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Besuch im Stift

Gedankengedicht zum Thema Ausweglosigkeit/ Dilemma


von Trainee

Der Bahnsteig Neu-Isenburg. Du
rastest am Viadukt,
streifst Asche von der Leinenhose,
Taubenkot aus deinen Locken.
Und fragst dich die ganze Zeit, ob diese Pfleger
Vater wohl manchmal „vergäßen“,

scharwenzelten um dich herum und
taten scheißfreundlich.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Sätzer
Kommentar von Sätzer (25.01.2019)
Harter Tobak. Bei dem Pflegermangel wirds wohl immer mehr in die Richtung gehen. Manch Einer siedelt dann gleich ans Schwarze Meer zu den Rumänen.
LG Uwe
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Trainee meinte dazu am 25.01.2019:
Das sehe ich auch so; die ganze Auswanderei birgt zwar finanzielle Vorteile der Pflegebedürftigen, aber eben auch ein Mehr an Einsamkeit. - Final in einem Land zu leben, dessen Sprache ich nicht spreche, dessen Kultur ich kaum kenne, stelle ich mir nicht gerade prickelnd vor.
Ich finde, dass unser Pflegesystem und die aktuelle Wohnungspolitik incl. der berechenbaren Altersarmut eine Schande für unser Land sind. - Geld für Aufrüstung steht offenbar üppiger zu Verfügung ...
Vielen Dank für deinen Kommentar
Trainee
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Irma
Kommentar von Irma (25.01.2019)
Ich wundere mich auch manchmal, wenn der Kinderarzt zuerst mich begrüßt und nach dem Grund fürs Kommen fragt, anstatt sich gleich dem Kind zuzuwenden. So ähnlich scheint es LyrIch hier auch zu gehen. Als Gast wird es hofiert, es wird ihm ein perfektes Bild vorgegaukelt. Lyrich stellt dies, bezeichnenderweise erst nach dem Gehen, rückblickend in Frage. Ist der Vater in dem Pflegeheim tatsächlich gut aufgehoben, ist es tatsächlich Heim-Statt für ihn, oder wird er dort vielleicht zu wenig beachtet mit all seinen Bedürfnissen?

Hier scheint das schlechte Gewissen von LyrIch durchzukommen. Nicht nur die Frage, ob das tatsächlich ein guter Ort für den Vater ist, sondern vielleicht auch das Wissen darüber, dass ein seltener Besuch (Anreise mit der Bahn) viel zu wenig tatsächliches Kümmern bedeutet. Der Vater wird etwas unterkühlt als „Vater“ (ohne Artikel) tituliert. War es eine Art Pflichtbesuch, ein Sich-Vergewissern-Wollen über das Wohlbefinden des Vaters und zugleich ein Gewissen-Beruhigen?

Was wird von diesem Besuch mitgenommen? Nur etwas Schmutz und Asche, die man sich mit einem schnellen Handschlag von Hose und Haar streift. Am besten nicht länger rasten und darüber nachdenken, wie beschissen die ganze Situation ist. Macht betroffen. LG Irma
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Trainee antwortete darauf am 25.01.2019:
Hallo Irma,

gern schließe ich mich Lottas Meinung an: Das ist ein besonders feinfühliger und kenntnisreicher Kommentar.
Tatsächlich gibt es (mindestens) zwei Ebenen: Einerseits die deutlich gefühlte Misere der Pflege, andererseits den Wunsch, all die erhaltenen Eindrucke so schnell wie möglich abzustreifen.
Insofern lassen sich die beiden Endverse doppelbödig lesen: Denn auch die Sprecherin tat bei ihrem Besuch scheißfreundlich und scharwenzelte im Hause herum.
Beide Ebenen sollen durch die fast dürchgängige Verwendung des Diphtongs "ei" zusammengebracht werden.

Besonders beeindruckt bin ich, dass du die Distanz des LyrIchs allein durch das Fehlen eines Artikels herausgespürt hat. - Das ist schon "hohe Schule".

Herzliche Grüße
Trainee
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LottaManguetti
Kommentar von LottaManguetti (25.01.2019)
Irma hats mal wieder toll beschrieben. Danke, so kann ich mich dranhängen. ;)

Die Leerzeile vor den letzten beiden Versen - ein Hinweis darauf, dass ich diese als Vorwurf lesen soll? Immerhin: Es glückt! So fehlt mir an deren Beginn auch kein Pronomen.

