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Tagebuch zum Thema Vergänglichkeit


von keinB

Anruf verpasst.
„Jeanette? Was ist los?“
„Ich hab deine Mama gefunden.“
„Wie, gefunden? Und jetzt ist sie im Krankenhaus, oder ...“
„Es tut mir so leid.“

Bruder, ich weiß, bei dir ist mitten in der Nacht. Melde dich, sobald möglich, bitte.
„Ich bin noch wach, was ist?“
„Ich hab keine Ahnung, wie ich das sagen soll, ohne dass es einfach nur scheiße ist, deswegen direkt: Die Mama ist tot.“

„Jeanette?“
„Dein Onkel und deine Oma waren grade hier. Deine Oma gestriegelt und geschniegelt und in kompletter Trauermontur.“
„Was? Ich hab erst vor zwei Stunden mit ihr telefoniert. So schnell war die noch nie da.“
„Die wollten ins Haus.“
„Was zum … Wozu?“
„Keine Ahnung. Jetzt sind sie auf dem Weg zum Bestatter.“
„Oh, richtig. Den muss ich auch noch anrufen.“

„Hallo, meine Mutter … äh … ist bei Ihnen. Sie haben die grade abgeholt.
„Ja, richtig. Mein aufrichtiges Beileid.“
„Im Moment sind leider weder mein Bruder noch ich vor Ort, können wir einen Termin am Montag machen, um die Einzelheiten zu besprechen?“
„Natürlich.“
„Und … äh … es kann sein, dass gleich meine Familie bei Ihnen aufkreuzt.“
„Die Mutter und der Bruder waren grade schon da.“
„Darf ich mal blöd fragen, was die wollten?“
„Sie sehen. Aber das wäre nicht im Sinne Ihrer Mutter gewesen. Und außerdem entscheiden Sie das.“

Die Anrufe laufen alle nach dem gleichen Muster:
„Die Mama ist am Freitag gestorben.“
„Was? Machst du Witze?“

„Eine Frage: Sie sieht ja jetzt doch ganz anders aus als im Sommer. Ist das schon Verwesung?“
„Nein. Sie sieht so aus, wie wir sie bekommen haben. Und sie kam ja direkt bei uns in die Kühlung, so schnell ändert sich da nichts.“
Schwemmt Morphium auf? Egal.
„Der Sarg kommt zu.“

„Der Sarg steht da drin. Soll ich mitkommen, Oma?“
Nicken.
Die Farcen meiner Oma in einem symbolischen Bild am Sarg meiner Mutter. Eigentlich rechne ich jede Sekunde damit, dass sie sich die Bluse vom Leib reißt und sich über den Sarg wirft. Großes Lamento erfüllt den Raum.
„Warum hast du mir das angetan?“
„Wär doch ich gegangen anstatt dir!“
„Machs gut, wo immer du jetzt bist!“
Interessanterweise ohne jeglichen regionalen Akzent. Wappnet Euch, Ihr großen griechischen Tragödien, hier kommt meine Oma – und sie perludiert Euch alle aus dem Effeff.

„Du glaubst nicht, was deine Oma deinen Bruder grade gefragt hat.“
„Wieso?“
„Wir stehen in der Küche – und deine Oma fragt, wie genau deine Mutter gefunden wurde. So ruhig wie dein Bruder hätte ich nicht reagiert.“
„Ich auch nicht. Das weiß sie aber, deswegen fragt sie ja ihn.“

„Jeanette hat erzählt, dass einer der Nachbarn bei ihr vor der Tür stand und wissen wollte, was wir mit dem Haus machen.“
„Und?“
„Ihre Mutter hat aufgemacht. Und gesagt, dass er doch gefälligst uns fragen soll.“
„Haha, apropos - mich hat bei Facebook einer angeschrieben, mit dem ich vor zehn Jahren Fußball gespielt habe. Dass er gehört hat, dass die Mama gestorben ist. Beileid und blabla. Und ob wir vielleicht das Haus verkaufen.“

Die Pfarrerin ist ebenso verstrahlt wie vor viereinhalb Jahren. Mein Vater ist wieder ein „Wolfgang“  - wie vor viereinhalb Jahren. Beim dritten Mal fangen wir Kinder an zu feixen, während die gesamte Gemeinde hinter uns jedem „Wolfgang“ ein erbostes „Gerhard!“ hinterherzischt. Wenigstens sind die Kirche und die Rosengirlande auf dem Sarg hübsch.

