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Ereignishorizont

Sonett zum Thema Annäherung


von Isaban

Am Birnbaum baumeln weder Blätter
noch Birnen. Dort sitzt, blau und leise,
wie aus Gewohnheit eine Meise
und schweigt ihr Lied bei klirrem Wetter.

Das Bild im Spiegel ist verzogen.
Es wintert. Ich schau nicht mehr hin,
erkenne die kaum, die ich bin;
hab zu viel Zeitraum eingesogen.

Der Frühling hat so süß gelogen,
versprach uns Sommerwind und Früchte,
verschwieg den Herbst und ach, ich fürchte:
Das Wetter war uns nie gewogen.

Am Birnbaum baumeln keine Blätter.
Die Meise schweigt ihr Winterlied.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Eta
Kommentar von Eta (29.11.2018)
Liebe Sabine,
Die "gewohnte" blaue Meise bleibt Bestand in Deinem Sonette. Sie scheint für mich das zu verinnerlichen was der Text auszudrücken vermag. Ich sehe eine Assoziation zwischen den Jahreszeiten und dem älter werden. Zeitweise erkenne ich eine Melancholie. Das was das Leben versprochen hat, im Frühjahr, hat sich nicht durchgezogen. Das Spiegelbild verändert sich so wie die Jahreszeiten.
Die Meise macht mir etwas zu schaffen. Das könnte man doppeldeutig interpretieren.
Doch vielleicht ist es ihre Stille die die Annäherung bringt. Leise auf den Winter, der der eigene an Leben des Protagonisten vermittelt.
Das man Sonette auch in drei Quartette und ein Duette aufteilen kann...ich lerne nie aus. Hoffe Deine Intention im Ansatz getroffen zu haben. Ich lasse mich aber gerne auch eines besseren belehren.

Liebe Grüße
Heike
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Isaban meinte dazu am 03.12.2018:
Hallo Heike,

doch ja, die Engländer machen ja immer alles ein kleines bisschen anders. ;) beim sogenannten Englischen Sonett (Shakespeare-Sonett) wird meist mit drei Quartetten und einem abschließenden Verspaar, der sogenannten Conclusio gearbeitet.

Vielen Dank für deine Beschäftigung mit dem Text. Eine interessante Interpretation hast du gefunden - auch dafür natürlich herzlichen Dank. Und du weißt ja, es gibt keine falschen Interpretationen, jeder Leser darf seine ganz eigene finden.

Liebe Grüße

Sabine
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fdöobsah
Kommentar von fdöobsah (29.11.2018)
Guten Morgen, Isaban,

auf den ersten Blick ein schönes Sonett über das Älterwerden und die Desillusionierung in einer Beziehung, die wie viele Beziehungen alterte und dabei die Frühlingsgefühle und sich in Gewohnheit verlor. Die schweigsame, blaue Meise verweist auf die Romantik, die dem lyrIch abhanden gekommen ist, aber auch auf den Partner, der nun nicht mehr singt. Schön ausgedrückt, doch simple und ziemlich ausgelutschte Story.

Die Reimstruktur ist interessant: abba-cddc-ceec-af, der Hebungen sind nur vier, der umarmte Reim im dritten Quartett ist unrein, der Abschlussvers endet ohne Reimpartner, d.h. schon beim ersten Lesen schwant einem, dass da mehr drin steckt, natürlich auch, weil man noch an diesem seltsamen Titel herumwürgt. Nun könnten manche sich fragen, warum die födsau hier nicht sogleich in einen Verriss marschiert, wo doch die Form in Teilen verbogen wurde. An anderen Stellen war der seelenlose Kritikaster weniger gnädig. Nun, das mag sogar sein, dass ich gewissen Autoren unbewusst und ungewollt mehr Kredit einräume, das liegt in der Natur der Sache. Ich möchte aber eher für mich in Anspruch nehmen, dass dieses Gedicht ja nicht nur auf Anhieb klingt, sondern sogleich zu fesseln weiß, weil es sich eben nicht in altbekannten, oberflächlichen Bildern und Kadenzen erschöpft.

Ich traue der Autorin sogar zu, dass sie die dritte Strophe zunächst als erste hatte, vom Reimschema und der zeitlichen Abfolge her, wäre das nur logisch. Dann wäre der Einstieg jedoch sogleich langweiliger gewesen, denn das scheint mir – bis auf eine kleine Ausnahme – die inhaltlich langweiligste Strophe. Nicht falsch verstehen, sie ist absolut notwendig, aber zu Beginn hätte sich das nicht (sofort) erschlossen. Aber was will sie uns denn sagen und warum wählt sie so einen nüchternen, seltsam wissenschaftlich anmutenden, gänzlich unromantischen, so gar nicht elegischen Titel? Ereignishorizont, das ist ein Begriff aus der Relativitätstheorie und darin geht es natürlich auch um Beziehungen (haha!), aber normalerweise hätte es mich da als Leser bereits verloren, denn mir geht es wie der dummen Masse: Ich verstehe eigentlich nur hä? Aber auf das Literarische übersetzt, scheint es mir zu bedeuten, dass ich aus dem Diesseits nur das Diesseits sehen kann, niemals das Jenseits. Der Rest bleibt mir ein schwarzes Loch und je näher ich dem komme, desto weniger kann ich sehen. Nota bene: die Autorin wählte das Thema Annäherung. Guten Morgen, liebe Leserschaft und Achtung: Je näher ihr den Bildern kommt, desto weniger werdet ihr erkennen können.

