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VorwortInhaltsverzeichnisKapitel 2 - Robert

Kapitel 1 - Julia

Roman zum Thema Abenteuer


von Broom87

Im Finden verloren
"The Promise"
Mark Isham     

1
Julia
Nevada,

Das Wetter ist beschissen, ihre Laune ist im Keller und ihre Schuhe mittlerweile so durchgelaufen, dass sie wohl bald barfuß weiterziehen muss. Ausserdem ist ihr kalt. So unfassbar kalt. Wer hätte gedacht, dass es in einer Wüste so kalt sein kann? Dagegen war die Stimmung vor einer Stunde im Auto ja noch herzerwärmend. Warum musste er sich aufführen wie ein Riesenarschloch? „Lass uns in Las Vegas heiraten“ hatte er gesagt. Von Saufen und Zocken war da nicht die Rede. Sie hätte es aber wissen müssen. Seit 4 Jahren waren sie nun zusammen und sie war in dieser Zeit mehr damit beschäftigt hinter ihm die Scherben ihrer Beziehung zusammen zu kleben, als zu realisieren, dass das keine Zukunft haben kann. Sein Leben bestand schon immer nur aus allem anderen außer ihr. Er war immer der erste am Glas und der letzte, wenn es darum ging, Verantwortung zu übernehmen. Kinder waren kein Thema, Arbeit für ihn nur ein Anhängsel, was es immer galt, irgendwie loszuwerden. Als er mit Las Vegas ankam und Ihr einen Antrag machte, hätte ihr also gleich klar sein müssen, woher der Wind weht. Schließlich war Romantik nie seine Stärke.
Und nun lief sie hier in Ihrem Brautkleid, frierend, in einer Elviskapelle gedemütigt und als Single, irgend eine kleine Landstraße mitten im Nirgendwo Richtung Hotel entlang und hoffte, dass dieser Tag bald enden würde. Sie hatte ihm schon immer zugetraut, auch mal die Hand gegen eine Frau erheben zu können. Dass er das vor dem Altar macht, hätte sie jedoch nicht gedacht. Wirklich erschreckend zu was ein Mensch mit einer Flasche Bourbon und ein wenig Koks intus alles fähig ist. Allein die Hinfahrt war die Hölle. Sie wirke fett in dem Kleid, ihr Gesicht sei beschissen geschminkt und was sie sich überhaupt traue, ihm so vor die Augen zu treten. Als sie dann auch noch das kleine Wort mit 2 Buchstaben nicht sofort herausbrachte, hinterließ seine rechte Hand einen roten Abdruck auf Ihrer Wange und eine tief sitzende Erkenntnis: ihr Männergeschmack ist scheiße. Und diese Erkenntnis traf sie mehr, als der schlecht ausgeholte Schlag eines zugekoksten Alkoholikers.
Nun wirkte die Vorstellung einer Hochzeit mit diesem Arschloch nur noch wie der Traum eines kleinen naiven Mädchens. Klar, Las Vegas ist nicht gerade das Zentrum der Romantik, es hätte aber eine Art Abenteuer werden können. Niemand wusste davon Bescheid. Zurecht, wie sich ja herausstellen sollte und Ihre Mutter hätte ihr sowieso den Hals umgedreht, wenn sie das gewusst hätte. Ihre Mutter hatte eben doch eine bessere Menschenkenntnis.
Nun galt es also irgendwie wieder ins Hotel zurückzukommen. Bei den Temperaturen ist es gut möglich, dass sie den Weg als Eisblock hinter sich bringen würde. Waren es noch 5 Meilen bis dorthin? Sie war sich nicht sicher, hoffte nur dass er nicht da sein würde. Für noch mehr Stress hatte sie heute wirklich keinen Nerv mehr. Deswegen war sie auch ganz froh, als er das Auto nahm und schon weggefahren war, als sie noch in der Toilette der Kapelle ihr Gesicht begutachtete. Niemand hatte ein Wort gesagt. Selbst der Pfarrer hatte nur mit großen Augen die Szenerie begutachtet und es nicht gewagt einzuschreiten. Nick hatte dann aber scheinbar von alleine begriffen, dass er gerade im Mittelpunkt steht. Nur eben leider nicht, weil sein Ehegelübde so ergreifend war.
