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46 - BilderInhaltsverzeichnis48 - Adamson

47 - Kreuzweg

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der Vormarsch gestaltet sich zäh. Den ersten Schuss, den er abgibt, gilt einem eigenen Mann, um ihn von einem qualvollen Feuertod zu erlösen. In einem erbitterten Kampf um ein Waldstück mit Truppen der Waffen-SS wehrt die Kompanie unter Verlusten die Gegenangriffe ab. Auch der Kampf um ein weiteres Dorf fordert Tote. Es folgt eine  kurze Erholungspause. Während der kommt es zu einem Angriff eines Zugführers auf den Captain, den dieser jedoch ungesühnt lässt. Schließlich wird die Kompanie wieder an die Front gebracht.




Es mag sein, dass es in der Geschichte oder allein in dem, was wir heute den Zweiten Weltkriege nennen, größere Schlachten gegeben hat. Ich bin kein Historiker und kann das nicht beurteilen. Allerdings bin ich mir sicher, dass es kaum jemals eine gründlichere Schlacht gegeben hat, als die von Falaise. Noch nie in meinem Leben habe ich so viel zerschlagene Ausrüstung, Material, Waffen, Fahrzeuge und Menschen gesehen. Auf den wenigen Straßen, die diesen Leuten am Ende noch geblieben waren, hatten sich lange Schlangen aus Personenwagen, Lastern und gepanzerten Fahrzeugen gebildet, die sich keinen Inch mehr vorwärts bewegten. Sie alle waren zerschossen und ausgebrannt. Endlich hatten die Jungs von der Royal Air Force einmal gute und ganze Arbeit geleistet. Obgleich das Alles für sie nicht mehr als eine Zielübung unter erschwerten Bedingungen gewesen seine konnte. Fliegende Metzgergesellen, sonst nichts.

Als wir an einer dieser stillstehenden Kolonnen vorbeizogen, war die Stimmung der Männer gut und sie machten Scherze. Allerdings nur so lange, bis sie durch den schmalen Sehschlitz eines Schützenpanzerwagens die dunklen leeren Augenhöhlen eines Totenschädel anblickten. Man konnte erkennen, dass er den Stahlhelm noch auf dem Kopf trug. Die Uniform machte ebenfalls noch einen normalen Eindruck. Das Feuer hatte sich nur das Fleisch geholt1. Mit der Zeit wurde der Verwesungsgestank unerträglich. Unsere Flieger hatten ebenfalls eine Kuhherde auf einem nahen Feld erlegt. Millionen von Fliegen machten sich über die Kadaver her, zwischen denen, da bin ich mir ganz sicher, auch tote menschliche Körper und Überreste lagen.

Nahe einer Kreuzung, die mit zerstörtem Militärgerät übersät war, standen auf einer Wiese, keine vierzig Yards von einander entfernt, die Wracks von drei Cromwells2 mit einem Panther3 in ihrer Mitte. Dessen Heck mit dem Motor waren ausgebrannt, die Laufwerke waren zerschossen und die Glieder der zerstörten Ketten waren über die ganze Wiese verteilt. Einige hatten es sogar bis auf die andere Seite der Straße geschafft. Sein Turm drehte sich noch, langsam und beständig. Deshalb zeigte die Kanone des Panthers immer wieder auf die besiegten englischen Panzer und berauschte sich so an ihrem sinnlosen Erfolg, schien alles zu ignorieren, was um sie herum geschehen war. Aber vielleicht feiert die Ingenieurskunst so ihre Triumphe.



Es war die Schuld eines überforderten Militärpolizisten. Er stand allein auf einer Kreuzung, die zur Hälfte durch ausgebrannte Wracks blockiert war. Als ob er sie selbst dorthin geschoben hätte, beschimpfte ihn fast jeder Fahrer, der vorbeikam. Und anstatt den Verkehr zu regeln, musste er ständig aufpassen, nicht von einem der heranbrausenden Lastwagen, Zugmaschinen samt Geschützen oder Panzern überrollte zu werden. Der nahezu unerträgliche Gestank von geschmolzenem Metall, verbranntem Gummi und Korditresten tat ein Übriges dazu, seine Laune – und Militärpolizisten haben eigentlich nie so etwas, dass man als gute Laune bezeichnen könnte – weit unter einen imaginären Nullpunkt zu drücken. Außerdem konnten wir keine Funkverbindung herstellen.

Wir zogen in einer langen Reihe am Rand der Straße entlang, eingehüllt in Wolken aus Staub und Abgasen und waren nicht weniger aufgebracht.
"Die Arschlöcher kajoln durch die Gegend, rolln alles platt, was nich bei drei auf nem Baum ist und wir latschn uns die Sohlen durch."
Niemand fand Mr Bushs Worte lustig. Es war wahr. Ich ließ anhalten und studierte noch einmal die Karte. Es war eindeutig. Vic kam hinzu, schaute mir über die Schulter, lächelte matt und zeigte links neben die Karte.
"Wir sind da", sagte er und bestätigte damit nur, was ich bereits wusste.
"Ganz recht, Corporal Nordveit."
Wir hatten uns verirrt. Wie Odysseus und seine Gefährten auf dem Meer irrten wir in der Normandie umher.
"Was für ein Dreck", schimpfte ich, zerknüllte die Karte und warf sie in den Straßengraben. Adamson holte sie dort heraus, strich sie glatt und gab sie mir sauber zusammengefaltet wieder. Es berührte mich, wie sorgsam der hagere Schotte, der zu einem der härtesten Kämpfer der Kompanie geworden war, mit diesem wertlosen Fetzen Papier umging.
"Danke, Adamson."
"Keine Ursache, Sir."




