Login für registrierte Nutzer
Benutzer: Passwort:

Noch nicht bei KV registriert?
Jetzt registrieren!
KV ist kostenlos und werbefrei!

Neu bei uns:
C.A.Baer (19.10.), Swiftie (15.10.), georgtruk (12.10.), Amadeus (11.10.), Rege-Linde (07.10.), Markus_Scholl-Latour (02.10.), MYDOKUART (24.09.), gerda15 (22.09.), Paul207 (22.09.), Simian (18.09.), norbertt (14.09.), Fischteig (13.09.)...
Übersicht aller neuen Autoren und Leser
Wen suchst Du?

(mindestens drei Buchstaben)

Zur Zeit online:
KeinVerlag.de ist die Heimat von 678 Autoren* und 86 Lesern*. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.

(*Im Gegensatz zu allen anderen Literaturforen zählen wir nur die aktiven Mitglieder, da wir uns als Community verstehen und nicht als Archiv toter Texte. Würden wir alle Nutzer zählen, die sich seit Gründung hier angemeldet haben, und nur die abziehen, die sich selbst wieder abgemeldet haben oder rausgeworfen wurden, kämen wir auf 14.901 Mitglieder und 430.244 Texte. Musste auch mal gesagt werden.)

Genre des Tages, 22.10.2019:
Sage
Sagen sind Erzählungen über für wahr gehaltene oder auf einem wahrem Kern beruhender Begebenheiten, die im... weiterlesen
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Frauen und Mädchen in der Geschichte von Jack (30.09.19)
Recht lang:  Maria & Joshua von wa Bash (3152 Worte)
Wenig kommentiert:  Quaksundrem von leorenita (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  Ätznatron verliert den Verstand und gewinnt das ewige Leben von LotharAtzert (nur 194 Aufrufe)
alle Sagen
Lest doch mal ...einen Zufallstext!
Unser Buchtipp:

Zwischen Tag und Traum
von Lena
Projekte

keineRezension.de
KV woanders

keinVerlag.de auf Facebook
Eine Meinung: "Ich bin bei keinVerlag.de willkommen, weil ich gut bin" (Harmmaus)
39 - BelohnungInhaltsverzeichnis41 - Held

40 - Unwirklichkeit

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der Vormarsch gestaltet sich zäh. Den ersten Schuss, den er abgibt, gilt einem eigenen Mann, um ihn von einem qualvollen Feuertod zu erlösen. In einem erbitterterten Kampf um ein Waldstück mit Truppen der Waffen-SS wehrt die Kompanie unter Verlusten die Gegenangriffe ab. Auch der Kampf um ein weiteres Dorf fordert Tote. Es folgt eine  kurze Erholungspause.




"Wozu das Papier, Mr Bush?"
"Och, ich hab nen Brief von meiner Emma bekommn. Hat mit Freunden nach fünf Jahren mal wieder nen Ausflug zu nem Landgasthaus in der Nähe von London gemacht. Da hat sie ne ganz bezaubernde Bedienung kennengelernt. Hat sie überzeugt. War gar nicht schwer. Wollte weg aus der Spelunke. Jetzt hilft sie in unserm Laden aus. Wie heißt die nochmal?"
"Renee!"

Mit einem Schmunzeln schloss Mr Bush die Tür. Zunächst löffelte ich meinen Teller leer. Dann schob ich ihn von mir fort und nahm Papier und Füllfederhalter zur Hand. Doch ich zögerte. Und zitterte. Was sollte ich ihr schreiben?
'Liebe Renee, ein Drittel meiner Männer ist tot. Mir geht es prima. Im Leuteumbringen bin ich echt gut und man lobt mich sogar, obwohl ich im richtigen Leben dafür an den Galgen käme. Essen und Ausrüstung sind umsonst. Herrliches Wetter hier in Frankreich.'
War das zynisch? Oder bloß die Wahrheit?

Schließlich entschloss ich mich zu ein paar netten Belanglosigkeiten. 'Ein paar Zeilen auf die Schnelle', log ich und mit 'die Zeiten sind hart, aber jeder gibt sein Bestes', 'wir tun hier des Richtige' und 'jeder ist stolz dabei zu sein und hilf dem anderen' schrieb ich die Wahrheit schön. Ich versteckte die Ereignisse der letzten Wochen hinter Phrasen, ohne zu ahnen, wie sehr ich sie damit in Schrecken versetzte. Renee war viel zu klug und dieser Krieg dauerte schon viel zu lange, als dass sie nicht wenigstens ahnen konnte, was hier vor sich ging.