Vielleicht haut die Autorin einem deshalb sofort um die Ohren, worum es hier geht, indem sie mit einem Stab- und Binnenreim beginnt, der an einen Zungenbrecher gemahnt und mit Baum und Baumeln, Birn und Birnen und sogar mit weder und Blätter mehr oder weniger gleiche Wortpaare benutzt. Nur am Rande: „Birnbaum“ ist ein Gemälde von Gustav Klimt, das mehr oder weniger nur aus Blättern und Birnen besteht und je näher man das betrachtet, umso noch weniger kann man sehen. Und noch eines aus der Naseweis-Abteilung: Birnen sind alt und schon von den frühesten Dichtern besungen worden.

In diesem Baum sitzt ein Vogel „blau und leise“, die Romantik ist ihm also ausgegangen und der nächste Vers weiß zu berichten, nur noch aus Gewohnheit sitzt er dort. Ja, es handelt sich um ein Männchen, denn nur die singen und sie singen auch nur, wenn es gilt, das Revier zu verteidigen. Nachdem Meisen aber Zugvögel sind und nur wenige Individualisten unter ihnen zurückbleiben, kann man sich den Aufwand sparen. Außerdem ist es arschkalt, was „klirres Wetter“ natürlich viel eleganter umschreibt.

Nun wird es ganz spannend: Die Dichterin spricht nicht vom Spiegelbild, sondern vom Bild im Spiegel. Andere hätten das Spiegelbild bzw. dessen Verzerrung vielleicht mit irgendeinem Adjektiv versehen, um das Versmaß zu retten, ausgerechnet diese Autorin soll ein Kompositum links liegen lassen? Klar, Adjektive sind nicht gerade hohe Dichtkunst, aber „das Bild im Spiegel“ scheint mir eine Referenz zu sein. Es gibt einen Roman dieses Titels von Dorothy Sayers, in dem es um spiegelbildliche Zwillinge, um Inversion geht. Das erschiene mir passend. Egal, dieses Bild ist verzogen und das liegt nicht am Spiegel. Es wintert, schreibt die Dichterin und ja, na klar, das wussten wir schon bzw. konnten wir uns denken, da das Wetter klirrt. Aber dieses Wintern bezieht sich ja eben auch auf das lyrIch selbst und auf das Bild im Spiegel, auf den umgedrehten Zwilling, den sie dort erblickt. Beide sind gealtert, beide sind in all ihrer Ähnlichkeit eben doch nur spiegelbildlich verkehrt und können recht eigentlich nichts miteinander anfangen, passen in all ihrer Ähnlichkeit überhaupt nicht zueinander, haben vollkommen unterschiedliche Ereignishorizonte und ja, können sich im Grunde nicht einmal sehen, geschweige denn erkennen. Das lyrIch versucht es auch nicht mehr, schaut nicht mehr hin, erkennt ja nicht nur den Zwilling nicht, sondern kaum noch sich selbst. Und der Abschlussvers hat es nicht weniger in sich, denn vordergründig ist halt einfach Zeit vergangen. Man schaut in den Spiegel und denkt, hui, bin ich alt geworden. Das lyrIch denkt, es habe zu viel „Zeitraum eingesogen“. Lyrische Überspanntheit? Rhythmus rettende Verklausulierung? Hm, Zeitraum, Spiegelbild von Raumzeit? Und saugt nicht landläufig ausgedrückt auch das Schwarze Loch alles ein, was in seine Nähe kommt?

Und nun kommt die Strophe drei, die fast schon niedlich beginnt mit den süßen Lügen (Oxymoron? verzogenes Spiegelbild?), dem Sommerwind und den Früchten (in einer Liebesbeziehung sind das üblicherweise Kinder). In dieser braven Reihenfolge ist nun der Herbst dran und fast sind wir schon in einem schlechten Schlager über die Jahreszeiten und die, ach je, alternde Liebe, wäre da nicht dieser sensationelle, unreine Reim, dieser falsche Zwilling, der durch eine einzige, winzige Verschiebung alles aus dem Gleichgewicht bringt: Früchte und fürchte. Und wenn so wenig ausreicht, dann täuscht sich das LyrIch auch über die Gründe, macht auch hier die Augen zu und schaut nicht hin. Denn wer keinen klaren Kurs hat, dem ist kein Wind günstig.

Das endet nicht gut, denn die Zeit endet jetzt und zwar endgültig, es beginnt auch kein neuer Kreislauf, denn hier reimt sich nichts mehr aufeinander, nicht einmal halbwegs. Man gönnt uns nicht einmal die abgerundete Elegie, wobei die letzte Zeile der ersten (beinahe entspräche), nein, beide Meisen, wenn man so will, schweigen jetzt, das LyrIch hat auch ausgesungen.

