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Auschwitz, Eindrücke

Gedicht zum Thema Holocaust


von BLACKHEART

„Auschwitz, the Meaning of Pain“ haben SLAYER mal gesungen.
Noch heute ist der Ort von Qual und Leid durchdrungen.
Zur Gedenkstätte folgen wir dem Verlauf der alten Gleise.
Die Stimmung ist angespannt, alle sind leise.
Wie in einem alten Schwarz-Weiß-Film taucht es aus dichtem Nebel hervor:
Auschwitz-Birkenau, Eingangstor.
Ich sehe die Gleise dahinter im Nebel verschwinden,
frage mich, welche Schrecken werden wir wohl dort finden?
Vorbei an Wachtürmen, Stacheldraht und Gräben
zu den Steinbaracken im Frauenlager. Hier mussten sie “leben“.
Bis zu 400 Menschen auf engstem Raum.
Teilweise zu viert in der Koje. Ein wahrer Alptraum.
Draußen lichtet sich das Grau und offenbart das Grauen.
Die schiere Fläche ist kaum zu überschauen.
Von den meisten Baracken stehen nur noch die Schlote,
aber jeder Einzelne steht für unzählige Tote.
In der Mitte der Gleise steht einsam ein Waggon.
Letztes Relikt einer Reise ohne jedes Pardon.
Einige hundert Meter weiter enden dann die Gleise.
Links und rechts davon die Endstationen dieser Reise:
Krematorium II & III, heute nur noch Trümmer,
aber furchteinflößend sind sie noch immer.
Ich umrunde die Ruinen, im Hinterkopf die Statistik:
1,1 Millionen Tote in 4 Jahren. Mich fasziniert die Logistik
und deren gnadenlose Effizienz
bei der Auslöschung von menschlicher Existenz.
Weiter geht es durch ein Wäldchen, es ist fast idyllisch hier.
Aber in der Ferne sieht man schon Krematorium IV
und Krematorium V, leicht versteckt unter Bäumen.
Rechts die offene Lagerfläche, nur unterbrochen von Zäunen,
wo einst hunderte Holzbaracken standen
in denen tausende von Männern ihre letzte “Heimstatt“ fanden.
Das Eingangstor ist von hier aus kaum zu erkennen.
Der Anblick ist erdrückend, am liebsten will man wegrennen.
Stattdessen stehe ich stumm vor den Feldern und Teichen
wo sie einst verstreuten die Asche der Leichen.
Gehe langsam weiter unter Eichen.
Das Unbehagen will nicht weichen.
Lang und länger ziehen sich die Straßen im Lager.
Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Insassen: ausgemergelt und hager.
Wie die Zeitzeugin sie beschrieb in ihrem Vortrag,
der das emotionale Ende war vom Vortag.
Dort wurden wir durch das Stammlager geführt.
Der Schriftzug „Arbeit macht frei“ hat uns wohl alle berührt.
Aber das war nichts gegen die jüdische Ausstellung.
Wer geschichtlich im Dunkeln tappt, bekommt hier die Aufhellung.
Ein ganzer Raum voller Haare, zwei Räume voll mit Schuhen.
Zwei weitere gefüllt mit Koffern, Körben und Truhen
auf denen noch die Namen der einstigen Besitzer stehen.
Auch Aufnahmen nach der Befreiung kann man hier sehen.
Fotos von Menschen, die auf Pritschen liegen.
Erwachsene Frauen, die nur noch 35 Kilo wiegen.
Sie bestehen buchstäblich nur noch aus Haut und Knochen.
Ihre Blicke sind leer, ihre Seelen zerbrochen.
Und doch konnten sie diese Hölle überleben.
Viele andere durften es leider nicht erleben.
In einem Flur hängen lange Reihen von Bildern.
Stumme Portraits der Opfer, die den Horror hier schildern.
Deren Namen sind festgehalten in einem gewaltigen Buch.
Mein Gehirn will es verarbeiten, aber scheitert bei dem Versuch.
Das was hier geschehen ist, lässt sich kaum in Worte fassen.
Es sollte an sich unvorstellbar sein, was passiert, wenn Menschen die hassen
auch die Macht bekommen, ihren Hass auszuleben.
Um uns daran zu erinnern muss es Orte wie Auschwitz geben.
Wir dürfen uns vor der Vergangenheit nicht verschließen.
Nur so verhindern wir weiteren Blutvergießen.
Und wenn ihr jetzt glaubt, dieser Text war zu wild,
dann fahrt hin und macht euch selbst ein Bild.

