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49 - WorteInhaltsverzeichnis51 - Namen

50 - Die Frage

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der Vormarsch gestaltet sich zäh. Den ersten Schuss, den er abgibt, gilt einem eigenen Mann, um ihn von einem qualvollen Feuertod zu erlösen. In einem erbitterten Kampf um ein Waldstück mit Truppen der Waffen-SS wehrt die Kompanie unter Verlusten die Gegenangriffe ab. Auch der Kampf um ein weiteres Dorf fordert Tote. Es folgt eine  kurze Erholungspause. Während der kommt es zu einem Angriff eines Zugführers auf den Captain, den dieser jedoch ungesühnt lässt. Schließlich wird die Kompanie wieder an die Front gebracht. Zwei dem Offizier nahestehende Zugführer werden bei den folgenden Kämpfen getötet.




Mr Bush hatte den Leichnam in eine Zeltbahn gepackt und auf ein Trage gelegt, welche von den beiden Männern wie etwas Heiliges getragen wurde. Wir wussten zunächst nicht, was wir tun sollten. Als der Bauer von den Ereignissen hörte, bot er an, in den nächsten Ort zu gehen und den Pfarrer zu bitten, ihn auf dem Friedhof zu begraben. Den Männern gefiel dieser Gedanke und ich wollte mich ihnen nicht widersetzen. Nach zwei Stunden kehrte der Bauer in einem alten Citroen zurück. Der Pfarrer steuerte den Wagen und neben ihm saß eine junge Frau. Ihr Haar war fettig und stand in dicken Strähnen wild nach allen Seiten ab, einer Silberdistel nicht unähnlich. Sie trug ein hoch aufgeschlossenes Kleid, blau mit weißen Streifen, das eindeutig aus dem vorherigen Jahrhundert stammte. Mit der linken Hand fuhr sie sich ständig durch das einstmals schöne Gesicht. Ihre leeren Augen starrten an eine Ort, den nur sie sehen konnten.

"Hat mit ansehen müssen, wie ihre ganze Familie von einer Granate ausgelöscht wurde, das arme Ding. Und dann haben sie sich auch noch an ihr vergangen. Sie wohnt jetzt bei meiner Haushälterin. Die ist nicht da und ich kann sie doch nicht allein lassen. Armes Ding. Aber der Herr wird sich um sie kümmern und sich ihrer annehmen", berichtete der Pfarrer in andächtigen Worten.

Ich wollte ihm sagen, dass das, was ihr widerfahren war, ein Beweis dafür ist, dass der Herr, ganz gleich wie man ihn auch nennen mag, sich um nichts und niemanden kümmert. Außer vielleicht sich selbst. Ich ließ es bleiben, auch weil ich mich dabei ertappte, dass ich sie ein wenig beneidete. Ihr Geist hatte sich verschlossen, beschützte sie nun vor all dem, was um sie herum geschah.

Wir legten die Zeltbahn mit den verbrannten Überresten auf die Rückbank des Citroens. Carrick meldete sich freiwillig, fuhr auf dem Trittbrett mit in den Ort um das Grab auszuheben und um über Nacht im Ort zu bleiben. Wir vereinbarten gegen Mittag dort zu sein, um Vic zu beerdigen.
Inzwischen funktionierte das Funkgerät wieder. Nach der Meldung ans Bataillon, dank des Bauers wussten wir, wo wir waren, erhielten wir den Befehl.
"Bleiben sie wo sie sind."
Am nächsten Nachmittag sollten Lastwagen kommen und uns abholen Ein halber Tag Ruhe war uns also vergönnt.

Schon bevor die Sonne im Westen verschwunden war, schliefen die meisten Männer. Ich konnte die Augen nicht schließen. Ich saß wieder in meinem Strohsitz, allein, denn die Gefangenen hatte man irgendwo anders untergebracht und starrte in das matte Licht einer Öllampe, die Mr Bush mir gebracht hatte.
"Auch Sie müssen sich hinlegn, Sir", waren seine Worte gewesen. Wie sollte ich ihm erklären, dass ich eine unendliche Müdigkeit verspürte, eine, die kein Schlaf kurieren konnte?

Die Flamme vor meinen Augen flackerte, brannte mal heller und mal dunkler. Ich fühlte mich wie sie. Ganz gleich was ich auch tat, mein Lebensfeuer wollte nicht ausgehen. Mal brannte es still vor sich hin und dann loderte es wieder hell auf. Doch was für die Meisten eine herrliche Belohnung wäre, war für mich eine Qual. Meine Belohnung war es, all das mitzuerleben. Den Tod zu riechen. Die Verwesung zu schmecken. Die Zerstörung zu sehen. Es ist womöglich angenehm und vergnüglich, an einem Kamin mit einem guten Cognac neben sich auf einem Mahagonitisch in einem guten Buch von solchen Schlachten zu lesen. Dabei zu sein hinterlässt nur Leere und Bitterkeit.

"Wie viele Nazis hast du getötet?"

Was für eine Frage! Was für ein Monstrum von einer Frage! Doch irgendjemand hatte das gesagt. Ich brauchte eine ganze Weile, bis ich mich erinnerte, dass es mein Vater gewesen war. Es fiel mir schwer zu glauben, dass er wusste, was er da wissen wollte.




