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Kapitel 1 - JuliaInhaltsverzeichnisKapitel 3 - Harley

Kapitel 2 - Robert

Roman zum Thema Abenteuer


von Broom87

„What are you going to do
when you are not saving the world?“
Hans Zimmer

2
Robert

Berlin, Deutschland

„Dieser Job ist die verdammte Hölle“, dachte er und rannte weiter. Warum können diese Junkies immer noch so schnell weglaufen? Zugedröhnt bis unters Dach, aber rennen wie Usain Bolt. Es ist unfassbar. Und dabei war dieser Idiot noch die kleinste Schraube im Getriebe. Er wollte ihm lediglich ein paar Fragen stellen und auf einmal springt dieser Tot auf Latschen auf und rennt los. Mitten in den Görlitzer Park. Im Hochsommer, zwischen kleinen Kindern und Rentnern hindurch immer geradeaus. Doch das konnte er sich abschminken. Robert war zwar nicht mehr der jüngste, aber wenn er dieses Gerippe nicht bekommt, konnte er sich gleich einen anderen Job suchen. Also hinterher, mit allem was er hatte. Und er hatte nicht viel. Nur seine Beine und eine Stimme, die durch den Park hallte. „Stehen bleiben, Polizei!“ Das schien den Typen nicht sonderlich zu beeindrucken. Stattdessen machte er eine scharfe Linkskurve und steuerte geradewegs auf die Schwarzlicht-Golfhalle zu. Die Leute, die ihm im Weg waren, rannte er entweder um oder zwängte sich gekonnt durch sie hindurch. Keiner schien auch nur im Entferntesten daran zu denken ihn aufzuhalten oder ihm ein Bein zu stellen. Nur große Augen und ein paar Aufreger hier und dort. Warum sollte auch ein anderer Roberts Job machen? Er war Beamter und die bekamen bekanntlich ein Heidengeld dafür, dass sie schmierigen Typen hinterherrannten und die Stadt von dem säuberten, was der Normalbürger einfach nicht sehen wollte.
Und dann war er verschwunden. Robert hatte gesehen, wie er in den Eingang der Halle rannte und wusste nicht so recht, was er davon halten sollte. So dumm konnte doch keiner sein. Wenn man wegrennt, dann doch nicht dahin, wo es augenscheinlich keinen anderen Ausgang gab. Mit Sicherheit gab es eine Hintertür, doch er bezweifelte, dass dieses Genie auch nur einmal in der Nähe dieses Etablissements war. So wie der aussah, schmiss man ihn sofort überall raus. Daher konnte es nur bedeuten, dass Herr Oberschlau versuchte, ihn in eine Falle zu locken. Konnte er eine Waffe haben? Vielleicht ein Messer oder eine Spritze. Beides nicht sehr angenehm. Es stellte einen nur vor die Optionen zwischen gleich sterben oder einer Krankheit, die jeden wünschen lässt, man wäre schon tot.
Seine Hand ging langsam zur seiner Waffe, hielt jedoch abrupt inne. Das Problem waren die vielen Leute, die sich noch in dem Gebäude befanden. Langsam betrat er die Eingangstür und ging in das Foyer. Er kannte diesen Laden und wusste, was ihn erwarten würde. Rechts von ihm war die Theke mit der Anmeldung. Dahinter an der Wand hingen ein paar Golfschläger, Bälle und Fotos von spielenden Menschen. Familien und Pärchen, die sichtlich Spaß dabei hatten einen Ball über Miniaturbahnen zu prügeln. Vor Ihm standen ein paar Stühle und kleine Tische. Man konnte hier eben auch nur einen Kaffee trinken oder sich nach einer frustrierenden Runde ein Bier genehmigen, wenn man wollte. Und das taten auch einige. Hier und da saßen ein paar Leute, unterhielten sich angeregt oder starrten auf Ihr Smartphone. Er hatte mit mehr Andrang gerechnet, hatte jedoch Angst davor,  was ihn unten bei den Golfbahnen erwartete. Links von den abgewetzten Sesseln und Tischen befand sich die Treppe nach unten. Auch dort war ihm bewusst, was er zu sehen bekommen würde. Eine dunkle Halle, in der lediglich Neonstreifen für etwas Licht sorgten. Und alles was weiß war, strahlte wie ein Flutlicht. Er sah an sich hinab und ahnte, dass er leuchten würde wie ein Weihnachtsbaum. Weiße Adidas Superstars und ein schwarzes Shirt mit weißer Schrift. Perfekt für diesen Ausflug. Er kam sich vor wie eine Figur aus Tron. Hinzu kam, dass Einstein ein schwarzes Unterhemd und graue, zerschlissene Turnschuhe anhatte. Dazu eine verdreckte Jeanshose, die scheinbar die Form behielt, wenn er sie auszog. So leicht würde er ihn also nicht sehen können.
Vorsichtig ging er die Treppe runter und überlegte erneut, ob er seine Waffe ziehen sollte, behielt sie jedoch in seinem Schulterhalfter. Er glaubte nicht, dass er sie benötigen würde und rechnete auch nicht damit, dass er dort unten gut zielen konnte. Unten angekommen sah er bereits die ersten Menschen an den Bahnen. Scheinbar hatte keiner den heruntergekommenen Typen bemerkt oder wollte sich einfach nicht von seinem Spiel abhalten lassen. Er blickte sich um, konnte seinen Mann jedoch nicht erkennen. Langsam und ständig nach links und rechts schauend, bahnte er sich seinen Weg an den ersten 6 Bahnen entlang. Jede schwerer als die voran gegangene und fast keine davon unbenutzt.