Anmerkung von BLACKHEART:

Einer meiner neuen Texte, mit denen ich bei Poetry Slams antrete.
Wie bei allen Slam-Texten gilt auch hier, dass ich mein Augenmerk hauptsächlich auf Inhalt und (saubere) Reime gelegt habe und nicht auf Versmaß, Metrum, etc.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von fdöobsah (54) (03.12.2018)
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 03.12.2018:
Ich bin da anderer Meinung. Gerade wegen der unfassbaren Dimension ist es wichtig zu versuchen, die Dinge in Worte zu fassen. Sonst bleibt man immer beim "Ach, wie schlimm" hängen. Womöglich ist die Gefahr des Scheiterns bei diesem Thema größer als bei Herbstgedichten. Aber auch das fände ich nicht tragisch.

Und was die Sensationslust angeht? Wie will man die Ermordung von z.B. 300.000 ungarischen Juden in gut 2 Monaten erklären?

Auch Serienmörder haben Fans. Auch das sollte einen nicht abhalten sich damit zu beschäftigen.
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fdöobsah (54) antwortete darauf am 03.12.2018:
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BLACKHEART schrieb daraufhin am 03.12.2018:
Ich habe die Formulierung "mich fasziniert die Logistik" ganz bewusst verwendet.
Als jemand, der seit fast zwanzig Jahren in der Logistik tätig ist, habe ich im Laufe der Zeit eine gewisse "logistische Wahrnehmung" entwickelt, sowie ein allgemeines Interesse an logistischen Abläufen. Und was das angeht, muss man sagen, dass die Logistik, die sich hinter diesem Netzwerk aus Konzentrations- und Vernichtungslagern verbirgt, vom rein fachlichen Standpunkt aus, durchaus faszinierend ist. Dass diese Logistik teil einer gigantischen Vernichtungsmaschinerie war, blendet man in diesem Moment aus. Zumindest so gut es geht.
Ich habe diesen Text schon auf einigen Slams vorgetragen (inzwischen sogar auswendig) und bislang durchweg positive Reaktionen von den Zuschauern erhalten. Er wird definitiv weiter im Programm bleiben.
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loslosch äußerte darauf am 03.12.2018:
ich kann mich der kritischen haltung von fdö... nur anschließen. man muss sich ja der frühen und strikten ansicht von adorno nicht anschließen ("Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch"), aber über das grauen in auschwitz in reimfom (!) zu berichten, das würde ich den kindern und kindeskinden der opfer überlassen.

"... dass ich mein Augenmerk hauptsächlich auf Inhalt und (saubere) Reime gelegt habe ... " dieser satz in der anmerkung erzeugt bei mir sodbrennen.
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TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 03.12.2018:
@ fdöobsah:
Der Vergleich mit Serienmord wurde von mir gebracht, weil auch in diesem Bereich bei vielen die Sensationslust vorherrscht. So äußerte sich hier auf KV z.B. ein User mal begeistert über Charles Manson (den Staphan Harbort treffend als "Zuhälter" bezeichnet).

@ losloch:
Ich kann deine Argumentation schwer nachvollziehen. Warum soll die Beschäftigung auf diese Art auf einen bestimmten Personenbereich begrenzt sein?
Außerdem: Wir befinden und in der Phase der Historisierung des Zweiten Weltkriegs/des "Dritten Reichs"/der Schoah. Da ist es nur natürlich, dass sich auch andere Formen der Betrachtung etablieren.