Sehr gelungen, finde ich. Hier könnte man sicher noch mehr ausgraben, um dann auch eine schlüssige Interpretation über das Raum-Zeit-Kontinuum usw. (ich habe leider nicht die geringste Ahnung von Physik, geschweige denn Astrophysik) vorzulegen, wo ich nur anreißen konnte. Aber auch auf der ersten Sinnebene ist es ja ein schlüssiges, anschaulich bebildertes und harmonisch gesungenes Sonett über das Altern und Erlöschen einer Liebesbeziehung. Wäre der Titel nicht, wer weiß, wie ich geurteilt hätte. ;-)

Physische Grüße

fdöobsah
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Isaban antwortete darauf am 03.12.2018:
Hach! Im besten Sinne: Hach!

Du siehst mich in höchstem Maße begeistert. Mit diesem Rekomm hier habe ich lange gewartet, was kann man, ohne redundant zu werden schreiben, wenn jemand sich immer wieder selbst übertrifft und so viel aus einem Text herausholt, dass man Gedankenübertragung befürchten muss? Ich lüpfe hochachtungsvoll den Hut.

Sogar mit der 3. Strophe hast du Recht und selbst mit dem Meisenpaar, das sich 10 Verse weit auseinander schweigt und mit der kleinen Reimverschiebung (ja verdorri, wie leicht muss ich zu durchschauen sein!) - was soll ich dazu noch sagen?

Der Ereignishorizont bot sich mir an, nicht nur Altern und Übergang zum Jenseits, sondern auch das unwiderrufliche Abseits zu bebildern und den unaufhaltsamen Sog, der die Umkehr früher oder später unmöglich macht.

Tausend Dank für den Vertrauensvorschuss, die Betrachtung der Stilmittel, die herrliche Interpretation. Deine Rückmeldung war mir eine riesengroße Freude.

Immer noch überwältigte Grüße

Sabine
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Dieter Wal
Kommentar von Dieter Wal (29.11.2018)
Die Doppelung von "schweigt" stört, die Reimverweigerung des Schluss-Couplets nervt und der "Reim" von Früchte/fürchte ist gruselig. Sonst wirklich sehr schön. Die übrigen Reime sind so lala, doch sie stechen nicht buchstäblich ins Auge. Nimmt man Wohlklang und Natürlichkeit für Reime und metrische Verse als Maßstab, dann sind sie gelungen. Nochmal: Ich halte dein Sonett über weite Strecken für gelungen, die bewusst eingesetzte Dissonanz für misslungen.
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Isaban schrieb daraufhin am 03.12.2018:
Hallo Dieter,

tja, dann muss ich wohl was falsch gemacht haben, denn genau die stilistischen Mittel der von dir bemängelten Stellen sollten - so war es zumindest von mir angedacht - das Sonett zusätzlich bebildern, spürbar machen und tragen.

Eine Lösung, die dich zufriedenstellen könnte, hab ich jetzt nicht parat.

Liebe Grüße

Sabine

Antwort geändert am 03.12.2018 um 19:22 Uhr
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Piroschka
Kommentar von Piroschka (29.11.2018)
Ich schreibe nur einen kleinen Kommentar, Isaban, verzeih - das lange Kommentieren liegt mir nicht. Ich mag die kleine Meise und meine zu ahnen, warum sie schweigt. Das ist es u.a. auch., warum dieses schöne Lied mich erreicht: es lässt ahnen, ich darf eigene Gedanken einbringen. Und seine Melodie ist zart und klingend.
Lieben Gruß von Piroschka
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Isaban äußerte darauf am 03.12.2018:
Hallo Piroschka,

schön, dass dich das Lied erreicht und dass du die Melodie als zart und klingend empfindest. Jeder Text wächst an seiner Interpretationsbreite. Vielen Dank für deine Rückmeldung.

Liebe Grüße

Sabine
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Echo
Kommentar von Echo (29.11.2018)
Mir gefällt es sprachlich. Interpretiert: Erwartungen wurden nicht erfüllt, weil die Zeit über sie hinweg ging.
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Isaban ergänzte dazu am 03.12.2018:
Auch eine spannende Interpretation, herzlichen Dank!

Liebe Grüße

Sabine
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Lluviagata
Kommentar von Lluviagata (29.11.2018)
Hallo Sabine,

zu diesem Deinen Gedicht wurde schon so viel gesagt, insofern habe ich dem nur hinzuzufügen, als dass ich Lust bekomme, wieder mal etwas zu schreiben. Ja, Dein Gedicht mach Lust auf winterliche, schöpferische Melancholie.

Liebe Grüße
Llu ♥
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Isaban meinte dazu am 03.12.2018:
Es freut mich rieseig, dass du wieder schreibst, liebe Llu.
Lass die Melancholie nur nicht Überhand nehmen.

Liebe Grüße

Sabine
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