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60 - AufbruchInhaltsverzeichnisAnhang A - Einheiten im 2. Weltkrieg

61 - Gewonnen

Erzählung zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah ...
Ein britischer Offizier kehrt im Frühjahr 1944 nach England zurück. Nach unerfreulichen Besuchen bei seinen Eltern und einem Kameraden während des Urlaubs lernt er in einem Landgasthaus eine junge Frau kennen. Danach begibt er sich zur neuaufgestellten 129th Rifle Brigade in Cornwall, in der er eine  Kompanie als Chef übernimmt. Mitte Juni 1944 wird die Brigade in die Normandie verlegt. Der Vormarsch gestaltet sich zäh. Den ersten Schuss, den er abgibt, gilt einem eigenen Mann, um ihn von einem qualvollen Feuertod zu erlösen. In einem erbitterten Kampf um ein Waldstück mit Truppen der Waffen-SS wehrt die Kompanie unter Verlusten die Gegenangriffe ab. Auch der Kampf um ein weiteres Dorf fordert Tote. Es folgt eine  kurze Erholungspause. Während der kommt es zu einem Angriff eines Zugführers auf den Captain, den dieser jedoch ungesühnt lässt. Schließlich wird die Kompanie wieder an die Front gebracht. Zwei dem Offizier nahestehende Zugführer werden bei den folgenden Kämpfen getötet. Schließlich wird er selbst schwer verwundet, was auch psychische Folgen hat. Zur Genesung wird er in ein Sanatorium in Schottland verlegt. Seine Genesung dauert fast zwei Jahre. 1948 kehrt er nach Frankreich zurück.




Renee war aufgestanden, warf sich fahrig ihren Morgenmantel über und schlug nun von hinten ihre Arme um mich. Ich spürte ihre kleinen Brüste an meinen Schultern. Es war beruhigend und erschreckend zugleich. Es schien mir so, als ob ich nur Extreme kannte: Leben und Tod. Schuldig und unschuldig. Nackt und verhüllt. Schwarz und Weiß. Sein und Nichtsein. Jude oder kein Jude. Deutscher oder Engländer.

"Es muss ein Ende haben", sagte ich mit heiserer Stimme. Das klang beruhigend und erschreckend zugleich.
"Es hat ein Ende", erwiderte sie zärtlich. "Es ist seit drei Jahren vorbei."
"Es muss für mich ein Ende haben", verbesserte ich. "Das habe ich begriffen, als ich Anna Nordveits Briefe gelesen habe. Ganz gleich was in Büchern steht, ganz gleich was die anderen sagen. Ich brauche ein Ende."
"Aber wird das auch ein Ende sein? Ganz ehrlich, Josh, ich habe da meine Zweifel."
"Ich bin mir auch nicht sicher, weiß, was Du meinst. Aber ich bin mir sicher, dass es ohne das, niemals ein Ende geben wird. Es muss sein."
Renee drehte meinen Kopf zur Seite und küsste mich auf den Mund. Dann warf sie ihren Morgenmantel auf das Bett. Mit Freude und unkeuschen Gedanken schaute ich ihr beim Anziehen zu.

Das frühe Frühstück war einen stille Angelegenheit. Wir schwiegen, bis die Wirtin an unseren Tisch trat.
"Messieurs, la voiture se trouve devant la porte."
Mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit schien sie zu wissen, dass wir unsere Frauen nicht mitnehmen wollten. Sie hatte recht. Emma gefiel das gar nicht. Sie machte ein empörtes Gesicht und wollte sich schon beschweren. Renee legte ihr die Hand auf den Arm. Es gab keinen Widerspruch mehr. Gerald und ich verabschiedeten uns und verließen den Speisesaal. Vor dem Hotel stand ein hellblauer Peugeot 301 und daneben wartete Cederic Lasne. Er trug einen zerknitterten Hut und ein fleckiges Hemd, wirkte alt und ausgelaugt. Die letzten drei Jahre mussten für meinen Freund als Bürgermeister nicht leicht gewesen sein. Aber auch er war ein wenig erschrocken, stand da doch nicht mehr der agile Offizier, der damals zu ihm ins Bürgermeisteramt gekommen war. Ernst und langsam kam er auf mich zu und begrüßte mich auf diese seltsame Art, die in Frankreich zwischen Freunden üblich ist. Gerald reichte er die Hand.