„Hallo, lang nicht gesehen. Wie geht’s?“
„Schlecht.“
Weinerliche Stimme. Es geht also wieder los.
„Wieso?“
„Meine Tochter ist vor vier Wochen gestorben.“
Sechs Wochen, Oma, sechs. Lass den Kellner in Ruhe.


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Kommentare zu diesem Text


Marjanna
Kommentar von Marjanna (07.12.2018)
Oh Jesses. Ich kann nur hoffen, dass Teile davon fiktiv sind. Allerdings, da ich selbst schon mehrere solcher Abschiede hinter mir habe: Es klingt verdammt echt.
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keinB meinte dazu am 07.12.2018:
Ich hab eher noch unter- denn übertrieben.
Danke.
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Lala
Kommentar von Lala (07.12.2018)
Im ersten Anlauf verlor ich komplett den Faden. Ab dem Mittelteil wusste ich wie Otto in Wanda gar nichts mehr. Wer ist tot? Wer ist hier der Bruder, der Onkel oder die Jeanette? Wieso hat nur Jeanette einen Namen? Da janna aber das Dingen anscheinend souverän verstanden hatte, las ich es nochmal in langsam und gedanklichem Notizblock.

Ja. Ist gut. Dialog beherrschst Du sowieso und neigst ja zum Glück nicht zu Ausschweifungen. Sowas mag ich ja gar nicht. Ob es die Nummer im Cafe zum Schluss wirklich braucht? Wahrscheinlich müsste ich hierfür die anderen 57 Teile lesen. Mal schauen ...
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keinB antwortete darauf am 07.12.2018:
Na komm, einfach (verstehen) kann jeder.

Die Schlussnummer finde ich schon wichtig für die "Charakterzeichnung" (in der Kürze meiner Formulierungen sicher maßlos überspannt) der Großmutter.

Danke.
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LotharAtzert
Kommentar von LotharAtzert (07.12.2018)
Darf man bei einem Todesfall "prickelnd" sagen?
Jedenfalls gut erzählt, da gibt's nichts zu meckern.
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keinB schrieb daraufhin am 07.12.2018:
Bei Ertrinken in Champagner auf jeden Fall. ;)

Danke.
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drmdswrt
Kommentar von drmdswrt (08.12.2018)
Liest sich ein bisschen wie Fragmente einer Dramedy. Auf jeden Fall fesselnd. Die Szene in der Kirche lädt tatsächlich zum Lachen ein. Die kreisenden Geier wirken schon fast wie ein Klischee, wäre es nicht so wahr.
Ich finde es gelungen. "Tagebuch" macht aber befangen. Mir wäre es lieber, das als Fiktion zu betrachten. Dann würde ich Sequenzen in ein Drehbuch übernehmen wollen. Und sicher mehr lachen.
Übrigens, nachtragend:
Die einzelnen, kurzen Sequenzen machen den Kopf wirr. Das ist gut. Dabei entsteht eine gewisse Leere im Sortieren und Sondieren. Man verliert den Bezug zur Realität, ich höre den gesprochenenen Text irgendwann wattig und hallig. (Ich denke zu sehr Film, wie mir scheint...)

Edith hat einen vertippten Buchstaben gefunden und bat mich, fix zu korrigieren.

Kommentar geändert am 08.12.2018 um 13:44 Uhr
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keinB
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Dies ist ein Text des mehrteiligen Textes Nabelschauen.
Veröffentlicht am 07.12.2018, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 10.12.2018). Dieser Text wurde bereits 99 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 13.12.2018.
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