Gerade wenn Blackheart selbst im Bereich Logistik arbeitet, finde ich es nur natürlich, dass er das Thema auch durch seine berufliche Brille sieht. Anhand des logistischen Aufwands, der damals betrieben wurde, erschließt sich ihm womöglich sogar schneller als anderen die enorme kriminelle Energie, die hinter den Massenmorden steckte, weil er für sich eine gute Messlatte anlegen kann. Gerade darum kommt er quasi wie von selbst über das "Ach, wie schlimm" hinaus.

Ganz davon abgesehen hat er natürlich wie jeder das recht dazu, sich dazu zu äußern. Das er das "aus sich selbst heraus" tut (d.h. anhand seiner eigener Lebenserfahrungen), zeigt ein Reflexionsvermögen, das ich bei vielen Zeitgenossen nicht sehe - und auch in Zukunft nicht erwarte.
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fdöobsah (54) meinte dazu am 04.12.2018:
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TrekanBelluvitsh
Kommentar von TrekanBelluvitsh (03.12.2018)
So effizient waren die Nazis gar nicht. Gerade zu Beginn - die "Operation Reinhard" gilt als Beginn des industriellen Mordens - stümperte man herum und blieb weit hinter den anvisierten Massakerzahlen. Das Morden wurde dadurch sogar brutaler. Als Beispiel sei hier an die Gaswagen erinnert, in denen versucht wurde, die Opfer durch Abgase zu ersticken. Das ist ein langsamer Tod und auch nach 30 Minuten Fahrt waren oft nicht alle Insassen tot. Später ging es schneller. Ca. 300.000 ungarische Juden wurden im Frühjahr 1944 in gut 2 Monaten in Auschwitz ermordet.

Da fällt mir gerade ein hoher AfD-Funktionär ein, der eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" fordert. Eigentlich schade, dass der "Linksextremismus" nicht so eine Bedrohung ist, wie das rechte Gesocks - auch hier auf KV - gerne behauptet, denn dann wäre der Landesvorsitzende der AfD von Thüringen schon tot. Ein Verlust wäre es nicht.


Die AfD ist nur Geflügelstuhl in der deutschen Geschichte.

-TrekanBelluvitsch -

Kommentar geändert am 03.12.2018 um 13:35 Uhr
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fdöobsah (54) meinte dazu am 03.12.2018:
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Jack (36) meinte dazu am 03.12.2018:
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 03.12.2018:
Tatsächlich gilt der Massenmord von Ruanda, als der "schnellste" Genozid der Geschichte, was, wie von Jack erwähnt, dadurch unfassbarer wirkt, dass er eben NICHT mit industriellen Mitteln verübt wurde.



Die Ermordung sowjetischer Kriegsgefangener - die ersten Opfer der Gaskammern von Auschitz waren gefangene Rotarmisten - kann damit so nicht verglichen werden. Die Morde begannen gleich mit dem Beginn der Kämpfe im Sommer 1941. Bis Ende des Jahres wurden 3,3 Mio Rotarmisten gefangen genommen. Davon kamen im selben Zeitraum ca. 2 Mio ums Leben.

Insgesamt gerieten während des Krieges nach heutigen Schätzungen 5,3 bis 5,7 Mio sowjetische Soldaten in deutsche Hände. Davon sind 2,5 bis 3,3 Millionen umgekommen. 845.000 im Bereich der Militärverwaltung (Frontgebiet), 1,2 Mio. in Lagern der Zivilverwaltung in der SU, 500.000 im "Generalgouvernement" und 360.000 bis 400.000 im Deutschen Reich (hauptsächlich in Lagern). Die Politik gegenüber den Gefangenen der Roten Armee war auch nicht einheitlich, wobei sie allgemein über "den Tod billigend in Kauf nehmen" nicht hinauskam.

Zum Vergleich: Das härteste Los im Ersten Weltkrieg traf die Gefangenen der Mittelmächte im russischen Gewahrsam. Damals starben 472.000 Soldaten.
Zahlen nach: Neitzel, Sönke; Soldaten, Protokolle vom Kämpfen, Töten und Streben, Frankfurt a.M. 2011, ND 2014, 134.