Nach Bahn 9 kam ein U-Turn und die nächsten Bahnen lagen vor ihm. Auch hier nichts zu sehen vom zugedröhnten Roadrunner. Er ging noch ein paar Schritte, als er plötzlich aus dem Augenwinkel eine Bewegung bemerkte. Ruckartig drehte er sich um und riss den Kopf nach hinten. Ein Golfschläger zischte knapp 2 Zentimeter an seinem Gesicht vorbei und hinterließ einen scharfen Luftzug in seinen Ohren. Reflexartig beugte er den Oberkörper nach vorn und rammte seinem Angreifer die Schulter in die Rippen. Zusammen flogen sie auf eine Golfbahn mit einem Pendel, an dem es den Ball vorbeizuschlagen galt. Robert landete bei seinem Manöver genau auf dem abgeranzten Junky und stellte befriedigt fest, dass die gesamte Atemluft seines Gegners beim Aufprall mit einem tiefen „Uff“ aus dessen Lunge gepresst wurde. Von dem war also nicht mehr viel Gegenwehr zu erwarten. Scheinbar hatte ein etwa 15-jähriger Junge, der gerade am Abschlag dieser Bahn war, das Ganze nicht sofort realisiert und schlug seinen Ball gekonnt an dem Pendel vorbei, genau gegen die Stirn des atemlosen Kontrahenten. Der Ball rollte nicht sonderlich schnell, aber für ein erneutes Aufheulen reichte es allemal.
Nachdem sich Robert sicher war, dass er diesen Kampf gewonnen hatte, rappelte er sich auf und zog den auf der Bahn liegenden Mann hoch. Mit einem schnellen Griff drehte er ihm die Arme auf den Rücken, drückte ihn gegen die nächste Wand und legte ihm Handschellen an.
„Was soll die Scheisse? Ich habe doch gar nichts gemacht. Das ist doch wieder reine Schikane von euch Bullen“, kotzte sich der Festgenommene aus. Er war scheinbar nicht sehr glücklich über seine derzeitige Lage.
„Der Golfschläger ist dir wohl auf der Driving Range aus der Hand gerutscht du Sportass. Na dann wollen wir mal sehen, was du noch so für Überraschungen zu bieten hast“, entgegnete Robert ruhig und fing an in den Taschen seines Häftlings zu wühlen.
Alles was er fand, war ein Portmonnaie, in dem es außer einem Ausweis und einem 5€ Schein nicht viel zu holen gab und eine kleine Tüte mit 6 Pillen drin. Zunächst studierte er den Ausweis, dann die kleine Tüte und er wusste sofort, was er da in der Hand hielt.
„Also, Gregor Schmadtke, was haben wir denn hier? Deine Vitamine?“
„Das ist nur Süßstoff, ich bin auf Diät“, geiferte er zurück. Er war nun sichtlich schlecht gelaunt.
„Bei deiner Statur glaub ich dir das gerne. Woher hast du die? Wie heißt dein Dealer?“
Robert wedelte mit der Tüte vor Gregors Nase rum.
„Mein Dealer? Tante Emma du blöder Wichser“. Kooperation sah anders aus.
„Hör zu du Idiot. Ich wette du hast ein Vorstrafenregister, länger als Loch 18 dahinten und was glaubst du wird passieren, wenn wir dich wegen Drogenbesitzes oder sogar Dealerei mit diesen Muntermachern hier anklagen? Meinst du ein paar Jahre in Moabit sind gut für deinen Teint?“
„Ich weiß gar nichts man. Ich habe die gefunden“. Wie es aussah, wurde Herr Schmadtke jetzt etwas kleinlaut und hatte auf Moabit genauso viel Bock wie auf echten Süßstoff.
„Sag mir einfach woher du diese Dinger hier hast und ich lege ein gutes Wort für dich ein. Kennst du doch bestimmt von Law and Order. Oder in deiner Welt… die Trovatos“ Robert spürte dass der Typ singen würde. So waren sie nun mal alle. Wenn es ans Eingemachte ging, dachte jeder nur noch an sich selbst.
„Ich kenne seinen richtigen Namen nicht. Ich glaube er heißt Rick oder so. Son größerer Typ. Dunkle Haare. Sieht selber ziemlich verbraucht aus. Er vertickt das Zeug in großen Mengen und spielt sich auf, dass er der Einzige ist, der das Zeug an den Mann bringt. Der Typ muss scheiße reich sein. Jeder will diese Pillen haben.“ Und da sang er auch schon wie ein Wellensittich. Als Robert das Gefühl hatte, alles schon gehört zu haben, drehte er den Typen zu sich um und sah ihm in die Augen.
„Meinst du Nick? Könnte es ein Nick gewesen sein?“
„Ja stimmt, Nick. So heißt der. Kann ich jetzt gehen?“ Er war wohl der festen Überzeugung seinen Dienst am Volke getan zu haben und drehte sich wieder mit dem Rücken zu Robert, damit dieser ihm die Handschellen öffnen konnte.
„Ich mags lieber schriftlich. Also muss ich deine Zeit leider noch ein wenig in Anspruch nehmen. Ich hoffe nicht, dass du heute noch ein Date mit Frau Schmadtke hattest. Das musst du jetzt leider ausfallen lassen Don Juan“.