Dort vorn ist das nächste Schild. Noch 2 Meilen bis zum Hotel. Dann war sie doch schneller als gedacht. „Wie die Zeremonie Ihrer Hochzeit“, denkt sie sich und muss ein wenig kichern. Das tut sie immer wenn sie überfordert ist. Kichern oder abschotten. Da man aber nicht immer weglaufen kann, wird halt vieles mit einem kleinen Lacher überspielt. Immerhin besser als zu heulen. Das Problem ist nur, dass man sowas nicht bei einem Streit tun sollte. Da fühlt sich der andere schnell verarscht und die Situation wird noch schlimmer. Davon konnte sie in Bezug auf Nick ein Lied singen. Wie oft er schon wutentbrannt die Türen geknallt hatte, weil sie sich ein kleines Glucksen nicht verkneifen konnte, kann sie schon gar nicht mehr zählen. Aber so war sie nun mal und er wusste das auch. What you see is what you get. Dass er allerdings ein koksender Frauenschläger war, wusste sie nicht. Das eine fing nach circa einem Jahr Beziehung an, nachdem er seinen Job verlor und sich daraufhin mit komischen Leuten einließ. Das andere stellte sich vor ca 3 Stunden heraus. Das war zumindest ihre Einschätzung. In der Regel tragen Bräute ja keine Uhren bei der Hochzeit. Oder doch?
Noch eine Meile. Da vorn sah sie auch schon Lichter. Sie würde nur schnell ins Hotel gehen, ihre Sachen packen und zum Flughafen fahren. Egal wie, egal wie lange es dauern würde. Sie musste einfach hier weg. Sie konnte nur hoffen, dass er nach dieser glorreichen Aktion nicht selbst den Weg ins Hotel gewählt hatte. Sie war sich aber ziemlich sicher, dass er in die nächstbeste Kneipe oder in ein Casino gefahren war. Das war nämlich seine Art mit Stress umzugehen. Alkohol oder Drogen. Am besten aber beides.
Als sie gerade dabei war sich auszumalen, was passieren würde, wenn sie ihm im Hotel begegnete, viel Ihr ein Auto auf, welches ihr entgegenkam. Es fuhr ziemlich schnell und schien von einem Mittelstreifen nicht viel zu halten. Man hätte meinen können, der Fahrer sei betrunken. Dafür schien der Wagen jedoch noch zu kontrolliert zu fahren. Das Auto sollte sich als 67er Camaro herausstellen. Wirklich ein wunderschönes Auto, wäre diese Kiste nicht schon so runtergekommen. Die braunen Rostflecken auf dem gelben Lack waren auch von weitem nicht zu übersehen und dass einer der Rückspiegel mit schwarzem Klebeband befestigt wurde, setzte dem Ganzen nur die Krone auf. Gerade als der Wagen an ihr vorbei fuhr, flog etwas aus dem Fenster. Etwas kleines schwarzes. Den Fahrer konnte sie nicht erkennen. Die Scheiben waren getönt und die Sonne schien denkbar ungünstig. Es war jedoch klar erkennbar, dass dieses Etwas mit voller Absicht aus dem Wagen flog, ca 10 Meter vor ihrer Nase lag es da nun am Straßenrand. Etwas verwundert, aber doch neugierig ging sie darauf zu. Es sollte sich als Portmonnaie herausstellen. Schwarzes Leder, klein aber dick. Typische Männergeldbörse. Sie hob es auf und wagte einen Blick ins Innere. Nachdem sie sah was sich im Inneren befand, konnte sie ihren Augen