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Die Rückkehr von Falkenauge

Satire zum Thema Familie


von Carlito

Die Sonne hatte den Zenit lange überschritten. Das Geschrei der Krähen wurde vom hypnotischen Klang von Stammestrommeln übertönt. Der Tag der Großen Zusammenkunft war gekommen. Falkenauge wurde von seinen Gefährten gerufen. Doch Falkenauge hörte sie nicht. Falkenauge war nicht er selbst. Er wanderte ruhelos in der Traumzeit umher. Falkenauge hatte seinen Pfad verloren.

Karl-Heinz lockerte seine karierte Krawatte (Karl-Heinz hasste sie), damit das Bier leichter seine Kehle durchqueren konnte. Der Gerstensaft in seinem großen Glas war mittlerweile recht warm, aber er schmeckte gut. Die Brauteltern ließen sich nicht lumpen und hatten diese Familienfeier opulent ausgestattet. Karl-Heinz nahm dankbar einen großen Schluck.
„Trink nicht so viel,“ flüsterte seine Frau Helga gereizt, die mit einem noch jungfräulichen Sektkelch in der Hand in tadelloser Haltung in ihrem blaugrauen Kostüm neben ihm stand. Karl-Heinz setzte schuldbewusst das Glas ab.
Es war ein lauer Spätsommerabend. Die Gäste waren aus allen Teilen des Landes im weitläufigen Garten der Brauteltern zusammengekommen, um die Hochzeit von Alexandra und Thomas zu feiern. Auch Karl-Heinz und Gattin Helga waren angereist, um dem frisch vermählten jungen Paar ihre Aufwartung zu machen. Die Verwandten und Freunde schwatzten und lachten, tranken und aßen und feierten ihr Beisammensein. Das frischgebackene junge Eheglück strahlte im Mittelpunkt der Familiengemeinde.
‚Wenn ihr wüsstet, was ihr noch vor euch habt,‘ dachte Karl-Heinz. Es gelang ihm einen großen Schluck Bier zu trinken, ohne dass Helga etwas davon bemerkte.
Nun bat Brautvater Horst um Ruhe, denn er wünschte eine Rede zu halten. Karl-Heinz mochte ihn – wenn er den Mund hielt. Horst gehörte zu den Menschen, die Eloquenz gern mit Geschwätzigkeit verwechselten und dieses Konzept auch konsequent auslebten.

Falkenauge verbarg sich, denn er strebte danach, im Geschnatter der Gänse das Knurren des Berglöwen zu erlauschen, der irgendwo lauern mochte. Doch hier gab es keine Berglöwen.

Horst zog sein Manuskript aus seiner rindledernen Mappe. Es mochte aus gut zwanzig Seiten im Format DIN A 4 bestehen; sie waren wahrscheinlich mit einfachem Zeilenabstand getippt. Karl-Heinz wünschte sich das restliche Bier in seinen von ein wenig Wohlstandsspeck gepolsterten Bauch, aber Gattin Helga stand zu dicht neben ihm. Der Sekt in ihrem Glas perlte geduldig.

Falkenauge wartete. Aber er schlief nicht mehr. Er lauerte. Er wachte.

Tam-tam-tam! Tam-tam-tam!

Die Menge verstummte, um den Worten des Horst zu lauschen. Einige Anwesende taten auch nur, als würden sie lauschen und labten sich weiter an geistigen Getränken. Karl-Heinz blickte kurz zur Sonne, deren bedächtig flirrende Scheibe sich langsam dem Horizont näherte. Falkenauge nahm einen großen Schluck Met, als Helga gerade nicht hinsah.
Falkenauge war bereit. So bereit, wie ein Mann nur sein konnte.

Tam-tam-tam! Tam-tam-tam!

Als der Horst seine epische Ansprache beendet hatte, war die Sonne vollständig hinter dem Horizont verschwunden und über dem Abendrot begannen die Sterne zu funkeln. Der Garten wurde nur noch von bunten Lichterketten illuminiert, deren Lampen wie angekettete Elfen um Freiheit flehten. Die Gäste applaudierten brav und erleichtert. Man wandte sich wieder anderen Genüssen zu.
Helga sah Falkenauge an, der mittlerweile einen leicht glasigen Blick hatte.
„Vielleicht sollten wir besser fahren, meinst du nicht, Karl-Heinz?“ schlug sie mit energischem Tonfall vor.
„Warum, es ist doch schön hier,“ entgegnete Karl-Heinz sichtlich entspannt.
Falkenauge wartete.
Helga sah Karl-Heinz kurz an, dann nahm sie hastig einen Schluck Sekt, den zweiten an diesem Abend. Dann nahm sie einen dritten Schluck, obwohl der Sekt nicht mehr perlte.

Tam-tam-tam! Tam-tam-tam!

Aus dem nahegelegenen Forst ertönte der Schrei einer Eule. Sie rief nach Falkenauge. Falkenauge! So wurde er ehrfürchtig von Freund und Feind genannt. Nun wurde ihm seine Pflicht bewusst, zu seinen Gefährten zurückzukehren.
„Ich muss euch nun verlassen,“ säuselte Karl-Heinz und stellte sein nunmehr leeres Bierglas auf einem der adrett karierten Gartentische ab. Dann begann Falkenauge seine Krawatte zu lösen und sein weißes Hemd auszuziehen.
„Karl-Heinz?“ flüsterte Helga mit entgeistertem Blick auf den nunmehr nackten opulent behaarten Oberkörpers ihres Ehemannes, der gerade dabei war, sich nun auch seiner Beinkleider zu entledigen. Helga nahm den vierten Schluck Sekt. Und den fünften.
„Karl… Heinz?“
Ich muss rein sein und bloß, wenn ich zu den meinen zurückkehre, dachte Falkenauge.

Tam-tam-tam! Tam-tam-tam!

Falkenauge nahm das überraschte Flüstern und Kichern der Umstehenden nicht mehr wahr, als er sich splitterfasernackt auf seinen farbig geringelten Tennislederstrümpfen (5er Pack für 7 Euro beim Discounter; erworben von Gattin Helga, die nun ihr Sektglas in einem Zug komplett leerte) auf den Weg in den würdevollen Wald machte, wo Hirsch, Hörnchen und Hase ihn mit respektvoll geneigten Häuptern begrüßen würden.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (13.01.2019)
Welche(s) "Zenith"? Das Kreuzfahrtschiff? Der Münchner Club? Der Schweizer Uhrenhersteller? Der amerikanische TV-Gerätehersteller? ...usw.?
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Carlito meinte dazu am 13.01.2019:
Da habe ich doch glatt die englische Schreibweise benutzt, ohne dass die Rechtschreibprüfung gemeckert hat. Vielen lieben Dank für den Hinweis!
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Veröffentlicht am 12.01.2019, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 13.01.2019). Textlänge: 760 Wörter; dieser Text wurde bereits 94 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 05.02.2020.
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