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43 - StrafeInhaltsverzeichnis45 - Luftüberlegenheit

44 - Risiko

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der Vormarsch gestaltet sich zäh. Den ersten Schuss, den er abgibt, gilt einem eigenen Mann, um ihn von einem qualvollen Feuertod zu erlösen. In einem erbitterten Kampf um ein Waldstück mit Truppen der Waffen-SS wehrt die Kompanie unter Verlusten die Gegenangriffe ab. Auch der Kampf um ein weiteres Dorf fordert Tote. Es folgt eine  kurze Erholungspause. Während der kommt es zu einem Angriff eines Zugführers auf den Captain, den dieser jedoch ungesühnt lässt. Schließlich wird die Kompanie wieder an die Front gebracht.




Ich war nicht dabei. Ich habe es nicht gesehen. Aber viele haben es mir beschrieben. Viel zu viele. Darum schreibe ich auf, wie es mir erzählt wurde. Was letztendlich besser ist, als müsste ich auf meine unzuverlässigen Erinnerungen zurückgreifen.



Unser Auftrag war, ein tiefes und gut ausgebautes Stellungssystem zu nehmen. Vielen erschienen angstvoll die Bilder und Geschichten vor Augen, die jeder aus und über den Großen Krieg kannte. Das Bataillon kam jedoch gut und mit minimalen Verlusten voran. Allerdings hatte dann jemand die Idee, eine Panzerbrigade in den Süden zu beordern, um diese Leute abzuschneiden. Einen ganzen Tag lang hielt man uns an. Die Panzer konnten ihre Aufgabe nur mühsam erfüllen. Die Männer fluchten, wünschten allen alliierten Generalen Pest und Cholera an denn Hals. Als wir wieder antraten, trafen wir auf den erwarteten harten Widerstand. Auch Teile der uns bereits gut bekannten SS-Division lagen verschanzt vor uns. In einem Unterstand fanden Mr Bush und Vic einen kanadischen Soldaten mit gebundenen Händen und Füßen, einer erbeuteten Luger-Pistole1 am Gürtel und durchgeschnittener Kehle. Nur mit Mühe gelang es uns, das vor den Männern zu verbergen. Das sie es früher oder später irgendwie erfahren würden, war uns klar.

Ganz gleich wo ich ihn einsetzte, der dritte Zug kämpfte immer besonders verbissen und Horatio Fitzmaurice war immer an der Spitze. Wenn es galt, ein Drahthindernis zu räumen, schnappte er sich die Bangalores2. Sollte einen Bunker geknackt werden, war er es, der den Flammenwerfertrupp führte und ihm Deckung gab. Stets sprang er als Erster auf, brüllte wie ein Stier, warf mit Handgranaten um sich und einmal soll er drei Gefangene erschossen haben. Das glaube ich nicht. Was ihn antrieb waren Schuld, Reue und Erinnerungen, nicht Rache. Beweisen kann ich keines von beiden. An mich dachte er dabei weniger, auch wenn er mir aus dem Weg ging, wir weiterhin nur das Nötigste sprachen. Vielmehr bin ich mir sicher, dass er die ganze Zeit das Gesicht von Johnny Smith vor Augen hatte. Er fürchtete sich davor, allein nach Scarborough zurückzukehren, womöglich sogar als Held.

Dieser Tag Ende Juli!

Der dritte Zug war rechts. In der Mitte standen Staff Sergeant Shaws Männer. Ich hielt mich links beim zweiten Zug auf, weil ich Lieutenant Heathen und seinen Fähigkeiten immer weniger traute. Eigentlich sollte der Angriff auf der linken Seite beginnen, der erste und zweite Zug die vor uns liegenden SS-Grenadiere binden. Doch Fitzmaurice trieb seine Männer an und stürmte los. Staff Sergeant Shaw erkannte das und gab ihnen Feuerschutz. Lieutenant Heathen ließ sich darauf nicht mehr zum Angriff überreden.
"Es läuft doch alles. Halt rechts und nicht links. Warum sollen wir da noch viel riskieren?"
Für mich war es schon genug, dass einer meiner Zugführer seine Befehle ständig missachtete. An diesen dressierten, stets glatt rasierten Lackaffen verschwendete ich keinerlei Mitleid. Sofort stellte ich ihn unter Arrest, ließ ihn entwaffnen und von zwei grinsenden Soldaten nach hinten bringen. Ich war nicht der Einzige, der froh war, ihn nicht mehr sehen zu müssen. Mit meiner Tokarew3 in der Hand führte ich den zweiten Zug zum Angriff. Darum war ich auf der linken Seite. Darum war ich nicht dabei. Verdammter Heathen!

Währenddessen hatte der dritte Zug die Grabenlinie erreicht. Fitzmaurice sprang in die erste Stellung und stürmte, mit seiner Sten4 wild um sich schießend, vorwärts. Seine Männer konnten ihm kaum folgen. Er schrie wie ein Verrückter. Niemand verstand seine Worte. Schließlich erreichte er eine breitere Stelle im Schützengraben, die als Gefechtsstand diente. Mit nur einem Feuerstoß tötete er einen SS-Sturmbannführer und drei von dessen Grenadieren. Erst da blieb er, erschöpft, durchgeschwitzt und nach Atem ringend, stehen. Plötzlich tauchte ein Gesicht am Grabenrand auf.

