Login für registrierte Nutzer
Benutzer: Passwort:

Noch nicht bei KV registriert?
Jetzt registrieren!
KV ist kostenlos und werbefrei!

Neu bei uns:
guyIncognito (12.11.), stinknormal (12.11.), PrismaMensch (11.11.), duisburger76 (09.11.), Algolagnie (09.11.), domenica (08.11.), pewa (05.11.), Benno16 (01.11.), anonwirter (01.11.), Blizzar (31.10.), Herbstzeitlose (27.10.), Doris (22.10.)...
Übersicht aller neuen Autoren und Leser
Wen suchst Du?

(mindestens drei Buchstaben)

Zur Zeit online:
KeinVerlag.de ist die Heimat von 773 Autoren und 121 Lesern. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.
Genre des Tages, 14.11.2018:
Feststellung
Ziemlich neu:  Ja, die Rita von eiskimo (14.11.18)
Recht lang:  Freund oder Arschkriecher? von Mondsichel (300 Worte)
Wenig kommentiert:  Energie von Andreas (1 Kommentar)
Selten gelesen:  Buchhalter-Dilemma von eiskimo (nur 97 Aufrufe)
alle Feststellungen
Lest doch mal ...einen Zufallstext!
Unser Buchtipp:

Das Spinnennetz der Sappho
von franky
Projekte

keineRezension.de
KV woanders

keinVerlag.de auf Facebook
Eine Meinung: "Ich bin bei keinVerlag.de willkommen, weil siehe Frage vorher....zwinker..." (Gothica)
48 - AdamsonInhaltsverzeichnis50 - Die Frage

49 - Worte

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der Vormarsch gestaltet sich zäh. Den ersten Schuss, den er abgibt, gilt einem eigenen Mann, um ihn von einem qualvollen Feuertod zu erlösen. In einem erbitterten Kampf um ein Waldstück mit Truppen der Waffen-SS wehrt die Kompanie unter Verlusten die Gegenangriffe ab. Auch der Kampf um ein weiteres Dorf fordert Tote. Es folgt eine  kurze Erholungspause. Während der kommt es zu einem Angriff eines Zugführers auf den Captain, den dieser jedoch ungesühnt lässt. Schließlich wird die Kompanie wieder an die Front gebracht. Zwei dem Offizier nahestehende Zugführer werden bei den folgenden Kämpfen getötet.




Wir zogen nur einen halbe Meile weiter. Hinter einer Kurve entdeckten wir eine Lücke in einer Hecke und am Ende eines Trampelpfads lag ein Bauernhof. In einer riesigen Scheune zogen wir unter. Eine Funkverbindung kam immer noch nicht zustande. Die Männer kauften dem seligen Bauern Käse, Schinken, Wurst und noch mehr Wein und Calvados ab. Der Preis war den meisten gleich. Viele gaben ihm alles Geld, das sie bei sich hatten. Mit etwas Glück würde es ihm nach dem Krieg einen neuen Anfang ermöglichen, denn keines seiner Tiere hatte die Kämpfe überlebt. Die hinterste Ecke, die durch ein paar Bretter vom Rest der Scheune abgetrennt war, wurde zum Kompaniegefechtsstand. Auch wenn es nichts zu führen gab. Nur leises Gemurmel und Schmatzen war zu hören.

