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und es entstand eine große Stille

Kurzprosa zum Thema Trennung


von tulpenrot

Alle Freunde sind übers Land gezogen oder ans andere Ufer geschwommen, als der Rauch durch die Räume zog. Und du gingst mit ihnen. Wohin? Die Hügel schweigen diesseits und jenseits des Weges und geben keine Auskunft, wenn ich frage.

Zwischen Schiffsbäuchen und Meereswellen sind wir aufgewachsen, eingeschlafen mit dem Klickern der Masten und unter dem Geschrei der Möwen wieder aufgewacht. Unsere Tore standen tagsüber immer offen. Nur nachts wurden sie verriegelt. Man sah schon von weitem, wenn Freunde oder Feinde unterwegs zu uns waren. Doch eines Tages hat sich das Meer geteilt, um dem Feuer einen Weg zu bahnen. Es fraß im Innern weiter und weiter. Seine Flammen spiegelten sich im dunklen Wasser. Rauch vernebelte die freie Sicht.

Zuletzt konnte man Freund und Feind nicht mehr unterscheiden, noch nicht einmal in unseren Stuben. Sie stürzten mit der täglichen Flut zum Kaffeetratsch herein und blieben hocken bis zur Ebbe. In den Stunden dazwischen stellten sie Worte wie Spieße auf. Kreuz und quer. Man konnte eigentlich nur darüber stolpern. Es ergab keinen sinnvollen Weg dazwischen. Wir redeten uns heiß. Erst als wir brannten, gingen sie. Meist blieben wir ermattet, einsam und stumm zurück. Von draußen durch die kahlen Fenster zeigte die Dunkelheit ihr kaltes Gesicht.

Und dann kam eine neue Flut, anders und stärker als bisher, und mit ihr der Sturm und der Regen. Sie überschüttete uns mit ihrer Nässe, verlangte nach unseren Leibern und Händen.

Wir konnten die Spieße nicht mehr umgehen und rissen uns wund.
Wir konnten uns nicht verbergen vor den Blicken der anderen. 
Unsere Verlegenheit war wie ein loses Blatt, wie ein Halm im Wind. Wir konnten uns daran nicht festhalten.

Sie sprachen ihr Urteil über mich. Du sahst zu, wie dieser Schuldspruch mich umspülte und wie danach das Weinen mich schwächte. Ich verstand deine Sprache nicht mehr, dein Blick war auf einmal so fremd. Am folgenden Tag gingen sie fort. Du gingst mit ihnen.

Und es entstand eine große Stille zwischen unseren Namen.

Anmerkung von tulpenrot:

Empfohlen von:
Eta, Dieter Wal, princess, AZU20, franky, juttavon.
Danke!


 
 

Kommentare zu diesem Text


princess
Kommentar von princess (13.12.2018)
Ein Text, der unmittelbar Schwere in meinem Bauch produziert, mich Luft holen lässt. Und zum Schweigen herausfordert. Eindringlich.

Liebe Grüße
Ira
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tulpenrot meinte dazu am 13.12.2018:
Ganz herzlichen Dank! Und liebe Grüße - und bitte nicht den ganzen Tag beschwert bleiben! Ich schreib sicher bald wieder was Nonsensisches zum Ausgleich. Dieser vorliegende Text lag lange unfertig in meiner Schublade. Wie man vielleicht merkt, bin ich dabei, diese Schublade mal ein wenig zu entleeren...
Angelika
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AZU20
Kommentar von AZU20 (13.12.2018)
Da hast Du Dir aber offensichtlich etwas von der Seele geschrieben. LG
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tulpenrot antwortete darauf am 13.12.2018:
Keine Ahnung - es ist ein Text, ein Spiel mit Bildern und Gedanken. Ausgangspunkt war der Schluss-Satz, der mir plötzlich im Kopf rumspukte. Und dann ging das Spiel weiter...
LG und Danke

Antwort geändert am 13.12.2018 um 10:52 Uhr
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Dieter Wal
Kommentar von Dieter Wal (14.12.2018)
In der Vorlesungsreihe Ody Wischmeyers über die Offenbarung des Johannes beeindruckte mich besonders die dramaturgische Funktion und große Bedrücktheit durch das halbstündige Schweigen des Himmels.