"Immer schön ruhig, Brauner", grinste Staff Sergeant Shaw und landete mit einem Satz neben Fitzmaurice.
"Noch nicht", keuchte der und deutete auf den engen Eingang eines Unterstands, den er bis gerade übersehen hatte.
"Immer schön ruhig, Brauner", wiederholte Staff Sergeant Shaw, klopfte seinem Kameraden auf die Schulter und näherte sich mit schussbereiter Sten dem Eingang. Er warf eine Handgranate in den Unterstand und nachdem diese explodiert war, stürmte er hinterher. Kein Schuss war zu hören. Es dauerte eine ganze Weile, bis Staff Sergeant Shaw wieder im Eingang des Unterstands erschien. Er grinste und posierte lässig, als würde man ihn für das Titelblatt einer Zeitschrift ablichten.
"Wie ich schon sagte: Immer schön ruhig, Brauner."

Fitzmaurice setzte sich auf der andern Seite des Grabens auf den Boden, immer noch nach Luft ringend. Andere Männer waren hinzugekommen. Auch sie waren erschöpft. Einer der toten SS-Grenadiere, ein kleiner blonder Junge, nicht älter als siebzehn Jahre, sprang auf, zündete eine Stielhandgranate, brüllte "Sieg Heil!" und sprengte sich und Ray Shaw in die Luft.




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

Die Sprache der wörtlichen Rede ist Englisch. Kursiv gesetzte Worte in wörtlicher Rede sind deutsche Worte.

1 Luger-Pistole - deutsche  Selbstladepistole 08. Beliebtes Souvenir bei alliierten Soldaten.

2 Bangalores - eigentlich: Bangalore, Stabbombe auf langen Stangen zum sprengen von Drahthindernissen.

3 Tokarew - Eigentlich sowjetische  Selbstladepistole Tokarew TT-33.

4 Sten - eigentlich:  Sten Gun. Einfache, sehr zuverlässige Standardmaschinenpistole der Britischen Armee in der Zweiten Hälfte des Zweiten Weltkriegs.


 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (02.11.2018)
Fitzmaurice bleibt weiter im Blickpunkt. Es scheint, dass die unterbliebene Bestrafung sich jetzt als sinnvoll erweist, denn es klingt sinnvoll, dass ihn Schuld, Reue und Erinnerungen und nicht Rache antrieben.
Das Beispiel des Hitlerjungen zeigt, dass Kamikaze-Heldentum nicht nur eine japanische Erfindung ist.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 02.11.2018:
Ich sehe Fitzmaurice eher als jemanden, der am Ende ist. Der Angriff auf seinen Vorgesetzten war ein Symptom. Der Krieg hat seine Seele längst verschlungen. Wobei sich dann die Frage stellt, ob eine Bestrafung irgendetwas geändert hätte.

"Selbstaufopferung" galt gerade nach der nationalsozialistischen Ideologie als Tugend. Und wer in dieser Zeit aufwuchs - jemand der 1944 17 Jahre alt war, war bei der "Machtergreifung" 6! - und von ihr geprägt wurde, kann schon mal glauben, was Hetzer- und Hetzerlehrlinge ihm sein Leben lang gepredigt haben.
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Kommentar von Graeculus (69) (02.11.2018)
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 02.11.2018:
Völlig richtig. Das sind die einzigen Dinge, die das Ganze Dasein des Soldaten im Kampf zählen, ja, in derart vereinnahmen, dass zu nachdenken keine Zeit bleibt. Dazu bedarf es echter Unterbrechungen. Denn für das, was man "Gefechtspausen" nennt, die eben nichts anderes als Pausen zwischen zwei Gefechten sind, nicht mehr, gilt, was ich schon mal schrieb:
a) Alle Soldaten sind immer müde.
b) Alle Soldaten sind immer hungrig.

Darum ist es auch nicht übertrieben zu behaupten, dass der Krieg für den Frontsoldaten ein existentialistisches Erlebnis ist.

ABER:
Das kann man vorher wissen. Man kann sich vorher bewusst machen, was es bedeutet, Soldat zu sein, Dazu darf man aber nicht mit dem Kopf fühlen und mit dem Herz denken.
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Graeculus (69) schrieb daraufhin am 02.11.2018:
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 02.11.2018:
Das, was nach dem "Aber" steht, stammt von mir. Denn diese Fragen habe ich mir gestellt, als ich zur Bundeswehr einberufen wurde. Und das war in Friedenszeiten.

Der letzte Satz ist eine Version von
Sie fühlen mit dem Kopf und denken mit dem Herzen
und das stammt von Georg Christoph Lichtenberg, laut Wikipedia der "Begründer des deutschsprachigen Aphorismus." Kam mir auch sehr gut vor.
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (06.11.2018)
Der Augenblick des Leichtsinns, der Märchendichter Hauff hats gesagt:
"Gestern noch auf stolzen Rossen - heute durch die Brust geschossen - morgen in das kühle Grab".
TT
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TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 06.11.2018:
Und das alles durch Zufall. Der "Führertreue" hätte sich ja auch sonst wen aussuchen können.
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43 - StrafeInhaltsverzeichnis45 - Luftüberlegenheit
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Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Am Rande des Verstands.
Veröffentlicht am 02.11.2018, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 02.11.2018). Textlänge: 922 Wörter; dieser Text wurde bereits 116 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 11.12.2019.
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