Es ist nicht so, dass ich nicht wusste, dass Vic für die Kompanie wichtig war. Welche Bedeutung er tatsächlich gehabt hatte, wurde mir erst aufgrund des ausbleibenden Lärms und Gelächters bewusst. Ich schaute auf die Uhr. Es war genug Zeit vergangen. Auf meinen Befehl hin machte sich Mr Bush mit zwei Männern auf den Weg, den Leichnam zu bergen. Die Gefangenen wurden zu mir in den Gefechtsstand gebracht. Ich ließ mich in einen Haufen Stroh fallen, mit einer umgedrehten Kiste als Tisch vor mir und zog meine Tokarew1.
"Nein, bitte, wir wollten Sie doch warnen!"
Verstört blickte ich die Gefangenen an, bevor ich verstand. Wie sollten sie wissen, dass es meine Art war, etwas anzustarren, wenn ich nicht mehr weiter wusste.
"Ihr müsst euch keine Sorgen machen. Euch geschieht nichts."
Dann legte ich die Pistole auf den Kistentisch, nahm zur Sicherheit aber den Ladenstreifen heraus. Erst nachdem ich lange ihre kalten, klaren Konturen angeschaut hatte und mich wieder einmal wunderte, wie präzise, glatt und einfach die Mechanik des Todes seien konnte, erhob ich mich ächzend. Ich suchte mit den Augen Carrick und befahl ihm, den Gefangenen etwas zu Essen und zu Trinken zu besorgen. Er kam mit dem Deckel eines Fasses in den Gefechtsstand, den er vor den Gefangene hinlegte. Dann stellte er eine geöffnete Armeekonserve, Käse, Wein und Äpfel darauf.
"Und Sie? Sir?"
Zuerst merkte ich gar nicht, dass er mich angesprochen hatte. Ich fragte mich stattdessen, ob es das Fass, auf das dieser Deckel passte, noch gab. Erst verspätet schüttelte ich den Kopf.

Nur das hat Wert, was der Allgemeinheit Nutzen bringt.

Ich glaube, diese Worte stammen von Marc Aurel, römischer Kaiser, seit fast zweitausend Jahren tot. Sie gingen mir durch den Kopf, wieder und wieder und wieder. Also war Vics Tod von Wert, ganz klar. Ich musste aufspringen, rannte aus der Scheune und hinter einem leeren Schweinestall und übergab ich mich.




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

Die Sprache der wörtlichen Rede ist Englisch. Kursiv gesetzte Worte in wörtlicher Rede sind deutsche Worte.


1 Tokarew - Eigentlich sowjetische  Selbstladepistole Tokarew TT-33.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Graeculus
Kommentar von Graeculus (09.11.2018)
Die Tokarew hast du jetzt oft genug erläutert. Wer das nicht behalten hat, ist eine Schlafmütze.
Später mehr.
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh meinte dazu am 09.11.2018:
Na, dass ist das Problem. Bestimmte Dinge tauchen immer wieder auf. Ich habe mich halt dazu entschlossen, sie immer in dei Anmerkungen zu setzen. das ich mich damit der Kritik aussetze, ich würde meine Leser für Dummköpfe halten, war mir schon klar. Aber vielleicht gibt es ja einen "Ab-und-zu"-Leser und für den ist das eigentlich gedacht.
diese Antwort melden
EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (09.11.2018)
Marc Aurel. Es ist interessant, dass sich Soldaten sogar an der Front an ihre Bildung erinnern. Sprichwörtlich sind die Langemarck-Kämpfer, die ihren Goethe und Hölderlin im Tornister gehabt haben sollen. Gibt es zu diesem Thema auch für den Zweiten Welkrieg belastbare Quellen? War diese Bildungsbeflissenheit nur typisch für die deutsche Wehrmacht?
Noch eine Frage: Die englischen Soldaten entlohnen den französichen Bauern sehr fair. Galt dies auch für die deutschen Besatzer in Frankreich?
Falls du für die Beantwortung solcher Fragen aufwändig recherechieren musst, kannst du gerne einmal schreiben: Das weiß ich nicht oder ich habe heute keine Lust auf Rrcherche.
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 09.11.2018:
Intellektuelle und Künstler haben als Kriegsteilnehmer den Krieg immer auch durch ihre ihnen eigenen Perspektive gesehen.

Einige Namen aus dem Ersten Weltkrieg sind heute wahrscheinlich präsenter. Von dem Werk des  Georg Trakls kenne ich nichts. Doch ich weiß, dass der Krieg in verzweifeln ließ (obwohl die Selbmordthese nie vollends bestätigt werden konnte).