Und als die ungarischen Juden ermordet wurden, wurden die Morde an anderen Opfern ja nicht eingestellt... In Auschwitz fand bei jener Opfergruppe in der Regeln noch nicht einmal eine "Selektion" statt. Alle Ungarn wurden von den Rampen direkt in die Gaskammern geschickt.


Angesichts solcher Zahlen stellt sich die Frage, wie (auch) die Kunst damit umgehen soll. Die "Planet Auschwitz"-Lösung ist keine. Auch in Israel hat sich diese Ansicht schon lange durchgesetzt. Angesichts einer um sich greifenden Unwissenheit über das industrielle Morden im nationalsozialistischen Deutschland, die sich im heutigen Deutschland ausbreitet, halte ich es für angebracht, dies auch auch in jenen Bereichen zu thematisieren, die scheinbar nicht dafür geeignet scheinen. Gerade dort scheint es mir gar nötig zu sein.
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Kommentar von Echo (34) (03.12.2018)
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fdöobsah (54) meinte dazu am 03.12.2018:
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Echo (34) meinte dazu am 04.12.2018:
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ManMan
Kommentar von ManMan (03.12.2018)
Mutig, aber durchaus gelungen! Authentisch wirkende Eindrücke
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wa Bash
Kommentar von wa Bash (03.12.2018)
die kalte Präzision der Tötungsmaschinerie zeigt sich auch in der Logistik, das ist treffend ausgedrückt. überhaupt finde ich den Text insofern interessant, dass die Paarreime durch den erzählerischen Ton, den Inhalt nicht zusehr zum klingen bringen, denn das wäre für mich persönlich ein nogo, da diese Perversionen gar keinen Wohlklang verdienen. mich wundert ein wenig, dass der Text zum Poetry Slam vorgetragen werden soll, oder wurde er es schon? da würde mich interessieren, wie die Zuschauer darauf reagiert haben, da ja ansonsten die Themengebiete dort oftmals auch ernste Themen mit einer Brise Humor besetzen. inhaltlich und formal gut umgesetzt, wie ich finde...

Kommentar geändert am 03.12.2018 um 18:59 Uhr
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BLACKHEART meinte dazu am 03.12.2018:
Wie weiter oben bereits schon einmal erwähnt, habe ich diesen Text schon auf einigen Slams vorgetragen (inzwischen sogar auswendig) und bislang durchweg positive Reaktionen von den Zuschauern erhalten. Er wird definitiv weiter im Programm bleiben.
Ich baue in meine doch eher sozial- und gesellschaftskritischen Texte an passenden Stellen schon mal einen kleine Lacher ein, aber in diesem Fall wäre es absolut unpassend gewesen.
Ich konnte die Eindrücke, die ich dort hatte erst durch das schreiben dieses Textes wirklich verarbeiten und ich wollte die Athmosphäre mitnehmen, damit sie sich aufs Publikum überträgt. Eine Freundin meinte zu mir, dass sie eine Gänsehaut bekommen hätte. Genau solche Reaktionen möchte ich mit diesem Text bewirken. Und die Bewertungen bislang bestärken mich in meiner Annahme, dass ein Text bei einem Slam nicht zwingend lustig sein muss, um den Poeten/die Poetin ins Finale zu bringen.
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Lala
Kommentar von Lala (03.12.2018)
Auch ich meine, dass sich die Erfahrung eines Besuches eines KZs, erst recht nicht Ausschwitz, für einen Wettbewerbsbeitrag in einem poetry slam eignet. Aber was mir bei dem Gedicht vor Allem fehlt, ist ein Transfer. Toltec hasse ich für seine Transfers. Aber er liefert sie.
Hier gelingt es Blackheart einerseits gut, seine Betroffenheit zu vermitteln und auch – ehrlicherweise von ihm – seine technische Faszination. Das ist gut ausgedrückt und die Einfachheit oder Schlichtheit eines Paarreimes, nicht unangemessen. Hätte Blackheart kein Wort über die Slams verloren, ich würde den Text wegen seiner Schlichtheit loben. Das Durchalten der reime in Frage stellen und kritisieren, weil zwischen den Polen nicht reflektiert wird. Entweder bleibt er stecken in Betroffenheit oder Faszination. Immerhin wir sind berührt. Ist auch was und weit mehr als z. B. Vogelschiss Gaulandt über seinen Besuch in KZs zu berichten weiß: Die Knöpfe und die Gegenstände könnten ihn nicht mehr berühren. Sie sprächen nicht mehr zu ihm. Also im Sinne von Ausgrabungsstücken oder Berichten aus dem dreißigjährigen Krieg. Da hat dieser Text von Blackheart weit mehr drauf.

