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Erzählung
Die Erzählung ist kürzer als ein Roman und behandelt eine Begebenheit im Mittelpunkt. Die Komposition ist wesentlich... weiterlesen
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Kapitel 10 - WissenInhaltsverzeichnisKapitel 12 - Weichen

Kapitel 11 - Offenbarung

Roman zum Thema Abenteuer


von Broom87

„Lasiurus“
Hans Zimmer, James Newton Howard

11

Offenbarung

Sie waren bereits zwei Tage in dem Haus und die Stimmung war eher bedrückt. Keiner der beiden sprach ein Wort. Sie waren damit beschäftigt, die derzeitige Lage einzuordnen. Als sie das Haus betreten hatten, offenbarte sich ein sicherer Hafen mitten im Nirgendwo. Es bestand aus 3 Stockwerken, Keller, Wohnbereich mit Küche und der oberen Etage mit einem Schlafzimmer und Bad. Der Keller war vollgestopft mit Nahrungsmitteln und Wasser. Hauptsächlich Trockenpulver zum Aufgießen. Robert schätzte jedoch, dass sie beide hier etwa zwei Monate bleiben konnten, ohne das Haus einmal verlassen zu müssen. Ihm war jedoch jetzt schon klar, dass sie so lange nicht durch hallten würden, wenn sie nicht einen Plan entwickelten. Daher saß er im Wohnbereich am PC und studierte wieder den Stick, welchen er immer in der Hosentasche hatte. Hätte Schulz das gewusst, wäre der Spuk bereits zu Ende und Jule würde in irgend einem Leichenschauhaus darauf warten, dass man sie für die Beerdigung freigab. Und er läge mit Sicherheit daneben. Der Wohnbereich bestand aus einem großen, elegant eingerichtetem Raum. Im Mittelpunkt stand ein großer Fernseher mit einer schwarzen Ledercouch davor. Außerdem gab es eine Ecke mit einem Schreibtisch und einem Computer. Dieser hatte sogar Internet und Robert hoffte, dass die Schweden es genauso ernst mit der Verschlüsselung der Leitung nahmen, wie mit dem Fakt, dass sie solche Häuser in Deutschland versteckt hielten und niemand etwas darüber wusste. Auf der anderen Seite stand ein schwarzer Spind, in dem sich Waffen befanden. Von Tränengas und kleinen Handfeuerwaffen bis zu Maschinenpistolen mit dazugehöriger Munition war alles dabei. Diese Skandinavier hatten an alles gedacht. Selbst mehrere Handys fanden sie in einer Vitrine. Robert hielt es jedoch erst mal für vernünftiger, weiterhin das Nokia zu nutzen, sollten sie darauf angewiesen sein. So hatte Julia auch ihre Eltern kontaktiert und sie gebeten, für ein paar Tage die Schwester ihres Vaters zu besuchen. Sie habe gehört, dass Tante Kathrin krank sei und die beiden sollten doch mal nach dem Rechten gucken. Was besseres ist Julia nicht eingefallen und sie hoffte, dass sie die Story schlucken würden. Familie wurde bei ihnen immer groß geschrieben und ihre Tante war eine stolze und sture Frau. Wenn sie etwas hatte, würde sie es keinem auf die Nase binden. Somit hatten ihre Eltern erst mal genug damit zu tun, die gute Frau zu betuddeln und nach zu bohren, was denn nicht stimmte.
Kleidung gab es in dem Haus natürlich auch, jedoch nur für Männer, weshalb sich Jule eine zu große Jogginghose und ein kariertes Hemd übergeworfen hatte. Einfach hinreißend, wie Robert fand. So saß sie auf der Couch und guckte Netflix. Die Auswahl war bekanntlich riesig, doch nahm man mal alles raus, in dem Waffen oder Mord und Totschlag drin vorkamen, blieb nicht mehr viel übrig. Also starrte sie auf den Fernseher und sah zu, wie Wall-E gerade die Erde aufräumte.
„Wie lange bleiben wir hier?“, fragte sie plötzlich über die Schulter hinweg .