Am bekanntesten dürfte  der Engländer Wilfred Owen sein, besonders sein "Anthem for doomed youth":

What passing-bells for these who die as cattle?
— Only the monstrous anger of the guns.
Only the stuttering rifles' rapid rattle
Can patter out their hasty orisons.
No mockeries now for them; no prayers nor bells;
Nor any voice of mourning save the choirs,—
The shrill, demented choirs of wailing shells;
And bugles calling for them from sad shires.

What candles may be held to speed them all?
Not in the hands of boys, but in their eyes
Shall shine the holy glimmers of goodbyes.
The pallor of girls' brows shall be their pall;
Their flowers the tenderness of patient minds,
And each slow dusk a drawing-down of blinds.


Für die deutsche Seite und den Zweiten Weltkrieg ist wohl Wolfgang Borchert das bekannteste Beispiel.

Auf der anderen Seite: Derartige Bildung war damals sicherlich seltener als heute, weil viele Menschen, diese Bildungsmöglichkeiten verbaut waren.



Während der Besatzungszeit war das Leben vieler Franzosen nicht zu bedrückend. Es sei denn man gehörte zu den "bevorzugten Zielgruppen" der Nationalsozialisten: Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten, Homosexuelle etc.

Das, was man oft beschönigend mit dem Wort "Requirieren" bezeichnet, hängt im Großen mit der Versorgungslage der Armee ab. Gut versorgte Truppen haben es einfach nicht nötig. Im Einzelnen schützte die Uniform des Soldaten, der vor einem Stand, nicht davor, NICHT von ihm ausgeraubt zu werden.

Umgekehrt soll es sogar vorgekommen sein, das französische Bauern von sich aus deutschen Soldaten etwas zu Essen anboten, weil diese so ausgehungert waren. Der deutsche Nachschub floss nur tröpfchenweise und Munition stand an erster Stelle - und selbst die erreichte die Truppe nicht im ausreichenden Maße.

Allerdings gab es einen großen Unterschied zu dem Krieg in der Sowjetunion. Dort war von Anbeginn geplant, dass die Truppe sich "aus dem Land ernährt". Plünderungen und Diebstahl waren dort als Teil des Systems, Teil des Vernichtungssystems, denn ob die Menschen dort dann verhungern mussten, war gleich, bzw. sogar ein "positiver" Nebeneffekt. Im Westen war das nicht so vorgesehen. Aber es war Krieg. Eine einfallende Armee gleicht oft einem Geuschreckenschwarm. Und auch wenn es freundliche Heischrecken sind, es bleiben Heuschrecken. Und wenn deutsche Divisionen aus dem Osten nach Frankreich verlegt wurden, brachten sie nicht selten ihre "lieb gewonnenen Gewohnheiten" mit.



Noch eins darf man bei solchen Betrachtungen nicht aus dem Auge lassen. Über die Hälfte - in Werten gerechnete - der deutschen Kriegswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1945 durch die Ausplünderungen der eroberten Gebiete am Laufen gehalten. Und nicht nur dass. Der Balkan war und ist traditionell eine großer Lieferant für landwirtschaftliche Produkte. Schon vor dem Krieg, konnte sich das Reich das kaum noch leisten, weshalb man sich auf sogenannte "Clearing-Geschäfte" einigte. Die Staaten des Balkans lieferten landwirtschaftliche Produkte und das Deutsche Reich. Diese wurden im Wert berechnet und die deutsche Seite "bereinigte" diese Schulden mit der Lieferung von Industrie- und Kriegsgütern (bereinigen=clearing). Doch das Minus Deutschlands bei jenen Staaten (Ungarn, Rumänien, Bulgarien) war gigantisch und wuchs mit jedem Monat. Selbst wenn das Reich gewollt hätte - nein, sie wollten nicht! - hätten sie dies kaum auzugleichen vermocht, ohne dass die Reichsbevölkerung massive Einschnitte zu spüren bekommen hätte.

Das bedeutet, dass in besetzten Ländern, selbst wenn die deutschen Besatzer eine moderate Besatzungspolitik betrieben, wirschaftliche Engpässe eher die regel als die Ausnahme waren. Franzosen und Dänen verhungerten wie Sowjetbürger. Ihr Lebensstandard sank jedoch eindeutig.