Gregor vor sich her schiebend, verließen die beiden die Golfhalle und liefen zurück zu Roberts Wagen. Seit 6 Jahren fuhr er diese Klapperkiste nun schon. Einen alten Ford Escort, in dem er schon das dreckigste Gesindel zur Wache gefahren hat. Gregor war dabei noch eine wahre Schönheit. In Zivil darf es aber eben nichts Auffälliges sein. Also blieb die Wahl zwischen einem 95er Opel Vectra oder diesem Schmuckstück. Es war wie wählen zwischen Krebs und Aids. Allein die grüne Farbe war ein gutes Argument für die Schrottpresse.
Nachdem er Gregor auf die Rückbank verfrachtet hatte, setzte sich Robert ans Steuer, packte die kleine Tüte mit Pillen in eine größere Tüte für Beweismittel und startete den Wagen. Auf dem Weg ins Revier versuchte Gregor ein paar mal ein Gespräch anzuzetteln. Robert hatte jedoch keine Lust auf Smalltalk und schaltete lieber das Radio ein. Selbst wenn er das derzeitige Gedudel im Radio zum Kotzen fand, war es immer noch besser als ein Gespräch mit so einem verlausten Affen, der ausser Drogen und Gammeln nichts im Kopf hatte.
Auf dem Revier angekommen, brachte er Supergreg erstmal in Gewahrsam, bevor er die Treppe zum Büro seines Chefs bestieg. Seit 6 Jahren war er in diesem Dezernat und jeden Tag regten ihn diese Treppen mehr auf. Irgendwie hatten diese Stufen eine falsche Höhe. Sie waren einfach zu flach und deswegen stolperte man regelmäßig nach oben. So weit er wusste, gab es für Stufen sogar eine Norm, aber dieser Bunker war wahrscheinlich so alt, dass Martin Luther noch sein Pamphlet an die Eingangstür genagelt hat. Und überall Backsteinwände. Seobst innen. Als ob der Bau nie fertig wurde. Da rennen all diese Beamten Tag für Tag irgendwelchen millionenschweren Gangstern hinterher und beschlagnahmten Drogen in Milliardenhöhe, aber für eine gut verspachtelte Wand war kein Geld da.
Im dritten Stock angekommen, passierte er einen langen Flur, der zumindest weiße Farbe zu bieten hatte und hielt vor einem verglasten Büro am Ende. Man hätte meinen können, das wäre das schönste Büro hier und alle würden sich die Finger nach diesem großen Schreibtisch, dem Ausblick und der Sitzecke lecken. Aber da die Toiletten gefühlte Kilometer weit weg waren und es draussen nichts zu sehen gab, bis auf eine Gasse mit ein paar Mülltonnen, waren alle froh nicht der Boss hier zu sein. Diesen Part übernahm Karl Kaliel. Seines Zeichens Vorzeigebürger und Sinnbild der Gerechtigkeit. Man könnte meinen er sei ein Grundschullehrer, wenn er nicht reden würde als hätte er Torret. Zusammen mit seinem gepflegten Äußeren, welches irgendwie eher arabisch als deutsch daher kam, ergab das eine perfekte Mischung, die jeden neuen Kollegen erstmal mit den Ohren schlackern ließ.
Robert klopfte zweimal an die Glastür und trat dann in das geräumige Büro. Kalle, wie ihn hier alle nannten, war gerade am Telefonieren, gestikulierte jedoch in Richtung Couch am gegenüberliegenden Ende des Büros. Daher nahm Robert dort Platz und bekam wieder eine jener legendären Shows zu bieten, die nur von seinem Boss kommen konnnte.
„Ist mir scheiss egal wohin das Geld geht. Die können uns den verdammten Etat nicht schon wieder kürzen“, brüllte er in den Hörer. Er war sichtlich ausser sich und das ließ er auch sein Gegenüber jedes Mal spüren. Robert graute langsam vor dem Gespräch mit ihm, da Kalle bekannt dafür war, keinen Unterschied zu machen, wer da gerade vor ihm stand. Schlechte Laune konnte man an jedem auslassen.
„Niemals! Meine Leute haben in diesem Jahr mehr Leute festgenommen, als kleine Kinder eingeschult werden. Warum wird dann mehr Kohle für scheiss Bildung rausgehauen? Habt ihr euch die verkackte Jugend mal angeguckt? Nur noch Assis und Prollos da draussen. Von den schwulen Hipsterspastis will ich gar nicht anfangen. Sie wollen saubere Straßen, dann bezahlen Sie auch dafür. Oder sollen meine Leute an Ihren Dienstmarken knabbern?“ Kalle wurde langsam rot und das hieß im Normalfall in Deckung zu gehen.
„Ja, dir auch einen schönen Tag. Ach leck doch meine Eier!“ Mit diesem Satz knallte er den Hörer auf und atmete tief durch. Nachdem er genügend CO2 in seine Bestandteile zerlegt hatte, wendete er sich an Robert.
„Also, hast du was herausgefunden bei der Happy Feet Geschichte? Diese Sache wächst uns langsam über den Kopf.“ Er war zwar noch etwas rot, schien sich aber langsam zu beruhigen. Mit dieser Erkenntnis atmete auch Robert einmal durch und klärte seinen Chef auf.
„Immer wieder dieser Nick. Jeder scheint seinen Namen zu kennen, aber keiner weiß wo er sich aufhält. Habe heute wieder einen erwischt mit ein paar von diesen Teufelsdingern. Ich habe das Gefühl dass jeder in dieser Stadt diese Pillen haben will. Die Nachfrage muss riesig sein, wenn jeder den ich hochnehme, eine Tüte Happy Feet in der Buchse hat.“ Nachdem Robert seine Einschätzung beendet hatte, stand Kalle auf und warf ihm eine Akte hin.
