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Kann Dani Charlie sein?

Kurzprosa zum Thema Kampf


von ElviraS

Je suis Charlie – I am Charlie – ich bin Charlie – ein Ausruf geht um die Welt, eine zornige Antwort auf eine realitätsfremde und größenwahnsinnige Attacke. Der IS will die Welt beherrschen – hatten wir das nicht schon einmal? Wie hießen sie doch alle, diese selbsternannten Weltherrscher?
Was war mit Alexander dem Großen, mit Dschingis Khan, Süleyman I.? Wo ist das Weltreich der antiken Römer? Wo die Weltrevolution des Marxismus? Wo schließlich Hitlers reinrassige Weltherrschaft?
Die Weltherrschaft – immer nur ein Traum. Eine Idee, der sich Menschen opfern und für die Menschen geopfert werden. Ein Traum, der vom Schrecken lebt.
Jetzt gibt es einen Aufschrei – je suis Charlie! Wer schreit?
Auf den Straßen, in den Zeitungen, im Internet – überall der gleiche Schrei: je suis Charlie – I am Charlie – ich bin Charlie.
Aber – kann auch Dani Charlie sein?
Dani kennt die Städte, in denen der IS den Lauf um die Weltherrschaft begonnen hat, gut. Seine Mutter starb früh, Dani bekommt erst eine Stiefmutter, dann wird er bei Verwandten untergebracht. Er muss sich seinen Lebensunterhalt verdienen, die Schule abbrechen. Die Familie, bei der er lebt, ist reich und streng religiös. Ist das Allahs Wille?
Mit achtzehn muss er zum Militär, wohnt in einer Großstadt, bildet sich autodidaktisch zum Fotografen, verdient damit etwas Geld und stellt die Weichen für sein späteres Leben. Die Kunst soll der Inhalt dieses Lebens sein, er will zeigen, wie er das Dasein sieht, die Menschen, die Landschaften.
Der Nahe Osten ist 1984 zerrissen zwischen rivalisierenden politischen Gruppierungen mit oft religiöser Identität. Nach dem Militärdienst arbeitet er in einer Textilfabrik. Dani will Flagge zeigen, schließt sich den Partisanen an, muss fliehen. Seitdem ist er Flüchtling. Seine Flucht hatte kein Ziel, bis er an der Friedrichstraße wieder „auftauchte“. Er konnte kein Wort Deutsch, nicht einmal seinen Namen schreiben.
In Deutschland war er erst einmal in Sicherheit. In der Volkshochschule lernte er Deutsch. Einen Beruf konnte er nicht erlernen, weil jegliche schulische Voraussetzung fehlte. Das Computern hat er sich selbst beigebracht, so gut, dass er Kinder und Erwachsene darin unterrichten konnte. „Ein Analphabet“, kommentiert er bitter, „unterschreibt das Zeugnis für gebildete Teilnehmer.“
Dann kamen die Erinnerungen. Er begann zu malen, seine Träume und seine Alpträume. Ausstellungen, Museen und Bücher waren seine Fortbildungsagenten. Unterstützer fanden sich, holten seine Bilder in Ausstellungen. Die mangelnde akademische Ausbildung zwang ihn dazu, sich der abstrakten Malerei zuzuwenden.

Der Raum ist fensterlos, ohne Heizung. Vor ein paar Jahren standen hier die Mülltonnen, jetzt Regale, ein Tisch, ein Stuhl, an den Wänden Bilder und Objekte: Danis Atelier. Ein winziger Raum, vom Hausbesitzer überlassen. Lange hat er nur mit zwei Farben gemalt: „Mehr konnte ich mir nicht leisten.“ Aber er konnte nicht leben ohne die Malerei. „Kunst ist Kommunikation. Abstrakte Kunst fordert zur Nachfrage heraus, zum Gespräch. Gespräche fehlen uns. Meine Farben sind pur, um das Bild der Heimat zu bewahren. Deshalb benutze ich fast keine Mischfarben.“
Seine Objekte leben von der sichtbaren Übersetzung seiner Gefühle. Der Stuhl mit den Nägeln auf dem Sitz, der Stuhl, auf dem man nicht sitzen kann, er ist das Sinnbild dafür, eine Heimat zu haben, aber dort nicht leben zu können.
Seine Heimat – heute zerrissener denn je. „Früher“, sagt Dani, „führten sie Krieg wegen der Gewürze, dann wegen Öl, aber man konnte nebeneinander leben.“ Heute ist das Nebeneinander-Leben zur tödlichen Bedrohung geworden.
Dani lebt seit 30 Jahren in Berlin im Exil, die Kunst ist ihm zur Heimat geworden. Er hat Künstlerfreunde, nicht nur in Berlin, Freunde aus allen Kulturen, ist immer auf der Suche, wehrt sich gegen den Vorwurf, keinen Stil zu haben. „Als Maler stehst du 100%ig hinter deinen Bildern.“
Eines seiner Lieblingsbilder trägt den Titel „Tigris“. Es ist seine schönste Erinnerung an einen Aufenthalt in Bagdad. Dort saß er abends oft an den Ufern des Tigris und betrachtete die Spiegelungen der Lichter im Wasser.
Seit 30 Jahren in Berlin, seit sechs Jahren das kleine, aber eigene Atelier, viele Freunde – trotzdem malt er einsam. Eine Gruppe wäre schon eine Bereicherung, aber die Angst vor Verletzungen ist groß. Einer seiner Freunde sagt dazu: „Künstler brauchen eine Mauer als Schutz, damit sie ihre Persönlichkeit bewahren können.“

Kann Dani Charlie sein?