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

1 Das Feuer hatte sich nur das Fleisch geholt. - Das beschriebene Phänomen ist mittlerweile aufgelöst. Hauptsächlich bei pyroklastischen Ausbrüchen von Vulkanen trafen die Rettungskräfte immer wieder auf verbrannte Leichname, deren Kleidung intakt war. Überhaupt waren diese Opfer gar nicht mit irgendwelchem Material des Ausbruchs in Berührung gekommen. Schließlich entdecke man, dass so etwas geschieth, wenn ein Mensch mehrere hundert Grad heiße Luft einatmet. Der Tod tritt in Sekunden ein. Der Mensch verbrennt von Innen nach Außen.

Gerade bei pyroklastischen Erruptionen treibt der Lavastrom die Luft vor sich her und erwärmt sie stark. Die Aushölungen in Pompeji, die die Form der Toten haben, sind wohl so zu erklären. Die Menschen atmeten die heiße Luft ein, verstarben auf der Stelle und wurden später von Asche und Gestein bedeckt.

Brennendes Kriegsmaterial kann ebenfalls derart hohe Temperaturen erreichen, besonders wenn Munition im Spiel ist.

2 Cromwell - 1944/45 britischer  mittlerer Standardkampfpanzer.

3 Panther -  Mittlerer deutscher Kampfpanzer aus der 2. Kriegshälfte. Gilt als bester Kampfpanzer des Zweiten Weltkriegs. Bei alliierten Soldaten nicht weniger gefürchtet als der schwere deutsche Kampfpanzer "Tiger".


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Graeculus (69) (06.11.2018)
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 06.11.2018:
Dabei ist ein Vulkanausbruch zumindest tatsächlich eine Naturgewalt.
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (06.11.2018)
Wenn man immer wieder Vernichtung beschreibt, kann es sein, dass der Leser abstumpft. Deine eindrucksvollen Bilder verhindern, dass dies hier nicht geschieht: "Allerdings nur so lange, bis sie durch den schmalen Sehschlitz eines Schützenpanzerwagens die dunklen leeren Augenhöhlen eines Totenschädel anblickten. Man konnte erkennen, dass er den Stahlhelm noch auf dem Kopf trug. Die Uniform machte ebenfalls noch einen normalen Eindruck. Das Feuer hatte sich nur das Fleisch geholt." Das nächste Bild zeigt, wie nahe Grauen und Absurdität beieinander liegen: "Mit der Zeit wurde der Verwesungsgestank unerträglich. Unsere Flieger hatten ebenfalls eine Kuhherde auf einem nahen Feld erlegt. Millionen von Fliegen machten sich über die Kadaver her, zwischen denen, da bin ich mir ganz sicher, auch tote menschliche Körper und Überreste lagen."
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 06.11.2018:
Obwohl es schon einige Jahre her ist, kann ich mich noch an das Schreiben dieser Teile erinnern, bzw. meine erste Reaktion: "So viel Gehirnschmalz für so wenig Text..." Hat sich aber wohl gelohnt.
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EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 06.11.2018:
Für mich keine Frage.
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (15.11.2018)
Zu dieser Zeit war wohl schon abzusehen gewinnen wird der, der den meisten Stahl und das meiste Öl auf die Straße bringt.
Materialschlachten eben.
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 15.11.2018:
Ja.

Noch etwas zum Rechnen: Ein "Tiger"-Panzer kostete 300.000.- RM, ein Sturmgeschütz III noch 80.000.- RM. Richtig Geld verdiente man jedoch durch Verbrauchsprodukte, hauptsächlich Munition.

Der Grundsold eines deutschen Rekruten lag unter 200.- RM/Jahr. Ein längerdienender Unteroffizier konnte als Grundsold bis zu 2.064.- RM/Jahr, ein Major 7.700.- RM/Jahr und ein Generaloberst(= Rangstufe unter dem Feldmarschall) 26.500.- RM/Jahr erhalten.

Allerdings gab es diverse Zulagen. Für Nordafrika waren dass für Mannschaften 2.- RM/Tag, Unteroffiziere 3.- RM/Tag, Offiziere 4.- RM/Tag, d.h. um einen "Tiger" aufzuwiegen, musste ein Obergefreiter 150.000 Tage in Afrika dienen, ein Feldwebel 100.000 Tage und ein Hauptmann 75.000 Tage.

Auf der anderen Seite: Den deutschen Soldaten war im Krieg 1 Sturmgeschütz III sicherlich lieber als 3 Generalobristen. Nur eine Vermutung...
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Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Am Rande des Verstands.
Veröffentlicht am 06.11.2018, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 06.11.2018). Textlänge: 787 Wörter; dieser Text wurde bereits 119 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 11.12.2019.
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