„Nick Plommer, 34 Jahre alt. War vor ein paar Jahren in Nicaragua. Muss dort die richtigen Leute, mit dem richtigen Wissen für absatzstarke Drogen kennen gelernt haben. Zumindest glaubt das das FBI. Sie sind schon ewig hinter einem großen Syndikat her, dass kleine Pillen mit einem HP drauf in den Staaten vertickt. Bei Ihren Ermittlungen sind Sie auch auf unseren Nick gestoßen, der es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht hat, den Berliner Markt mit dieser Scheiße zu überfluten. Warum er jedoch einen Pinguin da drauf druckt, weiß nur der liebe Gott. Hinten in der Akte ist ein Bild von Ihm. Der Typ sieht aus wie ein verkackter Frauenschläger ohne Hirn. Warum können wir nicht mal Nerds jagen und nicht immer diese Untermenschen?“ Langsam schwoll die Ader auf seinem Hals wieder an. Keiner beherrschte die Kunst des Reinsteigerns so gut wie Kalle Kaliel.
„Happy Feet ist ein Film mit tanzenden Pinguinen. Ich denke daran wird es liegen. Aber gut, dass wir zumindest ein Stück weiter sind. Wo sich dieser Typ jetzt aufhält haben die Kollegen nicht zufällig erwähnt oder?“ Robert wusste, dass der Fakt mit dem Film seinen Chef unglaublich wurmen würde. Umso mehr freute es ihn, dass er es wieder mal geschafft hatte. Langsam blätterte er durch die Akte und blieb schlussendlich bei dem Foto kleben. Ja, sehr sympathisch sah der Kerl nicht aus. Besonders helle aber auch nicht. Kombination wie aus dem Lehrbuch.
„Wie es ausseht, ist er gerade in Las Vegas. Und das nicht allein.“ Er warf Robert eine weitere Akte zu. Weitaus dünner als die von Nick, jedoch auch mit einem Foto. Während Robert die Akte studierte, sprach Kalle weiter.
„Das ist Julia Mehring, 26, keine Vorstrafen. Sie ist mit ihm geflogen. Entweder verspielen sie seine Kohle oder das arme Ding hat sich den falschen Typen für eine Hochzeit ausgesucht.“
Robert studierte das Bild. Hübsche Frau, wunderschöne Augen. Warum suchen sich solche Kaliber immer diesen Abschaum aus? Er hätte sie sicher auch mal auf einen Tee eingeladen, aber für sowas war in seinem Leben kein Platz mehr. Kalles Stimme zog ihn wieder zurück in die Realität.
„Ich will, dass du dorthin fliegst und die beiden höflich in den nächsten Flieger nach Deutschland eskortierst. Bevor du fragst, die dortigen Behörden haben keine Lust uns zu helfen. Nick ist für die ein kleiner Fisch und seit Trump hat keiner mehr Lust auf irgendwelche Querelen zwischen Bundesbehörden zweier Großmächte. Ich komme mir langsam vor wie in einem Kindergarten. Das einzige was sie uns geben konnten, war ein Tipp, in welchem Hotel die beiden unter gekommen sind. Ein Undercover Cop hat dort 2 deutsche gesehen. Die Beschreibung passt bei beiden. Hier dein Flugticket und etwas Taschengeld. Mach dir ein schönes Wochenende, aber verspiel nicht alles auf einmal.“ Er warf Robert einen dicken Umschlag zu. Verdutzt öffnete Robert ihn und sah sich erst das Flugticket an.
„Das ist ja heute Abend. Werde ich hier eigentlich auch gefragt, was so meine Planungen sind, bevor ich das Land verlassen muss?“ Robert war genervt. Jedes Mal musste er diese spontanen Ausflüge unternehmen und jedes Mal kam dieselbe Ausrede:
„Du hast keine Frau, keine Kinder und dein Leben besteht aus Lesen, Schwachsinn gucken und Trübsal blasen. Sei froh, dass ich dir einen Sinn im Leben beschere. Seitdem du wieder alleine lebst, hast du den ja irgendwie aus den Augen verloren. Also steig in diesen verschissenen Flieger und hol diesen Bastard zurück nach Deutschland. Und pass auf die Kleine auf. Die sieht nicht aus wie eine Drogenbaronin. Wahrscheinlich hat sie keine Ahnung mit wem sie sich da abgibt.“ Damit war jede Diskussion beendet. Kalle hatte Recht. Als vor 2 Jahren seine Bude leergeräumt und seine Exfrau nicht mehr aufzufinden war, schien Robert zwei Dinge verstanden zu haben: Liebe macht dich nur dumm und naiv. Ausserdem konnte man heutzutage niemandem trauen. Zumindest keinen Frauen.
