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57 - UhrInhaltsverzeichnis59 - Beurteilung

58 - Engländer

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der Vormarsch gestaltet sich zäh. Den ersten Schuss, den er abgibt, gilt einem eigenen Mann, um ihn von einem qualvollen Feuertod zu erlösen. In einem erbitterten Kampf um ein Waldstück mit Truppen der Waffen-SS wehrt die Kompanie unter Verlusten die Gegenangriffe ab. Auch der Kampf um ein weiteres Dorf fordert Tote. Es folgt eine  kurze Erholungspause. Während der kommt es zu einem Angriff eines Zugführers auf den Captain, den dieser jedoch ungesühnt lässt. Schließlich wird die Kompanie wieder an die Front gebracht. Zwei dem Offizier nahestehende Zugführer werden bei den folgenden Kämpfen getötet. Schließlich wird er selbst schwer verwundet, was auch psychische Folgen hat. Zur Genesung wird er in ein Sanatorium in Schottland verlegt. Seine Genesung dauert fast zwei Jahre.




Renee wollte unbedingt, dass wir heirateten. Jedoch war ich, zumindest auf dem Papier, ein Jude. Allerdings glaube ich nicht an Gott, ganz gleich wie man ihn auch nennen mag. Das ist schon immer so gewesen und was ich im Krieg gesehen habe, hat mich darin noch bestärkt. Wenn ein Gott diese Welt erschaffen hat, so bin ich mir sicher, dass er schon vor langer Zeit weitergezogen ist. Ich konvertierte also zum anglikanischen Glauben, auch wenn das für mich nur Lippenbekenntnisse waren. Ein junger Vikar war mein Fürsprecher. So habe ich auf mein Judentum, das mir nichts bedeutete, verzichtet und bin ein Christ geworden. Was mir ebenfalls nichts bedeutet. Getan habe ich es nur für Renee, damit wir ohne Schwierigkeiten heiraten konnten. Meine Mutter schluckte ihren Stolz herunter und kam zu unserer Hochzeit. Hinterher sagte sie zu mir, dass sie froh sei, dabei gewesen zu sein. Mein Vater konnte das nicht. In seinen Augen bin ich ob meiner Lebenseinstellung schon immer das schwarze Schaf der Familie gewesen. Mit der Konvertierung hatte ich mich als 'verräterischer Opportunist, dem das Erbe und die Kultur seiner Vorfahren vollkommen gleichgültig und nichts heilig ist', selbst übertroffen. Seine Worte während seines einzigen Besuchs bei uns.

Bestimmt hat mein Bein an diesem Tag sehr geschmerzt. Das sage ich mir gern. Auch wenn ich weiß, dass ich mir damit etwas vormache. Alles hätte ich ertragen, aber den 'verräterischen Opportunisten' konnte ich meinem Vater nicht verzeihen. Darum brüllte ich ihn an, so laut ich konnte, dass er seine Klappe halten solle. Außerdem seien unser Erbe, unsere Kultur und unseren Vorfahren bis 1932 allesamt gut deutsch gewesen. Wo hast du dein EK II noch mal vergraben? Zuhause, in Sheffield, im Garten? Danach sprachen wir ein Jahr lang nicht mehr miteinander. Wahrscheinlich hätte diese Schweigen noch länger angedauert, würde heute noch währen. Meine Mutter, der Renee häufig schrieb, besuchte uns schließlich ein weiteres Mal und mit der Zeit kamen die beiden sich näher. Sie waren der Grund, die Veranlassung, und sie trafen alle Vorbereitungen. Im letzten Monat besuchten wir meine Eltern in Sheffield. Es gab keine Versöhnung. Mein Vater und ich haben eigentlich nicht viel miteinander gesprochen. Wir arrangierten uns miteinander und fanden, wie Länder, die sich einstmals bekriegten, einen Status Quo. Erstaunlicherweise galt die Missbilligung meines Vaters nur mir. Renee schloss er wie meine Mutter schnell in sein Herz.



Gerald schlürfte genüsslich seinen Tee. Ich betrachtete ihn von der Seite und musste lächeln, denn dieser Gesichtsausdruck war mir nur allzu vertraut.
"Weiß du, Josh", sagte er ohne aufzusehen, "manchmal hat nur das mich mich durchhaltn lassen: Tee, egal wie kalt oder schal er war. Tee bleibt Tee. Da kann ich nich anders, da bin ich Engländer."
Zur Bestätigung nickte ich und atmete laut aus. An das Tee trinken würde ich mich nie richtig gewöhnen. Engländer eben.
"Wo ich gerade bei uns und unsern Macken bin", fuhr er fort, "wie war denn das große Familienfest?"
"Du meinst Onkel Toms Geburtstag?"
"Nach der Hochzeit dein erster Auftritt in der neuen Großfamilie."
"So kann man es nennen", sagte ich und überlegte dann lange.
"Nett." Das war das Ergebnis intensiven Nachdenkens.
"Nett? Also furchtbar."
"Nein, nein. Nett. Onkel Tom war nett. Seine Frau Tante Hattie war nett. Alle Verwandten waren nett und sehr freundlich. Freundlich und zurückhaltend."
"Furchtbare Engländer also", dröhnte Gerald und lachte. Fast hätte ich mit ihm gelacht.