- Fortsetzung folgt -

 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (10.11.2018)
Dieser Text enthält zwei Höhepunkte, die Schilderung der Verwirrten und der unendlichen Müdigkeit, die kein Schlaf heilen kann. Es gelingt dir, immer wieder neue Beispiele für die Zerstörungskraft des Krieges zu finden.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 10.11.2018:
Danke Ekki,

tatsächlich habe ich immer den Eindruck, wichtige Dinge beiseite bzw. einfach vergessen zu haben. Beispiel? "Hygiene" All die Krabbeltierchen, die Armeen mitbringen, kommen in der Geschichte gar nicht vor.

Manchmal frage (und fragte) ich mich, ob ich diese verschiedenen Erscheinungsformen nicht intensiver beschreiben sollte. Aber a) wenn das was mir einfällt, das ist, was ich geschrieben habe, ist das gut so und b) es ist ja eine einperspektivische Geschichte. Da streifen manche Dinge den Protagonisten nur. Das er sie dennoch wahrnimmt, zeichnet ihn ja sogar aus. Aber darum ist es ok denke ich, wenn diese Dinge wie Streiflichter vorkommen.
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EkkehartMittelberg antwortete darauf am 10.11.2018:
Da stimme ich gerne zu.
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Habakuk
Kommentar von Habakuk (10.11.2018)
Wenngleich ich nicht regelmäßig in deine Kriegserzählungen hineinschaue, aber so einige habe ich mir schon zu Gemüte geführt. Sie lesen sich gut. Einmal angefangen, halte ich ich bis zum Schluss durch.
Erzählen ist ja die Vermittlung eines Geschehens durch einen Erzähler. Da spielt die Erzählsprache u. a. eine wesentliche Rolle, und die ist in den Geschichten nie langweilig. Du berichtest die Geschehnisse bildhaft und anschaulich. Mit den geschichtlichen Fakten scheinst du dich eingehend beschäftigt zu haben, die ich mangels Wissens natürlich so hinnehmen muss. Du lockerst die Erzählungen mit Figurenreden auf, lässt den Leser immer wieder auch an den inneren Stimmungen sowohl des Erzählers als auch der Figuren teilhaben. Die Erzählungen wirken so nie eiskalt, wenngleich das Geschehen ja nicht gerade dazu angetan ist, kuschelige Wärme aufkommen zu lassen. Nur einige Punkte, die ich hier erwähne.
Wie an anderer Stelle bereits bemerkt, ist das nicht meine präferierte Literatur. Nichtsdestotrotz liest sie sich bei dir kurzweilig-informartiv. So, Lobhudelei beendet.
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 10.11.2018:
Ich bin der Meinung, dass Lesen Spaß machen soll. Das hört sich in Zusammenhang mit dem Thema natürlich krank an. Aber Spaß bedeutet beim Lesen meiner Ansicht nach nicht unbedingt "Hahaha" oder "süüüß". Der Leser soll List haben, weiterzulesen. Oder, um das schlimme Wort zu benutzen, sich "unterhalten" fühlen.

Um all das bemühe ich mich beim Schreiben. Auf eine Liste der "am schwierigsten zu lesenden Bücher" will ich nicht - nicht dass ich auf irgendeiner Liste stände.

Und ich kann dir versichern, dass ich unbescheiden genug bin, um mich über jedes Lob wie Bolle zu freuen.
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Kommentar von Graeculus (69) (14.11.2018)
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 14.11.2018:
Und wen er mit "Und dann haben sie sich auch noch an ihr vergangen" meint, weis man auch nicht...
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (17.11.2018)
Ich denke, es ist die Ausnahme, dass Zeit für die Beerdigung eines Kameraden ist. Wer kümmert sich eigentlich in einem unübersichtlichen Kampfverlauf um die Toten, möglicherweise Tage später?
TT
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TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 17.11.2018:
Ja, normal ist das nicht, eher sehr ungewöhnlich.

Tatsächlich gab es dafür eigene Kommandos. Und da die Alliierten es waren, die in der Normandie vorrückten, waren die Toten ihre Sache. Oft wurden für die eigentliche Bergung und Beerdigung der Toten deutsche Kriegsgefangene eingesetzt. Nach den Genfer Konventionen dürfen Mannschaften und Unteroffiziere zu solchen Aufgaben herangezogen werden. Offiziere dürfen nicht bei körperlicher Arbeit eingesetzt werden, beaufsichtigten diese jedoch teilweise. Grundsätzlich war es auch im Interesse der Aufseher, wenn auch bei Gefangenen die militärische Hierarchie aufrechterhalten wurde. So ließen sich diese leichter - d.h. mit weniger Personalaufwand - beaufsichtigen.

Die Grabstätten, die direkt nach den Kämpfen eingerichtet wurden, waren in dem meisten Fällen von Anbeginn an nur vorübergehend geplant. Große Soldatenfriedhöfe sollten erst nach dem Krieg errichtet werden. Dazu wurden die Gebeine der Gefallenen dann umgebettet.
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Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Am Rande des Verstands.
Veröffentlicht am 10.11.2018, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 10.11.2018). Textlänge: 771 Wörter; dieser Text wurde bereits 127 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 05.12.2019.
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