Nach einer ganzen Weile klopfte es an der Tür. Madame Focard trat ein. Sie hatte zwei Eimer mit heißem Wasser dabei. Deren Inhalt schüttete sie in den Zinkbottich. Zwei ältere Knechte taten es ihr nach, bis dieser voll war. Als letztes überreichte sie mir noch ein sauberes Handtuch. Ungläubig stand ich mit offenem Mund da.
"Monsieur Bush", sagte sie leise und verschwand. Durch die geschlossene Tür rief ich ihr noch ein verspätetes "Merci" nach.

Langsam entkleidete ich mich und stieg in das heiße Wasser. Der Zinkboden war rau und stumpf auf meiner Haut. Ich hatte keine Seife. Das machte mir nichts aus. Auch so konnte ich den Dreck und den Gestank, viele Erinnerungen, Untaten und geistigen Unrat einfach abwaschen. Zumindest glaubte ich das damals. Ich blieb im Wasser, bis es eiskalt wurde. Dann stieg ich aus dem Bottich, trocknete mich mit dem sauberen Handtuch ab und legte mich in die kühlen Laken, versenkte meinen Kopf in dem hohen Federkissen. Der Schlaf kam sofort.

Als ich wieder erwachte, war der Nachmittag bereits fast vorbei. Abend und Nacht hielten sich bereit, waren aber noch nicht angetreten. Noch verbarg sich die Dunkelheit hinter dem östlichen Horizont. Ich schlüpfte in meine Uniform und schüttelte Bettdecke und Kopfkissen auf. Neben dem Sekretär entdeckte ich nun eine graue Decke, die ich über das Bett warf. Dann ging ich hinunter. Es waren keine neuen Befehle eingetroffen. Die meisten Männer der Kompanie waren inzwischen wach und hatten begonnen zu trinken. Woher sie den Alkohol hatten, war mir schleierhaft. Mr Bush schaute mich lange an.
"Sir?"
"Jaja, ich bin schon wieder weg", sagte ich, schnappte mir eine Karte der Umgebung und verschwand wieder in meinem Zimmer. Es gibt Augenblicke, in denen man den Soldaten Dinge durchgehen lassen muss, die in der Armee ansonsten gerne als Todsünde gelten. Schnaps und Wein stehen da an erster Stelle.

In meinem Zimmer angekommen, setzte ich mich an den Sekretär und vertiefte mich in die Karte. Obwohl ich sie lange studierte, kann ich mich nicht mehr an den Namen des Ortes erinnern, in dem mein Freund Bürgermeister war. Als ich sie auswendig kannte, jeden Hain und jede Straße benennen konnte, zumindest damals, faltete ich sie wieder zusammen. Ich legte sie beiseite und zückte meine Tokarew1. Mit Bedacht und mit geschlossenen Augen nahm ich sie auseinander und baute sie wieder zusammen. Dann zerlegte ich sie noch einmal in ihre Einzelteile. Die verteilte ich sorgsam auf der Platte des Sekretärs und begann sie zu reinigen. Der Ansturm der Dunkelheit hatte inzwischen begonnen und viele Farben um mich herum verschwammen bereits zu einem toten Grau. Noch konnten meine Augen allerdings genug erkennen. Meine Ohren vernahmen den zunehmenden Lärm von betrunkenen Männern. Irgendwo unter mir übergab sich der Erste. Wildes Gelächter folgte.




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

1 Tokarew - Eigentlich sowjetische  Selbstladepistole Tokarew TT-33.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Graeculus (69) (27.10.2018)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh meinte dazu am 27.10.2018:
Eine strenge Zensur gab es für Post aus Großbritannien in neutrale Länder.

Als ich die Geschichte schrieb, wusste ich darüber nichts genaues. Darum bin ich für die Geschichte davon ausgegangen, dass die Briten es vergleichbar der US-Army handhabten. Dort war der Einheitsführer für die Zensur zuständig, d.h. im Falle der Infanterie der Kompaniechef. Er konnte die Aufgabe auch delegieren. Es musste sich jedoch grundsätzlich um Offiziere handeln. Dieses System führte dazu, dass Offiziere in der Regel ihre eigenen Briefe zu zensieren hatten(sic!).