Nachdem er das Büro verlassen hatte, machte er sich auf den Weg nach Hause. Er musste seine Sachen packen und vor dem Flug noch irgendwas essen. Plötzlich vibrierte sein Handy. Eine Nachricht von Franzi: „Na süßer, was dagegen, wenn ich heute vorbeikomme? Kussmiley.“ Ja hatte er. Dieses Mädel ließ ihn einfach nicht in Ruhe. Er war 3 mal mit ihr im Bett. Seitdem dachte sie wohl, da könnte mehr zu holen sein. Dass es für ihn nur Sex war, interessierte sie dabei herzlich wenig. Sie war ein liebes, nettes Mädel, ein bisschen zu aufgedreht. Auch im Bett übertrieb sie es manchmal. Die Kratzer auf seinem Rücken waren nach ca 2 Wochen noch immer zu sehen. Komischerweise genoss er aber auch hin und wieder die Nähe und in all seinem Egoismus führte dies dann auch zu mehr. Dass er einsam war, wollte er sich zwar nicht eingestehen, wusste es aber in seinem Inneren trotzdem. Klar ging sie ihm auf die Nerven, aber sie war im Endeffekt auch eine willkommene Abwechslung in seinem Leben, dass vor ein paar Jahren noch voller Pläne und Träume war. Viel ist davon nicht mehr geblieben und so ergab er sich seinem Schicksal. Ewig Single. Die perfekte Frau schien für ihn nicht gemacht worden zu sein. Somit war all das, was er wollte, Frau, Kinder und ein klischeebehaftetes Leben voller Idylle und Liebe in weite Ferne gerückt. Nun nahm er eben, was er kriegen konnte und Franzi war ein Teil dessen. Deshalb antwortete er ihr auch immer.
„Heute Abend ist schlecht, bin beruflich unterwegs. Tut mir leid. Ich melde mich“.
Diese Hintertür ließ er sich immer offen. Damit hatte er das Gefühl die Zügel in der Hand zu haben. Dass Sie sich eher bei ihm melde würde, war ihm dennoch bewusst.
In seiner Wohnung angekommen, schaltete er erstmal seine Anlage ein und wählte eine seiner erstellten Playlists auf Spotify. Best of Hans Zimmer. So kam er runter. Keine Stimme, die ihm vorgab was er fühlen sollte. Nur das Orchester und er. Himmlisch.
Er packte ein paar Sachen zusammen und wählte die Nummer seines besten Freundes und Ex Partners Olli Gäbel. Dieser wurde vor ein paar Monaten wegen eines Austauschprogramms nach Schweden versetzt. Dies sollte wohl die Kollegialität zweier Länder stärken. Das einzige was dabei herauskam, war, dass Olli sich vermehrt über die Ermittlungsarbeit der Skandinavier wunderte. Hier zu hart, da nicht richtig hinterher. Doch diesmal ging es nicht darum, sich über die Schweden auszulassen. Ironischerweise hatte sich mittlerweile zu seinen roten Haren auch ein Vollbart gesellt. Somit sah er aus wie der Klischeevikinger und vielleicht hatte Olli dort noch ein paar andere Möglichkeiten an Informationen ran zu kommen.
Es klingelte 2 mal bis abgehoben wurde.
„Na du Lappen“, ertönte es von der anderen Seite. „Wenn du mich fragen willst, ob wir heute zusammen ein Bier trinken gehen, muss ich dich enttäuschen. Deine Mutter hat sich schon angemeldet“. Jedes mal dieses Vorgeplänkel. In der Regel ja auch sehr witzig, nur hatte Robert es heute ausnahmsweise mal eilig.
„Kannst du mir einen Gefallen tun? Check mal eure Datenbank nach einem Nick Plommer. Ich glaube zwar nicht dass du was finden wirst, aber versuch es bitte trotzdem. Ausserdem brauche ich alles was ihr über eine Droge namens „Happy Feet“ wisst. Kommt wohl ursprünglich aus Nicaragua, wird derzeit in den Staaten vertrieben und ist seit ein paar Monaten auch bei uns zu finden. Das geht auf das Konto von diesem guten Mann.“
Die Schweden hatten mit niemandem Stress oder Streit. Ein freies, unabhängiges Volk. Daher bekamen Sie auch mehr Infos zugespielt als andere Länder. Zumal viele Flüchtige sich dorthin verkrümelten, um nicht geschnappt zu werden. Daher waren viele Behörden auf die Gunst der Schweden angewiesen. Und das nutzten Sie auch.
„Kann ich gerne machen. Wird nur ne Weile dauern. Ist es eilig? Du klingst schon wieder so grummelig.“ Olli kannte Robert von allen Leuten am besten. Sie hatten zusammen die Ausbildung gemacht und jahrelang zusammen gearbeitet. Durch alle Abteilungen und Dienstgrade hindurch. Deshalb entging ihm nichts und Robert musste sich all zu oft eine Predigt darüber anhören, dass er zu grummelig sei und generell ein Miesepeter.
„Ich muss wegen diesem Mist in die Staaten fliegen und dort diesen Nick finden. Deswegen hoffe ich, dass du mir ein bisschen helfen kannst, denn langsam geht mir das Ganze echt auf die Nerven. So ein Schreibtischjob wird immer attraktiver für mich!“
„Rede keinen Müll. Du kannst nicht mal 5 Minuten still sitzen. Reiss dich einfach zusammen und mach deinen Job. Bist du in der Midlife Crisis angekommen oder was?“
Robert wusste, dass Olli recht hatte. Trotzdem wurde er das Gefühl nicht los, dass dieser Fall nicht so schnell abgeschlossen sein würde.
„Ach leck mich. Du brauchst mir gar nichts erzählen in deinem 5000-Seelennest mitten in der Pampa. Welchem Fall bist du denn gerade auf der Spur? Die entlaufene Katze von Jörge Unschuldigson?“ Er bemerkte, dass er nun doch wieder seine eklige Art an den Tag legt und beendete daher schnell das Gespräch.