nicht trauen. Das waren mindestens 5000 Dollar. Alles in 100-Dollar Scheinen. Keine Ausweispapiere, kein Anzeichen darauf, wem diese Brieftasche gehören könnte. Sie zog einen der Scheine heraus und hielt ihn gegen das Licht einer Laterne. Er würde sich doch bestimmt als Fälschung herausstellen. Schließlich muss es ja einen Grund dafür geben, dass der Fahrer das Geld aus dem Fenster geschmissen hat. Sie konnte jedoch kein Anzeichen für eine Fälschung erkennen, zumal sie sich nicht als Falschgeldexperten bezeichnen würde. Das Wasserzeichen war klar zu erkennen und auch die silbernen Streifen waren drauf. Das reichte ihr erstmal als Beweis dafür, dass sie gerade eine Menge Geld in ihren Händen hielt. Stellte sich trotzdem noch die Frage, warum man das einfach wegschmeißt. Es musste sich also um schmutziges Geld handeln. Vielleicht durch Drogenverkäufe. Oder es handelte sich um markierte Scheine von einem Bankraub. Irgendwas in der Art musste es ja sein. Sowas sah man ja ständig im Fernsehen. Sie beschloss das Geld erstmal mitzunehmen und an der Rezeption abzugeben. Sollte sich die Polizei damit befassen.
Mit diesem Fund und in Gedanken darüber versunken, woher dieses Geld stammen könnte, lief sie weiter und erreichte auch bald das Hotel. Sie hatte selten so eine ranzige Absteige gesehen. Das der Zimmerservice es mit der Reinigung nicht so genau nahm, konnte sie noch verkraften. Sie war nie eines dieser peniblen Mädchen gewesen. Lieber spielte sie im Dreck und bewarf ihre Freunde mit Matsch. Allerdings hatte sie eine starke Abneigung gegen alle Tiere mit 6 oder 8 Beinen. Und von denen gab es hier in der Wüste von Nevada ja genügend. Scheinbar hatten sich einige dieser Mistviecher genau dieses Hotel als Sammelstelle auserkoren und warteten gemeinsam unter Steinen oder anderen schattigen Plätzchen auf ein vermeintliches Opfer, was es zu erschrecken gilt. Julia war sich ziemlich sicher dass es so ablaufen musste und dass dieses Getier eigentlich nur auf sie wartete, um ihr einen gehörigen Schrecken einzujagen. Dieses Hotel schien hierfür eine Art Sammelpunkt zu sein und die Aufforderung vom lieben Gott, sich mit Ihrer Phobie mal etwas näher zu befassen.
Nichtsdestotrotz musste Sie dort rein und zumindest in Ihr Zimmer, um sich umzuziehen und sich schleunigst auf den Weg zum Flughafen zu machen. Sie betrat also das Sammelbecken für Krabbeltiere und stellte sich an die Rezeption. Allein der Tresen war für jeden potenziellen Gast ein Vorbote dafür, was ihn hier erwartete, wenn er hier ein Zimmer nahm. Abgesehen von der Mitte der Theke, welche ziemlich abgewetzt und im Grunde nur noch unbehandeltes Holz zu sein schien, war der Rest des Mobiliars überzogen mit einer dicken Staubschicht. Julia musste dem starken Drang widerstehen, nicht einfach „Sau“ in die Staubmatte zu schreiben. Nachdem sie 2 mal die kleine Messingklingel betätigt hatte, bequemte sich auch eine ältere Dame zur ihr. Diese sah zwar nicht sehr interessiert aus, ging aber zumindest ihrem Job nach.
„Was kann ich für sie tun?“ Fragte diese Ausgeburt an Verbrauchtheit zwischen 2 Zügen ihrer Zigarette. Dabei blies sie den Rauch genau in Julias Richtung und gab damit zu verstehen, dass sie überhaupt keine Lust auf ein längeres Gespräch hatte.
