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Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der Vormarsch gestaltet sich zäh. Den ersten Schuss, den er abgibt, gilt einem eigenen Mann, um ihn von einem qualvollen Feuertod zu erlösen. In einem erbitterten Kampf um ein Waldstück mit Truppen der Waffen-SS wehrt die Kompanie unter Verlusten die Gegenangriffe ab. Auch der Kampf um ein weiteres Dorf fordert Tote. Es folgt eine  kurze Erholungspause. Während der kommt es zu einem Angriff eines Zugführers auf den Captain, den dieser jedoch ungesühnt lässt. Schließlich wird die Kompanie wieder an die Front gebracht.




Schließlich erzielten die armen Leute vom nahen Feldflugplatz noch einen Achtungserfolg. Ein Bomber stürzte, getroffen eine lange Feuer- und Rauchschleppe nach sich ziehend, in das Inferno, welches seine Typkameraden angerichtet hatten und immer noch befeuerten. Die Besatzung war mit ihrem Flugzeug untergegangen. Bis auf zwei Mann, die sich mit dem Fallschirm hatten retten können. Sie konnten sich nicht lange über ihr wiedergewonnenes Leben freuen. Der Wind trieb sie auf den Ort zu, bis die Wolke aus Staub und Asche sie verschlang. Hoffentlich waren sie tot, bevor sie den Boden berührten.

Vielleicht war ein Bombenschütze ob dieses Verlustes nervös geworden. Auf jeden Fall entledigte sich eine Maschine zu früh ihrer Fracht. Es heulte über unseren Köpfen und alle, die aufgestanden waren, um das Spektakel vor uns genauer zu betrachten, waren mit einem Mal in ihren Löchern verschwunden. Keine sechzig Yards vor unseren Stellungen schlug eine Serie schwere Bomben ein, betäubte Sinn und Geist, ließ Trommelfelle platzen und erschütterte ein weiteres Mal das Vertrauen von uns Infanteristen in die feinen Herren der Royal Air Force. Es dauerte eine ganze Weile bis die Ersten es wagten, die Köpfe wieder zu heben. Dann setzte ein Fluchen und Schimpfen ein, wie ich es selten erlebt habe. Von den eigenen Leuten getötet zu werden ist nicht sehr ehrenhaft und enttäuschend noch dazu.

Endlich hatte die letzte Maschine abgedreht und wir machten uns bereit. Nichts geschah. Nach fünfundvierzig Minuten ließ ich beim Bataillon nachfragen. 'Halten sie sich bereit', war die Antwort. Als Mr Bush das hörte, konnte er sich nicht mehr beherrschen.

"Was zum Teufel glaubn diese Arschlöcher, was wir hier machen? Sommerurlaub in der Normandie? Klaun Bauern Äpfel und pissn an Wände? Denkn diese Etappenschweine uns is langweilig oder wir hättn nix Besseres zu tun? Durch die Botanik tapern und mich mit Fritzen rumschlagn is nich meine Lieblingsbeschäftigung. In der Sonne liegn, Bier trinkn und mir von ner vollbusigen Französin einen runterholen lassen bevorzuge ich. 'Halten sie sich bereit.' Was für Penner!"

Ich ließ ihn gewähren, weil ich das Gleiche befürchtete und meinen eigenen Ärger nur schwer beherrschen konnte. Nach einem Artillerieschlag oder Luftangriff gilt es, so schnell als möglich anzutreten. Sonst verpufft die Wirkung, die ohnehin selten so durchschlagend ist, wie die Planer es sich erhoffen.



Als am nächsten Morgen der Angriff begann, hatten wir das Glück, die Reserve zu sein. Die angreifenden Kompanien wurden in blutige Nahkämpfe verwickelt. Als wir später in den Ort einrückten – nachdem die erste Verteidigungslinie überwunden war, zogen sich diese Leute rasch zurück – sah ich und jeder Mann meiner Kompanie die toten Körper eines SS-Grenadiers und eines Kameraden. Sie mussten sich gleichzeitig mit dem Bajonett durchbohrt haben. Vielleicht stützten sie sich gegenseitig. Oder es war einfach eine Laune der geschundenen Natur. Ihre Leichname standen immer noch aufrecht und hielten die Gewehre mit ihren toten Händen umklammert. Nur ihre Köpfe hingen leblos nach vorne. Als schämten sie sich und wollten sich nicht in die Augen sehen.