„Guck einfach, ob du etwas findest. Ich muss jetzt auch los und meinen Flieger bekommen. Hauste rein.“
Die Fahrt zum Flughafen verlief ohne Probleme. Auch der Flug stellte sich als überraschend erholsam heraus. Kalle hatte ihm ein 1. Klasse Ticket besorgt und die Vorzüge von Beinfreiheit und einstellbaren Rückenlehnen ließen sich nun mal nicht von der Hand weisen. Er schlief fast den kompletten Flug durch und verließ die Maschine zumindest ausgeschlafen. Seine Laune hatte sich allerdings nicht unbedingt gebessert. Es war schweinekalt und die Sonne war gerade dabei hinter dem Horizont zu verschwinden.
Als Erstes brauchte er einen Wagen. Direkt neben dem Haupteingang gab es zum Glück eine Autovermietung. Was da allerdings auf dem Parkplatz stand, stimmte ihn nicht sehr euphorisch. Ein paar Kleinwagen, die dieser Bezeichnung alle Ehre machten. Hier und da ein paar amerikanische Fabrikate, aber einer heruntergekommener als der andere. Plötzlich bemerkte er einen alten Camaro. Die Farbe war zwar hässlich wie die Nacht und die Rostflecken taten ihr übriges, aber scheinbar war das die beste Wahl. Er betrat den Laden und verließ ihn 10 Minuten später mit den passenden Autoschlüsseln in der Hand. Ohne viel Zeit zu verlieren, machte er sich auf den Weg zum beschriebenen Hotel. Wenn alles nach Plan lief, konnte er dieses Land vielleicht heute schon wieder verlassen und sich zu Hause die letzten Folgen Black Mirror ansehen. Er tippte die Adresse in sein Handy und fuhr los. Laut Display würde er etwa 20 Minuten brauchen. Er würde es in 15 schaffen. Die Straßen waren ziemlich leer um diese Uhrzeit und es steckte noch viel Leben in dieser Rostlaube. Am Hotel angekommen stieg er aus und betrat die Rezeption. Er hatte schon schönere Orte gesehen. Leider auch schlimmere. Er fragte sich, weshalb Nick sich so eine heruntergekomme Bude aussuchte, wo er doch gerade in Geld schwamm und seine Freundin sicherlich nichts gegen das Four Seasons gehabt hätte. Niemand saß hinter dem Tresen. Nichts als Staub und der Geruch von kaltem Zigarettenrauch. Ihm fiel ein kleines Buch auf und nahm an, dass es die Liste der vergebenen Zimmer war. Er wagte einen Blick und Bingo. Nach nicht mal 10 Sekunden hatte er die Zimmernummer. Hier war wirklich nicht viel los. Kein Wunder, das die Rezeption nicht besetzt war. Mit Kundschaft wurde hier einfach nicht gerechnet. Entschlossen ging er die Treppe rauf in den 3. Stock. Zimmer A113. Demnach musste es auf der rechten Seite sein. Die geraden Nummern befanden sich links. Als er dem Zimmer langsam näher kam, fiel ihm auf, dass die Tür offen war. Er löste den Verschluss von seinem Holster und zog seine Waffe. Er versuchte ruhig zu atmen und leise zu laufen. Vorsichtig an die Wand gepresst, näherte er sich der Zimmertür. Er wartete. Auf irgendetwas. Ein Geräusch. Eine Stimme. Einen Anhaltspunkt darauf, wer und vor allem wie viele sich in diesem Zimmer befanden. Als er der Meinung war, lange genug gewartet zu haben, riskierte er einen Blick um den Türrahmen. Nichts zu sehen, außer einem kleinen Flur mit einer Garderobe auf der rechten Seite. Dieser führte zu einem größeren Zimmer mit einem Doppelbett. Die Decken waren zerwühlt, das Licht eingeschalten. Das Zimmer ging weiter nach rechts ab. Er nahm an, dass sich dort auch das Bad befinden würde. Leise betrat er den Flur. Bei jedem Schritt darauf bedacht keine Geräusche zu machen. Die Atmung auf ein Minimum reduziert. Und da hörte er was. Eindeutig aus einem weiteren Raum rechts von ihm. Langsam ging er weiter und spähte um die Ecke. Genau so wie er geahnt hatte. Dort war das Bad und aus diesem kamen leise, klappernde Geräusche. Er ging langsam auf die Badtür zu. Die Waffe fest im Griff. Er stellte sich an die Wand und find an zu zählen. Eins... Zwei… Auf einmal kam eine zirka 50 Jahre alte, schwarze Frau aus dem Bad. Sie hatte einen Kittel um und Kopfhörer auf. Dabei sang Sie leise vor sich hin. „Can you blow my whistle baby, whistle baby…“. Sie bemerkte ihn gar nicht und lief einfach an ihm vorbei. Gut gelaunt fing sie an die linke Bettseite abzuziehen. Robert atmete einmal tief durch und steckte seine Waffe wieder ins Holster.
„Hey Madam“, sprach er sie an, doch die Musik aus den Kopfhörern war viel zu Laut. Jetzt konnte er sie selbst hören. Er tippte ihr auf die Schulter. Die Frau war jedoch so in Ihrer Arbeit vertieft, dass sie laut aufschrie, sich umdrehte und Robert eine Backpfeife gab. Nicht seine erste, aber die kam wirklich unerwartet. Mit großen Augen starrte sie ihn an. Bereit nochmal auszuholen, sollte er eine falsche Bewegung machen. Langsam und beschwichtigend, versuchte er den Druck aus der Situation zu nehmen.