Ja, das Bild, das du präsentierst ist beidseitig zu betrachten. Dem Vater (ohne Artikel mit Abstand betrachtet) könnte es nicht gut gehen, dort, wo er ist. Dem LyrIch aber gehts ebenso beschissen. Allerdings vermag es die Vertuschungsbemühungen der dortigen Pfleger (alle sind natürlich nicht so!) erkennen.Letztlich kann es ihm scheiße gehen ohne Pflegepersonal. Ist das schon ne Verbesserung?

Schönes WE!

Lotta

Kommentar geändert am 25.01.2019 um 15:51 Uhr
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Trainee schrieb daraufhin am 25.01.2019:
Liebe Lotta,

klar, leistet das Pflegepersonal in Alteneinrichtungen oft genug mehr als körperlich und seelisch zu verkraften ist.. Aufgrund der miesen Bezahlung und des Pflegenotstands sind dort aber zunehmend Aushilfskräfte auf 450,-- € -Basis beschäftigt, neben einer größeren Zahl anderer Hilfskräfte. -
Vor nicht allzu langer Zeit stellten ja die eigenen Kinder die Pflege sicher. Das ist aus verschiedenen Gründen heute nur noch sehr selten möglich.
Und daraus resultiert wiederum das schlechte Gewissen der Nachkommen, insbesondere der Töchter.

Ich wohne nun schon zum zweiten Mal in unmittelbarer Nähe einer Alteneinrichtung. Die empfangenen Eindrücke möchte ich nur allzu gern selber abstreifen ...

Seufzende Grüße
Trainee
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Kommentar von niemand (25.01.2019)
Beim Lesen habe ich eine feine, wohlerzogene Dame [hier Tochter]
vor Augen, die bei allem Unmut, bei aller Wut nicht nur auf die Pflegezustände, sondern auch auf den persönlichen Pflegefall [Vater] und letztlich auch auf sich [Schuldgefühle] immer noch nicht ihre Haltung verliert, immer noch Dame bleibt [wie anerzogen]. Als kleiner "Ausbruch" bleibt quasi dieses scheißfreundlich", was mich sogar ein wenig belustigt, weil
es so harmlos klingt, gemessen an dem inneren Aufgewühltsein,
welches ich zwischen den Zeilen erahne. LG Irene
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Trainee äußerte darauf am 25.01.2019:
Liebe Irene,
deine erfrischende Art, Lyrik zu betrachten gefällt mir wie immer.
Tatsächlich ist es letztendlich wurst, wo ein Artikel platziert wird oder eben nicht. Das sind Sprachspielereien, eine Art Sudoku für ganz "üble" Aficionados nach x-ter Überarbeitung.
Andere kriegen das ohne größere Überlegung hin, verleihen ihren Gedichten Klang und Schönheit, ohne immer (bewusst) den mühsamen Weg über den Intellekt zu gehen
Zu dieser "Sorte" zähle ich dich, meine Liebe. Und bewundere dich aufrichtig dafür. - Du kannst es sozusagen von janz alleene.

Und genauso verhält es sich mit deinen Deutungen. Die kommen aus dem Bauch heraus und sind vom Gefühl bestimmt.
Und tatsächlich ist und bleibt es die vordringliche Aufgabe der Dichter, anzurühren.

Schöne Grüße
Heidrun

Antwort geändert am 25.01.2019 um 19:20 Uhr
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niemand ergänzte dazu am 25.01.2019:
Icke hab ooch Intellekt, muss ihn abba imma erst suchen -
der kommt nich von aleene nich.
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Trainee meinte dazu am 26.01.2019:
Oh je,

da bin ick wohl ma wieda mit beede Beene innen Fettnapp jelatscht. ... tut mir Leid.
Natürlich spreche ich dir deinen Intellekt nicht ab (das wäre ja auch noch schöner!), sondern glaube einfach, dass du anders an die Lyrelei rangehst als ich.
Das meine ich völlig wertfrei.