Die Zerstörungen in dem Ort schienen endgültig zu sein. Kein Gebäude war unbeschädigt und die meisten standen gar nicht mehr. Überall traf man auf Leichen oder Leichenteile. Köpfe ohne Körper, Körper ohne Köpfe und abgetrennte Gliedmaßen lagen herum, ohne das man einen ursprünglichen Besitzer hätte ausmachen können. Bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leichen lagen auf den Straßen oder dort, wo wir die Straßen vermuteten. Ob diese zu Lebzeiten Zivilisten oder Soldaten gewesen waren, war nicht mehr festzustellen. Das hatte auch Vorteile. So konnte man sie als 'getötete Feinde' in die Statistik aufnehmen, musste sie nicht der peinlichen Kategorie 'getötete Zivilisten' zuordnen. Doch die meisten Bilder hat das Vergessen in mir getilgt. Heute bin ich froh darüber. Wie ich damals froh war, dass wir diesen Ort schnell hinter uns ließen.




- Fortsetzung folgt -

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Graeculus (69) (04.11.2018)
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 04.11.2018:
Das "Lob" kann ich mir nicht anrechnen. Davon berichtete ein englischer Veteran, der das in Italien 1943 erlebt hat.

Und zumindest der feste Griff um die Waffe ist eine bekannte Reaktion. Wird jemand getötet, versteifen sich sofort die Hände. Für diese Art der blitzschnellen Leichenstarre gibt es sogar einen Fachbegriff, aber der fällt mir im Augenblick nicht ein bzw. ich bin zu müde, um im Internet danach zu suchen.

Ach ja, der "schamvolle" Blick nach unten ist dann doch meine "Erfindung".
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (04.11.2018)
"Doch die meisten Bilder hat das Vergessen in mir getilgt." Man sollte meinen, dass diese von dir so eindrucksvoll geschilderten Bilder des Grauens unvergesslich sind. Welche Gnade der menschlichen Natur, die einerseits solche grauenvollen Bilder hervorbringt. andererseits aber mit einem Gedächtnis gesegnet ist, dass sie vergessen kann, Teilseise jedenfalls. Ohne die Fähigkeit zu vergessen, würde die menschliche Psyche unter dem Eindruck des Grauens wohl zerstört.
Man hört immer wieder, dass nicht die Britten, aber die Amerikaner Spezialisten darin gewesen seinen, ihre eigenen Leute zu treffen. Ist das böswillige Nachrede oder belastbar?
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 04.11.2018:
Es ist ein bekanntes psychologisches Phänomen, dass das Gehirn uns den Zugriff auf bestimmte Erinnerungen verweigert. eine Erscheinungsform davon wäre die retrograde Amnesie. Dabei "vergisst" der Betroffene - zumeist traumatische - Ereignisse völlig. Dies betrifft jedoch einen eher kurzen zusammenhängenden Zeitraum.

Das, was ich hier bei meinem Protagonisten beschreibe, ist also im engen Sinne keine retrograde Amnesie, aber auch ein bekanntes Phänomen. Zumal die Geschichte - und das, was dem Protagonisten widerfährt - noch nicht beendet.



Tatsächlich haben US-amerikanische Soldaten bis heute den Ruf überheblich und zuweilen auch nachlässig zu sein. Für den Zweiten Weltkrieg kann man das zum Teil bestätigen. Auf allen Kriegsschauplätzen, auf denen US-amerikanische Truppen auftauchen, erleiden sie zunächst Niederlagen mit schweren Verlusten. Das liegt auch an ihrer Selbstüberschätzung.

Allerdings gilt ebenso, dass sie überall sehr schnell lernen. Nichtsdestotrotz ist für die US-amerikanischen Führungsstäbe nicht die Kampfkraft der einzelnen Verbände das entscheidende, sie setzen auf die Materialüberlegenheit. So waren z.B. ihre Infanterieverbände fast immer nah an der Sollstärke, jedoch im wahrsten Sinne des Wortes zusammengewürfelte Haufen. Es gab kein System, neue Rekruten nach der Grundsausbildung in bestehende Verbände zu integrieren. Die Männer wurden zu den Kompanien geschickt und es wurde einfach angenommen, dass erfahrene Soldaten sie unter ihre Fittiche nahmen. Dies fand sehr selten statt. So waren Neuankömlinnge isoliert und das Risiko für sie, bei den ersten Einsätzen getötet oder verletzt zu werden, war sehr hoch. Nicht selten liefen solche Männer beim ersten Feindkontakt davon.

Auch die Wahl des "Sherman"-Panzers als Standardpanzer fällt unter diese Kategorie. Bei seinem ersten Auftreten im Herbst 1942 war er noch ein adäquates Waffensystem. Doch während die Deutschen und Briten ihre Panzer ständig weiterentwickelten, verzichteten die Amerikaner lange darauf. So war der "Sherman" für deutsche "Tiger" und "Panther" 1944 in der Normandie kein ernstzunehmender Gegner mehr und auch dem gegenüber dem deutschen Standardpanzer Panzer IV und dem weit verbreiteten Sturmgeschütz III unterlegen. Das störte aber die höheren Befehlshaber auch nicht. Gerade der vorgeblich "geniale" Patton sprach sich dafür aus, den "Sherman" einfach massenhaft zu bauen.