"Furchtbar gottesfürchtige Engländer. Versteh mich nicht falsch. Ich liebe dieses Land. Aber für diese Leute werde ich immer ein Jude bleiben, ganz gleich was ich tue, glaube, nicht glaube oder bin. Jude ist Jude, basta! So wie ein Pinguin ein Pinguin bleibt, auch wenn er sich nach Westindien verirrt. Nur würde keiner von diesen Leuten das laut sagen. Aber es hat auch Vorteile. Im Moment kann man sich als Jude fast alles erlauben. Selbst eine Christin heiraten."
Der letzte Satz sagte ich sehr betont. Zu betont für Gerald. Er drehte den Kopf und schaute mich ernst an.
"Wie kannst Du darüber nur Witze machn?", fragte er erschrocken.
"Wie kann ich darüber keine Witze machen und nicht verrückt werden?"
Dann schwiegen wir lange. Erst das erneute Läuten der Türglocke löste unsere Erstarrung. Emmas unüberhörbares helle Lachen glich einem reinigender Regenschauer.
"Auf geht’s!"
Gerald wollte mir die Teetasse abnehmen doch ich hielt ihn zurück. "Warte einen Augenblick."
"Aber Du hast doch gehört: Emma ist gekommn!"
"Du kennst die beiden doch. Da wird erst einmal palavert. Als hätten sie sich vor Wochen zum letzten Mal gesehen und nicht gestern erst. Die sind wie wir."
Tatsächlich drangen die aufgeregt durcheinanderredenden Stimmen unserer Frauen aus der Küche. Kopfschüttelnd setzte Gerald sich wieder. Er liebte seine Emma so sehr.
"Also, was gibt’s?"




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

Die Sprache der Protagonisten ist Englisch. Kursiv gesetzte Worte sind deutsche Worte.


 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (21.11.2018)
Ich weiß nicht, ob es wissenschaftliche Erhebungen darüber gibt, wie sich der Zweite Weltkrieg auf den Glauben von Menschen ausgewirkt hat.. Ich vermute, dass die Wirkungen gegensätzlich waren. Wahrscheinlich erging es vielen so wie Joshua. Sie hatten so Entsetzliches erlebt, dass sie sich nicht vorstellen konnten, es gebe einen Gott als Schöpfer dieser Sinnlosigkeiten. Andererseits neigen viele, die dem Kugelhagel entkommen sind, dazu, in ihrem persönlichen Überleben göttliche Vorsehung zu erblicken.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 21.11.2018:
Zweierlei fällt mir dazu ein:
-) Der Spruch "Im Schützengraben gibt es keine Atheisten" ist kein Argument gegen den Atheismus.
-) Es wird so einige gegeben haben, die ihr Überleben in einer Situation auf göttlichen Eingriff zurückführten. Wie viele das waren, wird man auch darum kaum ermitteln können, weil viele in späteren Situationen ums Leben kamen.
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Habakuk
Kommentar von Habakuk (21.11.2018)
Ich melde mich ab und an von der Lesefront, ohne stets tiefschürfende Sachen von mir zu geben. Aber bedenke, ich lese jetzt bis zum Ende des Romans, falls ich das noch erlebe. Bin ja auch nicht mehr der Allerjüngste.
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 21.11.2018:
Du hast KV bereits länger als eine Woche ausgehalten. Als bist du zäh. Da mach ich mir keine Sorgen.


Viel schlimmer wird es, wenn meine Geschichte durch ist. Wofür sollte KV denn dann noch nützlich sein???
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (26.11.2018)
Ja, sage mal...,
da kam ja doch noch eine Überraschung um die Ecke
TT
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 27.11.2018:
Ich habe mich ehrlich gesagt immer gewundert, warum sich kein Leser ehrlich wundert, warum der Protagonist scheinbar perfekt Deutsch beherrscht...

Aber vielleicht bin ich ja nur einsame Spitze im Hinweise verstecken!
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57 - UhrInhaltsverzeichnis59 - Beurteilung
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Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Am Rande des Verstands.
Veröffentlicht am 21.11.2018. Textlänge: 960 Wörter; dieser Text wurde bereits 102 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 31.12.2019.
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