"Und als das Lamm das siebente Siegel auftat, entstand eine Stille im Himmel etwa eine halbe Stunde lang." Offb 8,1 Lutherbibel 2017 online

https://www.theologie.fau.de/lehrstuhl-neues-testament-ii/prof-dr-dr-h-c-oda-wischmeyer-em/

Die Sprache deines Prosatextes finde ich sehr schön.

Als bedrückender Ausdruck einer Trennung finde ich die Formulierung "Und es entstand eine große Stille zwischen unseren Namen." vorteilhafter, wenn du schreibst: Und es entstand eine große Stille.
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tulpenrot schrieb daraufhin am 14.12.2018:
Das ist ja interessant, dass du mich an diese Bibelstelle erinnerst. Es war auch dieser letzte Satz aus meinem Text, der mich zum Schreiben veranlasste. Warum der plötzlich in meinem Kopf auftauchte, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls arbeitete ich dann irgendwann daran, eine Trennungsgeschichte daraus zu formen. Es ist immer spannend, ob so etwas gelingt, zumal ich selten zu Beginn des Schreibprozesses schon eine genaue Vorstellung von dem Inhalt oder der im Text zu treffenden Aussage habe.
Und dann am Ende die Überschrift - daran hapert es grundsätzlich bei mir. Ich entschied mich also wieder für diesen zentralen Satz, den ich aber kürzte, weil ich ihn als Überschrift als zu lang empfand. Dass ich damit aber in die Nähe des Bibeltextes (nach Luther) kam, war mir gar nicht bewusst.
Jetzt, heute morgen, hätte ich direkt Lust, mir mal nähere Gedanken über diese biblische Stille zu machen.
Ein Bekannter meiner Tochter hat übrigens seine Doktorarbeit über die Stille in der Musik geschrieben - auch ein interessantes Thema. Vielleicht lese ich diese Arbeit eines Tages mal.
Deiner Professorin Oda Wischmeyer wäre ich auch gerne begegnet!
Liebe Grüße und vielen Dank für alles
Angelika
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Dieter Wal äußerte darauf am 14.12.2018:
Der Vorname dieser außergewöhnlichen Professorin lautet Oda. Ich schäme mich, ihn vertippt zu haben.

Offb steckt voller Zahlensymbolik und numerisch strukturierten Abläufen, dass ich annehme, der nach Pathmos verbannte Prophet war wohl nicht allein überdeutlich in äußerst unbequemen prophetischen Ansagen, über die uns leider nichts überliefert wurde, sondern nach dieser Apokalypse dürfte er sich zusätzlich tiefgründig mit pythagoräischem Gedankengut auseinandergesetzt haben, was die für diese Literaturgattung äußerst ungewöhnliche mathematische Stringenz und formale Logik der Abläufe erklären könnte.

Die Stille im Himmel ist mit der "Ruhe vor dem Sturm" vergleichbar. Die längere Pause, um einen großen Paukenschlag umso eindrucksvoller erscheinen zu lassen. Die Öffnung des Siebten Siegels bewirkt die Stille. Die "Geburtswehen der neuen Schöpfung" beginnen. Das himmlich-irdische Drama steht kurz vor dem "Dritten Akt". Höchste Spannung ist angesagt. Die Wende, die neue Welt, steht kurz bevor. Die Stille ist eine eminent sakrale Stille. Das Siebte Siegel ist das vielleicht heiligste Siegel.
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Dieter Wal ergänzte dazu am 14.12.2018:
"jedenfalls arbeitete ich dann irgendwann daran, eine Trennungsgeschichte daraus zu formen."

Nicht nötig. Bereits vorhanden:

"Sie sprachen ihr Urteil über mich. Du sahst zu, wie dieser Schuldspruch mich umspülte und wie danach das Weinen mich schwächte. Ich verstand deine Sprache nicht mehr, dein Blick war auf einmal so fremd. Am folgenden Tag gingen sie fort. Du gingst mit ihnen.