Die Verluste waren gigantisch! Die 3rd US Armoured Division (3. US-Panzer-Division). Verlor in der Zeit vom Juni 1944 bis Kriegsende - d.h. in 11 Monaten - 648 Panzer als Totalausfälle. Beschädigt wurden 700 Panzer. Die Division war eine sogenannte "schwere Panzerdivision", was bedeutete, dass sie zwei Panzerregimente mit mittleren "Sherman-Panzern" besaß (im Gegensatz zu den meisten US-Panzerdivisionen, die ein mit mittleren und eines mit leichten Panzer ausgerüstetes Regiment besaß). Die Sollstärke der Division betrug ca. 330 Panzer. In diesen 11 Monaten wurden ihre Panzerkräfte also nahezu 2 Mal vollständig vernichtet und mehr als 2 Mal musste jeder Panzer zusätzlich (sic!) noch in die Reparatur. Die Statistik lässt die Wirklichkeit des Krieges hier mehr als nur erahnen...

All das wurde jedoch unterbewertet. Man setze einfach auf Materialüberlebenheit. Und das führte in der Tat dazu, das man in US-amerikanischen Stäben glaubte, den Gegner mit Bombern und Artillerie nahezu aufreiben zu können und die Kampftruppen müssten diesen dann nur noch "einsammeln". Was die eigenen Truppen betrifft, war das ein verlustreicher Irrtum und auch die betroffenen Gegenden wurden rücksichtslos umgepflügt.

Bei den Briten war das allerdings nicht anders. So wurde z.B. Caen 2 Mal heftigst von schweren Bombenangriffen getroffen. (Der kurze Ausschnitt über die Bombardierung einer Stadt in meiner Geschichte ist daran angelegt). Anders als bei den Amerikanern entsprang diese Vorgehensweise jedoch nicht grundsätzlicher Überlegungen, sondern der - vor allem in Nordafrika - bitter gelernten Erfahrung, dass die Wehrmacht den britischen Truppen taktisch überlegen war. So setzen die Briten auf Artillerie aber auch bei anderen Bodentruppen grundsätzlich auf einen großen Munitionsverbrauch. Dementsprechend war der britische Kriegheld Field Marshall Montgomery weniger ein wendiger und begabter Truppenführer, als eher ein Meister der Vorbereitung und des hohen Munitionseinsatzes - und der Kritiklosigkeit gegenüber dem eigenen handeln, aber das ist eine andere Sache.

Fazit:
Der Ruf des rücksichtslosen Materialeinsatzes - rücksichtslos auch gegenüber den Zubefreienden -, der den US-Amerikanern anhängt, ist durchaus begründet. Er ist schon in ihrer Doktrin festgelegt. Die Briten gingen in der 2. Hälfte des Krieges nicht zimperlicher vor - ich verweise hier auf die Kämpfe und Luftangriffe um die Abtei Monte Cassino und Cassino Stadt von Ende 1943 bis Mai 1944. Bei ihnen war es jedoch eher die in bitteren Niederlagen in der 1. Hälfte Kriegs gelernten Erfahrungen, die sie dazu brachte. Nicht nur über die moralisch-ethischen Dimensionen könnte man sich da unterhalten. Auch die Effektivität dieses Vorgehen wurde schon im Krieg und auch danach (bis heute) immer wieder angezweifelt (d.h. ob der Krieg so tatsächlich auf die schnellst mögliche Weise gewonnen wurde).

Antwort geändert am 04.11.2018 um 16:23 Uhr
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EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 04.11.2018:
Es ist unglaublich, aus welchem Hintergrundwissen du für deinen Roman schöpfen kannst. Ich nenne dich in Bezug auf dieses Buch ironiefrei meinen General- Autor.
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 04.11.2018:
Im optimalen Fall hat ein Autor mehr Hintergrundwissen zu dem Thema, über das er schreibt, als in dem Text an sich steckt. In diesem Fall ist dem wohl so.
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EkkehartMittelberg ergänzte dazu am 04.11.2018:
Ich schätze deine Bescheidenheit. Lass das bitte einfach mal stehen.
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (09.11.2018)
Die Skala der Grausamkeiten scheint nach oben ohne Begrenzung zu sein, aber wahrscheinlich durch die "Haager Landkriegsordnung" gedeckt.
TT
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 09.11.2018:
Ich halte Regeln im Krieg für sehr nötig. Aber sie bieten immer nur einen Rahmen. Was sich dann innerhalb des Rahmens abspielt, ist mit "mannigfaltig" noch zu schwach beschrieben.
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