Eros

Text

von  juttavon

und steigt
hinab
ins Wassertief
und fällt
ins Blau
und kommt
und geht
und fällt
und steigt empor
zu deinen Lippen
die sprechend
meinen Blick
umfangen
und zeigt dir
was du kannst
in aller Lust
hinabzusteigen
und zu leuchten

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Kommentare zu diesem Text


 Habakuk (25.01.19)
Ein sehr schönes Gedicht, das durch seine Bildhaftigkeit, Sprachmusikalität und Rhythmisierung besticht. Neben der Sinnhaftigkeit sind es ja stets die gleichen Attribute, die für mich ein gutes Gedicht ausmachen.
Sehr beeindruckend und für die Klasse des Gedichts zum erheblichen Teil mitverantwortlich ist die Stilfigur „Polysyndeton“, will heißen, ein gehäuftes Auftreten von (unterschiedlichen) Konjunktionen innerhalb eines Sinnzusammenhanges. In diesem Fall die Konjunktion „und“.
Dadurch soll das Lesetempo reduziert und ein Satz oder Umstand in den Vordergrund gerückt werden. Der Einsatz kann somit verstärkend, entschleunigend, aber auch rhythmisierend wirken. In deinem Gedicht wirkt er für mich beschleunigend.
Selbstredend könnte ich dieses Stilmittel auch noch mit dem Begriff „Anapher“ belegen. Die Anapher beschreibt die einmalige oder mehrmals Wiederholung eines Wortes oder eines Satzes zu Beginn aufeinander folgender Verse, Strophen oder eben Sätze respektive Satzteile.
Die polysyndetisch eingesetzte Konjunktion „und“ als Emphase findet sich sehr oft bei Rilke.
Die Form betreffend möchte ich es bei den obigen Aussagen belassen.

Die Philosophen der Antike betrachteten Eros als jene Form der Liebe, die sinnlich, seelisch und geistig zugleich sein kann. Für Platon, besteht sie in einem Streben nach Höherem und die geistige Form der Liebe ist ihm dementsprechend die höchste. Plotin sieht in Eros gleichfalls die emporstrebende Liebe. Ein inneres Bestreben, das nicht vom Subjekt ausgeht, sondern von dem, wonach dieses strebt. Dem Eros stellt Plotin mit der Agape die herabsteigende, bedingungslose, uneigennützige, sich verschenkende Liebe gegenüber, als ein vom Subjekt ausgehendes, freies Tun, wodurch das Geringere erhöht wird. Diese Form der Liebe wird von christlichen Kirchenvätern als die höchste Form der Liebe, als die eigentliche göttliche Liebe angesehen.
Agape ist uneigennützige Liebe, ohne den anderen für seine Zwecke missbrauchen zu wollen. Agape ist die hingebende Liebe dessen, der ausschließlich das Wohl des anderen sucht; das Wort „Eros“ hingegen meint die Liebe dessen, den ein Mangel bedrückt und der nach der Vereinigung mit dem Ersehnten verlangt. Die Liebe, mit der Gott uns umgibt, entspricht der Agape.
Eros besitz große Macht. Selbst die Götter unterlagen ihr. Dem Zeus raubte er den Blitz, dem Apollo die Pfeile, Ares den Helm, Poseidon den Dreizack, Dionysos den Rebenstab, Hermes die geflügelten Schuhe und Herakles die Keule.

Ein Blick noch auf das Symbol des Wassers und der Farbe Blau.
Wasser ist als eines der vier Grundelemente der Ursprung des Lebens, aus dem alles Sein entstanden ist. Dieses Element kann für für das Sinnbild des Weiblichen und Emotionalen stehen. Aber auch für das Geistige und Unbewusste.
Die Farbe Blau hat mannigfaltige Bedeutung. Die alten Ägypter verknüpften mit Blau auch die Farbe des Wassers und damit ihre lebensspendenden Nilgottheiten. Die Chinesen sehen in dieser Farbe die Mächte des Himmels und der Unsterblichkeit. Die Inder höchste Vergeistigung und Erleuchtung.

In deinem Gedicht steckt sehr viel. Jeder muss es für sich selbst interpretieren und die Aspekte gewichten, wie sie für ihn sinnvoll erscheinen.
Zum Schluss ein persönlicher Einwurf. Was sind schon Worte, mögen sie noch so leuchten. Sehr viel und womöglich nichts. Zu viele hohle zur falschen, zu wenige gehaltvolle zur rechten Zeit! Heller leuchten allemal die Taten.

Gruß
H.

 juttavon meinte dazu am 25.01.19:
Danke für Deine Wertschätzung und den ausführlichen Kommentar.
Etwas staune ich auch über Deinen Kommentar, z.B. darüber, dass Du zu dem kleinen Text diese Menge an akademischem Wissen stellst; hoffentlich erschrickt mein kleiner Text nicht

HG Jutta
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