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Das Geschick des Dichters

Essay zum Thema Schreiben


von harzgebirgler

Das literarische Bassin, so einst die lakonische Feststellung des nun schon länger toten "Marmorklippen"-Jünger, wimmelt von Talenten. Daran hat sich nichts geändert: Unübersehbare Schwärme mehr oder weniger wortgewandter und -gewaltiger Sprachadepten bevölkern die Welt, verleihen dem, was sie bewegt, mitunter bewegenden Ausdruck und treiben im Wörtersee ihr unermüdliches Wesen *. Kein Wunder, ist doch dem Menschen die Sprache übereignet und jenes Element, worin sein Dasein unablässig - auch im Schweigen - spielt.

Und jeder vermutlich mag ein Koi im Karpfenteich der Literaten werden, ein Juwel im Tümpel, ein Leuchtturm in der Nacht, wobei Bestsellerlisten oder Register von Literatur-’Geschichten’ gewiß kein unmittelbares Indiz für dergleichen Erleuchtend-Erleuchtete sind (was nicht religiös zu verstehen ist, zumindest nicht im landläufigen Sinne, eher aufklärerisch).

Wie aber wird ein Sprach-Jünger derart wegweisend, gänzlich unabhängig von Auflagenhöhe, Verkaufszahlen, (Nobel-)Preisen und millionenfacher Leserschaft? Wie wird einer so leuchtend und fortglänzend durch die Zeiten, daß es den Geist immer wieder blendet, befruchtet, befeuert?

Es ist anzunehmen, daß hier Schicksal, GESCHICK und Berufung - einer kann nicht anders und wird sozusagen ins Dichten, zum Wort-Werk gerufen, ja gezwungen (Hölderlin spricht einmal von "heiliggenöthiget sind wir") - fundamental sind. ’Dinge’, auf die das ’persönliche’ Wünschen und Wollen wenig Einfluß hat: Die dergestalt Genötigten haben absolut und gleichsam von Natur aus keine Wahl. Beneidenswert? Der Preis ist oftmals hoch!

Denn sie finden sich aus einer weltzeitllchen Not heraus („Wer, wenn ich schrie, hörte mich denn aus der Engel 0rdnungen?"/Rilke) ausgeliefert an die - bisweilen wahnsinnige - Aufgabe (das Erleuchten, die "mühen der notwendigen trage"/Stefan George, führt dann schier unausweichlich in Umnachtung; manch einer, wie Kleist, hält’s auch nicht aus), dem, was INSGESAMT ist und der (Ver-)Dichtung entgegenwartet, erhellend zur Sprache zu verhelfen. Das scheint - neben einem Schmerz, der das Herz dieser Berufenen abgrundtief durchzieht - die Grundvoraussetzung für dichterisch-literarische ’Größe’ zu sein, die sich - das bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung - nicht ohne entsprechendes ’Talent’/GESCHICK entfaltet.

* Die Beweggründe des Schreibens sind dabei zweifellos sehr unterschiedlich. Oft geschieht’s aus ’Spaß an der Freud’, oft auch aus dem unwiderstehlichen Drang, sich eines thematisch Anliegenden, Lastenden zu entledigen, oft überdies aus verständlicher Eitelkeit und Darstellungssucht. Jene Not jedoch, die einen - in sozusagen geschicklicher Unausweichlichkeit - zu nichts anderem bestimmt als zum dichtenden Hervor-Rufen (Stiften=das Wesen der poiesis/Poesie) oder zumindest Wegbereiten ihrer Wende, ist ferne.

Welche Not wäre das? Allübergreifend einzig diejenige, in der das Wesen des Menschen selbst als Wahrer des Worts und Hüter des Seins auf dem Spiel steht und in Gefahr ist: "kein ding sei, wo das wort gebricht"/Stefan George. Allein dieser Wesensgefährdung wegen, die es erst einmal zu gewahren gilt, sind "Dichter in dürftiger Zeit" - deren Merkmal der "Fehl Gottes" (Göttliches nicht im christlichen Sinne!) ist - not-wendig und scheinen selbst solche "Leiden, die Ödipus getragen, als wie ein armer Mann klagt, daß ihm etwas fehle"/Hölderlin.

Der Raum des Gedichtes als Wort-Werk - das Element also, in dem es sich entfaltet und bewegt – ist die Sprache, die nur uns Menschen eignet und (Welt) entbergenden Charakter hat. (Der Mensch ist Lebewesen, das die Sprache hat "zoon logon echon" und das Wort bringt zur Erscheinung "logos apophansis"/Aristoteles). Durch dieses Lebewesen selbst geht von Anfang an - "Schmerz versteinerte die Schwelle"/Trakl - ein merkwürdiger Riss, weswegen Nietzsche den Menschen später als "das noch nicht festgestellte Tier" denkt und damit auf seine Weise der traditionellen metaphysischen Definition des Menschen als "animal rationale" entspricht.

Der Riss verläuft sozusagen zwischen dem Zoologischen und Logischen, dem Animalischen und Rationalen, der Tierheit und Vernunft in uns. Er bildet allem Anschein nach den bislang unversöhnten Ur-Sprung und Zwischen-Raum unseres Daseins. Dieses harrt - still schreiend und einer offenen Wunde gleich - der Heilung. Hölderlin wusste davon: "es fehlen heilige Namen“, "wenn aber ein Gott erscheint...kömmt allerneuende Klarheit" - das heißt auch Feststellung und Versöhnung unseres wundgleich aufgerissenen und ver-rückten Sprach-Wesens. Eine Dichtung, die seine insgeheim unentwegt klaffenden Ränder ver-dichtend (an)einander näh(er)te, zusammenriefe ins einige Ganze, wäre wie göttliche Heilkunst und ihr Dichter ein begnadeter Wundarzt der Welt - „Ich trete vor Einem zurück, der noch nicht da ist, und beuge mich ein Jahrtausend ihm voraus vor seinem Geiste"/Kleist. -- Wohlgemerkt: "ein Jahrtausend ihm voraus"...

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