"Es ist so schön, Dich endlich wiederzusehen", sagte er. "Obwohl mir nach deinem Anruf erst bewusst geworden ist, dass es erst das zweite Mal ist. Aber du bist ja ein eifriger Briefeschreiber."
"Eigentlich schon." Ich schwieg kurz und betroffen. "Es ist auch schön, Dich zu sehen, Cederic, und ich hoffe, meine Briefe haben Dich nicht von der Arbeit abgehalten. Sie waren ab und zu ja ganz schön lang."
"Nein, ganz bestimmt nicht, mein Freund. Diese drei Jahre waren hart für uns und es war immer eine Abwechselung, etwas von Dir zu lesen. Ich soll Dich von Madame Focard grüßen. Eine außergewöhnliche Frau. Hat Tag und Nacht gearbeitet, bis ihr Hof wieder aufgebaut war. Sie hat mich gebeten, Dich zum Abendessen einzuladen."
"Ich hoffe, das gilt auch für Gerald" - ich deutet auf meinen Freund - "und unsere Frauen."
"Ganz bestimmt. Ich habe ihr gesagt, dass Du nicht alleine bist und sie meinte nur: Je mehr desto besser."
Eine kleine Pause entstand.
"Eure Frauen kommen nicht mit?", fragte er.
"Nein."
"Aha. Ich verstehe", meinte er. "Es hat mich einige Mühe gekostet, weil es in der Normandie so viele gibt. Aber ich weiß jetzt, wo wir hin müssen."
"Dann sollten wir aufbrechen."

Cederic klemmte sich hinter das Lenkrad. Ich nahm neben ihm Platz. Gerald stieg hinten ein. Die Fahrt dauerte kaum eine halbe Stunde. Wir stellten den Wagen auf einem kleinen Parkplatz ab. Ein Kiesweg, von Bäumen gesäumt, die in der aufkommenden Sommerhitze Schatten spendeten, führte zum Eingang. Der wurde, wie jener unsere Kirche daheim, von zwei steinernen verwundeten und vor Schmerzen aufschreienden Löwen flankiert. Die weite Rasenfläche dahinter leuchtete grün und war ordentlich geschnitten. Die grauweißen Steine waren oben abgerundet und reichten mir bis zu den Knien. Vor einigen lagen Blumen. Wir waren die einzigen Besucher zu dieser frühen Stunde. Ich war dafür dankbar. Cederic kannte den Weg. Er ging uns einige Schritte voraus. Schließlich blieb er stehen. Er deutet in Richtung der rechte Reihe, hob eine Hand und spreizte die Finger. Gerald nickte und ich legte meinem französischen Freund dankbar die Hand auf seine Schulter.

Es war in der Tat der fünfte Grabstein. Gerald erreichte ihn vor mir. Er stand einfach da. Als ich den Stein humpelnd erreichte, rann eine Träne über seine Wange. Das Geburtsdatum war korrekt. Der Todestag stimmt nicht, war einen Tag zu spät angegeben. Wahrscheinlich hatte die Meldung das Bataillon erst einen Tag später erreicht und ein überforderter Schreibstubenhengst hatte das aktuelle Datum eingesetzt. Aber Rang und Name stimmten. Staff Sergeant. Ray Shaw. Wortlos standen wir da. Ich glaube Gerald betete. Schließlich nahm ich meine Geldbörse, zog ein Fünf-Pfund-Note heraus und legte sie auf das Grab.
"Wette gewonnen, Ray."




"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio,
als eure Schulweisheit sich erträumen lässt."

- Shakespeare, Hamlet I.5. -





- ENDE -

 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (24.11.2018)
Ja, der kreis schließt sich sinnvoll, wie ich meine. Es ist dir gelungen, einen Kriegsroman zu schreiben, den ich neben die ganz großen stelle, neben "die Nackten und die Toten", neben "Im Westen nichts Neues ", neben "Wem die Stunde schlägt" und neben " Verdammt in alle Ewigkeit". Ich gratuliere dir. Ich hätte das nie gekonnt.

Kommentar geändert am 24.11.2018 um 00:40 Uhr


Kommentar geändert am 24.11.2018 um 00:41 Uhr
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 24.11.2018:
Ich entnehme deinem überschwänglichen Lob, dass es dir gefallen hat. Und das gefällt mir.
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Habakuk
Kommentar von Habakuk (24.11.2018)
Gelungenes Ende. Schneller, als ich dachte. Und was mache ich nun?

H.
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 25.11.2018:
Vielleicht wirfst du mal einen Blick auf die  Gegenseite?
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AZU20
Kommentar von AZU20 (24.11.2018)
Schade, wohlgelungen, aber zu Ende. Nun bleibt eine Lücke. LG
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 25.11.2018:
Ich nehme die Lücke mal als Lob.
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AZU20 äußerte darauf am 25.11.2018:
So war's gemeint. LG
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (03.12.2018)
Während einer Studienreise in Frankreich, Mitte der sechziger Jahre, stand ein Besuch des deutschen Soldatenfriedhof am "Chemin des Dames" auf dem Programm. Ein riesiges Rasenfeld mit unzähligen weißen Holzkreuzen. Das vergisst man nicht!
Das ist ein gutes Ende!
TT
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TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 05.12.2018:
Danke (für das "gutes Ende"). Es schien mir für den Protagonisten, so wie ich ihn beschrieben habe, angebracht.
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60 - AufbruchInhaltsverzeichnisAnhang A - Einheiten im 2. Weltkrieg
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Veröffentlicht am 24.11.2018. Textlänge: 1.022 Wörter; dieser Text wurde bereits 107 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 11.12.2019.
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