Doch selbst wenn es ein strenges System gab, konnten unmöglich alle Briefe zensiert werden. Wenn ich die Zahlen recht im Kopf habe, waren es z.B. auf deutscher Seite nur etwas über 10% (muss die Zahl noch mal nachschauen). Das führte dann dazu, dass die Soldaten recht offen über das schrieben, was sie erlebten.

Um Feldpostbriefe für historische Studien zu verwenden, ist eine sehr genaue Quellenkritik von Nöten. Gerade in sowjetischen Archiven lagern viele Fälschungen. Der "Historiker" Hannes Heer - der erste wissenschaftliche Leiter der "Wehrmachtsaustellung" - war jemand, der diese in der Regel ungeprüft übernommen hat. Da ich ihn einmal während eines Gastvortrags erleben durfte, verwundert mich das nicht. Er trat als arroganter Schnösel mit einer politischen Mission auf. Die Grundaussage der "Wehrmachtsaustellung war ja korrekt. Doch mittlerweile halte ich das eher für einen Zufall. Heers politische Mission steuerte sein Handwerk. Ganz übel, wenn du mich fragst.
diese Antwort melden
EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (27.10.2018)
Ich vermute, dass auch ohne Zensur die meisten Soldaten geschönte Briefe an ihre Angehörigen geschrieben hätten. Viele von ihnen konnten ja auch nach dem Kriege ihrer Familie ihre Erlebnisse nicht mitteilen.

Vielleicht kann man verallgemeinernd von einem schweigenden Überleben reden.
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 27.10.2018:
Die meisten werden geschönt haben, da hast du recht. Die Gründe dafür sind wohl vielfältig. Man konnte nicht die Wahrheit schreiben, man wollte nicht die Wahrheit schreiben, man durfte nicht die Wahrheit schreiben. Dabei wurde der letzte Punkt von den Soldaten oft kritisch angemerkt, weil, wie sie natürlich an sich bemerkten, die vorgegebenen Restriktionen, zu Selbstzensur führte.

All das galt für die offizielle Feldpost. Soldaten wählten auch andere Wege. Briefe Kameraden mitzugeben, die in die Heimat reisten, war eher die Regel als die Ausnahme. Wobei diese Möglichkeit sich Offizieren sehr viel öfters bot, z.B. wenn Inspekteure von Führungsstäben aus der Heimat auftraten.



Wobei der Punkt nicht wollen nicht unberücksichtg werden sollte. Es gab da einen Fall, der noch fast 40 Jahre nach dem Krieg tragisch endete:

Wie die meisten wirst du wahrscheinlich den Film/die Serie "Das Boot" kennen. Womöglich erinnerst du dich noch an die von Jan Fedder gespielte Figur des Bootsmann Pilgrim, der, in Fedders unnachahmlicher Art hauptsächlich Schlüpfriges auf unappetitliche Art und Weise von sich gab. In Buchheims Boot kommt die Figur aus dem Rheinland. Fedder macht aus ihr einen Norddeutschen, naja, weil er selbst eben Norddeutscher ist und so glaubwürdig agieren konnte.

Das Entscheidende ist, dass Buchheim diese Figur NICHT erfunden hat. Den entsprechenden Rheinländer gab es. Nach dem Krieg gab er den in seiner Gemeinde den frommen, konservativen und sittenstrengen Gläubigen - der nicht über seine Erfahrungen als U-Bootfahrer im Zweiten Weltkrieg sprechen wollte. Erst durch den Film erfuhr seine Familie, was er im Krieg getan hatte - und vor allem wie! (Das Buch hatte zuvor wohl niemand gelesen). Der Mann konnte das nicht ertragen und brachte sich um.
diese Antwort melden
EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 28.10.2018:
Die Geschichte von dem Rheinländer geht unter die Haut.
diese Antwort melden
TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (01.11.2018)
Das heutzutage zur Phrase für jede Belanglosigkeit missbrauchte "Carpe diem", hier hat es seinen Platz!
TT
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 01.11.2018:
Ganz gleich wie viel Technik um ihn herum ist. Im Krieg wird der Mensch auf seine bloße Existenz zurückgeworfen. Da werden Bad und Bett zu Vorboten des Himmels.
diese Antwort melden

39 - BelohnungInhaltsverzeichnis41 - Held
© 2002-2019 keinVerlag.de   Impressum   Nutzungsbedingungen 
KV ist kein Verlag. Kapiert?
© 2002-2019 keinVerlag.de