„So lange wie nötig. Wir brauchen einen Plan und an dem arbeite ich gerade. Ich muss jedoch gestehen, dass mir nicht viel einfällt.“ Robert wirkte niedergeschlagen und die Augenringe waren deutlich zu sehen. Er hatte die ganze Nacht vor dem Computer verbracht und ist die Dateien durch gegangen. Dieser Stick war alles, was sie hatten. Alles war er gewonnen hatte, war die Erkenntnis, dass es sich bei der Frau auf den Bildern um die große Unbekannte handeln musste. Ihr hatte Nick den Stick geklaut und wenn sie irgendwas erreichen wollten, mussten sie an diese Frau ran kommen.
„Guckst du dir schon wieder diese Bilder an? So geil ist die Alte auch wieder nicht.“ Jule verdrehte die Augen.
„Es geht mir nicht um die Bilder, sondern um diese Frau. Ich denke, sie ist der Schlüssel hinter allem.“
„Wie kommst du darauf?“
„Auf dem Stick wird öfter der Name Harley genannt. Die Pillen heißen in den Staaten „HF“. Harley Felipe. Und Harley ist ein Frauenname. Ich denke also, dass Nick sich mit den falschen Leuten eingelassen hat und dabei lernte er diese Frau, Harley, kennen. Die beiden hatten offensichtlich was miteinander und dann hat er ihr diese Daten geklaut, einschließlich dem Rezept der Droge. Hier hat er das Zeug dann unter dem Namen „Happy Feet“ vertickt. Harley fand das gar nicht witzig und hat ihm diesen Typen auf den Hals gehetzt.  Ein paar ihrer Landsleute hat sie auch hinterher geschickt. Ich gehe sogar davon aus, dass sie sich selbst hier aufhält. Die Sache ist ihr extrem wichtig. Der Kerl, der erst Nick und dann Franzi getötet hat, ist ein Vollprofi. Er weiß genau was er tut. Wollen wir also zu ihr, müssen wir an ihm vorbei. Und genau das ist das Problem. Ich habe keine Ahnung, wie wir das anstellen sollen.“
„Wenn ich wüsste, dass ein anderer Kerl solche Bilder von mir hat, wäre ich auch sauer.“
„Ja, kann ich...“, Robert hatte eine Eingebung. Er bekam große Augen und scheinbar bekam sein Körper einen Schuss neue Energie. „Du hast vollkommen Recht. Wir haben was sie wollen. Was hältst du davon, wenn wir sie das wissen lassen? Wir drehen den Spieß um und stellen eigene Regeln auf. Außerdem wird es Zeit für ein paar neue Spieler auf dem Feld. Und ich weiß auch wo wir die finden. Komm mal her.“
Jule stand auf und ging zum Schreibtisch. Dann setzte sie sich auf Roberts Schoß und starrte auf den Bildschirm. Darauf war eine lange Liste mit Namen zu sehen.
„Was meinst du? Wer hat am meisten zu verlieren und kann uns was Gutes tun?“
Jule tippte mit dem Finger auf den Monitor. „Der da“, sagte sie.
„Gute Wahl. Mit dem fangen wir an.“ Er gab ihr mit einem Klaps auf den Oberschenkel zu verstehen, dass sie aufstehen soll. „Gib mir ein paar Stunden. Bis dahin empfehle ich dir „Oben“ und „Alles steht Kopf“ zu gucken.“
Jule ging wieder auf die Couch und starrte auf den Fernseher.
„Ich habe Angst, weißt du das?“, fragte sie ihn wie aus dem Nichts. „Mittlerweile nicht nur um mich. Ich sitze hier auf der Couch und gucke Kinderfilme. Ich will mein Leben zurück! Und vor allem will ich nicht, dass du dich wegen mir in Lebensgefahr bringst. Lass mich dir helfen.“ Sie schaute ihn ernst an. Irgendwas war anders an ihrem Blick. Robert wusste nicht gleich, was es war, dann ging ihm ein Licht auf.  Es war eine Entschlossenheit, die klar in ihren Augen zu sehen war. Sie war bereit für sich und auch ihn zu kämpfen. Sie hatte sogar dafür getötet. Sie tat ihm leid. Trotzdem empfand er so was wie Stolz für sie. Nicht jede Frau hätte das alles durch gestanden, ohne nervlich zusammen zu brechen. Wie sie so da saß, in dem viel zu großen Hemd und ihn ansah. Ein Ausdruck im Gesicht, als würde sie die Erde anhalten können, wenn sie es denn unbedingt wollte. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er gerade dabei war, sich in sie zu verlieben. War das richtig? Ihm war das gerade egal. Die ganze Welt war aus den Fugen geraten und wenn er sich schon schon in diesem Haus verstecken musste, dann mit ihr.
„Gib mir ein bisschen Zeit. Ich hol uns hier raus. Das verspreche ich dir.“
„Ok.“