„Zimmer 17, Mehring. Mein Mann hat die Chipkarte, aber wir haben zusammen eingecheckt. Ich müsste nur mal kurz ins Zimmer“, erklärte sie der grauen Eminenz und ihr war sofort klar, dass es hier ein Problem gab. Die Gesichtszüge der Dame entglitten ein wenig und Julia hatte das Gefühl, dass die Frau vor ihr sich gerade ein Lachen verkneifen muss.
„Können sie sich ausweisen?“
„Wie sie sehen bin ich auf eine Ausweiskontrolle gerade nicht vorbereitet. Aber ich habe meine Dokumente alle in diesem Zimmer. Wenn Sie also kurz öffnen könnten, kann ich ihnen gerne meinen Pass zeigen oder was sie sonst noch benötigen“. Julia wurde langsam etwas ungehalten. Nick und sie hatten gestern bei ihr eingecheckt und das Hotel wimmelte nicht gerade von Leuten. Sie sollte also wissen, wer sie war und somit schleunigst die Hufe bewegen und das Zimmer öffnen.
„Da gibt es nur leider ein Problem. Der junge Mann; ich nehme an, es handelt sich hierbei um Ihren Angetrauten; hat vor ca einer halben Stunde ausgecheckt. Das Zimmer ist leer und wird gerade von unserem Zimmermädchen hergerichtet.“ Wieder dieser Anflug von einem Lächeln. Konnte es sein, dass Cruela de Ville es gerade genoss, ihr diese Nachricht zu überbringen? Julia schossen 1000 Gedanken durch den Kopf. Zum einen nahm sie an, dass sie wohl nicht die erste Braut war, die so hier aufkreuzte. Ausserdem muss ihr Gegenüber scheinbar eine starke Abneigung gegen heiratende Paare haben. Interessant in Anbetracht dessen, dass ihr Hotel genau solche Leute ja auch zu 90% bewirtete. Aber vielleicht war auch genau das der Grund für diese Abneigung. Wie dem auch sei, Julia hatte andere Probleme.
„Hat er denn irgendwas hinterlegt? Einen Zettel oder Brief. Hat er vielleicht einen Koffer hier gelassen? Irgendwas?“ Sie wollte nicht so verzweifelt klingen, wie sie sich fühlte und wusste auch nicht so recht, ob ihr das gelang. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Was war das für ein Typ, der zuerst seine Freundin vorm Altar schlägt und sie dann auch noch in einem fremden Land, auf einem anderen Kontinent, mitten in der Wüste einfach stehen ließ?
„Tut mir leid, aber er hat nichts hier gelassen. Das Zimmer ist wie gesagt leer. Ich kann Ihnen aber gerne ein Taxi rufen, wenn Sie möchten.“
„Was soll ich denn mit einem Taxi? Wie soll ich das bezahlen? Ich brauche meine Sachen. Wie Sie hoffentlich bemerkt haben, stehe ich hier in einem Brautkleid und habe nichts bei mir außer…“, da fiel ihr das Portemonnaie wieder ein. Sie zog es unter ihrem Kleid vor. Gut versteckt unter ihrem Strumpfband.
„Ja, rufen Sie mir ein Taxi. Sofort. Ich möchte zum nächsten Flughafen. Vielen Dank.“ Sie konnte nicht fassen, was hier gerade passierte. Sie hat nicht das Geringste bei sich und alles was ihr gerade weiter helfen konnte, war die Brieftasche eines Fremden mit Geld, das weiß Gott woher kam. Die alte Ziege hinter dem Tresen hatte sie scheinbar genauso satt und ergriff sofort das Telefon. Julia setzte sich derweil in eine Nische neben der Eingangstür und überlegte, wie sie nun am Besten weiter machen würde. Sie musste zum Flughafen. So oder so. Wenn Sie Glück hatte, war Nick auch dahin unterwegs und sie konnte ihn dort vielleicht abfangen. Ansonsten flog sie eben alleine zurück. Sofern sie denn einen Flug bekam und diesen auch mit den mysteriösen Scheinen bezahlen konnte, die gerade ihr einziger Hoffnungsschimmer waren. Konnte sie dafür in den Knast wandern? Sie hatte das Geld schließlich gefunden und war auch nicht verpflichtet dieses irgendwo abzugeben. Oder doch? Sollte es Probleme geben, musste sie eben auf dumm tun und sich ahnungslos geben. Kein Problem, denn genau das war sie ja gerade.