„Entschulidgen sie bitte. Ich wollte sie nicht erschrecken. Mein Name ist Robert Deckert, ein Freund von Nick Plommer. Ich dachte, das wäre hier sein Zimmer. Können sie mir vielleicht sagen, ob er doch ein anderes hat oder wo er sich befindet?“ Die Frau starrte ihn noch einige Sekunden an, bis auch sie sich wieder entspannte und die Schultern hängen ließ. „Nick Plommer ist vor ca 15 Minuten plötzlich aufgebrochen. Er ist hier rein, hatte all seine Sachen gepackt und ist verschwunden. Er sah ziemlich gehetzt aus. Zumal er uns noch beim Einchecken erzählt hat, dass er seine Frau heute heiraten wolle. Wo die allerdings ist, kann ich ihnen nicht sagen. So ein hübsches Ding. Und die beiden sahen so glücklich aus. Man erlebt aber hier so viel und eins kann ich ihnen sagen. Die Frauen sind immer die Leidtragenden.“ Robert konnte sich schon vorstellen, was hier ablief, konnte sich jetzt allerdings nicht um eine Frau kümmern, die scheinbar am Altar stehen gelassen wurde. Plommer war wichtiger und die einzige sinnvolle Spur, der er nachgehen konnte, war jetzt der Flughafen.
„Verstehe, vielen Dank für die Auskunft. Entschuldigen Sie die Störung“. Mit diesem Satz war er auch schon wieder aus dem Hotelzimmer verschwunden und rannte die Treppe hinunter. An der Rezeption war immer noch niemand zu sehen. Er rannte einfach an ihr vorbei und stieg in seinen Wagen. Mit quietschenden Reifen verließ er das Hotelgelände und fuhr zurück in Richtung Flughafen. Auf dem Weg gingen ihm tausend Fragen durch den Kopf. Ist Nick an ihm vorbeigefahren, als er zum Hotel fuhr? Wenn er alle Sachen gepackt hatte und seine Freundin am Altar hat stehen lassen, was hatte sie noch dabei? Konnte sie sich überhaupt ausweisen? Auf dem Beifahrersitz lagen die Akten der beiden. Hektisch fummelte er sich das Bild aus der Akte von Julia Mehring. Dabei fielen die Blätter in den Fußraum. „Verdammte Scheisse. Können die nichtmal ein paar Zettel zusammen heften“, fing er an lauthals zu fluchen und fummelte im Fußraum nach dem Foto. Mit einem Auge auf der Straße und der Hand inmitten von Zetteln, fing der Wagen langsam an zu schlingern. Er wusste, dass die Chance sehr gering war, hier in der Pampa auf ein anderes Auto zu treffen. Umso mehr überraschte es ihn, dass er Nick nicht gesehen hatte, wenn er wirklich zurück zum Flughafen gefahren war. Als er merkte, dass er etwas gefunden hatte, was sich wie ein Foto anfühlte, setzte er sich wieder aufrecht hin und betrachtete es. Und da war sie. Julia Mehring. Das Foto wurde von vorn aufgenommen. Sie grinste verhalten in die Kamera. Er nahm an, dass es sich um ein Profilbild von einer Social Media Plattform handelte. Twitter oder Instagram vielleicht. Es lag ein leichter Filter darauf, der Ihre Gesichtszüge etwas weicher machte. Er hatte sich schon immer gefragt, wieso solch hübsche Frauen das auch noch machen mussten. Tief dunkelbraune Haare, strahlend blaue Augen. Hinreißendes Lächeln. Der Typ Frau der sehr nett und lieb wirkte, aber auch zur Furie werden konnte, wenn es drauf ankam. Sowohl im Bett als auch im Streit.
Nachdem er das Bild einige Sekunden betrachtet hatte, sah er wieder auf die Straße und traute seinen Augen kaum. Etwa 200 Meter vor ihm auf der rechten Straßenseite lief eine Frau im Brautkleid. Er kniff die Augen zusammen und versuchte das Gesicht zu erkennen. Das konnte doch nicht wahr sein. Instinktiv öffnete er das Handschuhfach und holte das Portmonnaie heraus, welches Kalle ihm gegeben hatte. Er nahm ein paar Scheine heraus und öffnete das Beifahrerfenster. Jetzt war er sich absolut sicher. Das war sie. Und sie sah nicht sonderlich glücklich aus. Kurz bevor er an Ihr vorbeifuhr, schmiss er die Geldbörse aus dem Fenster. „Sorry Kleine, aber mehr kann ich gerade nicht machen“, murmelte er vor sich hin und fuhr weiter Richtung Flughafen.
Dort angekommen, parkte er den Wagen und rannte in den Flughafen. Für die Architektur oder die Ansammlung an Automaten hatte er gerade keinen Kopf und steuerte direkt auf das nächste Terminal zu, welches Flüge nach Deutschland anbot.
Er drängelte sich an der Schlange nach vorne und hielt jedem, der Anstalten machte sich aufzuregen, seine Marke vor die Nase. An der Theke angekommen, stand er vor einer etwa 20 Jahre alten Frau, die ihn nur mit großen, braunen Augen anstarrte.
„Deckert, Polizist aus Deutschland. Ich suche nach einem Nick Plommer. Können Sie mir sagen, ob der hier vor kurzem einen Flug genommen hat?“ Er hoffte inständig, dass dieses Mädel ihm einfach eine Auskunft geben würde, ohne irgendwelche Fragen zu stellen.
„Ich weiß ja nicht mal, ob ich ihnen diese Information geben kann. Sie sind nicht mal Amerikaner. Da muss ich erstmal meinen Vorgesetzten anrufen.“ Perfekt. Wenn es mal wieder schnell gehen musste. Das kam dabei raus, wenn Leute ihren Job zu ernst nehmen.
