Leser sich mit dem Inhalt, dem "Was" beschäftigen kann, nicht dem Stil an sich, dem "Wie". Wenn das zur Folge hat, dass ein Leser den Stil erst später bemerkt, ist mir das durchaus recht.

Antwort geändert am 24.10.2018 um 22:46 Uhr
diese Antwort melden
Dieter Wal
Kommentar von Dieter Wal (25.10.2018)
Der entschiedene Vorteil Kriegstraumatisierter des 2. Weltkrieges liegt darin, dass sie über den 2. WK keine Romane schreiben. Nicht einmal für kV.
diesen Kommentar melden
Graeculus (69) meinte dazu am 25.10.2018:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diese Antwort melden
Dieter Wal meinte dazu am 26.10.2018:
Jüngers Strahlgewitter. Dass du Schmonzetten wie "Das geduldige Fleisch" auch nur erwähnst... (Ich weiß, der kommt aus Döbel. Borchert halte ich für keinen Romancier des 2. WK. Eher für einen radikalen Pazifisten, der im 3. Reich lebte, auch darüber schrieb und an den Haft-Folgen einer Denunziation, er hatte Hitler parodiert, starb.

Antwort geändert am 26.10.2018 um 09:41 Uhr
diese Antwort melden
TrekanBelluvitsh meinte dazu am 28.10.2018:
"What passing-bells for these who die as cattle?
— Only the monstrous anger of the guns.
Only the stuttering rifles' rapid rattle
Can patter out their hasty orisons.
No mockeries now for them; no prayers nor bells;
Nor any voice of mourning save the choirs,—
The shrill, demented choirs of wailing shells;
And bugles calling for them from sad shires.

What candles may be held to speed them all?
Not in the hands of boys, but in their eyes
Shall shine the holy glimmers of goodbyes.
The pallor of girls' brows shall be their pall;
Their flowers the tenderness of patient minds,
And each slow dusk a drawing-down of blinds."

- Wilfred Owen -
diese Antwort melden
TrekanBelluvitsh meinte dazu am 29.10.2018:
Schlachthof 5 oder der Kinderkreuzzug von Kurt Vonnegut.
diese Antwort melden
TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (31.10.2018)
Das ist monströs, man mag es sich gar nicht vorstellen, Sprenggeschosse oder Bomben die auf einem Friedhof einschlagen!
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh meinte dazu am 31.10.2018:
Aus einem anderen Krieg:

Im amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) tobte vom 1.-3. Juli 1863 die Schlacht von Gettysburg. Vor allem am ersten Tag wurde auch um die Stadt Gettyburg selbst gekämpft und damit auch im den Friedhof von Gettyburg. An dessen Eingang hing ein Schild: "Das Benutzen von Schusswaffen ist auf dem Friedhof verboten."
diese Antwort melden

37 - ResteInhaltsverzeichnis39 - Belohnung
TrekanBelluvitsh
Zur Autorenseite
Zum Steckbrief
Zum Aktivitäts-Index
Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Am Rande des Verstands.
Veröffentlicht am 24.10.2018, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 24.10.2018). Textlänge: 902 Wörter; dieser Text wurde bereits 103 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 11.12.2019.
Was meinst Du?
Diesen Text kommentieren
Schlagworte
Krieg 1944 Menschen
Mehr über TrekanBelluvitsh
Mehr von TrekanBelluvitsh
Mail an TrekanBelluvitsh
Blättern:
voriger Text
nächster Text
Weitere 10 neue Erzählungen von TrekanBelluvitsh:
35 - Brudenell 59 - Beurteilung 58 - Engländer 57 - Uhr 48 - Adamson 34 - Schluss 32 - Cromwells Anhang A - Einheiten im 2. Weltkrieg 30 - Reaktionen Gegen die Götter
Mehr zum Thema "Krieg/ Krieger" von TrekanBelluvitsh:
Ares herrscht! Krieg und Mythos: Die Waffen-SS - Ein Überblick Die Wehrmacht - Ein Statement Sommer 1939: Keine Chance Am Rande des Verstands 61 - Gewonnen 60 - Aufbruch 59 - Beurteilung 58 - Engländer 57 - Uhr 56 - 1948 55 - Ardnamurchan 54 - Nacht 53 - Kriegsende 52 - Der Brief
Was schreiben andere zum Thema "Krieg/ Krieger"?
Hirntotgesagte leben länger? (Oggy) Silberstreifen (Buchstabenkrieger) KlimaText (Gigafchs) Wieder einmal (albrext) von vätern und söhnen (Perry) Sog (Buchstabenkrieger) die Geister der Vergangenheit (souleria) That old flower power dream (Regina) Mein Krieg (klaatu) Papierkrieger (Ralf_Renkking) und 276 weitere Texte.
Dieser Text ist höchstwahrscheinlich urheberrechtlich geschützt. mehr Infos dazu
diesen Text melden
© 2002-2019 keinVerlag.de   Impressum   Nutzungsbedingungen 
KV ist kein Verlag. Kapiert?
© 2002-2019 keinVerlag.de