Harley sah gerade die Nachrichten und konnte es nicht fassen. Irgend so ein Typ erklärte gerade einem Reporter, dass er Schüsse aus einer Wohnung gehört habe und diese auf einmal anfing zu brennen. Er habe seine missratenen Kinder genommen und sei aus seiner Wohnung geflüchtet. Und nun steht er da, im Hintergrund zieht noch der Qualm aus einem Fenster. Die Straße wimmelt nur so von Leuten und gerade wird eine Bahre den Weg entlang gerollt. Dann Schnitt und ein Nachrichtensprecher erklärt ihr, dass es in dieser Nacht offenbar zu einer Schießerei in der Wohnung eines Beamten gekommen sei. Drei Leichen wurden aus der Wohnung geholt. Näheres sei noch nicht bekannt. Der Beamte sei jedoch mit einer Frau aus dem Haus entkommen und wurde abgeführt. Er soll kurz vorher eine andere Frau, Franziska Meier, 25, erschossen haben. Über die Hintergründe sei noch nichts bekannt.
„Wenn dieser Kerl mit der Frau raus gekommen ist und es drei Leichen gab, konnte dies nur bedeuten, dass diese Idioten es verbockt haben“, dachte sie sich. Sie wusste, dass es besser gewesen wäre, diesen Bullen einfach umzulegen. Ob dieser jetzt in den Knast wandern würde oder nicht, war ihr scheiß egal. Sie wollte diesen Stick und keiner wusste, ob der in der Wohnung verbrannt ist oder nicht. Wahrscheinlich gab es sogar schon Kopien davon. Wenn die Bullen ihn jetzt hatten, war die Sache vorbei. Dann konnte sie einpacken. Ihr ganzes Geschäft war ruiniert und so einige Leute hatten zurecht genügend Gründe, um Ihren Kopf auf einen Pfahl zu spießen. Doch vorher würde sie den Mann zur Rede stellen, der ihr diesen ganzen Mist eingebrockt hatte. Sie öffnete Ihren Laptop und sah nach, ob Schulz online war. Da dieser jedoch nicht zu erreichen war, hinterließ sie ihm lediglich eine Nachricht.
„Kontaktieren sie mich so schnell es geht. Wir müssen reden.“
Dann schloss sie den Laptop wieder und verließ das Hotel. Sie brauchte frische Luft und musste sich erst mal über das komplette Ausmaß klar werden. Auf einmal klingelte ihr Handy. Es war Schulz. Na das ging ja schneller, als sie dachte.  Sie nahm ab.
„Soll das ein Witz sein? Sie haben gesagt, dass sie diesen Kerl aus der Rechnung nehmen. Jetzt habe ich drei tote Leute und immer noch keine Ahnung, was mit diesem verfluchten Stick ist. An den Bullen und diese kleine Hure kommen wir jetzt auf jeden Fall nicht mehr ran!“
„Jetzt halten sie mal die Luft an. Die beiden sind nie bei den Bullen angekommen. Dieser Khalil kam alleine dort an. Und das auch erst Stunden später und ohne Wagen. Ich nehme an, er hat die beiden irgendwo hingebracht. Und wenn der Stick bei den Bullen wäre, hätte ich das schon raus gefunden. Und wenn ihre drei Zinnsoldaten einfach ihren Job richtig gemacht hätten, müssten wir uns über all das gar keine Gedanken machen. Ich finde die beiden und ich finde den Stick. So langsam weckt dieser Deckert mein persönliches Interesse. Ich muss zugeben, dass ich nicht erwartet hätte, dass er die Kleine da raus holt. Jeder andere hätte sich gestellt oder wäre gleich abgehauen. Aber was sagt uns das über diesen Mann?“
„Dass er seinem verdammten Job nachgeht und sie ihn vollkommen unterschätzt haben?“ Harley war sauer. Zum einen weil Schulz recht hatte, zum anderen weil er sich erdreistet hatte, sie verantwortlich zu machen. Sie beschloss auch mit ihm kurzen Prozess zu machen, sobald das alles ein Ende hatte.
„Da mögen sie zum Teil Recht haben. Was ich allerdings meine, sind Gefühle, die über den normalen Job hinaus gehen. Kein rational denkender Mensch würde sich so in Gefahr begeben, vor allem wenn sein eigener Arsch auf dem Spiel steht.“
„Das ist ja herzzerreißend. Bringt uns aber auch kein Stück weiter. Finden sie die beiden und legen sie sie einfach um. Mir egal ob Bulle oder nicht. Und bringen sie mir den verfluchten Stick, sonst setze ich Ihren Arsch gleich mit auf die Liste!“ Damit legte sie auf. Noch eine Sekunde mehr von diesem selbstgefälligen Arschloch und ihr wäre endgültig der Kragen geplatzt.