Und es entstand eine große Stille"
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tulpenrot meinte dazu am 14.12.2018:
Das mit dem Vertipper ist mir gar nicht aufgefallen! Ich hab nur den Link übernommen und nachgelesen.
Deine Ausführungen zur Stille in der Offb habe ich mit viel Interesse gelesen. Stille, die Spannung erzeugt und eben gerade nicht in die gelassene Ruhe führt, das ist ein spannendes Thema! Und dann die sakrale Stille - man flüstert ja auch in der Kirche, unterhält sich z.B. vor einem Konzert oder in einem vornehmen Restaurant nur mit gedämpften Stimmen und schafft damit "heilige Räume".
Stille vor dem Neuen, vor einer Wende ... Es lohnt sich darüber nachzusinnen. Danke für alle Anregungen - und für das erneute Sternchen.
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tulpenrot meinte dazu am 14.12.2018:
Wolltest du, dass ich mit dem verkürzten Satz "und es entstand eine große Stelle" ende?
Aber das ist doch etwas völlig anderes als meine Version. Dein Schlusssatz lässt doch vermuten, dass die ganze Szene sich in Wohlgefallen auflöst. Dass nun Ruhe eingekehrt ist. Generell, bei allen Beteiligten.
In Wirklichkeit wollte ich aber sagen, dass man überhaupt nicht mehr mit einander, noch nicht einmal über einander redet - eigentlich nur zwischen den beiden Hauptpersonen! Die wollen nichts mehr mit einander zu tun haben. Es ist zu viel Schreckliches passiert zwischen ihnen, angefeuert vom Umfeld, von Freund und Feind.
Hmmmm... ich komme ins Grübeln.....
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Dieter Wal meinte dazu am 14.12.2018:
"Wolltest du, dass ich mit dem verkürzten Satz "und es entstand eine große Stelle" ende?"

Nimm Stille. Dann ja. Für mich bedeutet die Stille im Gesamtzusammenhang sonnenklar, dass gerade die Beziehung endgültig den Bach herunterging. Es besteht aus meiner Sicht durch deine sicher gut gemeinte unötig erweiternde "Erklärung" im Schlusssatz nicht der geringste Erklärungsbedarf.
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Dieter Wal meinte dazu am 16.12.2018:
"Und es entstand eine große Stille zwischen unseren Namen."

Kommt die grammatikalische Unschärfe, um nicht zu sagen Falschheit erschwerend hinzu.

Zwischen zwei Namen kommuniziert sich gar nichts, sondern zwei Menschen kommunizieren miteinander. Hier wird die Verschiedenheit der Ebenen verkannt.

""Und es entstand eine große Stille." ist ein sinnvoller Satz. Worauf sie sich bezieht, wird aus den vorigen Sätzen ersichtlich.

"Und es entstand eine große Stille zwischen unseren Namen." ist Bullshit.

Antwort geändert am 16.12.2018 um 06:03 Uhr
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tulpenrot meinte dazu am 16.12.2018:
In dem Text sind noch mehr Dinge, die eigentlich so nie stattfinden können, also verfremdet dargestellte Elemente. Der von dir als bullshit bezeichnete Satz ist ebenfalls eine Verfremdung - und bedeutsam.
Wenn einfach "nur" eine große Stille entsteht, ist das zu allgemein. Ich denke, dass der Leser diese Stille auf die vorher so stürmisch geschilderte Natur bezieht. Mir ist wichtig, dass es sich auf "die Namen" bezieht. Allerdings bleibt offen, welche Namen überhaupt gemeint sind. Und wenn da von Stille zwischen unseren Namen gesprochen wird, ist nicht nur der Abbruch einer Beziehung zwischen zwei Personen gemeint.
Ich mag aber nun meinen Text nicht weiter erklären. Entweder er kommt beim Leser an oder nicht.
Aber trotzdem Danke für deine "Rettungsversuche"
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Dieter Wal meinte dazu am 16.12.2018:
Bitte, gern, liebe Bette.

"Wem nicht zu raten ist", sagte die Muhme Rumpelpumpel, "dem ist auch nicht zu helfen."

Preußler: Die Kleine Hexe, S. 124
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tulpenrot meinte dazu am 16.12.2018:
Nöö, ich will auch nicht geholfen werden - diesmal nie nich... Aber wieso heiße ich jetzt Bette? Das ist doch jemand völlig anderes hier bei kv.
Nachtrag: Ich freue mich, dass du trotz deiner kritischen Haltung meinem Text 2 Sternchen verpasst hast!

Antwort geändert am 16.12.2018 um 09:36 Uhr
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