Das Taxi kam nach etwa 10 Minuten. Der Fahrer war ein junger Amerikaner, eigentlich ganz süß. Jedoch war ihr derzeitiger Aufzug nicht gerade geeignet dafür, irgend eine Art von normaler Konversation zu führen. Sein Blick sprach Bände.
„Welche Kapelle hätten Sie denn gerne?“, fragte er und sie sah ein, dass die Frage gar nicht so unbegründet war.
„Keine Kapelle. Flughafen! So schnell wie möglich bitte.“ Mehr brachte sie gerade nicht raus und sie hatte auch keine Lust ihm noch zu erklären, was hier gerade los war. Scheinbar reichte ihm diese Info jedoch und er legte den ersten Gang ein. Noch eine Bestätigung dafür, dass sie nicht die einzige Braut sein konnte, die in dieser Lage war. Las Vegas war halt prädestiniert für so eine Art von Drama und die Menschen, die dort lebten, wussten ganz genau, was sie da gerade vor sich hatten. Wahrscheinlich war sowas einfach eine willkommene Abwechslung in deren Alltag, über die sie sich gemeinsam kurz das Maul zerreißen konnten. Die Fahrt zum Flughafen dauerte 20 lange Minuten, in denen sie die Blicke des Taxifahrers auf sich spürte, sie sich fragte, womit sie das alles verdient hatte und was sie eigentlich getrieben hatte zu glauben, dass mit diesem Mann ein besseres Leben auf sie wartete. Er hatte sich vor dieser Reise wirklich geändert. Er war gut gelaunt, war mit ihr beschwingt durchs Leben getanzt. Sie hatte angenommen, dass es daran lag, dass er seinen Job verloren hatte, den er wirklich hasste. Als er jedoch anfing, ihr teure Geschenke zu machen, wurde ihr klar, dass da irgendwas nicht mit rechten Dingen ablief. Sie hatte jedoch versucht ihm zu vertrauen und wollte nicht gleich den Teufel an die Wand malen. Und dann kniete er vor ihr. Mit dem dicksten Klunker den Sie je gesehen hatte. Gebettet in einem weißen Samtkissen und einer Schatulle, die schon erahnen ließ, dass dieses Schmuckstück nicht aus einem Kaugummiautomaten gekullert kam. Zusammen mit den Flugtickets und der Aussicht auf Las Vegas waren alle Zweifel erstmal in den Hintergrund getreten und wichen einer Vorfreude, die sie schon lange nicht mehr hatte. Sie war noch nie in den Staaten gewesen. Dies war ein Traum, den sie zwar schon lange hegte, der aber derzeit nicht umsetzbar war. Mit dem Gehalt einer Krankenschwester musste man sich sowas erstmal mühsam absparen und wie das nun mal im Alter von 26 war, hatte man dann doch immer irgendwelche anderen Sachen, die einem dazwischen kamen. Ein Paar neue Schuhe, Feiern gehen, ein Kurztrip an irgend einen Ort, der einen vergessen ließ, wie trist dieses Leben sein konnte. Dass sich dieser Umstand nun ein für alle mal ändern sollte, konnte sie natürlich nicht ahnen. Sie sollte aber bald begreifen, dass auch ein tristes Leben seine Vorzüge hatte. Jetzt gerade in diesem Taxi, umgeben von Sand und Menschen, die nicht im Geringsten in ihr Weltbild passten, rang sie sich trotzdem ein Lächeln ab. Denn zumindest brauchte sie sich keine Gedanken über den Zoll und die Gepäckabfertigung machen. Dieser Gedanke war so absurd und abwegig, dass sie nicht anders konnte. So war sie aber nunmal. Immer das positive im Blick. Immer das Licht am Tunnelende erahnend.