Gegen 23 Uhr fuhr Robert endlich den Computer runter und setzte sich neben Jule auf die Couch.
„Na dann schieß mal los!“ Jule schaltete den Fernseher aus und guckte Robert voller Erwartung an.
„Ich habe ein paar Brotkrumen gestreut und warte jetzt darauf, dass sie anbeißen. Ich brauche jedoch deine Hilfe. Alleine schaffe ich das nicht. Ich weiß es ist viel verlangt, aber ich sehe einfach keinen anderen Weg.“
Robert sah noch erschöpfter aus als vorher.
„Erklärs mir, dann kann ich dir sagen, ob ich dabei bin.“
Robert erzählte ihr von seinem Plan und ihre Stirn legte sich immer mehr in Falten. Es war offensichtlich dass sie skeptisch war. Er hatte natürlich damit gerechnet und allein dass er dieses Gespräch mit ihr führen musste, führte ihm wieder vor Augen, in was für einer ausweglosen Situation sie sich befanden. Als er fertig war mit der Erläuterung seines Plans, herrschte erst mal Stille. Jule sah in die Leere und schien zu überlegen. Er rechnete damit, dass sie ihn entweder als lebensmüde bezeichnen würde oder die Beine in die Hand nahm und einfach verschwand. Nach ein paar Minuten ergriff sie dann doch das Wort.
„Ich bin dabei. Dir ist aber klar, dass das unmöglich ist?“
„Ja, aber notwendig“. Er musste grinsen. Ihm war bewusst, dass sie dieses Gespräch bereits zusammen in einem Film gesehen hatten, wusste jedoch nicht, ob sie sich daran erinnern konnte.
„Ja ja, du und deine Filme“, gab sie lächelnd zurück. „Erzähl mir lieber wo wir anfangen.“
„Bei dir.“
„Wie bei mir? Was meinst du damit?“
„So wie ich das sehe, haben wir zumindest die Zeit auf unserer Seite. Und die nutzen wir, um dir ein paar Sachen beizubringen. Du wirst keine Kampfamazone werden, aber ich kann dir zumindest ein paar Grundlagen zeigen. Das Ganze könnte hässlich werden und ich hätte gerne, dass du dich zumindest ansatzweise selbst verteidigen kannst. In der Wohnung hast du dich gut geschlagen. Darauf lässt sich aufbauen, denke ich.“
Jule sah sichtlich irritiert aus. Sie hatte keine Ahnung, was da auf sie zukam. Dann wechselte ihr Gesichtsausdruck. Da war er wieder. Dieser Blick mit dem sie Bäume ausreißen konnte.
„Nagut, wie du willst. Aber wunder dich nicht, wenn ich am Ende dir zeige wo es lang geht.“ Mit einem herausfordernden Grinsen auf den Lippen, schien sie Robert sagen zu wollen, dass sie nichts mehr umhauen konnte.
„Gut, wir fangen morgen an. Ich werde gucken ob ich dir ein paar ordentliche Sachen besorgen kann und dann werden wir ja sehen, zu was du noch so alles in der Lage bist. Ich habe mich übrigens nie dafür bedankt, was du getan hast. Ohne dich wäre ich erledigt gewesen“
„Ich schätze bis jetzt sind wir ein ganz gutes Team. Und ich habe da noch etwas, was ich dir geben wollte.“ Jule stand von der Couch auf und ging hoch ins Schlafzimmer. Nach kurzer Zeit kam sie zurück und gab Robert ein Foto. Es war das Bild von Charlie aus der Krankenakte. Sie musste es an dem Tag irgendwann eingesteckt haben.
„Danke, wirklich. Ich weiß gar nicht was ich sagen soll.“ Robert sah das Bild an und verlor sichtlich den Faden.
„Was ist damals passiert?“
„Ich war drei Jahre mit Jessica zusammen und hatte gerade den Job beim LKA angetreten. Dann wurde sie schwanger. Es war ein Wunschkind. Eigentlich das Beste, was uns hätte passieren können. Als Charlie auf die Welt kam, wurde jedoch die Diagnose Leukämie festgestellt. Die Ärzte gaben ihr eine Überlebenschance von 90%. Die Medizin und die Arten der Therapien hätten sich enorm weiter entwickelt, haben sie gesagt. Als wir bei der Dauertherapie angekommen waren, verschlechterte sich ihr Zustand radikal. Sie wäre 2 Monate später drei geworden.“ Robert hielt die ganze Zeit das Bild in der Hand und sah nicht einen Moment auf.