„Es tut mir schrecklich Leid Misses...“, er studierte schnell Ihr Namensschild und versuchte so entspannt und lässig zu wirken wie es gerade ging. „Miss Hastings. Oder Misses? Ich benötige diese Info leider so schnell es geht. Die bösen Buben warten nicht. Und die Fahrgäste hinter mir sehen auch nicht sehr geduldig aus. Also wie wäre es, wenn sie ihr hübsches Köpfchen einfach schnell auf den Bildschirm richten und mit ihren flinken Fingern einfach einen Namen in die Tasten hauen? Dann bin ich auch ganz schnell wieder verschwunden.“ Er lächelte sie an und hoffte, dass dieses Mädel noch empfänglich für schmierige Charmebolzen und Komplimente war. Nach quälenden Sekunden des Überlegens lächtelte sie schüchtern zurück. Sie kam wohl doch zu dem Ergebnis, dass es nicht weiter wild war, ihm ein paar kleine Informationen zukommen lassen. Es dauerte nicht mal 20 Sekunden, bis sie was gefunden hatte. „Nick Plommer sagten sie? Der hat vor ca 30 Minuten eine Maschine nach London bestiegen. Von dort aus geht es weiter nach Berlin.“ Sie zeigte Robert nun ihr bestes Zahnpastalächeln und vermutete wohl, dass sie gerade die Welt gerettet hatte.
„Ist die Maschine schon weg? Komme ich noch in diesen Flieger rein?“
Die Hoffnung, die Robert soeben aufgebaut hatte, wurde mit einer einzigen Geste wieder zunichtegemacht. Die junge Frau zeigte auf eine große Glaswand, durch die man einen perfekten Blick auf das Flugfeld hatte. Auf dieser sah man soeben ein Flugzeug die Haftung zum Boden verlieren. Das Fahrgestell wurde eingefahren und der stählerne Vogel nahm Kurs auf den Horizont.
„Verdammt. Das kann doch alles nicht wahr sein“, fluchte Robert lautstark auf Deutsch und die Frau vor der Theke zuckte merklich zusammen. Als er bemerkte, dass alle ihn ansahen, zwängte er ein kurzes „Sorry“ heraus und verließ das Terminal. Was sollte er nun machen? Selbst wenn er den nächsten Flieger nach Deutschland nehmen würde, wäre Plommer über alle Berge und die Suche ginge von vorne los. Diese Julia konnte nun überall sein. Wenn Sie schlau war, würde sie sich noch ein Zimmer für eine Nacht holen und morgen Klamotten kaufen. Wie sie zurück kam, war die andere Frage. Wie es aussah, hatte Plommer alles mitgenommen und ohne Ausweis würde sie dieses Land erstmal nicht verlassen. Sie musste also zur deutschen Botschaft. Und die war sicherlich nicht in Las Vegas. Während er so nachdachte, was nun am Besten zu tun sei, holte er sich einen Kaffee am Automaten und setzte sich auf eine Bank in der Nähe des Terminals. Scheinbar war dieser Ausflug ein ordentlicher Schuss in den Ofen. Es wäre besser gewesen, einfach den größten Flughäfen die Daten von diesem Plommer durchzugeben und anzuweisen, dass er festgesetzt werden soll, wenn er wieder einreist. Das Problem war nur, dass die einzigen Indizien auf seine Mittäterschaft sein Vorname und Hinweise von einer Behörde waren, die reihenweise Scheisse baute. Niemand hätte diesen Aufwand durchgewunken. Zumal diese Droge bisher auch nur in Berlin aufgetaucht war. Dass sich der Absatzmarkt einer Droge schnell und stark vergrößerte, wenn der Absatz stimmte, war zwar ihm und allen anderen in seiner Behörde klar, aber diese Sesselfurzer sahen sowas eben erst kommen, wenn eines Ihrer eigenen Kinder mit einer Überdosis auf einem Bahnhofsklo gefunden wurde. Nachdem er eine Weile hin und her überlegte, beschloss er zurück zu dem Hotel zu fahren und sich nach Julia Plommer schlau zu machen. Gerade als er aufstehen wollte, bemerkte er jedoch aus dem Augenwinkel wie sich etwas Strahlendweißes an Ihm vorbeibewegte. „Oh man, die Frau hat Nerven“, dachte er und sah sich erstmal an, was sie da vorhatte. Hatte sie doch ihre Papiere und nahm den nächsten Flug nach Deutschland? Das wäre natürlich der einfachste Weg. Er würde sich mit einer dummen Ausrede bei ihr nach Ihrem Flug erkundigen, einfach mitfliegen und sie in Deutschland aufs Revier bringen. Keine lästigen Gespräche mit den amerikanischen Behörden. Kurz und schmerzlos. Am Schalter angekommen, fingen die beiden Frauen jedoch an zu diskutieren und er bekam ein paar Gesprächsfetzen mit. Die Frau war genervt und das hieß nichts Gutes. Wenn Sie wirklich keine Papiere hatte, würden die amerikanischen Behörden sie erstmal einsacken und darauf hatte Robert gar keine Lust.
„Die Braut fliegt bei mir mit. Schliesslich wollen wir sie ja nicht aufhalten auf der Suche nach Bill“, sagte er laut und zwängte sich durch die anstehenden Leute.

 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (26.11.2018)
Scheinbar hast du einige der formalen Fehler korrigiert. Es ist Geschmacksache, ob man die sprachlichen Stereotypen in deinem Krimi witzig findet,. Du hast jedenfalls die beiden Handlungsteile gut aufeinander zu komponiert und die Spannung gehalten.
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