Am Flughafen angekommen, kramte sie einen 100 Dollarschein aus der Geldbörse und gab sie dem Fahrer. Dass sie lediglich 38 hätte zahlen müssen, war dem Fahrer scheinbar auch egal. Er nahm den Schein und setzte voraus, dass der Rest ihm gehörte. Mit einem kurzen „Danke“ war die Transaktion für ihn abgeschlossen und er startete auch schon wieder den Wagen. Sollte ihr auch recht sein. Sie hatte noch genug um die Ohren und ein geldgeiler Taxifahrer war wohl das kleinste ihrer Probleme.
Vor ihr erstreckte sich ein schwarzer, pyramidenförmiger Bau. Man sollte meinen, dieser wäre ziemlich eindrucksvoll, doch in dieser Einöde wirkte dieser Klotz aus Beton einfach nur Fehl am Platz. Eine schwarze Pyramide mitten im Nirgendwo. Abgesehen von der Farbe gab es das schon und das Original war zehnmal imposanter. Also betrat sie die Eingangshalle ohne offenen Mund und hielt Ausschau nach einem Laden, in dem Sie zumindest irgendwas zum Anziehen kaufen konnte. Doch weit und breit nichts zu sehen, als Spielautomaten und Duty Free Shops für Parfum und Alkohol. Sie spürte natürlich die Blicke der anderen Leute. Eine Frau im Brautkleid in einem Flughafen sah man ja auch nicht alle Tage. Unbeirrt hielt Sie auf ein Terminal zu, bei dem man scheinbar einen Flug nach Berlin buchen konnte. Laut Infotafel ging sogar einer in 2 Stunden. Zwischenstopp in Köln. Knapp 13 Stunden in denen Sie sich reichlich Gedanken darüber machen konnte, wie Sie Ihr Leben weiter gestalten sollte. Ohne ihn. Ein Neuanfang. Am Terminal angekommen, stellte sie sich in die Schlange und versuchte den Anschein zu erwecken, dass alles völlig normal sei. Dann fliegt eine Braut eben in Ihrem Kleid von A nach B. Heutzutage war doch alles möglich. Das Leben ist eine Wundertüte und jeder kann sich nehmen, was er braucht. Nur scheinbar sahen das die Leute in der Schlange anders und starrten Sie unverhohlen an. Ein kleiner Junge zeigte mit dem Finger auf sie und zog seiner Mutter unaufhörlich an der Hose. Ein junges Pärchen konnte sich scheinbar ein paar Witze nicht verkneifen und lachte unaufhörlich über die Braut, die sich nicht traut.
Nach etwa 15 Minuten kam Sie endlich an den Schalter.
„Hallo. Ich hätte gern den nächsten Flug nach Berlin. Klasse ist mir egal.“
Die Frau gegenüber, ein etwa 20-jähriges blondes Ding, das scheinbar gerade Ihren Schulabschluss hinter sich gebracht hat, guckte sie nur von oben bis unten an. Sie machte irgendwie den Eindruck, als hätte es für eine Stewardess nicht gereicht. Da Sie aber den Weg aus dem Flughafen nicht mehr gefunden hatte, setzte sie sich eben an dieses Terminal und guckte mal, ob ihr der Job vielleicht lag.
„Hallo“, wiederholte Julia und erhöhte etwas den Ton. „Einen Flug nach Berlin. Wenn es geht den nächsten, der hier abhebt“
Die junge Frau starrte Sie noch immer mit großen Augen an. Irgendwann schien sie sich jedoch zu fangen und bekam nur einen Satz raus:
„Sie möchten so fliegen?“
