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52 - Der BriefInhaltsverzeichnis54 - Nacht

53 - Kriegsende

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der Vormarsch gestaltet sich zäh. Den ersten Schuss, den er abgibt, gilt einem eigenen Mann, um ihn von einem qualvollen Feuertod zu erlösen. In einem erbitterten Kampf um ein Waldstück mit Truppen der Waffen-SS wehrt die Kompanie unter Verlusten die Gegenangriffe ab. Auch der Kampf um ein weiteres Dorf fordert Tote. Es folgt eine  kurze Erholungspause. Während der kommt es zu einem Angriff eines Zugführers auf den Captain, den dieser jedoch ungesühnt lässt. Schließlich wird die Kompanie wieder an die Front gebracht. Zwei dem Offizier nahestehende Zugführer werden bei den folgenden Kämpfen getötet.




In den letzten Augusttagen und Anfang September fegten die alliierten Armeen wie ein Orkan durch Nordfrankreich. Erfolgreich, unwiderstehlich und alles vor sich her treibend. Zumindest habe ich das in einem Buch gelesen. Mr Bush hat es mir bestätigt. Eigene Erinnerungen daran habe ich nicht. Ganz gleich wie sehr ich mich auch bemühe, ich schaffe es nur, zwei Bilder vor meinem inneren Auge entstehen zu lassen. Alles andere, was seit dem Tag geschah, an dem Vic starb, ist fort, verschwunden in dem immer schneller werdenden Strudel des Vergessens, der sich meiner bemächtigt und diese Jahre nahezu ausgelöscht hat. Vielleicht ist das  besser so? Schlechte Erinnerungen sind wie die Tageszeitung von gestern. Sie interessieren niemanden. Vor allem da wir gewonnen haben.



In dem ersten Bild marschiert meine Kompanie durch die flache Landschaft, die auch 'die Hölle des Nordens' genannt wird. Dort sind im großen Krieg so viele geblieben. Am Wegesrand sitzt auf einem Grenzstein ein alter Mann. Er hat eine blaue Mütze auf dem Kopf, weißes Haar, einen weißen stoppeligen Bart, eine fleckigen braunen Anzug an, trägt ein Hemd, das aus unerfindlichen Gründen gelb geworden ist und ist barfuß. In seinen Armen hält er einen toten Hund.



Das zweite Bild ist eher ein Filmausschnitt. In ihm gehen Mr Bush und ich durch ein nahezu unzerstörtes, aber dennoch menschenleeres Dorf. Ich drehe mich um und rufe ihm etwas zu. Er ist etwas zurückgeblieben und pflückt reife Äpfel von einem Baum. Als ich mich wieder umdrehe, steht ein Soldat mit einer Maschinenpistole im Anschlag an einer Häuserecke. Ich will noch nach meiner Tokarew greifen, da durchfährt ein Blitz, von meiner rechten Hüfte ausgehend, meinen Körper. In meinem Kopf explodiert er in einem kaum zu ertragenden Kaskade von stechenden, rasenden und dröhnenden Schmerzen, die mir das Augenlicht rauben und alles gelb werden lassen. Er zerschlägt meine Knie als wären sie aus Glas und betäubt meine Füße. Nein, für einen kurzen Augenblick bin ich mir sicher, dass ich keine Füße mehr habe. Zumindest wollen sie ihre Arbeit nicht mehr verrichten. Ich spüre noch, wie ich falle, aber nicht mehr, wie ich auf dem Boden aufkomme.




- Fortsetzung folgt -

 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (14.11.2018)
Vics Tod war ein Schock für den Erzähler und hat zum fast totalen Vergessen geführt.
Das Bild von dem alten Mann mit dem toten Hund im Arm fasst noch einmal die Grausamkeit des Krieges zusammen. Dem Alten ist kein Mensch geblieben und selbst das Tier, dem er verbunden war, ist tot.
Das zweite Bild unterstreicht, dass die großen seelischen Schmerzen durch gewaltige physische ergänzt werden.
Man hofft für den Protagonisten, dass er nicht zum totalen Krüppel wird.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 14.11.2018:
"Die Welt ist aus den Fugen geraten und wir sind mittendrin."
- Joshua Rosen -
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Kommentar von Graeculus (69) (14.11.2018)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 14.11.2018:
Ich schrieb ja schon an anderer Stelle, was ich denke, was den Zweiten vom Ersten Weltkrieg unterscheidet: Der Zweite war hochgradig vom Rassismus geprägt.

Natürlich können auch Rassisten von Waffen verstümmelt werden. Beispiel: der Rassist Rudel.
Offtopic:
Rudels vorgebliche Erfolge werden heute von Historikern ernsthaft in Zweifel gezogen. Die rechte Flügel in Deutschland - die mit der "erinnerungspolitischen Wende": Höcke, Gauland, MK - ist eigentlich der einzige, der diesen Propagandahelden noch verteidigt.
Dadurch werden sie jedoch nicht weniger Rassisten.

Aber vielleicht habe ich auch nur wieder eine Fantasy-Geschichte geschrieben. Vielleicht hat es einen Joshua Rosen, jemanden, der sich solche Gedanken macht, gar nicht gegeben.
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (21.11.2018)
Das Vergessen ist eine große Gnade. Wer könnte noch zurück in ein "normales" Leben, wenn er aus einem monatelangen Inferno kommt, das voller Grausamkeiten war.
Irgendwann bleiben nur noch ein paar Ereignisse in der Erinnerung, die nächste Generation gibt nichts auf alte Geschichten.
TT
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 21.11.2018:
Wenn man sich erinnern will, kann es auch zum Problem werden. Auf der anderen Seite: Ist man Teil eines so monströsen Geschehens, muss man sich Überlebensstrategien für das spätere Leben zurechtlegen. Sonst macht das Gehirn es schon ganz alleine - und das endet für den Gehirnträger zumeist nicht gut.
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52 - Der BriefInhaltsverzeichnis54 - Nacht
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Veröffentlicht am 14.11.2018. Textlänge: 508 Wörter; dieser Text wurde bereits 152 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 19.09.2020.
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