Das Sodbrennen von loslosch und das Unbehagen von fdöobsah, kann ich aber gut verstehen und ich halte es zudem für einen Missbrauch des Autors an seinem durchaus gelungenen Text, ihn auf Slams einzusetzen. Will man nicht? Nein.

Allerdings musste ich wegen dieser Diskussion, wieder an Jane Kormans Einsamkeit denken, seine Freude überlebt zu haben, mit uns teilen zu dürfen:

  Dancing Ausschwitz .

Schade, dass es aus Urheberrechtsgründen mittlerweile nur in der silenced Version gezeigt werden darf. Aber das unterstreicht die Traurigkeit noch viel mehr. Um es kurz zu machen: ich finde es falsch und extrem traurig, dass Jane Korman und alle anderen, die diesen Wahnsinn überlebt haben, keine Gelegenheit bekommen haben, keinen Feiertag, keinen Ort, um ihr Überleben auch auf dem Grab von Adolf zu feiern, zur Not auf ihn pissen zu dürfen und er stattdessen auf den Gräbern seiner Verwandten tanzen muss. Das ist so erbärmlich. Weil wir Angst hatten, dass es Walfahrtstätten für Neonazis werden oder geben könnte? Vielleicht. Aber wahrscheinlicher ist: Weil wir uns schämen und den 8.5. nicht als Feiertag akzeptieren wollen.
Tja, wessen Verwandte am Tag der Arbeit im Jahre 1945 noch Deserteure hingerichtet haben, möchte nicht feiern, wünscht sich vielleicht sogar, Jane Korman hätte nicht überlebt. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Kommentar geändert am 03.12.2018 um 20:38 Uhr
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Kommentar von Jack (36) (03.12.2018)
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BLACKHEART meinte dazu am 03.12.2018:
Zunächst einmal weigere ich mich, (meine) Poetry Slam-Lyrik auf eine Stufe mit einem Rapsong zu stellen. Danke für diesen schönen "Vergleich". Sorry, aber das hat mich schon verärgert.
Und was die 35 kg angeht, diese Angabe stammt von einem der im Text angesprochenen Fotos. Ich schreibe in einen solchen Text doch keine Daten, die nicht authentisch sind.
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Jack (36) meinte dazu am 03.12.2018:
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Schroedinger (34) meinte dazu am 25.01.2019:
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Jack (36) meinte dazu am 25.01.2019:
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Schroedinger (34) meinte dazu am 25.01.2019:
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Jack (36) meinte dazu am 25.01.2019:
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Schroedinger (34) meinte dazu am 25.01.2019:
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Jack (36) meinte dazu am 26.01.2019:
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Schroedinger (34) meinte dazu am 26.01.2019:
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Oskar
Kommentar von Oskar (25.01.2019)
"Es sollte an sich unvorstellbar sein, was passiert, wenn Menschen die hassen auch die Macht bekommen, ihren Hass auszuleben."

Halte ich für falsch, nein, ist falsch. Ein Ehemann bringt seine Ehefrau aus Hass um. Was aber in Deutschland und anderswo geschah hat leider nichts mit Hass zu tun. Dieser wäre leicht handlebar.
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (20.02.2020)
Interessantes Werk, dieses Thema in eine Art Hiphop-Rhythmus zu übersetzen. Gab es auch Lacher im Publikum?
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Veröffentlicht am 03.12.2018, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 03.12.2018). Textlänge: 558 Wörter; dieser Text wurde bereits 652 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 11.04.2021.
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