Aus: Kreuzberger Miniaturen Heft 13

 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (17.12.2018)
"Je suis Charlie" ist/war kein Schrei, sondern eine (stille) Solidaritätsbekundung und ein Eintreten für die Pressefreiheit. Insofern sehe ich diesen Dani nicht in der Tradition von "Je suis charlie". Was ihn natürlich nicht zu einem schlechteren Menschen macht.
Der Text beschreibt ihn ja eher als sensibles Mauerblümchen, so richtig richtig sympathisch findest Du ihn offenbar nicht, mmh? Schreibst Du regelmäßig für diese Kreuzberger Blättchen? Stell' doch auch mal Deine anderen Texte hier rein, würde mich interessieren!

Gerne gelesen, auch wenn mir persönlich der Unterton des Texts etwas zu gutmenschenartig-linksalternativ ist, aber das ist eher Geschmacksache.
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ElviraS meinte dazu am 17.12.2018:
Gibt es auch stille Schreie?
Für die Pressefreiheit. Gibt es Pressefreiheit ohne politische und Meinungsfreiheit?
Die Frage, die der Text aufwirft, heißt "Kann Dani Charlie sein?" Kann jemand, der Verfolgung und Flucht erlebt und sich in einem relativ sicheren Leben eingerichtet hat, für die Freiheit auf die Straße gehen?
Dani ist zurückhaltend, aber kein Mauerblümchen. Er war mein Nachbar und ich bewundere seine Fähigkeit, aus seinen Erfahrungen Kunst zu machen.
Die Kreuzberger Miniaturen werden privat herausgegeben und ich stelle gerne weitere Texte daraus ein.
Einige sind nachzulesen unter www.kreuzbook.blogspot. com
Viele Grüße
Elvira
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Reliwette antwortete darauf am 17.12.2018:
Bin ja selber auch Maler und Bildhauer, Performer. In so weit bin ich bei Dani und natürlich bei der Autorin, die über dessenn Schicksal, aber auch seine Farben berichtet. Das Unwort "Gutmensch" lese ich nicht gern, auch nicht in seinen Variation z.B. als Adjektiv, lieber Dieter. Das kann man anders formulieren. Ich weiß natürlich, was damit gemeint ist. Wir können nicht die ganze Welt retten, ohne selbst Schaden zu nehmen, selbst wenn man es möchte. Die "ganze Welt", das sind auch Menschen in Not. Es ist grauenhaft, was sich in Syrien oder z.B. in Afrika abspielt. Dennoch, niemals die Vokabel "Gutmensch" negativ belegen.
Liebe Grüße!
H.T.R..
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LotharAtzert
Kommentar von LotharAtzert (20.12.2018)
"Die mangelnde akademische Ausbildung zwang ihn dazu, sich der abstrakten Malerei zuzuwenden." - das ist Unfug.
Ich habe auch keine akademische Ausbildung, aber keiner zwingt mich deshalb zur abstrakten Kunst. Das von dir als Mangel bezeichnete kann also nicht den Zwang ausgeübt haben.
Es ist vielmehr die Vorstellung, die jemand mit einer akademischen Ausbildung verknüpft.

Ich zum Beispiel wollte nie eine akademische Ausbildung. Wenn einer aber will, dann soll er auch die Konsequenzen tragen und wenn die Welt durch die Offiziellen untergeht, möchte ich den oder die Pseudogebildeten sagen hören "ja, ich war auch dabei".
Warum Pseudogebildet? Weil nur Bilder bilden, Nicht die Abstrakten, sondern die Urbilder, die mehr und mehr durch Akademiker ihrer Bildhaftigkeit beraubt werden.
Wer zwingt also wen?

Gruß
Lothar, der Freigeist

Kommentar geändert am 20.12.2018 um 21:21 Uhr
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ElviraS schrieb daraufhin am 21.12.2018:
Hallo Freigeist, muss das Unfug sein, weil Du es für Dich anders siehst? Dani hat es so für sich beschrieben.
Gruß
Elvira
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LotharAtzert äußerte darauf am 22.12.2018:
Hallo Elvira
Nicht weil ich es anders sehe, ist es Unfug - das wäre natürlich anmaßend. Sondern weil es nicht stimmt, daß ein Mangel an akademischer Ausbildung zwangsläufig zur Abstraktion führt.
Das hab ich kritisiert. Wenn das Dein Prot. so sagt, dann ist es halt so. Und weils mir ansonsten gefällt, hab ich es ja auch empfohlen.

Alles gut
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ElviraS ergänzte dazu am 09.01.2019:
Danke, Freigeist.
In meinen Texten, die auf Interviews beruhen, gebe ich immer nur die Meinung der Protagonisten wider. Ich bin kein Journalist, deshalb kann ich es mir leisten, alle Texte von den Protagonisten absegnen zu lassen. Alles andere geht in den Mülleimer.
Gruß
Elvira
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