Der Reue volle Grüße
Heidrun
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niemand meinte dazu am 26.01.2019:
Ach, was, war ja nur een Spässken, mehr nich
kein Grund also zur "Reue"!
Mit lieben Grüßen zurück, Irene
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (25.01.2019)
Hallo Trainee, das LyrIch, das auf dem Bahnsteig in Neu-Isenburg am Viadukt rastet, ist gedanklich noch auf der Durchreise und hat seinen Weg noch nicht gefunden.. Wie soll es mit den scheißfreundlichen Pflegern umgehen, die Vater möglicherweise manchmal vergessen. Das LyfrIch weiß nichts Genaues, was darauf schließen lässt, dass die Besuche im Stift selten sind. Vielleicht vergisst es selbst gelegentlich den Vater und die Verdächtigung der Pfleger ist eine Projektion. Dann wäre der Taubenkot in den Locken ein Hinweis darauf, dass sich das LyrIch beschissen fühlt.
Liebe Grüße
Ekki
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Trainee meinte dazu am 25.01.2019:
Du hast es erfasst, lieber Ekki.
Natürlich weist der Kot der Taube, die ja als Symbol des (inneren?) Friedens gilt, auf die Gefühlslage am Ende hin.
Wahrscheinlich ist dir der Schluss etwas zu deftig; aber manchmal muss es einfach sein. Das Denken bewegt sich zuweilen in anrüchigen Bereichen.

Danke für deinen Kommentar.
Trainee
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GastIltis
Kommentar von GastIltis (25.01.2019)
Hallo Trainee, dein Besuch im Stift erinnert mich an die vielen Stationen, Aufenthalte, Zugfahrten, Begebenheiten bei Robert Gernhardt. Scheinbar gegenstandslos, ohne Sinn. Und doch von einer Beobachtungsgabe, die Bände spräche, wenn sie sollte. Dein Besuch spricht sie doch. Traurig, wie abwesend. Vorausahnend? Neu-Isenburg, Worms, Günzburg?
Nein, Neu-Isenburg. LG von Gil.
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Trainee meinte dazu am 25.01.2019:
Hallo Gil,

ein Gernhardt-Fan erhält bei mir von Haus aus 10 Punkte! -
Bestimmt kennst du seine K-Gedichte?

Blickt starr auf all
de kranken Leute:
"Grüß Gott! Wie fühlen wir
uns heute?"


Aus: Frühstück im Klinikum der JWG-Universität FFM. - Könnte natürlich ebenso zu einem Altenheim passen.
Wenn ich dich an den erinnere, ist mein Leben nicht umsonst!

Und ich finde es beachtlich, dass du aus meinem "Stift" den schwarzen Humor herausgehorcht hast, der gaaanz im Hintergrund keckert ... oder besser die Absurdität, die bekanntlich an jeder Straßenecke lauert.

Liebe Grüße
Trainee

Antwort geändert am 25.01.2019 um 19:45 Uhr
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (25.01.2019)
Ob es sich hier um Ausweglosigkeit handelt ist doch die große Frage. Tatsache ist, dass alle am Projekt beteiligten, angefangen beim Gesetzgeber, über die Institutionen samt Personal, bis hin zu den Familien, kurzum, was wir Gesellschaft nennen, beteuern, vielleicht sogar glauben das Menschenmögliche zu tun. Und im Glauben, sie alle können nicht irren, darf man sich, spätestens ab den dritten Tag nach den Besuch, wieder den richtigen Themen widmen.
Ein hartes aber ehrliches Schlaglicht auf unsere soziale Wirklichkeit.
Herzliche Grüße
TT
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Trainee meinte dazu am 26.01.2019:
Genau Tasso,
der Sozialstaat und wir bewegen uns wohl in die falsche Richtung.
Das digitale Zeitalter lässt nur noch wenig Raum für Empathie.

Schönes Wochenende
Trainee
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Kommentar von Agneta (26.01.2019)
ein großes Thema, bei dem der Angehörige zuweilen verzweifelt und hilflos bleibt, Pflegende sowieso, Aber auch die Pfleger, die ihr Bestes geben jedenfalls habe ich es so erlebt bei meiner Mutter, Gott sei Dank nur 4 Monate, als ich es nicht mehr alleine machen konnte. Dennoch ist es nicht genug und jeder weiß es.
Gut und eindringlich bebildert, grade auch der Angehorige.
LG von Agneta
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Trainee meinte dazu am 26.01.2019:
Hallo Agneta,
natürlich gibt es zahlreiche gute Altenpfleger. Aber gerade diese können ihren Beruf oft nicht bis zur Verrentung ausüben.
Im Gedicht habe ich die Pflegesituation bewusst als Frage formuliert, um auch dem schlechten Gewissen des / der Angehörigen Raum zu geben.
Vielen Dank für deinen Kommentar und
herzliche Grüße
Trainee
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Trainee
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Veröffentlicht am 25.01.2019, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 25.01.2019). Textlänge: 35 Wörter; dieser Text wurde bereits 162 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 24.03.2019..
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