„Das tut mir so leid. Wie seid ihr damit klar gekommen?“
„Nachdem Charlie...“, Robert suchte nach den passenden Worten. „Danach versuchten Jessica und ich uns gegenseitig aufzubauen. Wir sagten uns, dass wir das schaffen würden. Wir hätten ja noch uns und wir müssten nur stark sein. Irgendwann würden wir damit leben können. Das taten wir auch. Irgendwie. Jeder für sich. Ich stürzte mich in die Arbeit und schrieb Texte. Jessica fing an zu trinken. Sie hatte jeden Tag eine Flasche Wein intus und weinte, als ich nach Hause kam. Ich konnte ihr nicht helfen und sie mir genauso wenig. Wir lebten nebeneinander her und suchten einen Weg über all das hinweg zu kommen. Irgendwann ist sie einfach gegangen. Ich kam nach Hause und sie war weg. Das Schlimme daran ist, dass ich auch froh war, sie nicht mehr um mich haben zu müssen. Mit Liebe hatte all das nichts mehr zu tun. Vor ein paar Monaten bekam ich einen Briefumschlag. Darin war unser Verlobungsring. Seitdem habe ich nichts mehr von ihr gehört. Mit ihr habe ich abgeschlossen. Mit Charlie sieht das anders aus. Ich sehe ihr Gesicht ständig in meinen Träumen und höre ihre Stimme in meiner Wohnung. Vielleicht ist es ganz gut, dass sie abgebrannt ist. Ich hätte längst dort ausziehen sollen. Auf jeden Fall ist das der Grund, weshalb mich Worte nicht mehr beeindrucken. Man kann vieles versprechen und sich gut zu reden. Am Ende hat das alles keinen Wert, wenn die Tat nicht folgt.“
„Das verstehe ich. Besser als du vielleicht denkst. Ich habe eine Tochter. Sie ist mittlerweile elf. Ich habe sie weggegeben. Damals war ich 15, als ich schwanger wurde und steckte mitten in meiner Ausbildung. Meine Mutter ist ausgerastet, als sie das erfuhr. Sie hat gesagt, wenn ich das Kind behalten wolle, solle ich gehen. Also gab ich es weg. Ich bekomme alle paar Monate ein Foto und ein paar Informationen darüber wie es ihr geht und was sie gerne macht. Sie sieht mittlerweile aus wie ich und malt sehr gern. Ich hätte sogar die Chance, Kontakt zu ihr aufzunehmen. Traue mich aber nicht. Ständig stelle ich mir die Frage, wie ich ihr das alles erklären soll.“
„Davon stand nichts in den Akten“, Robert war schockiert. „Das tut mir leid. Ich quatsche dich hier mit meinen Problemen voll und du hast selber deine Dämonen.“
„Das muss es nicht. Ich weiß, dass es ihr gut geht und sie ein schönes Leben führt. Vielleicht passieren Dinge einfach aus einem gewissen Grund. Ich weiß, dass hört sich abgedroschen an, aber irgendwo muss sich doch bei all dem ein Sinn verbergen.“ Sie lächelte ihn liebevoll an und streichelte seine Wange. Dabei schloss er die Augen. Ihn hatte seit langem keine Frau mehr so berührt. Nicht nur Ihre Hand auf seinem Gesicht. Auch dieses Gefühl in seinem Brustkorb, war für ihn etwas Ungewohntes.
„Das ist ein sehr schöner Gedanke. Ich hoffe ich kann mir den auch aneignen.“
Nachdem er das gesagt hatte, küsste sie ihn. Erst zurückhaltend. Als sie jedoch merkte, dass er darauf einging, wurde sie leidenschaftlicher. Plötzlich stand er auf und hob sie mit beiden Armen hoch. Sie legte ihre Arme um seinen Nacken und er trug sie die Treppe hinauf. Diesmal mit einem guten Gefühl. Ein Gefühl dass alles seine Richtigkeit hatte.

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Veröffentlicht am 17.12.2018, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 17.12.2018). Textlänge: 3.043 Wörter; dieser Text wurde bereits 74 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 12.09.2019.
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