Und gegen Ende des Krieges nahm die deutsche Besatzungspolitik auch im Westen keine Rücksicht mehr. So war bis zum Herbst/Winter 1944 nur der südliche Teil der Niederlande befreit worden. Der nördliche Teil wurde von den Deutschen - die meisten Gebiete waren ja bereits verloren - gnadenlos ausgeplündert. (Die Niederlande waren auch damals bereits ein wichtiger Produzent von landwirtschaftlichen Gütern). Dies führte in den Niederlanden zu dem berüchtigten - und in Deutschland bis heute weithin unbekannten - "Hungerwinter 1944/45". Gut 20.000 Menschen kamen ums Leben. Die Folgen sind bis heute zu spüren. Auch in der 3. Generation sind die Nachkommen jener Menschen, die damals unter jenem Hungerwinter litten, anfälliger für Krankheiten und haben eine kürzere Lebenserwartung. Zu ihrer großen Überraschung haben Wissenschaftler festgestellt, dass sich diese Auswirkungen sogar in ihrem Genom niedergeschlagen haben!

Antwort geändert am 09.11.2018 um 17:06 Uhr
diese Antwort melden
EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 10.11.2018:
Vielen Dank. Ich bin wieder beeindruckt.
diese Antwort melden
TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 10.11.2018:
Es muss jedoch

" Franzosen und Dänen verhungerten NICHT wie Sowjetbürger. Ihr Lebensstandard sank jedoch eindeutig" heißen.
diese Antwort melden

48 - AdamsonInhaltsverzeichnis50 - Die Frage
TrekanBelluvitsh
Zur Autorenseite
Zum Steckbrief
Zum Aktivitäts-Index
Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Am Rande des Verstands.
Veröffentlicht am 09.11.2018. Dieser Text wurde bereits 34 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 14.11.2018.
Empfohlen von:
Graeculus, franky, EkkehartMittelberg, wa Bash.
Was meinst Du?
Diesen Text kommentieren
Schlagworte
Krieg 1944 Menschen
Mehr über TrekanBelluvitsh
Mehr von TrekanBelluvitsh
Mail an TrekanBelluvitsh
Blättern:
voriger Text
nächster Text
Weitere 10 neue Erzählungen von TrekanBelluvitsh:
53 - Kriegsende 52 - Der Brief 51 - Namen 41 - Held 35 - Brudenell 47 - Kreuzweg 39 - Belohnung 37 - Reste 48 - Adamson 36 - Erledigt
Mehr zum Thema "Krieg/ Krieger" von TrekanBelluvitsh:
53 - Kriegsende 52 - Der Brief 51 - Namen Am Rande des Verstands 50 - Die Frage 48 - Adamson 47 - Kreuzweg 46 - Bilder 45 - Luftüberlegenheit 44 - Risiko Ares herrscht! Krieg und Mythos: Die Waffen-SS - Ein Überblick 43 - Strafe 42 - Nichts 41 - Held
Was schreiben andere zum Thema "Krieg/ Krieger"?
Kriegsgeschehen (hei43) Aphorismus zu Deutschland II (Horst) Canoni in azione (wa Bash) die Geister der Vergangenheit (souleria) Reinheitsgebot (RainerMScholz) Bombenschutzgesetz gebrochen! (MichaelBerger) Bald wird in Deutschland wieder Welt- Krieg sein und die Menschen glücklich - ‘Surrealistischer- Episoden- Roman - Rotter Staatsfeind‘ – (michaelkoehn) War es so? (brettl) Soldatensohn (eiskimo) Die Bomben (BerndtB) und 287 weitere Texte.
Dieser Text ist höchstwahrscheinlich urheberrechtlich geschützt. mehr Infos dazu
diesen Text melden
© 2002-2018 keinVerlag.de   Impressum   Nutzungsbedingungen 
KV ist kein Verlag. Kapiert?
© 2002-2018 keinVerlag.de