Jetzt platzte Julia der Kragen. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Hatte Sie als Kind Babykarnickel in die Mikrowelle gesteckt oder warum schien die komplette Welt auf einmal gegen Sie zu sein?
„Ja, so möchte ich fliegen. Gibt es dafür neuerdings eine Kleiderordnung? Darf man in so einem Fummel nur in eine Kirche gehen oder worin liegt ihr Problem? Einmal nach Berlin. Egal wie, Hauptsache schnell. Vielen Dank“. So einen Ton hatte sie schon lange nicht mehr angeschlagen. Eine Mischung aus Wut und ekliger Arroganz. Insgeheim musste sie sich jedoch eingestehen, dass das genau das war, was sie brauchte.
„Ok, ich sehe mal nach, was ich tun kann.“
Nachdem die gute Frau aus ihrer Schockstarre erwacht war, machte sie einen umso lebendigeren Eindruck und hackte voller Elan auf ihre Tastatur ein.
„Tut mir leid, aber der nächste Flug ist soeben ausgebucht worden. Daher kann ich ihnen lediglich einen Flug in 6 Stunden anbieten. Sie müssten jedoch in London eine Nacht verbringen, um dann nach Berlin weiter fliegen zu können“
Sie hatte es geahnt. Wäre ja auch zu einfach gewesen. Rein in den Flieger und ab nach Hause. Nein, sie musste sich in diesem verdammten Kleid noch eine Nacht in London um die Ohren schlagen. Na das wird ein Spaß.
„Die Braut fliegt bei mir mit. Schließlich wollen wir sie ja nicht aufhalten auf der Suche nach Bill“, kam es auf einmal von hinten. Sie wusste nicht, wer das gesagt hat, aber die Stimme bahnte sich einen Weg durch die Menschenreihe. Allmählich bekam sie ihn zu Gesicht. Attraktiver Mann, gut gebaut. Dunkelblonde, kurze Haare, strahlend grüne Augen. Nur ein wenig größer als sie, jedoch in seiner Jeans und einem lockeren Shirt zumindest äußerlich nicht zu verachten. Dennoch stellte sich die Frage, was das hier alles sollte.
„Was reden sie da? Ich fliege mit ihnen mit? Und wer ist Bill?“
„Kill Bill. Die Braut“
Sie hatte keine Ahnung, wovon er da redete und langsam machte ihr diese Szene Angst. Sie wusste nicht, wie sie auf diese Informationen reagieren sollte und starrte den Kerl nur mit großen Augen und in Falten gelegter Stirn an.
„Vergessen sie’s. Quentin Tarantino ist wohl nicht ihr Fall. Aber darüber können wir uns im Flugzeug unterhalten“, erklärte er ihr mit einem Lächeln im Gesicht und hielt ihr eine Dienstmarke vor die Nase

 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (25.11.2018)
Nun, herzlich willkommen auf kV.

Nichts für ungut, aber da sind noch ein Haufen RS-Fehler im Text. Das macht das Lesen äußerst mühsam.

Kommentar geändert am 25.11.2018 um 11:28 Uhr
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (26.11.2018)
durch gelaufen -> durchgelaufen

weiter ziehen -> weiterziehen

Wer hätte gedacht,


...und dies nur in den ersten 3-4 Sätzen.

Guten Morgen.
diesen Kommentar melden
Dieter_Rotmund meinte dazu am 26.11.2018:
„Lass uns in Las Vegas heiraten“,

...zusammen und sie war in dieser Zeit mehr damit beschäftigt,


was -> welches

Sie -> sie

Ihr -> ihr
(plötzlich indirekte Rede !?)

2 -> zwei (gute, sinnvolle Konvention!)

Sie -> sie

Den Rest machst Du jetzt aber mal alleine, Fräulein! :-)
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VorwortInhaltsverzeichnisKapitel 2 - Robert
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